Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1903
- Issue
- Heft 41 (6.11.1903)
- Date
- 1903-11-06
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 41 Die Wahrheit Seite 9 Synagogengesanges einheitlich zu gestalten. Haben all die großen Musikmeister, der Kirche für die musikalische... AusZestalUlug derselben hinlänglich gesorgt, indem sie. die Kiichentonarken schufen, aus deren Basis sich der spätere Kirchenstil ausbaute, so haben unsere alten und berühmten Synagogensänger (Chasanim) nicht mindervorbereitend und fortwirkend nach dieser Richtung gearbeitet, indem sie die Liturgie (Chasonuth) des gesammten Synagogenjahres sestsetzten; nur mit dem alleinigen Unterschiede, daß die christlichen-Vorarbeiten in Noten verzeichnet, während die diesbezüglichen synagogalen Töne wie durch ein Wunder in der Tradition erbalten sind. In diesen synagogalen Traditionsgesänge ist ein Schatz' von Fori» - und. -Stilschönheit enthalten, der windig dem Kunstinhalte der Kircheutonarten gegenüber gestellt melden kann.*) Dieser Schatz müßte aber gehoben, d. h. dem Bewußtsein jedes einzelnen Cantoratskandidaten durch eingehende Studien näher gebract l werden, dann dürfte eine solch' eklatante Stilverunstaltung nicht mehr Vorkommen, daß ein Cantor in vollständiger Unkenntnis des jeweilige,» Musikbegriffes, das' Atto echod am Sabbaihnachmittag in der Weise behandelt, wie das Ilraixns ebatoäini-Recitaliv an den dre. Festen, und bei der Recitalion des letzteren wieder mit einer beneivenswerthen Ruhe in die Weise des A.tto echod sich verirrt. — Sind die Tone für die jeweilige Cantilation (nicht das Gesammtrecitariv in Noten verzeichnet, wie es ja auch vorkonunen soll) streng gefügt und dieses Tongesnge erst das musikalische Eigenthum sämmtlicher Canloren und deren Jünger geworden, dann ist die „Einheitlichkeit des Synagogengeianges" in eclatanter Weise erreicht und, wenn auch die mannigfaltigsten Änfiührungsnummern, wie I^eebo dodi, Adon olom, Keduscha, Jigdal rc. gleich den katholischen Messen von den verschiedensten Meiftenr zum Vortrage gelangen, jeooch die Eantorrecitation und der Gemei'ndegesang gesetzmäßig, so wie .es unsere Altvordern in ihren „Steigern" nieder legten, behandelt werden, so ist hiemit ein unantastbares Mittel zur einheitlichen Gestaltung des Synagogengesanges geboten. Ist dieser erste Spatenstich vollsührt, dann dürften sich auch intelligente und musikalisch vorgebildete jüdische Cantoren sind Eoniponisteu finden, die sich bis zu der anzustrebenden Höhe emporschwingen, den Kirchenchorälen gleich auch mehrstimmige Gesänge in Shnagogentonarten (d. h. mit Benützung der jeweiligen Steigerskala) zu componiren. Ans dieser Erörterung ist aber auch zu ersehen, über welche Sunune von Wissen ein Cantoratskäudipal verfügen muß, und daß es nicht einem Jeden, der nichts anderes im Leben unternehmen kann, erlaubt sei, mit dem Geleiisbriese der Selbstgenügsamkeit und Selbstgefälligkeit ausgerüstet, zum Tische des Herrn hinzurreten und den heiligen Dienst eines Canlors zu verrichten. Wenn die Cantoratskandidaten in einer behördlich geschützten Cantorenschule ihre Studienjahre ehrlich durchgemacht und bei der Schlnßprüsuug das Zeugnis der Reife von maßgebenden .Fachmännern ausgestellt erhalten, dann werden auch die löblichen Cultusbehörden zur Einsicht gelangen, daß die bis nun üblichen kärglichen Gehälter in keinem Verhältnisse zu den vorausgegangen.n Studien, wie zu den zu erwartenden künstlerischen und fachmänntschen Leistungen der auzustcllenden Cantoren stehen, und dann wird auch für die jüdischen Cantoren endlich der befreiende Tag heralldänunern, der es ihnen ermöglichen wird, in der menschlichen Gesellschaft würdig zu leben und zu wirken. Eingesendet. Geehrter Herr Redakteur! Unter der Ueberschrist „Das Hüttenfest- -findet sich in Ihrem geschätzten Blatte vom 9. Oktober v. I; eine vöu Herrn Dr. L. Hirsch verfaßte Betrachtung über das SukIöthseft. Die ethischen Lehren, welche der Verfasser des Artikels folgert, lesen : ,*)f 3Ber hierüber Näheres erfahren will, der lese die einschlägige -Stichke „Die Synagogentoünrten" (Steiger) von Obeikantör Jos: Singer, Wien. Verlag Wetzstr. sich ja recht angenehm, aber eine der Grundlagen, auf welche» er diese Lehren stützt, respektive eine die Laubhütte selbst betreffende Bestimmung ist falsch zitiert und falsch aufgefaßt.*) Der Autor des Aufsatzes schreibt nämlich, die Vorschrift für das Eindringen der Tageshelle durch das Dach der Festhütte laute folgendermaßen: „chamoaoh meruboh mizzilusoh“, ,,das Sonnenlicht muß überwiegen gegen den Schatten." Er wiederholt'diese Bestimmung und zeigt damit, daß ei» Schreibfehler, also auch ein Druckfehler ansgeschloffeu ist, was übrigens auch aus den daran geknüpften Moralsätzen klar erhellt. Hätte Herr Dr. Hirsch sich der Mühe unterzogen, wenn auch nur im kurzgesaßten Ritual-Codex odom“, die Paragrafe über den Bau der Festhütte durchzulesen, so hätte er erfahren, daß der Codex gerade das Gegenteil anordnet, und zwar : „Die Festhütie darf durch die Bedachung hindurch nur so viel Sonnenlicht empfangen, daß der Schatten im Jnnenraum überwieg'e." In einer religionsöden Zeit, wie die unserige, in der ein großer Teil der Glaubensgeno>'en die Religionsgebräuche verlernt hat, eine noch größere Zahl sie gar nicht kennt, dafür aber auf allen anderen Gebieten eher Bescheid weiß, wo ferner nur ein geringer Teil den religiösen Zeremonien nachlebt und von diesen Wenigen, außer den Bernsspersonen, nur eine kleine Selekta in der Lage ist, sich im Urtexte einen Paragrafen nachzulesen, um etwa Vergessenes im Gedächtnisse wieder auszusrischen; in einer solchen Zeit dürfte man nicht noch mit einem der Allgemeinheit zugänglichen Artikel im jüdischen Publikum durch unrichtige Darstellnllg Verwirrungen Hervorrufen. Diese wohlmeinende Erwägpng veranlaßt mich, den obbezeichnelen Punkt aus diesem Wege richtig zu stellen. Es wäre nicht zu verwundern, wenn die verkehrten Darstellungen des Stoffes durch den Autor in einem so verbreiteten und vielgelesenen Blatte auch praktische Folgen nach sich zögen. Denn, wie wir eben erörterten, nicht jeder Leser vermag oder braucht die Richtigkeit der Citate und deren Folgerungen zu prüfen, sondern, wie es häufig vorzukommen pflegt, erbewahrt sie im Gedächtnis und bringt sie dann gelegentlich bona fide falsch zur Anwendung. Deshalb erlaube ich mir, den Herrn Verfasser aus den Zuruf unserer alten Weisen aufmerksam zu machen: „hiaoharu bediwrechem“, „habet Acht auf Eure Worte!" _ Fischer. Verschiedene Nachrichten. xfftcti. Die am Donnerstag den 29. October stattgehabte Wahl im theologischen Verein der Hörer an der isr. theol. Lehranstalt in Wien hatte folgendes Ergebnis: Gustav Sicher, Präsident; Victor Kurrein, Vicepräsident; Heinrich Alperin, Cafsier; Arnold Frankfurter, I. Schriftführer; Heinrich Schrenger, II. Schriftführer: Samuel Arje, Jsak Alkalay, Johann Stößler, Ausschußmitglieder. Men. Im literarischen Geselligkeitsvereine jüdischer Mädchen „Moria" hat a»n 1. d. M. die Plenarversammlung mit Neuwahl statt» gesunden, die folgendes Resultat ergab: Frl. Bertha Herrmann, Präsidentin' Frl.. Blanka Westreich, Vicepräsidentin; Frl. Henriette Sternberg, Caffierin; Frl. Helene Pasternak, I. Schriftführerin, Frl. Caroline Kärgel. II. Schriftführerin; Frl. Regine Kammer, Bibliothekarin Frl. Rosa Fleischer und Rosa Horowitz, ohne besondere Funktion Frl. Laura Fleischer und Gisela Atlas, Eriatzmitalieder. Särumtkche Zuschriften sind an die Adresse der Präsidentin, VIlk. Josefstädterstraße. 9, zu richten. 2öien Sonntag, den 15. November V* 3 Uhr nachmittags findet im Leopoldstädter Tempel die Trauung deS Fräulein Elsa Schweinburg, Tochter des. langjährigen Tempeldieners am Leopoldstädter Tempel, Herrn Salömon Schweinburg) mit Herrn Alfred Spitzer'statt. Mich der bereits vor Jahren verstorbene Vater des Bräutigams war ein Ange» stellter der "Wiener. Cultuszemeinde. Hostk. Für die hiesige Cultusgemeinde wurde Herr Obercmitor Quittner aus Janoshaza acceptirt und. hat derselbe, bereits sein Amt angctreten. . ' - Z!agy Krirrizsa Fräulein Bertha Rothschild, eine Enkelin des hier allaeuiein beliebten und geachteten Cantor Goldmann, hat fich mit He^rn Schwarz Lajos, Kaufmann aus Fiume, verlobt. * *^§ine zweite ist äls^Drückfehler deklariert.