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Die Wahrheit · 1903-11-06 · Heft 41 (6.11.1903) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1903
Issue
Heft 41 (6.11.1903)
Date
1903-11-06
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Rrdaction imb Administration: Wie»», II/,. Novaragasse 27 K. k. östcrr. No rivarcasta ' Svkck-Como Nr. 846.251 Inserate 20 Heller per Nonparetlle-Zeile. Abonnements, und Jnieralion»- beriäge sind in Wien zahlbar und klagbar. Zeitschrift ftr Mische InLere^en. Erscheint jeden Freitag. Motto: „Das Sieg«! Gott«!« int Wahrheit!“ Serngsprei»' Ganzjährig. ... St 12.— Halbjährig . . . . St. 6.— Für CultuSbeamte: 1 Ganzjährig, ... ft 10.— | Für Ausland: Ganzjährtg . . . 8 Mark. 6 Rubel ott 16 Fe» Nr. 41 Men, 6. November 1963. Anhalt: Prager Briefe. — Wie schützen wir. unsere Ehre und Existenz? — Zur Hebung des Tempelbesuches. — Die Kolonisation Palästinas. — Eingeiendet. — Verschiedene Nachrichten — Aachliche Vorbildung jüd'scher Cantoratskandidaten. Prager Briefe. Warum wollen die Juden deutscher als die Deutschen und tschechischer als die Tschechen sein? Diese Frage drängte sich mir aus, als ich dieser Tage in einem Berichte aus. der Schulkommission des böhmische» Landtages las, daß die evangelische» Schulen um eine Erhöhung der ihnen bisher vom Landtage bewilligten Subvention angesucht haben.'- Warum haben die Protestanten ihre eigenen Schulen, warum nicht auch die Inden? Zn den deutschen Gegenden des LandO existiert nicht eine einzige jüdische Schule, in rein deutschen Städten hat es überhaupt nm ausnahmsweise solche gegeben, und nach dem Jahre 18->8, als das neue Schulgesetz in Krasl trat, wurden auch die wenigen, die vorhanden warenwie z. B. in Prag,' ausgelassen. In den tschechischen Gegenden hingegen, wö das Gros der Zndenschast vordem wohnte, waren früher fast in allen Gemeinden jüdische Schulen, aber auch diese wurden nach und nach über Drängen Lines jüdisch-tschechischen Vereines in Prag ausgelassen, obgleich dadurch für viele jüdische Eltern eine große Kalamität entstand, indem ihre Kinder nicht ineor Gelegenheit hatten, die deutsche Sprache/ die für das Forikommen der Juden uiembehrlich ist, zu erlernen. Selbst die Umwandlung der jüsisch-oeutschen in jüdisch-tschechische Schulen, wo die Kinder wenigstens mehr Religion lernen konnten, genügte dem genannten Vereine nicht. Durch Drohungen und, wo solche bei den betreffenden Kultus' voiständen nicht verfingen, durch Anrufung der tschechischen Slaoiveriretungen brachte mau es dahin dag auch die jüdisch-tschechischen Schulen aufgelassen wurden und die Kinder nunmehr alle die öffentlichen tschechischen Schulen besuchen. Da die Zahl der jüdischen Schüler an solchen Schulen oft eine sehr geringe ist, wie in den Dörfern und kleinen Städtchen, so .ist für den jüdischen Religionsunterricht nur in höchst ungenügender Weise, ooer oft gar nicht gesorgt. Solange aber jüdische Schuten in den größeren Ortschaften, wo jüdische Gemeinden, waren, bestanden, haben auch die jüdischen Dorfbewohner alles Mögliche getan, um ihre Kinder in die jüdische Schnee schicken zu können. Fragt man nach dem Gründe dieses Stürmens und Wütens gegen die'jüdischen Schulen, so heiA es auf der einen Seite: die ^jüdischen Deutschen"' müssen gcknz als Deutsche sich geben und dürfen in' keiner Weise von den chiistkiche» Deutschen sich avsonderlt, und auf der anderen Seite wirddieses Prinzip von ^M^jMsDn' 'Tschechen*'' inst' noch viel größerem Fanatismus ' dersolgt^ DM' Wähl, die Hüknnsi der' Ätiiöer iuiöufce£.; Indentmns werden prersgegeben, um als makellose nationale Tschechen dazustehen. Sind denn aber die evangelischen Deutschen und Tschechen zum mindesten nicht eben solch' gute nationale Deutsche und Tschechen wie die jüdischen Deutschen, bezw. Tschechen? Und dennoch baden sie ihre eigenen konfessionellen Schnten, und niemand nimmt Anstoß daran, niemand zieht deswegen ihr nationales Bewußtsein in Zweifel! In Prag selbst besteht eine deutsch-evangelische Knaben- und Mädchen-Volks- und Bürgerschule, welche sehr prosperiert, da sie von mehr jüdischen als eoangelischen Kindern besucht w rd, und die Inden jährlich um 40 Perzent mehr Schulgeld als die Eoangelischen zahlen. Die Zahl der Juden in Prag und Vororten ist zum mindesten zehnmal so 'groß, als die der Protestanten, und doch haben diese ihre eigene Schule, die Inden abernicht. Schwächen aber die Evangelischen durch ihre eigene Schule die Stelluilg des Deutschtums in Prag (weil dadurch weniger deutsche Kinder die öffentlichen Schule» besuchen), warum nehmen sie dann die erste Stelle unter den Deutschen in Prag ein, warum stehen sie allenthalben an der Spitze und werden für den Kern des Deutschtums in Prag gehalten? Der Leiter der deutsch-evangelischen Schule, Pfarrer Z lcheri. nimmt auch eine leitende Stelle unter den Prager Deutschen ein. Es hat ihn gewiß noch n:emand gefragt, warum denn die evangelische Gemeinde ihre eigene Schule hak und warnm'die dentich-eoangel scheu Eltern nicht ihre Kinder in die össentlichen Schulen ichicken, um das Deutschtum zu stärken. Und doch könnte» d-e Protestanten, ohne ihre konfessionlllen Interessen zu gefährden, dies viel eher tun als die Juden. Wohl ui die iilterkoitseisioaelle Schale in Oesterreich in Wrhrheit katholisch, aber immerhin bildet katholisch keinen solchen Gegensatz zu evangelisch als zu jüdisch. Katholiken und Protestanten sind Christe>r und haben auch den Sonntag und die meisten Feiertage gemeinsam, was in der Schule von großer. Bedeutung ist. In Prag besteht auch ein deutsches Mädchen-Lic u n, das zwar eine Privatanstalt ist, aber das OessenrUchkeirsrecht und den Charakter einer Mittelichule besitzt und auch eine LiaatSsubvention erhält. Auch diese Lehranstalt w rd iw w tau « über, wiegender Zahl ' vielleicht */.. - von jüdischen Mädchen besucht. Una dennoch ist keine einzige jüdische Lehrkraft an dieser Anstalt i» fixer Anstellung, ja außer dem jüdischen Religionslehrer unterrichtet do t nur noch eiu Jnde, uip zwar ein t. k. GH amasialproi essor >n der Gymnasialabteilung. der vom

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