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Die Wahrheit · 1903-10-30 · Heft 40 (30.10.1903) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1903
Issue
Heft 40 (30.10.1903)
Date
1903-10-30
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite H Die kvahrhett. . Nr. 40 20, .70, 100, 200 Familien seßhaft zu machen, ihnen den richtigen Hinweis für ihreThäiigkeit zu geben und -diejenigenKulturarten zu bezeichnen, welche Erfolg verheißen. . Da wir über-, zeugt find, daß wir an einem Wendepunkte der Kolonisation angelangt sind, daß wir vor der Möglichkeit stehen, landwirtschasiliche Kolonisation in Palästina in großem Stiele weiter zu betreiben, daß wir, falls uns reichere Mittel zufließen- Tau» sende unserer Glaubensgenossen dort ansiedeln können, darum haben wir den Muth, Sie üm Ihre Unterstützürrg anzugehen bei dem Bemühen, unsere Einnahmen zu steigern. J«r Hebung des Tempeldeluches. In dem unter obigem Titel in vorige Nummer dieses Blattes.veröffentlichten Artikel schrieb Herr St—g die Schuld des schwachen Tempelbesuches den nicht genügend qualificirten Cantoren zu und meinte, daß nur ein musikalisch, resp. semi' nariftisch gebildeter Obercäntor durch feine Gesangsleistungen den Tempelbesuch fördern könne. Zn Wirklichkeit verhält es sich aber nicht so; denn in sehr vielen Städten und Großgemeinden Oesterreichs wirke» vorzüglich geschulte Obercantoren mit Chor upd Orgel, und dennoch finden sich durchs ganze Jahr an Sahbathen kaum mehr als 10 Personen zum-Gottesdienste ein. Schreiber dieser Zeilen war vor einiger Zeit in einer bedeutenden EusirSgememde Oesterreichs, wo zufällig ein gut geschulter Cantor seinen Probevortrag hielt. Die Vorstandsmitglieder würden schriftlich zum Gottesdienste eingeladen, und am Freitag abends war der Tempel auch ziemlich stark besucht; allein, obwohl der Cantor allgemeinen Beifall erntete und auch später aeceptirt wurde, war Samstag früh und Vormittag das Gotteshaus nur mehr sehr schwach beseht und Mincha und Maariw konnten wegen MangA an Minjan üderhaupt nicht abgehalten werden. So sieht der Tempelbesuch in einer Gemeinde aus, wo ein tüchtiger Rabbiner wirkt und der .Gottesdienst von einem geschütten" Obercäntor mit Chor und Orgel abgeh alten wird. Der Krebsschaden liegt ganz einfach in dem Jndifferentismus des Judenthums. Dort, wo der Jude nicht das Bedürfnis fühlt, wenigstens einmal wöchentlich in den Tempel zn gehen, um seine Andacht zu verrichten, dort können die größten Künstler fungiren und die Tempel werden immer leerstehen. Hingegen in solchen Gemeinden, wo der jüdische Glaube hoch-. gehalten wird, dort finden sich viele Andächtige zum Gottesdienste ein, selbst wenn kein seminaristisch gebildeter Obercäntor und nur ein zeitgemäßer Vorbeter wirkt. Angesichts dieser Thatsachen würde mit. der Errichtung einer Cantorenausbildungs-Abtheilung am Seminar nur wenig oder gar nicht geholfen sein. Nun möchte ich mir aber noch die Frage an Herrn St^-g erlauben, woher er denn, wenn er eine so große Antipathie gegen die aus Ungarn oder Galizien kommenden Eäntoren hegt (dies ist ja aus seinen Zeilen ersichtlich), in Oesterreich das Material für tüchtige Obercantoren hernehmen will? Etwa aus Rieder-Oesterreich, Mähren, Schlesien, Böhmen u. s. w., wo die Jugend kaum richtig hebräisch lesen lernt? Die meisten Obercantoren von Wien, Brünn, Prag, Linz, Troppau, Olmütz, Mnhr.-Östrau, Karlsbad, Bade» rc. sind aus Ungarn und Galizien. Sind dies etwa eingebildete und unmusikalische Dbercantoreu?*) In der Schlußfolgerung des Herrn St., daß die Gemeinden dann nicht gezwungen wären, eingebildete und unmusikalische Obercantoren zu engagieren, wenn eine Eantoren- Lusbilduugsabtheilung errichtet würde, erblicke ich geradezu eine schwere Beleidigung des ganzen Cantorenstandes. Adolf Braunseld-Holleschau. Der geehrte Einsender Hat den Artikel „Zur Hebung des Tempelbesuches*, wie es scheint, nicht aufmerksam gelesen und darum auch falsch aüfgefaßt. Wir kennen Herrn St—g sehr *) Dies hat Herr St—g keineswegs behauptet. (Die Red.) getwü und wissen, daß. ihn keineswegs Antipathie gegen, die Cantoren aus Ungarn oder Galizien -(was wir. übrigens aus dem Artikel nicht herauszulesen im Stande Awaren), sondern nur die hohe Auffassung öoiu der Bedeutung des. cantorale» Berufes zu seinen Ausführungen in voriger Nummer veranlaßten. Und aus diesem Grunde konnten, wir in.denselben absolut keine Beleidigung des Cantorenstandes erblicken, sondern sind vielmehr der Anschauung, daß man Männern, die durch den Hinweis, auf off'ttbär bestehende Uebelstände ein warmes Interesse für cantorale Fragen bekunden, nur zu Dayk verpflichtet ist... - Im Uebrigen verweisen wir auf, die vom rein fachmännischen Standpunkte vertretenen Ausführungen übea. dieses Thema in der dieswöchentlichen Nummer der Oesterr.-ungar. Cantoren-.Zeitung. , . Die Nedgktion. . Jüdische Äeytr im Morgenlaudr. In seinem kürzlich erschienenen'Werker „Medizin/ Aberglaube und Geschlechtsleben in der Türkei" erwähnt Bernhard Stern, wie im Orient des Mittelalters die Inden in. der medizinischen Welt einen hervorragenden Platz eingenommen und zeitweise hie und da die medizinische. Praxis überhaupt gauz'allein in Händen gehabt haben. So fungirte zum Beispiel zu Ende des XII. Jahrhunderts der Jude Jbn. Dschenm Nathanicl als Arzt des -Sultans Ssalaeddin. Jbn Dschenm war ein großer Gelehrter und Schriftsteller, der sich besonders der reinsten Sprache befleißigte. Seinen Ruhm begrüridete die Rettung eines Scheintoten, den er als solchen erkannte, als er auf der Bahre voröeigetrag'en wurde. Ein anderer Nathan ist mit dem vollen arabischen Namen: Ebul Berekat Hebetallah ben Ali ben Melka el Beldi und mit dem Beinamen »der Einzige seiner Zeit", lebte um die Mitte des XU. Jahrhunderts, beschrieb einen-Kommentar zu dem Buche Kohelet, - welcher noch jetzt als Meisterwerk der hebräischen Sprache und Philosophie anerkannt ist. Er verfaßte ferner ein Werk, betitelt ^Motebire" „Das Geachtete", in dem-er Mathematik, Logik und Naturgeschichte zusammentrug. Hammer-Pnrgstall nennt dieses Werk eines der schönsten Bücher, das die ganze Philosophie umfaßt. So oft ein Seldschukensnltan erkrankte, berief man zu ihm den ^Einzigen stiller Zeit* aus Bagdad, der stets Heilerfolge erzielte und reich beschenkt heimkehrte. Seine Kollegen neideten ihm sein Glück und einer münzte aus ihn die folgenden Spottverse: ' < V Unser jüdischer Doktor ist so dumm, . Besser wäre es, er wäre stumm, - Doch er bellet, wie der Hund am Miste, , Hätte er, ach, verlassen nie die Wüste! Nathanicl wurde später Moslem, seine Kinder aber folgten ihm nicht, sondern blieben Juden und sagten sich vom Vater los. Vereinsamterblindet und taub starb. der berühmte Apostat im Alter von 80 Jahren. Wie er Arzt wurde, wird in folgender Anekdote aufbewahrt: Der berühmte medizinische Lehrer Ebul -Hassan ben Hebetallah ben. El Hosein hatte viele Schüler, wollte aber unter ihnen keinen Juden dulden. Um feine Vorlesungen trotzdem hören zu können, vermietete sich Ebul Berekat als Diener beim Türhüter des genannten Gelehrten; er erhielt seinen Platz im Vorsaale des Lehrzimmers,, so daß er wenigstens von Ferne die Kollegien zu hören Gelegenheit hatte^ Eines Tages, als ein wissenschaftlicher Streit im Saale hoch ging, erbat der jüdische Diener die Erlaubnis, ihn zu schlichten. Lächelnd gewährte Ebul Hassan die Bitte, wurde aber von der . Antwort so überrascht, daß er dem Juden gestattete, den | Kollegien fortan im Saale selbst beizuwohnen. : ’ - Der role Lerg. . - Erzählung von D. H er sch, Znaim. ' Wann die ersten Juden sich in Gewitsch (Mähren) an- ' geesidelt haben, ist in tiefes Dunkel gehüllt. i

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