Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1903
- Issue
- Heft 40 (30.10.1903)
- Date
- 1903-10-30
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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t)ic Ü)ührheÜ. Nr. 40. Citrouc, Lei Seilt: gel»>o»frr'. Mit Weib und Kind wird der Bedanenrswerthe vor die Thüre gesetzt, er■: muß beit Wanderstab -in die Hand nehmen, und der liebe Himmel mag für sein weiteres Fortkommen sorgen. So wirb die Altersversorgung in den melsten jüdischen Cnltusgemeinden verstanden und grausam geübt. - Ist «s unter solchen Verhältnissen zu verwundern, wenn allgemein über Mangel an einem'aüchng'geschulten und genügend ' vorgebildeten Nachwuchs für jüdische Cultusbeamteii geklagt wird. Wer darf es mit ruhigem Gewissen wagen, sein Kind einem so nustäten, materiell und social so schlecht gestellten Lebensberufe zu widmen, auf daß es nach jahrelanger Mühe und Arbeit unter der , Last der Euttänschungen und bitteren Erfahrungeu zusammenbreche? Ein für das Wohl ver Seinen aufrichtig bedachter jüdischer Familienvater wird dies niemals, oder nur durch die äusteaste Noch gezwungen thun, und so drängt sich an den Berns, dcm Rcligioit und Jugenderziehung, anvertraut sind, besonders in den kleinen jüdischen Gemeinwesen jene große Masse der Schiffbrüchigen aus allen möglichen Kreisen heran, die nichts zü verlieren und nichts zu gewinnen hat und nur über die Noth des Augenblicks hinwegkommen will. Derartige Zustände gereichen dem Jndenlhum nicht nur nicht zur Ehre, foiibern sie bring m ihm auch großen dauernden Schaden, und darum ist die Gesammtheit verpflichtet, auf-baldig- Abhilfe zu sinnen. Was die einzelne, kleine Gemeinde vermöge ihrer geringen materiellen Mittel nicht zu Stande, bringt, das muß der „Gemeindebund" bezwingen. Seine Aufgabe ist es, durch Gründung ton Gemejndeverbaudscassen oder ähnliche Mittel die materielle Lage der jüdischen Cultusbeamten zu verbessern, ihnen rie Sorge für die Zukunft zu erleichtern und durch Errichtung von Curfen für Cantoreu und Religionslehrer an den best« henden Rabbinerseminarien einen tüchtigen, der hohen Bedeutung seines Amtes wür.igen Nachwuchs heranzubilden. Eine t.roße schwierige Aufgabe, die viele materielle und persönliche Opler erfordert, abrr es ist auch schon die, höckste Zeit, daß d eülde mit Ernst und-Energie aufgenoinmen wird, und zu ihrer Lösung ist in erst.»* Reihe der „Allgemeine österreichisch-israeluiiche Bund" berufen und verpflichtet. Mancher vorbereitende Schritt ist ja nach dieser Richtung bereits ge'chehen, und im Laufe der Zähre haben wir ein reiches statistisches Materiale gesammelt, das wir dem Bunde gerne zur Verfügung stellen. Jüdische Äolonisatio» in PaMina. Seit dem letzten -Baseler Congreß, der mit seinem Ostafrika Projekt viele Gemüchcr so sehr errege, hat das Thema der jüdischen Kolönialpolttik. mehr denn je an Actualität ge- Wonnen, und die weitesten Kreise des Judenihums fangen an. am demselben ein hervorragendes Julerrsse . zu nehmen. Ans diesem Grunde - dürfte .auch unseren Lesern ein. ausführlicher .Bericht, den Herr Wjlly Bamhns in einer jüngst abgehaltenen Versammlnng des Bei eines „Gsr a" über die Thätigkeit dieses Vereines erstattete, derzeit besonders Willkomm *n sein, da allgemein das Streb n dahin geht, sich darüber klar zu werden, was rnau von den bereits bestehenden Jüdischen Kolonien in Palästina zu - erwarten Hat,, und ob sie als Maßstab für spätere Projekte gelten können Der-Verein „Esra", so sagte Herr Bambus, ist ein Ar beitsgebiet, auf dem die verschiedenstenGruppem sich berhätigen können, Wir wollen die Kolonisation Palästinas und Syriens töldern — so lautet nnsere statutarisch bezeichnete Ausgabe. Wir . ba.beu. bisher nur Gelegenheit gehabt, für die Kolomsation Priästinas einzirtreten.. die wir ausschließlich vorr dem Dtand- P-r.ikte der Wohlrhätigkeit aus, unterstützen. Deswegen können ji d beüuns Anschauurrgen jeder Art vereinigen. Sie Haben in dem früheren Referat-X viel, von den Anschauurrgen der zionistrschen Pa »ei und ,der Mitglieder der verschiedenen Richtungen, welche es innerhalb derselben-gibt, gehört. Gestatten Sie mir irün, daraus hinznweisen, daß-die sehr große Anzahl von Glaubens: genossen, welche den zionistischen Standpunkt nicht theilen, ebenso eifrig. du ^der: Koloilisatidtl Palästirras Mitarbeitenkann. uiu t hat sächlich milarbeitet. ' ‘ -> ■ Die Roth im Olten ist eine große'; es. erübkigt sich, das im Einzelnen darzulegen. Wenige Nameir genügen .' Kischinew und Homel in Rußland, das Elend in Galizien, das Elend in Rumänien. Dieser vielfältige Jammer bildet ausreichende Begründung, weshalb wir der Ansicht sind," daß ein großer Theil unserer östlichen Glaubensg-'nossett in den Ländern, in denen' sie gegenwärtig leben, aus die Dauer nicht bleiben kgnn. Findet aber eine Auswanderung statt, so liegt es nahe, sie nach Kräften dorthin zu lenken, wo es möglich Jft, den einzelnen Personen^ den Gruppen eine dauernde Eristenz? zu verschäffen. Es giebl vielerlei Kolonisationsgebiete: wir haben jüdische Kolonisation in Nordamerika. wir haben sie in den letzten Jahrzehnten entstehen Zehen irr Argentinien, in Kanada, kürzlich in Anatolien. Ich stehe nicht auf dem Standpunkte. daß wir Inden irgend eia Kolonisationsgebiel vernachlässigen dürfen, Wo es möglich ist, gegenwärtig den Nolhleidenden/unseren Brüdern, ein Obdach und sicheren Erwerb zu schaffen. , Aber wir, die wir' heute hier vereinigt sind, haben Palästina als unser besonderes Arbeitsfeld gewählt, deswegen, weil wir überzeugt sind, daß , es das dafür geeignelste ist. Palästina bietet wirthschastliche und ideale Bortheile. Wir sind noch nicht in der Lage gewesen, Answanderer aus Rußland oder anderswoher nach dem heiligen Lande zu schicken, weil unsere Brüder aus dem Osten, wenn es ihnen möglich.ist, von. selbst dorthin gehen, und wir vollauf.zu 'thun haben, denen, die im Lande sind, Hilfe zu lersten. Darum sind auch die Worte Jnsilträtron, .Einwanderungs Verbot ^c. nur C-chlagworte gewesen. . Ebensowenig brauchen wir es als eine Gefahr zu betrachren, daß in außerordentlich kleinem Mäßstabe Land in Palästina in die Hände von Nichtjuden kommt. Wem» die deutschen Templer in zwanzig'Jahren dazu gekommen sind, eine Kolonie anz »legen; wenn die deutschen Katholiken n»»1er dem Einflüsse Windihorst's im Laufe von Zwei Jahrrehnten mir ein kleines Stück Land am beviaäiee aiifaitfeir ■ foiiiitimV. ‘ >iiuh ist die Noch nicht so erheblichdaß Paläst-na in abiebbarer Zeit in andere Hände kommt. Seitdem die Jewish Cplonizätion Association die Reorg.u.isaiion du* Rolvschild'icheir Kolonien übernommen hat, sind Jahr für Jahr erhebliche Strecken angekauft worden; im gegenwärtigen Moment sind neue Unterhandlangen über Landankaus an geknüpft/ nub noch in keinem Jahre haben sich He Chikänen der türkischen R.-gierungsbeamten wirkiam genug erwiesen, um den Erwerb großer Terrains zu verhindern. . Wenn wir nun davon äbsehen, erhebt sich di weitere Frage: können die Kolonieen, die wir gründen wollen, lebens« sähhlg sein? Sie haben in früheren Jahren und auch heute tvieder viel' von der Krise gehört. Ich möchte Ihnen sagen, daß das wichtigste Moment, das zu einer solche» Krise geführt hat dasjenige gewesen ist, daß vor zwanzig und vor zehn Jahren Brüder aus dem Osten planos und rathlos nach Palästma gekommen sind und. gekauft h eben, was sie fanden, und besiedelt, was sich bot, ohne Rücksicht auf d e Rathschläge von Fächleaten, ohire Rücksicht darauf, ob das Land für die Kultur geeignet und ob für die Produkte irgend einer Kultur Absatz in Palästinaselbst oder auf dem Weltmärkte zu finden ist. Darum hat es großer Mühe bedurft, bis man für jedes einzelire Dorf dasje»»ige Produkt fand, das dort am beiten gedeihen konnte und das auf dem Weltmärkte oder im Lande selbst abgesetzt toerben konnte. Wenn heule die Krisis überewnnden ist, so liegt das zum gNt>n The't einfach an der Dauer der Zeit. Weil sich vierfach* der Boden, den unsere Kolonisten selbständig, ohne Bevormundung durch die Administration gekauft halten, zum Getreidebau r.ichl eignete, war es nöthwendiz. Kulturen anzulegen, die e ne erhebliche Zeit , lo-dern, Weinbau. Oltvenpflanzungeu rc. Noch, erheblich langerc Zeit dauerte cs, bis der Absatz gefunden wurde. Jetzt ist der A bzgtz des Weines gesichert; Das Getreide wird um Jünlande selbil abgesetzt. Wir haben aber eine ganze Reibe von and rui Anpflänzungen, -die allmählich crtragsfähig werden und .verheißen,