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Die Wahrheit · 1903-10-30 · Heft 40 (30.10.1903) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1903
Issue
Heft 40 (30.10.1903)
Date
1903-10-30
Page
– (sequence 3)
Language
German
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ahrcheit RÄäction und Administrativ i: Wien, ll/i- Növäragaffe 27 ''' 8. t: österr. Do,tsvarcäffa "«ffeck-LontvAt. 846i251' Ä^Heller perMonpäreille-Zelle. - Mouneinrilts» und Jnserationsb«träge M8\ in Wien zahlbar und klagbar. itfchrift für MWe Lereren. Erscheint jeden Freitag. Aatto: ,^vu» Sisxsl ktotts» ist ^ksdrüsit!" Aeptgsprris: Ganzjährig. , . . L 1L— Halbjährig . . . . S. S- Für LultuSbeamte: Ganzjährig.... St. 10.— Für Ausland r Ganzjährig . . . 8 Mark. 6 Rubel oder 16 Fest 1:1; Wien, 30. Oktober 1903. - Anvailt-r Die Aufgaben des allgemeinen österreichisch-israel. Bundes. — Jüdische Kolonisation in Palästina. — Zur Hebung de- Tempelbesuche-.;; ) Jüdische Aerzte im Morgenlande. — Der rote Berg. — Verschiedene Nachrichten. — Literatur. — Aufruf. — Fachliche Vorbildung jüdischer CäntoraMandidaten. Die Aufgaben Leo allgemeinen österreichisch- -» r israel. Sundes. -- r. - vor einigen Jahren im. Sitznngssaale der Wiener Cnl/nsgenieinde Delegirte aus allen Kronländern und Vertreter ^'dU^eMMgendsten-jüdischen Vereine der Reichshauptstadt sich äö^iMti1111r 11 hg des „Allgemeinen österreichisch-israelitischen Bundes" glaubte man sich der Hoffnung hingebenzn dürfen, daß endlich auch in Oesterreich eine Institution WDbaffen fei; die alte religiösen und provinziellen Schattirungen M österreichischen Judenthums umfassend, bei der Durchführung 'Hier Agenden mit jener Autorität aüsgestattet sein werde, die Hlatürgemäß der Vertretung einer Gesammtheit innewohnt. -Hreilich mischte sich in den Hellen Enthusiasmus das allgemeine ^Bedauern über den durch den Widerstand der Regierung miß § lungenen Versuch der Gründung eines offiziellen „Gemeinde- - Hundes", und bei manchem Theilnehmer der Versammlung stiegen ^bange7 Zweifel aur, ob denn die neugegründete Organisation, die am Beginne ihres Werdeprocesses als Krystallisationspünkt des jüdischen Gemeindelehens gedacht war, nicht schon in Folge des geänderten Titels ihren ursprünglichen Zweck verfehlen und von dem Gebiete ihres natürlichen Wirkungskreises abweichen werde. Sosehr auch die damaligen Verhältnisse eine " erhöhte Mätigkeit nach der Richtung der Abwehrbewegung forderten, und es wünscheuswerrh schien, daß der „Allgemeine , österreichisch'israelitische Bundan den diesbezüglichen Bestrebungen der bereits bestehenden Vereine Antheil nehme, so durfte er darüber dennoch nicht jenen Theil seines Programmes ver-- nach lässt gen, der die Hebung und Förderung des jüdischen Grmeindelebens bezweckte und aus dem allein er seine Existenz- ' berechtrgung schöpfte. Die Ungläubigen und die Zweifler haben leider Recht behalten, und forscht man heute darnach, was der „Allgemeine ' ifvaelittfc^e Bund" bisher geleistet hat, so hört man allgemeill, in Wien wie in der Provinz, den erstaunten Ausruf: .„Gehört denn der Bund noch zu d.n Lebenden öder hat er überhaupt )emals ein Lebenszeichen von sich gegeben?" Die Frage ist leicht begreiflich. Die Äbwehrthäligkeit, in welcher der Bund bisher seine ganze Bestimmung und 'Befriedigung suchte, lkastn .'nicht immer mit der großen Trommel, betrieben werten, und. nach , anderer Richtung hat er -— abgesehen von einigen allerdings schön . styliiirteu Ergebenheitsädress n — gar nichts, öder so wenig Rennenswerthes aeleiftet^ daß die Oeffentlichkeit keinerlei Ursache hatte, sich mit ihm zn peschaft:gen. Hub gerade die innere Organisation der Gemeinden, das weite Gebiet der socialen und cultuellen Einrichtungen sollte in erster Linie von dem Bunde gepflegt werden, der seine Entstehung dem allseitig empfundenen Bedürfnisse nach einem „Gemeinde» bunde* verdankte. Welch großes Arbeitsfeld seiner harrte, das hat unter anderem auch der vor zwei Jahren in Wien abgehaltene „Allgemeine Cantorentag" bewiesen. Jede einzelne der auf demselben gefaßten Resolutionen klingt wie ein Mahnruf an, die Leitung des Bundes, sich endlich jenen dringlichen und unaufschiebbaren Aufgaben znzuwenden, denen die unzureichenden Kräfte und Mittel der einzelnen Gemeinden nicht gewachsen sind, die aber von dem die Gesammtheit repräsentirende» Bunde überwältigt werden können und müssen, so er nicht als inhaltsloser Begriff, als eine Fehlgeburt ohne Lebenszweck und Daseinsberechtigung angesehen werden will. Betrachten wir z. B. die geradezu unerträgliche Lage der jüdischen Gemeindebeamten, nicht nur die der jüdischen Cantoren, die am Calltorentage in so düsteren Farben getreu nach der Natur gezeichnet wurde, sondern aller jüdischen Cultusbeamten vom Rabbiner bis zum letzten Schammes. Welch himmelschreiendes Unrecht wird an ihnen in den kleinen Gemeinden jahraus jahrein begangen, ohne daß von irgend einer Seite etwas geschieht, um Uebelstände zu beheben, die den Grundbegriffen der jüdischen Religion und den in der Gegenwart allgemein anerkannten Anschauungen über soziale Verpflichtungen Hohn sprechen. Staatliche und communale Verwaltungen, öffentliche und private Institute haben Wohlfahrtseinrichtungen jeder Art und bereiten ihren Angestellten ein, wenn auch nicht übermäßiges, so doch immerhin sicheres und standesgemäßes Auskommen, nur für die jüdischen Cultusgemeinden, die ihre Beamten mit kärglichem Lohne besolden und es ihnen so unmöglich machen, auch nur den kleinsten Sparpfennig bei Seite zu legen, sind, mit Ausnahme einiger weniger Großgemeinden, Jnvaliditäts- und Alterspensiönen, Witwen- und Waisenversorgnng, und wie sonst alle socialen Errungenfchaflen des modernen Gefellschaftslebens heißen mögen, unbekannte Begriffe. Darnni gibt es ja auch in den jüdischen Cultusgemeinden so selten definitive Anstellungen, fast überall vorübergehende Bertragsverhältnisse mit möglichst kurzer Kündigungsfrist, und wenn ein Rabbiner, Cantor oder Religionslehre-, der oft auch sämmtliche Functionen in einer Person vereinigt, im Dienste der. Gemeinde seine Kräfte abgenützt hat und seinen Obliegenheiten nicht mehr in vollem Umfange Nachkommen kann, dann wird er, gleich der ausgepreßten

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