Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1903
- Issue
- Heft 39 (23.10.1903)
- Date
- 1903-10-23
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3062972-3063163-3063202--02711-3069410- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Die Wahrheit Seite 8 Nr. 39 Fortschritten der treibenden Kraft der Musik nuferer Zeit, sowie dem tiefen Bedürfnis für deren Entfaltung, die instinktiv nach mehr Expansion in der Tempelmnsik ruft, nicht verschließen. Was wir in diesem glorreichen Lande der Freiheit und Gleichheit wohl erreichen können, das ist, eine gewisse Serie von liturgischen Gesängen (alten und neuen Styls) den verschiedenen Chorvorträgen und den Hymnen aus den Gebetbüchern, die am verbreitetsten sind, anzupaffen. Beginnen wir mit den gewohnten Gebeten der Sabatthfeier wie: Borebn, Schma Jisroel, Michomocho, Adonoi jimloeh, Kodosch-Kodosch, Aschre Josehwe weseeho, ¥aanachmi korim, Amenjehe scheine rabbo und den Hymnen Adon Olom, Jigdal und En Kelohenu. Diese Gesänge sollten vorzüglich der Bereinigung und Weihe angepaßt sein, sie sollen im musikalischen Aufbau und har monischen Effekt einfach und voll, glrichzeitig melodiös, edel und majestätisch tönen und auf die Versammelten leicht verständlich und erhebend wirken. Die Seele des Menschen, die doch der Gottheit''so nahe steht, ist ja bered elfte und sublimste Ausdruck der Harmonie und sie strebt in ihren höheren Emotionen immer nach Gesang; denn es ist weder das Lesen der Gebete des Offisianten, noch das lange und monotone Nachbeten der Gemeinde, das uns erhebt, es sind vielmehr die Gesänge, wo Wort und Musik ineinanderfließen, die uns zur Höhe führen. Herrlich sind die Woi te bes Midrasch (Midrasch Rabbah): „Beschooh, sehe jisroel koreim es Schema, bekol echod, belew echod, beneimah achas kolech hoschmieni, weim law berach dodi“. — Solange Israel das „Schema" in schöner Harmonie ausruft, werde ich Euch hören — wo nicht — fliehe, o Freund!" — Die liturgischen Gesänge und traditionellen Melodien der Synagoge, wie sie jetzt vom würdigen Kantor inlerprelirt werden, werden dem modernen Ohre wohl etwas primitiv und fremd klingen, denn sie harmonieren nicht mir modernem Geschmack und moderner Kultur; doch bergen diese rituellen Melodien tiefe musikalische Gesühle. jüdische Weise und seelische Weihe in. sich, sie verkünden klar und deutlich das schwankende Geschick von Israels großer Geschichte, seiner Kämpfe und Verfolgungen, seiner Leiden und seines Märtyrertums, seiner Triumphe und Siege. Laßt uns deshalb beweisen, daß der aktive Anteil am Gottesdienste die beste Art ist, Gott zu dienen. Es sind gegenwärtig hoffnungsreiche Anzeichen dafür da, daß eine verstärkte Einigung bezüglich eineskonsistenten musikalischen Eingreifens sich Bahn brucht, an welchem das Volk innigen Anteil nrmmt, und auf diese wirken Weise Kantor, Chor und Gemeinde zusammen, um den jüdischen Geist unserer Vorführern im Gottesdienst zu erwecken. Um diesen Zweck zu errreichen, müssen wir an die Unterstützüng und gemeinschaftliche Action von Rabbiner, Kantor und Gemeinde-Musik Comites appelliren. Wir benöthigen die Vereinigung aller Kräfte der Gemeindeactivität, deren höchstes Ziel die Regeneration eines fixen und autorisirten Typus liturgischer Musik sein soll, die unserem Gottesdienste Harmonie und höhere Weihe verleihen. Diese Melodien sollen dann widerballen im Psalm: „Bachurim wegam besulos, sekenim im .leorim, jehalilu es schem Adonoi“ „Ihr Jünglinge und Mädchen, Greise und Kinder sollt den Namen des Ewigen preisen!" -_ Verschiedene Nachrichten. Wien. Der Vorstand' des Synagogen-Vereines „Beth-Jsrael" in der Leopoldsgasse"veranstaltete Sonntag, den 18. d. ö Uhr Abends, ein Requiem für den. dahingeschiedenen Präsidenten des Vereines, Herrn Arthur Edler v. Mises. Der Traücrfeier wohnten nebst der Familie des Verblichenen, der Vorstand der Wiener Cultusgemeinde unter Führung des Präsidenten, Herrn kais. Rath Heinrich Klinger, Oberrabbiner Dr. Güdemann, Rabbiner Dr. Schmiedl, der Vizepräsident der türkische Gemeinde, Herr Licco Adutt, die Voifteher und Rabbiner säst sämmtlicher Wiener Gemeindebethäuser und Vereinsfynägogen, Vertreter zahl reicher Vereine und der Gesammtvorstand des 'Synagogenvereines Beth« Israel, der Rabbiner Mayersohn würdigte in der Trauerrede die Bedeutung und die Verdiensteves Dahingesch «denen und Obercanto rSchorr versah in erhebender Weise den gesanglichen Theil der Tcauerfeie Nie«. (Trauer-Andacht für Arthur Edlen von Mises in der israel. Versorgungs-Anstalt) Der Vorstand der israelitischen Kuktusgemeinde Wien veranstaltete Montag, den 19. October 1908, 5 Uhr Nachmittags, im Bttsaale der israelitischen Versorgungs-Anstalt für Arthur Edlen von Mises, Ober-Ingenieur im k. k. Eisenbahn-Ministerium» Vertreter der isrc elitischen Kultusgemeinde und Referent für die Versorgungs-Anstalt^ eine Trauerfeier, zu welcher wegen Raummangel nur die nächsten Angehörigen und Vertreter der drm Verewigten im Leben nahegestandenen Korporationen geladen werden konnten. Nebst der Familie des Verblichenen fanden sich ein: Ober-Rabbiner Dr. Güdemann» Präsident, kais. Rat Heinrich Klinger, Vize-Präsident Dr. Gustav Kohn, die Vertreter: k. k. Baurat R. v. Goldschmiedt. kais. Rat Moriz Hirsch, Dr. Felix Katzau^ k. k. Oberfinanzrat Dr. Rappaport, Dr. Maximilian Steiner, Direktor Theodor Ritter von Taussig; die Vorsteher: Dr. Alfred Berger, Dr. Josef Breuer, Salo Cohn, Professor Dr. Ehrmann, Moriz B. Eißler, Dr. Marcus Spitzer, Heinrich Teltscher, kais. Rat Weil; die Sekretäre: kais. Rat Dr. Lieben und Dr. Adler; die Kommission für die Versorgungs- Anstalt und zwar die Damen: Präsidentin Jda Diamant, Jenny Adler, Jda Eisenschitz, Jda Güdemann, .Hermine Koliich, Martha Stiaßny, Marie Teleky, Retty Vogel, Rosa Zifferer; die Herren: Benno Rothziegel, kais. Rat Scheffel, Adolf Singer, Börserat Steinhabel; Primarius Dr. Loebl, Herr und Frau Verwalter Koditschek Sekundararzt Dr. Julius Frisch, Anstaltsbeamter Brösler; Rabbiner Mayersohn. Oberkanror Schorr. Obmannstellvertreter^ Deiches mit den Vorstandsmitgliedern des Bethauses „Beth-Jsrael", Insassen des Versorgungs- und Siechenhauses u. v. A. In überaus ergreifender Weise eelebrirte Herr Oberkantor Bsl» Guttmann nach dem Mincha-Gebete die üblichen Trauerpsalmen, begleitet von seinem unter Leitung Prof. Sulzer's stehenden Chore. Hierauf hielt der Obmann der israelitischen Versorgungs-Anstalt, Herr Kuttusvorsteher Salo Cohn, folgenden dein Kollegen Arthur Edlen von Mises gewidmeten warmen Nachruf: „Mtt innrger Wemut gedenke ich heute unseres leider so früh dahingefchiedenen Kollegen Arthur Edlen von Mises, um dem wackeren, pflichttreuen Manile über Ersuchen unseres geehrten Präsidenten im Namen der Versorgungs-Anstalt einige Worte treuer und dankbarer Erinnerung nachzurufen. Zwar weiß ich, daß ich kaum im Stande bin, sein Wirken so zu würdigen, wie er es verdiente, aber ich hoffe, daß meine schlichte« Worte, vom Herze» kommend, auch den Weg zu Ihrem Herzen finde« werden. Was Arthur von Mises seiner Familie, was er unserer Gemeinde war. das haben Sie erst jüngst von berufener Seite und aus beredtem Munde gehört. Ich möchte hier nur seine Tätigkeit in unserer Versorgungs- Anstalt, die ihm so sehr am Herzen lag, schildern — ich möchte sei« Bild festhalten in seiner Bescheidenheit und gewinnenden Liebenswürdigkeit, die jedem, der mit ihm verkehr.e, unvergeßlich blciben wird. Als Arthur von Mises das Referat über die Versorgungsanstalt übernahm, war der zweite Stock noch kaum gan; belegt, der dritte noch nicht eingerichtet und der große Flügel, in de,« sich jetzt unsere Siechenabtheilu g befindet, noch nicht gebaut. Wir Alle wissen, mit welcher Liebe und Aufopferung, mit w elcher Pflichttreue sich der verewigte Kollege den Agenden dieses Hauses widmete, wte er, eingedenk des erhabenen Spruches: ^Verlaß' mich Herr im-Alter nicht!"" für jeden Einzelnen ein freundliches liebevolles Wort fand, wie er bestrebt war. für die Bequemlichkeit Aller zu Morgen. und daber doch — ich kann dies nicht genug hervorhebe« — mit'weiser Sparsamkeit die Mittel der Gemeinde verwaltete. Selbst schon schwer leidend galt sein letzter Weg in Wien unserem Hause, um sich, wie immer persönlich von allen Vorgängen zu überzeugen. Einige Tage daraus reiste er nach Halberstadt m der frohen Hoffnung, dort seine Gesundhett ttiederzuerlangen. Es sollte anders kommen! — Am Versöhnungstage hat der treue Kollege in Halberstadt seine edle Seele ausgehaucht. Die dortige Gemeinde, eine der vornehmsten und frömmsten Deutschlands, hat dem Fremden jene Ehren erwiesen, die nur den Beste« und Bewährtesten zukommen, sie ist seiner tiettrauernden Gattin in dieser schweren Zeit mir wahrer Menschen- und Nächstenliebe, die ja zu den schönsten Geboten unseres Glaubens gehört, zur Seite gestanden. Am Vorabend des Laubhüttenfestes wurden feine irdischen Ueberreste in Wren zur letzten Ruhe bestattet. Die große Teilnahme zeigte unS, welche unersetzlichen Verlust unsere Gememve an dein aus bezeichne.eu braven Manne erlitten har. Arthur von Mises hat fein ganzes Leben in den Dienst wahrer Wohttätiglett gestellt, die Segenswünsche Aller» denen, er so oft Trost gespende: und Beistand geleistet hat, begleiten ihn in die Ewigkeit. Sein Andenken wird im Hause der israelitischen Versorgungs» anstatt nie vergeffen werden". * Ties er,chültert verließ die Versammlung,nachdem die Söhne daS Kaddifch-Gebet verrichtet hatten, die.Anstalt. Nie». Sonntag, den 18. d. fand im neuerbauten Tempel in der Josefstadt die Trauung veS Fräulein Grete Beck, Tochter des k. u. k. Hoflieferanten Herrn Adolf Beck und der Frau Johanna Beck, mit Herrn Ernst Langfelder statt. Das herrliche Gotteshalls, das mit der festlich gekleideien-Menge und dem lieblichen Kranze schöner Damen einen doppelt prächtigen'Anblick bot, konnte kaum die große Zahl der Gäste faffen und bemerkten wir nebst anderen Persönlichkeiten Vertreter des Wiener CultuSvorstandes, den Gejammtvorstano des Josefstädter Tempelvereines, die Präsidentin und die Vorstandsdamelt des Frauen-Wohlrhätigkeitsvereines Jofefstadt, Abordnungen der einzelnen Bezirkstempel- Vere me, des Gewerbe-Vereines und zahlreicher anderer Vereine. Den Trauungsakt vollzogen Rabbiner Dr. Bäller, affistirt von Rabbiner Dr. Mandl, und