Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1903
- Issue
- Heft 39 (23.10.1903)
- Date
- 1903-10-23
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 39. Seite 10 Die Wahrheit Okercantor Kwartin." Dr. Bauer verwies in seiner Ansprache an das Brautpaar aus die großen Verdienste, die sich die Familie Beck um den Josefstädter Tempelverein erworben, und Obercantor Kwartin entzückte die Zuhörer mit seiner herrlichen Stimme. Aie Audeuunruheu i« Rußland. Meldungen von Exzessen gegen die Juden in Mohilew haben stch nach den der „Israelitischen .Allianz zu Wien" zugegangenen Berichten glücklicherweise nicht bestätigt, doch ist die Lage in den meisten von Juden bewohnten Städten infolge der ausgesprochen judenfeindlichen Haltung des Ministers des Innern und der meisten Gouverneure eine sehr traurige, und es werden täglichen neue Ausschreitungen befürchtet. — Für die Opfer des Maffacres in Hömel hat die „Israelitische Allianz zu Wien" als vorläufigen Beitrag eine Spende von Rubel 5000 (circa 13.000 Kr.) überwiesen. Der Schaden wurde auf Rubel 200.000 berechnet, Siebzig Juden die sich gegen die vom Militär geschützten Exzedenten vertheidigten, sind verhaftet und stehen unter der schwere» Anklage, das Militär angegriffen zu haben! 2Ste«. (Ein falsches Gerüchi.) Die „Oesterreichisch israelitische Union" versendet folgende Mittheilung: Antisemitische Blätter brachten am 10. d. aus angeblich verläßlicher Quelle, die Nachricht, daß vor den jüdischen Feiertagen in Neu-Sandec (Galizien) der fünfjährige Sohn des dortigen Gerichtsschreibers auf bisher unaufgeklärte Weise verschwand und trotz eifriger Nachforschung bis heute nicht gefunden werden konnte. Auch im vorigen Jahre und vor zwei Jahren seien vor den jüdischen Feiertagen zwei Christenmädchen und vor drei Jahren ein Christenknabe verschwunden, ohne bisher von den trostlosen Eltern gefunden worden zu sein. Nach einer uns vorliegenden, vom Polizei-Jnspector Mazurkiewicz gezeichneten amtlichen Erklärung der städtischen Polizeibehörde in Neu- Sandec ist ein derartiger Fall bei der genannten Behörde nicht gemeldet worden und auch" anderweitig nichts bekannt. Wie«. (Die Judenhetze» in Galizien und die Ruthenen). Ein führender ruthenischer Abgeordneter aus Galizien schreibtder N.-F.-Pr.: »Das ruthenische Tagbleftt »Dilo" Hot noch am 10. Juni in einem Leitartikel die Judeumaffacres in Kischenew in schärfsten Worten verurtheilt und darauf hingewiesen, daß in mehreren Gegenden Ostgaliziens verdächtige Individuen, die daselbst unbekannt sind und ruthenisch nur radebrechen, dafür aber die ruffisch: oder polnische Sprache beherrschen, es versuchen, die bäuerliche Bevölkerung gegen die Juden zu Hetzen. Es handle sich da augenscheinlich darum, eine ähnliche Judenhetze zu arrangieren, wie sie vor fünf Jahren in Westgalizien seitens der polnischen Bevölkerung stattfand. Das erwähnte Blatt warnte sehr eindringlich seine Leser davor, diesen Aufhetzungen Gehör zu schenken.. Merkwürdigerweise wurde dieser Artikel von den polnischen Behörden beschlagnahmt und konnte erst am 23. Juni infolge einer Interpellation des Abg. Dr. Kos verbreitet werden. Die ruthenischen Volksblätter, beispielsweise daS Wochenblatt »haydamaky" schrieben in ähnlichem Sinne. Dies entspricht auch vollkommen den Tendenzen der ruthenischen — auch bäuerlichen — Leserkreise, da unter der ruthenischen Bevölkerung überhaupt keinerlei feindliche Stimmung gegen die Juden herrscht. Es ist bereits festgestellt, daß die von der Wiener Presse, auch von der »Neuen Freien Presse", am 27. September aus polnischen Blättern übernommenen Nachrichten, wouach die Exceffe gegen die Juden in Zablotow, Gwozdzie und Kulaczkowle auf die Agitation ruthenischer Zeitungen oder der Ruthenen überhaupt zurückzusühren sind, jeder Grundlage entbehren. Im Gegentheil, nach den Zabloiower Exceffen fand sich eine Deputation der dortigen Judenschaft beim Abg.Dr. Straucher in Czernowitz ein, um ihn um Intervention für die bedrängte jüdische Bevölkerung von Zablotow anzugehen. Nach der Versicherung dieser Deputation waren jene Exceffe nicht von Ruthenen arrangiert, vielmehr wahren die Anstifter derselben zwei Polen. Auf Grund dieser Information hat Dr. Straucher in einem Telegramm an den Ministerpräsidenten Maßnahmen zum Schutze der friedlichen jüdischen und ruthenischen Bevölkerung angesucht. Der Hinweis aus den im Petersburger panruffischen Blatte. „Nowoje Wrema" gegen die Juden erschienenen Artikel ist für Jedermann, der die ruthenischen Partei- und Preßverhälnische Galiziens und Bukowina kennt, als ganz unstichhältig einleuchtend, da bekanntlich die nationalen ruthenischen Parteien und die nationale ruthenische Preffe Pch in keiner Weise von den panruffischen beeinflußen lassen." Wie«. (Le'e- und Redehalle jüdischer Hochschüler). In der am 17. Oktober 1903 stattgehabten 19. ordentlichen Plenarversammlung hatten die Neuwahlen in den Ausschuß folgendes Ergebnis: Präses: med. Isidor Rosner, 1. Vicepräses: med. Julius Schund, 2. Vicepräses.- chem. Max Reich, l. Schriftführer: zur. Leo Ziffer, 2. Schriftführer: zur. Heinrich Wollak, 1. Kaffier: jur. Machäus Brillant»,' 2. Kassier: chem. Adolf Kürti, Zeitungsverweser: jur. Jakob Fell, Bibliothekar: jur. Abraham Harth, Hausverweser: med. Leo Himmel. * Mit». Am Sabbath Bereschith fand im Brigittenauer Tempel in feierlichster Weise die Barmizwa-Feier des Sohnes des Herrn Dr. Emil Rosenthal, Namens Otto, statt, wobei der Confirmand die Benediktionen und die Haftorah besonders ausdrucksvoll und mit bestem Verständnis vortrug. Rabbiner Dr. Fink hielt eine gediegene und gedankenreiche Ansprache an den Confirmanden. Die Vorstandskollegen des Herrn Dr. Rosenthal waren bei der Feier vollzählig anwesend. - Wie«. Am 3. Tischri verschied hier der der älteren Generation wohlbekannte hebräische Schriftsteller und Dichter Herr Jacob Fischer im Alter von 82 Jahren. Geboren in Ungarn zu Väg-Vecse, war er lange Zeit öffentlicher Lehrer der hebräischen Fächer an den Schulen bedeutender Gemeinden in Ungarn, wie BonyhLd, Szered, Galgäcz und Neutra, wo damals überall der hebräische Unterricht eifrigst gepflegt wurde und Jakob Fischer als einer der eifrigsten und in seinem Fache tüchtigsten Lehrer einen wohlbegründeten Ruf hatte. Die heilige Sprache war ihm das Lieblingskind seiner Muse, der er mit ganzer Hingabe angehörte und die er Zeit seines Lebens treu und liebevoll hegte. Er war als Schriftsteller sehr fruchtbar und hatte schon in seiner Jugend Beiträge für die „Kochbe Jizchak" geliefert, d:e damals der Sammelpunkt der bedeutendsten Hebraisten war. Sein Hebräisch war ungekünstelt, rein und einfach, von Jedermann verständlich und von gefälliger Anmut. Er war Purist in des Wortes strengster Bedeutung, wie dies aus einer jeden seiner Zeilen her'oorgeht. Eine Sammlung seiner Gedichte gab er unter dem . Namen „Zilzele-Kodesch" heraus über die Feste des Jahres. Hernach lieferte er die treffliche Uebersetzung des L. A. Frankl'schen Gedichtes „Der Primator" unter dem Titel „Rosch-ha-ädah", welches heute schon längst vergriffen ist. Auch sonst finden sich viele seiner poetischen Arbeiten im „Hamagid", „Jbri" und anderen Sammelwerken. Fischergab auch zuletzt in Preßburg, dann in Wien die hebräische Wochenschrift „Hajehudi" heraus, von der sechs Jahrgänge erschienen sind. Während seines Wiener Aufenthaltes schrieb er sehr viele Gelegenheitspoesien, von welchen wir die patriotischen Stücke „Kether-Malchuth", „Aschrechä-Melech", „Kol- Rinnah" und. „Ebel ve-Nechamah", sowie seine biographische Skizze über Dr. Adolf Fischhof hervorheben. Fischer war durch seine Arbeiten, mit einem. Kreise auserle ener Kenner in Verbindung gekommen, die seine literarische Thätigkeit sehr hoch zu schätzen wußten. So mit S. Gottlieb Stern, M. E. Stern, mit Leopold Dukes, L. A. Frankl, Meier Kohn Bisztritz, Joses Weiße, Hermann Veits, Jonas Wilheimer, Marcus Weißmann und den ihm vor einem Jahre im Tode vorangegangenen Moiitz Käs. Bei seinem Leichenbegängnisse hatte sich eine zahlreiche Trauergesellschaft eingesunden und widmete Ober-Rabbiner Dr. Güdemann warme Worte der Anerkennung und Würdigung diesem bis zu seinem letzten Atemzugedem Judentum und seiner Literiker treu gebliebenen Manne, deffen Name bei Allen, die ihn näher gekannt haben, unvergeßlich bleiben wird. Wie«. Der Verein „Tefillath hanorim", deffen Obmann Herr Joachim Gollerstepper ist. hat in diesem Jahre 3 Andachtsstätten errichtet, in welchen, er an den hohen Feiertagen die Heranwachsende Jugend versammelt. Im I. Bexirk, Seitenstettengaffe, in der Religionsschule für Handelspraktikanten und Handwerkslehrlinge, im ll. Bezirk, im Beth-Hemidrasch in der Tempelgaffe, für die studierende Jugend, und im VI. Bezirk, in einem geeignet:» Lokale, Schmalzhofgasse Nr. 10, für Handelspraktikanten und Handwerkslehrlinge Es war höchst erhebend, den Eifer und die Andacht der jungen Leute für die religiöse Feier zu betrachten, und wie sie am Jom-Kippur aushielten bis zum Sonnenuntergang. Diese junge Gemeinde sei der Krystallisationspunkt für die Zukunft, dieser Nachwuchs soll den lebendigen Sinn für jüdisches Leben und Weben in sich aufnehmen und für ihre Zeit bewahren. Für die Abhaftung des Gottesdienstes in Mariahilf, haben sich in dankenswerther Weise die Herren Leopold Gollerstepper und Philipp Weiß besondere Verdienste erworben. Dem Verein, den eine kleine Zahl von Lehrern und Privatleuten aufrecht erhalten, welche an diesen Tagen die Jugend in den Gebeten unterwiesen uns für Ruhe nnd strenge Ordnung sorgten, gebührt das höchste Lob. An allen Stätten war eine genügende Zahl gleicher Gebetbücher aufgelegt. Auch unsere Kultus gemeinde, welche wohlwollend durch, ihre namhafte pekuniäre Unterstützung diesem, Verein durch drei Jahre engegenkvmmt, verdient das größte Lob. Möchten sich jedoch auch aus den Reihen der Gemeindemitglieder warmherzige Männer dem Vereine anschließen, welche dieses schöne Werk weiter entwickeln Helsen. N«den. Angesehene Mitglieder der hiesigen Kultusgemeinde brachten wir ersten Tage des Succothsestes ihrem beliebten hochverehrten Oberkantor Meier Seifert für seine ausgezeichneten, auf das Gemüt und die Andachtstimmung einwirkenden Leistungen, sowohl während des ganzen Jahres wie hauptsächlich an den hohen Feiertagen, eine Ovation dar. Unter Führung des Herrn Ignatz Fleischmann erschien eine Deputation in der Wohnung des Herrn Seifert, in welcher auch Herr Rabbiner Wilh.' Reich, der Präses der israelitischen Kultusgemeinde Herr Moritz Lettner, die Vorstandsmitglieder Dr. Emil Raab, Simon Mandl, Moritz Daniel, Heinrich Lemberger, sowie mehrere Mitglieder des verstärkten Kultusausschuffes und viele andere Gemeindeangehörige "anwesend waren. Nachdem Herr Ignaz Fleischmann in seiner Ausprache die hervorragenden Leistungen des Beehrten in warmempfundenen Worten erwähnt hatte, überreichte er Herrn Seifert einen silbernen Pokal. Herr Präses Moritz Lettner und Herr Mandl gaben in ihren Ansprachen der Freude Ausdruck, daß sich Männer in der Gemeinde gefunden haben, die 'ihrem alles Lob verdienenden Beamten eine Freude bereitet haben. Ehrungen. Oberkantor Baffer in Neusatz und Oberkantor Katz in Csakathurn erhielten für ihre ausgezeichneten Leistungen vo» Seite der Gemeinden wertvolle Ehrengeschenke.und Anerkennung. ZSudapest Im Tempel in der Tabakgässe hielt am 17. d. M. Vormittags Rabbiner Dr. Samuel Kohn.im Rahmen des Samstag-Gottesdienstes eine formvollendete Rede, in welcher er, der Deak-Feier gedenkend, die Bedeutung des Tag.es schilderte. Dem Gottesdienste wohnte die ^gesamte Vorstehung der Religionsgemeinde mit dem Präsidenten, Hofrat Sigmund Kohner, an der Spitze bei.- Auch die Ofner isr. Religionsgemeinde zollte dem Andenken Deäk's den Tribut der Pietät. Im Tempel. hielt Rabbiner Dr. Arnold Kiß eine von patriotischem Geist durchwehte, begeisterte Predigt, in der er die Verdienste des Weisen der Nation' würdigte.