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Die Wahrheit · 1903-10-23 · Heft 39 (23.10.1903) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1903
Issue
Heft 39 (23.10.1903)
Date
1903-10-23
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Seite 7. Nr. 39 Die Wahrheit mit Sicherheit aussprcchen, einer privatkapitalistischen Kolonie vereinzelter Besitzer in einem ungeheueren Maße wirtschaftlich überlegen. Unter gleichen Verhältnissen haben die Mormonen aus der Wassersteppe Utash ein Paradies erschaffen voll erstaun-- lichen Reichtums und unerhörten Bürgersinns. Die ersten von Bauern, von dazu erzogenen Landarbeitern, bewirtschafteten Besiedelungen, das, meine Freunde, sind die Haken, die die zionistische Kolonisation in allen 4 Ecken des Landes fest einzutreiben hat, um daran die Stricke für ihr Netz zu spannen. Suchen wir uns jetzt klar zu werden, wie denn diese Stricke zu spannen sind. Wir werden von jeder Kolonie als einem Zentrum von Menschen, Tatkraft und Intelligenz ans, nach Maßgabe der verfügbaren Mittel neue Siedlungen anlegen und mit neuen immer noch womöglich ausschließlich landwirtschaftlichen Ansiedlern besetzen; wir werden ferner ne,ns Land erwerben und für die Besiedelung vorbereiten, z. B. durch Entwässerung oder- Anlage von Bewässerungswerken, die größere Bezirke fruchtbar machen. Mir werden jetzt auch daran denken können, in die einzelnen Kolonien vorsichtig einige, handwerksmäßige Elemente einzuführen, die dort von ihrer Tätigkeit für die Kolonisten genügend leben können; man wird ihnen Haus und Werkstatt .bauen und ein Stück Gartenland zuweisen; sie werden die Verzinsung und Tilgung des Brukapitals und den Selbstkostenpreis des Bodens an die Zentralgenossenschaft leisten, der Zutritt zu sämtlichen Untergenossenschaften wird ihnen völlig offensteben. Diese auf billigem Grund und Boden angesiedelten, auf einen kaufkräftigen Markt angewiesenen, mit einem genügenden Kapital ausgestattelen Ansiedler werden selbstverständlich selbständige Elemente sein und werden das Gedeihen der Kolonie, der sie „„gehören, auf vielfache Weise fördern. Sie bilden einen Nahemarkt für viele Produkte der Landwirtschaft, der Düirger ihrer Haushaltungen und ihrer Stallungen kommt dem Lande der Kolonie zu gute; sie stellen in der Erntezeit eine Schar billiger, weil nur kurze Zeit zu bezahlender Hilfskräfte, und sie qestatten vor allem, und das ist das Wichtigste, nach dem bekannten Gesetz Johannas v. Thünen, wonach die Intensität der Agrikultur mit der Dichtigkeit -des Marktes wächst, eine fortwährend steigende Intensität der Wirtschaft oder mit anderen Worten: sie gestatten, das Land immer dichter mit landwirtschaftlichen Ansiedlern zu besetzen, ein Ergebnis, das, wie wir wissen, für die Zwecke unserer Kolonien von geradezu entsch.idender Bedeutung ist; denn wir haben sehr viele Menschen unterzubringen. Mittlerweile sind die neuen Kolonien der 2. Stufe ganz wie die ersten eingerichtet und in Betrieb gesetzt. Mögen sie auf etwas geringerem Boden angesiedelt sein: sie profitieren von den Erfahrungen der Kolonisten 1. Stufe, sie profitieren von der schon erfolgten Ausbildung der Großhandelsgenossenschaft, der Absatzwege u. s. w. und sie profitieren schließlich von dem Jmponderabile der Erfolgsznversicht und des bereits entfalteten genossenschaftlichen Geistes. Man wird, um diese Stimmung zu stärken,' die besten Elemente der Ansiedelungen 1. Stufe durch das Anerbieten von entsprechend höheren Tantiemen am Reingewinn zu bestimmen versuchen, in die neue Kolonie überzuneten, sozusagen als Unteroffiziere der Rekruten, und wird so in jede Kolonie einen Stamm genossenschaftlich vorzüglich geschulter Vorarbeiter Hineinsetzen können. Die so in den ersten Ansiedluugen entstandenen Lücken wird man unter vorsichtiger Auswahl hier und da schon füllen können durch die Einberufung von gewerblichen Ansiedlern, deren bisherige Beschäftigung eine gewisse Gewähr dafür bietet, daß sie den Strapazen der Landarbeit gewachsen sein werden, z. B. Lastträger oder Bergarbeiter, aber auch ausgesuchte andere jüngere Familienväter von rüstiger Kraft. Diese alle werden, in Reih-und Glied gestellt mit geübten Landarbeitern, in vielen Fällen die Ausdauer und technische Gewandheit. znrückgewinnen, die ihnen nötig ist. Auch in diesen Kolonien der zweiten Stufe werden städtische Elemente in größerer Zahl als Handwerker u. s. w. Unterkommen finden können. Das, meine Freunde, sind die Stricke, die die zionistische Kolonisation spannen soll, um daran ihr Netz zn wirken. Bis zu dem Augenblick werden die heute verfügbaren Mittel vermutlich aufgebraucht sein: dann aber wird es nicht mehr nötig sein, zur Wetterführung des großen Werkes an das jüdische Herz und den jüdischen Geldbeutel zu appeilleren, sondern es wird sich dann auch für den Voreingenommensten herausgestellt haben, daß hier Organismen von erstaunlicher Lebenskraft geschaffen sind,' Gemeinden von einer Steuerkraft/ wie sie bisher keine Gemeinde besessen hat, da der Grün) und Boden ihr Eigentum ist, und alle Bürger bis zltm letzten Pfennig ihres Privatvermögens für sie eintreten müssen, soll ihre Existenzgrundlage nicht in Stücke gehen. Und diese Gemeinden sind gleichzeitig Wirtschaftsorgauismen von höchster Kraft, deren Feder gebildet wird durch das ungehemmte wirtschaftliche Selbstinteresse ohne Zukunftssorge für sich und die Seinen schaffenden Mannes, unbesteuert durch Grundrente, Kapitalzins und Zwischenhandel-Gewinn — diese halb gemeindlichen, halb wirtschaftlichen Organisationen bieten eine Kreditbasts von unvergleichlich höherer Tragkraft als selbst die reichsten Gemeinden Westeuropas, und so wird ihnen auch der befruchtende Goldstrom des Kredits immer in so reichen Maße zustießen, als sie seiner bedürfen. Dann ist die Zeit gekommen, um mit diesen ungeheuren Mitteln die wirtschaftliche Erschließung des Landes voll durchzuführen, das heißt, die Maschen des Netzes zu schlingen. Dann wird man die Bergflüsse in dem Gebirge einsassen, um aus ungeheuren Reservoirs das befruchtende Naß vorsichtig herabzuleiten, daß die dürre Steppe sich mit Weizen- und Maisfeldern schmücke, dann wird man das Netz von Kanälen. Chausseen und Eisenbahnen über das Land spannen, das für seinen vollen Reichtum unentbehrlich ist; dann werden die Hasen-, die Kaianlagen entstehen, die unser verehrter Präsident zukunftsahnend erschaut hat, dann wird vielleicht auch wirklich das Wasser des Mittelmeeres in ^jene Sälzpfütze des Totenmeeres geleitet werden und auf fernen Wegen die riesigen Dynamos dieser blühenden Volkswirtschaft treiben. Daun aber ist es auch Zeit, eine wirkliche Masse,,-Ein- Wanderung ins Werk zu setzen/ dann kairn man zwischen den neu entstandenen Landstädten ganze Handwerker-Städte errichten, in denen der verelendete Schneider nnd Schuhmacher der polnischen Schmutznester ein trauliches Heim, gesunde Luft und eine „„gedrückte Existenz finden kanrt. Dann wird hier eilt Arbeitermaterial vorhanden sein, das mit den Geldlöhnen des Londoner Ostendes und der Schwitzhöllen New-Aorks bei billiger Miete und Nahrung eine zwar nicht reiche, aber dennoch würdige Existenz führen kann; und dann mag die in aller Welt berühmte kaufmännische Findigkeit der jüdischen Kapitalisten auf Grund dieser billige,r.. und dennoch nicht verelendeten Lohnarbeiter-Bevölkerung hier Weltmarktindnstrien errichten, die so lange den Auswurf des europäischen Ostens ernähren werden, bis diese Unglücklichen em sanftes Ende gesunden haben. Ihre Kinder aber, erzogen in Licht und Luft, bei kräftiger Nahrung und im Vollgefühl ihrer nationalen Gleichberechtigung werden freie Siedler unk freie Handwerker im Lande ihrer Väter sein können, mit der Kraft der Muskeln und des Geistes, die nötig sind, um Menschen zu Menschen zu machen. Das, meine Freunde, ist der Weg, auf dem, wie ich glaube,- allein zu unser», Ziele zu gelangen ist. Es ist ein harter Weg voller Arbeit, Mühe und Opfer und ein Weg, der für die Ungeduld des nach Erlösung Schreienden und für das heiße Herz des Helfers viel zu lang scheint. Aber ich sehe keinen andern; keine organisatorische Kraft der Welt scheint mir zur Lösung des Werkes auszureichen, das erwächst, loertn man Millionen jämmerlicher Stadlproletarier auf einmal in ein landwirtschaftliches Gebiet hinüberwirft: Das muß ein Chaos geben, das nur mit beispielsloser Not enden kann und das die Ueberzähkigen durch Hunger, Typhus und Cholera aus de», Wege raumen muß, um den Wenigen Platz zu schaffen, die übrigbleiben werden. Wie lange das Werk in Anspruch nehmen muß, das ich skizziert habe, läßt sich übrigens von vorneherein nicht feftstellen; die Mittel, die wir in der Hand haben, befähigen uns, unsere

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