Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1903-10-23 · Heft 39 (23.10.1903) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1903
Issue
Heft 39 (23.10.1903)
Date
1903-10-23
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/3062972-3063163-3063202--02707-3069406
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Rr. 39. Die Wahrheit Sette o Geschichte des Gebäudes verewigt ist. Außerdem sind nochkünstlerisch m sg stattete Opferbüchsen und Waschbecken, sowie die zur Beheizung t es Raumes dienende» Gasöfen, dort untergebracht. Die Vorhalle wird später ihrer Verwendung entsprechend malerisch geshmückt-werden. Aus der Vorhalle gelangt man durch drei Spielthüren und aus den beiden seitlichen Räumen durch je eine, also im Ganzen durch 5 Eingänge in den eigentlichen Tempelraum, welcher durch drei Gänge abgetheilt, Platz für 338 Männersitze bietet. - Z)er ganzen Breite des Mittelschiffes entsprechend, ist das Heiligthum ausgebaut. Ueber 6 Stufen gelangt man auf die Estrade, die mit einem reich verzierten schmiedeisernen Gitter abgegrenzt ist, und auf welcher sich das Vorbeterpult befindet.. Auf diese Estrade baut sich der Oron hakodesch auf. Dieser ist ein hölzerner Schrank, welcher in eine Nische der östlichen Abschlußmauer eingebaut ist. Die ganze Wand ist im Bereiche des hölzernen Aufbaues mit Täfelung verkleidet; vorn ist eine Arkatur angeordnet, welche die ganze Breite der Apsis aussüllt. AUf Halbsäulen, welche sich an Pfeiler lehnen, sind 5 Spitzbogen gespannt. Das Mittelfeld, welches auf die Bundeslade vorbereitet, ist risalitarlig vortretend und überragt in seiner Höhe die übrigen Felder, die mit Giebeln abgeschlossen sind, welche von Fialen nach oben flankirt werden. Alles au diesem Stücke ist durchbrochen und luftig, auch an Bildhauerarbeit ist dabei nicht gespart worden, Säulen-Capitäle, Maßwerke, Giebelkrappen und Giebelblumen sind reichlich vorhanden und in Holz sein geschnitzt. Es ist eben der wichtigste, heiligste Theil des Baues, der sofort als solcher auffallen muß. Das Ganze ruht auf einem Unterbau, in welchem eingeschnitten sich 7 Stufen befinde», über welche man zur Höhe der Bundeslade emporsteigt. Dieses hervorragende Architekturstück hat eine reiche Bemalung und Vergoldung erhalten. Reichgestickte Vorhänge, verschieden in Farbe und Ausstattung für die verschiedenen Festzwecke ergänzen die volle Wirkung. Vor der mittleren Bogenöffnnng ist die Kanzel angebracht, so daß der Prediger von allen Punkten des Gotteshauses . gesehen und gehört werden kann. Ze ein Sitz rechts und links unter dem Wandbogen dient für Rabbiner und Kantor. In den unmittelbar an die mittleren anschließenden Oeffnungen stehen die großen Kandelaber, die ewige Lampe ist an der Vorderwano angebracht und leuchtet sohin vor der Bundeslade. - Rechts und links von dev Apsis ist je ein Raum zur Benützung für die Funktionäre eingerichtet. Durch die beiden an den Thnrmeir augeordneteu Portale kommt man zu den Sttegcn, welche ans die Franengalerien führen. Diese Galerien werden von eisernen Säulen getragen, bieten Raum für 230 Frauensitze und. umziehen von 3 Seilen den ganzen Betranm. Die Sitze sittd amphithearrnlisch aligeordnet, so daß beinahe von allen Sitzen die Bundeslade sichtbar ist. Hinter der mittleren Galerie befindet sich ein ansehnlicher Saal, welcher theils als Erholungsranm für die Frauen, theils als Sitzungssaal für den Vorstand. Verwendung findet. V Im weiteren Verfolge gelangt man über die Stiegen zu einem Raume oberhalb des Sitzungssaales, der als Chor- und Orgelbnhne dient,, und weiters einerseits zur Wohnung des Hausbesorgers, andererseits zur Vereinskanzlei. Für die Abendbelenchrung des Tempels ist durch elektrisches Licht vorgesorgt, welches 300 Lampen oder insgesammt 5000 Kerzenstärke, die ays Wandarmen und Hängelustern von Bronce montirt sind, reichlich spenden. In der rauhen Jahreszeit können sämmtliche Räume durch Gasöfen, die eigene Zuleitung und auch entsprechende Ableitung der Verbrennungsprodnkte haben, erwärmt-werden. ■ ' Für die Entlüftung des Gebäudes sorgt ein Elektro- Ventilator, welcher in einem Aufbau des Daches untergebracht -ist. Dieser Aufbau steht in Verbindung Mit einem der ganzen Länge des Dachraumes nach ansgefnhrten Kanäle, - in welchen von der Decke des Betraumes die Abzugsöffunugen münden. Die verdorbene Lust wird durch den Ventilator in einen vertikalen Schacht über Dach abgeführt. Die Aufstellung einer Orgel und die Bemalung des Tempels konnten mit Rücksicht auf den Umstand, als das Gebäude" in sechs Monaten fertiggestellt werden mußte und die Mauern nicht vollständig trocken waren, noch nicht durchgeführt werden Mittlerweile hat aber ein Harmonium gezeigt, daß es nicht nöthig ist, in diesem vollkommen akustischen Raume ein starkes Instrument zu verwenden, da die leisesten Töne in allen Theilen des Tempels hörbar find. Die Bemalung wird selbstverständlich eine dem Baustile entsprechende werven. Zionistische Kolouisalivn Von Dr. Oppenheimer-Berlin. (Schluß.) Diese Form des Besitzes, unvollkommen verwirklicht in allen alten Volksrechten, gewährt alle Vorteile des eigenen Bodeneigentums und ist. frei von seinen schweren Fehlern. Sie gibt die volle Sicherheit des Besitzes, sie gibt das volle Heimatsgefühl und jene unlösbare Verwurzelung mit Boden und Acker, die den Bauer sein Feld pflegen und lieben läßt mit allen Kräften; aber sie schließt aus die Verschuldung des Bodens, die in allen Ländern des römischen Rechts dem Bauern die Früchte seines Fleißes nimmt, um sie der Grundrente in den Schoß zu Wersen, sie schließt ferner aus die Zersplitterung des Feldlandes hier und die Anhäufung dort, die die Dorfgemeinde feindlich spaltet in eine Aristokratie und ein Proletariat und damit jene Znteressengemeinschast vernichtet, die allein nach dem Zeugnis der Weltgeschichte unverwundbar machen kann. Sie schließt ferner aus jene Proletarisierung des armen Landvolkes, das massenhaft in die Städte drängt-, sie zu moralisch und physisch ungesunden Riesenmassen aufbläst und mit seinem Hungerangebot für Lohnarbeit alle Gräuel des Kapitalismus in die Welt ruft. Der genossenschaftliche ' Besitz des Grund! und Bodens gewährleistet für alle Zeit Freiheit und Brüder- I lichkeit des Bauernstandes, der von Epoche zu Epoche in höherem Wohlstand sich immer größerer. Bildung und Gesittung! erfreut. Sie gewährleistet ferner für alle 'Zeit ein gesundes j Gleichgewicht zwischen städtischer und bäuerlicher: Bevölkerung, gleichmäßige Entwickelung aller Stände, die Abwesenheit riesiger Metropolen und eilte vernünftige, sittlich und politisch gleich heilsame wirtschaftliche Gleichheit auch der. städtischen Berufe, und dadurch auch hier Freiheit und brüderliches Zusammenhalten. Ein anderes System kann nach meiner Ueberzengnng der Zionismus gar nicht wählen. Wollten wir das von uns i erworbene' Gebier an reiche Kapitalisten austun. so wäre es j erstens viel zu eng für die Massendie der Erlösung harren;! denn das Groß-Grundeigentum verödet die Welt; es hat nicht j den hundertsten Teil der Fassungskraft für Menschen wie die! kleinbäuerliche Kolonisation mit ihrer reichen städtischen Ent-' i Wicklung, und wir dürfen zweitens nichts anderes tun, als j Stadtpro.letcirier in noch jämmerlichere Ackerbauproletarier zu! verwandeln. — Und wollten wir das Land in Banernstellen i zu freiem römischen-Recht austnii, io würden wir nicht nur! alles Elend mirimporlieren, das das Eigentumsrecht dieses Raub--! staares über die Knltnrwelt gebracht har, wir würden nicht nur i auch, hier die Fassungskraft des (Gebietes für Menschen ungeheuer! verringern, sondern wir würden vor allem das Wichtigste ver- I schlendern, die gewaltige Kredilbasis, die eine geuossen'chastlkche Kolonisation schasst, denn unter ihr wächst der im Onaoral der Bevölkernngsdichiigkeir steigende Bodemverl der Gesamnuheit zu und kann von ihr nutzbar gemacht werden,'um die gigantischen Kapitalmengen zu werben, die für die Vollendung des Werkes unentbehrlich sind, Kapitalmengen, die der westeuropäische Lude uns nie geschenkweise zur Verfügung stellen wird. Geben mii* aber das Land zu Privateigentum aus, so wachsen die gigantische» Bodenwerte, die Schöpfung der Gesamtheit, einzelnen Privatpersonen zu und werden natürlich nicht den Zwecken der Ge-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.