Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1903
- Issue
- Heft 38 (9.10.1903)
- Date
- 1903-10-09
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Wahrheit Seite 5 .Nr. 38. erlitten hat. Er war ein „Edler" , in des Wortes schönster Bedeutung, geadelt durch den bedeutungsvollen Inhalt seines werktätigen Lebens, das leider durch eine tückische Krankheit einen so frühen Abschluß finden mußte. Arthur Edler von Mises war ein konservativer Jude, aber von jenem hohen Konservatismus beseelt, der nicht jn der Beobachtung leeren Formenwesens sein Genügen findet, sondern nach der Betätigung des wahren Inhaltes der Lehren des Judentums strebt. Und in dieser Richtung, die auch seine ihm kongeniale Gattin teilte, war lein hoher Wohltätigkeitssinn-, sein reges Mitgefühl für Not und Leiden seiner Mitmenschen, seine Freude an guten Werken tief begründet. Als er vor mehreren Jahren in den Kultusvorstand berufen wurde, widmete er sich mit Vorliebe den Wohlfahrtseinrichtungen derselben, und besonders waren es das Versorgungs- und Siechenhaus, wo er als Obmannstellvertreter der Versorgungshaus-Kommission an der Seite des Aamenkomites eine hervorragende und segensreiche Tätigkeit entfaltete. Für diese beiden Anstalten, deren Verwaltung ihn bis in das kleinste Detail interessierte, war er, man könnte sagen, bis zu seinem letzten Atemzuge tätig. Wie verklärte sich sein Angesicht, wenn er irgend einen Erfolg für dieselben errungen, oder im Kultusvorstande nach Erstattung eines seiner ausgezeichneten Referate die zustimmende Anerkennung und materielle Unterstützung seiner Anträge seitens des Plenums gesunden hatte, und wie stolz war er, wenn er einen Besucher durch die Räume des Versorgungs- und Siechenhauses führte und die nahezu unübertroffene Einrichtung dieser Musteranstalten demonstrieren konnte. Da war ihm keine Stunde zu früh, keine zu spät. Und fragt man sich, wie Arthur v. Mises neben seiner ernsten und anstrengenden Berufsarbeit als Ober-Ingenieur im Eisenbahuministerium noch Zeit und Muße für seine Ehrenämter als Vertreter der Kultnsgemeinde und Präsident des Synagogen- Vereines „Lstü-Iorasl" finden konnte, so war dies nelen seinem immensen Fleiße und seiner nie erschlaffenden Arbeitsbeflissenheit, vor allem seinem edlen, guten Herzen zu danken, dem es innerstes Bedürfnis war, dem allgemeinen Wohle zu dienen. Reben dem innigen Familienglück, das er an der Seite seiner feinsinnigen Gattin und seiner wohlgeratenen Söhne genoß, mag ihm dies auch über manche Bitternisse des schweren Leidens hinweggeholfen' haben, das ihn vor ungefähr einem Jahre befiel und seinen Lebensfaden so jäh und rasch in jungen Jahren abgeschnitten hat. Mag auch der Schmerz über das Hinscheiden dieses edlen Mannes Familie und Gemeinde tief Niederdrücken, so wird sie gewiß das Bewußtsein wieder erheben, daß die Arbeit, die er geleistet, die Saat des Guten, die er bei Lebzeiten ausgestreut, blühen, gedeihen und noch späteren Generationen reiche Früchte tragen wird. Gesegnet sei sein Angedenken j Die Lache wurde von Halberstadt, wo der Verblichene durch eine Operation Genesung zu erlangen hoffte, nach Wien überführt und Montag, den 5. d. M., V, 10 Uhr vormittags, unter überaus zahlreicher Teilnahme zur ewigen Ruhe bestattet. Im Trauerhause fanden sich schon lange vor dem Beginn der Zeremonie zahlreiche Tranergäste ein, ruiter welchen zu bemerken waren: Frau Baronin Charlotte Königswarter, der Präsident der Kultusgemeinde, kaiserlicher Rat Heinrich Klinger, mit den Vizepräsidenten, Dr. Alfred Stern und Landesschulrat Dr. Gustav Kohn, die Vorstandsmitglieder Dr. Alfred Berger, Dozent Doktor Josef Breuer, Salo Cohn, Professor Dr. S. Ehrmann, H. Ellbogen, Architekt Max Fleischer, kaiserlicher Rat M. Hirsch, Emil Horner, Dr. Felix Katzan, Dr. Arthur Kuranda, kaiserlicher Rat Wilhelm Po'llak, Oberfinanzrat Dr. B. Nappaport, Bezirksschulrat Doktor M. Spitzer, Baurat Wilhelm Stiaßuy, Gotllieb Tausfig, Herr Theodor^ Ritter v. Tausfig und kaiserlicher Rat I. Weil, der erste «Sekretär 'kaiserlicher Rat Dr. Theodor Lieben, dessen Stellvertreter Dr. Adler, die Bethausvorsteher Ad. Rosenbaum Ac>. Schrameck und kaiserlicher Rat Jgn. Wilhelm, der Gesamtvorstand des Synagogenvereines „Beth-Israel“ mit dem Vizepräsidenten Deiches und Rahbin.er Mayersohn, der Vizepräsident der türkischisraelitischen Gemeinde Licco Adutt, die Vorsteher der Chewra Kadischa S. Heit und Kann, die Vorsteher der israelitischen Armenanstalt Josef Jelinek und A. M. Pollak, der Vorsteher des Tempelvereines im IX. Bez. Gottlieb Bettelheim, Vorsteher Steiner von Fünfhaus, Oberstabsarzt Dr. Schaff aus Lemberg, die Rabbiner Dr. Bach, Dr. David, Dr. Feuchtwang, Dr. Gelbhaus und Dr. GruNwgld, Chacham Papo und Dr. Rosenmann, Obercantor Bauer, die ersten Cantoren -M. Blatt und Jurberger, die Cantoren Löwit und Serebrenik, Direktor Heller, Regierungsrat Dr. Schlag mit mehreren Kollegen. Minister ialsekretär Dr. I. Mautner, Dozent Dr. Grünfeld, Skriptor Dr. S. Frankfurter, das Damenkomitö des Versorgungshauses, die Vereinspräsidenten H. Beck und S. Brod, Deputationen der humanitären und Synagogenvereine und viele Andere. Rabbiner Dr. Taglicht, der durch seine Gattin mit der trauernden Familie verwandt ist, hielt eine tiefbewegte Rede, worauf der Sarg gehoben und unter Vorantritt des Kultusvorstandes und unter den ergreifenden Klängen der Tranerpsalmen, die Obercantor Schorr von der Synagoge „Btztd- Israel“ mit dem Chorperfonale der Cultusgemeinde anftimmte, zum Leichenwagen getragen. Ein schier unendlicher Wagenzug bewegte sich hierauf nach dem Zentralfriedhofe. Dort wurde die Leiche in den Zeremoniensaal getragen, wo Obercantor Schorr in überaus wirkungsvoller und zu Herzen dringender Weise das Hazum tomim rezitierte. Dann hielt Oberrabbiner Dr. Güdemaün dem Dahingeschiedenen einen würdigen Nachruf, in welchem er die hervorragende Tätigkeit desselben im Schoße der Wiener Gemeinde schilderte und der trauernden Familie im Hinweise darauf lindernden Trost zusprach, daß der Name des Verstorbenen in der Geschichte der Gemeinde unvergeßlich bleiben werde. Nachdem der Sarg von der Estrade abgehoben wurde, richtete der Präsident der Kultusgemeinde, kais. Rat Heinrich Klinger, ergreifende Abschiedsworte an den verstorbenen Kollegen und dankte ihm im Namen des Kultusvorstandes und der Insassen des Versorgungs- und Siechenhauses für sein unvergängliches Wirken - im Interesse dieser humanitären Institutionen. Am Grabe selbst sprach noch der Vizepräsident des Synagogen- Vereines „Beth Israel" tiefbewegte Abschieds- und Dankesworte, dann sielen dumpfe Erdschollen auf den Sarg und deckten die sterblichen Ueberreste des Mannes, der in seinem kurzen Erdenwollen sich als einer der Besten und Edelsten bewährt hat. * * * Anläßlich des Hinscheidens des Vertreters der israel-. Kultusgemeinde Wien, Herrn k. k. Ober-Ingenieur Arthur Edlen von Mises, hat der Präsident der Kultusgemeinde, Herr kais. Ruth Klinger am 4. Oktober eine außerordentliche Plenarsitzung eiuberufeu, zu welcher sämtliche in Wien weilende Vorstandsmitglieder erschienen waren. Der Vorsitzende hielt folgende Ansprache an die Versammlung: „Meine Herren! Es ist ein tiefbetrübender Anlaß, der uns heute hier versammelt. Das plötzliche unerwartete Hinscheiden unseres Kollegen, des Herrn Vertreters, k. k. Ober-Ingenieur Arthur Edlen von Mises. sDie Anwesenden erheben sich von ihren Sitzen.) Durch ein Telegramm der Gemahlin des Verewigten von dem Hinscheiden desselben in Kenntnis gesetzt, habe ich sofort der tiefen Trauer des Vorstandes durch nachstehendes Telegramm an die Witwe Ausdruck gegeben: „Tieferschüttert und schmerzlich bewegt durch die traurige Nachricht von dem Ableben Ihres Herrn Gemahls, unseres unvergeßlichen, um die Wohlfahrtseinrichlungen unserer Gemeinde außerordentlich verdienten Kollegen, bitte ich im Namen des Vorstandes und in dem unserer durch dieses Hinscheiden hart betroffenen Kultusgemeinde den Ausdruck des inuigsten Beileids entgegeilznnehmen." Meine Herren! Wir alle betrauern in dem in der Blüte seiner Jahre Dahingeschiedenen einen Manu, dessen unermüdliche Pflichttreue und hohe Auffassung freiwillig übernommener Aufgaben uns allen beispielgebend vorangeleuchtet hat, einen lieben