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Die Wahrheit · 1903-10-09 · Heft 38 (9.10.1903) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1903
Issue
Heft 38 (9.10.1903)
Date
1903-10-09
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Die Wahrheit. Nr. 38. Acht Tage lang die Hütte bleibt Als unsre Wohnung jetzt, Aus der kein Feind uns mehr vertreibt, wo Gott uns eingesetzt. Das „Hallel" stimmen laut wir an, Den frommen, schönen Sang, wir danken Gott, der wohlgetan — Vor keinen: wird uns bang. Durch Gottes Schutz ist uns ein Turm Das schwache Bretterhau s; Mit Gott zie h'n wir, trotz V ö l k e r st u r m, jn ,frtci)en ein unb aus. AToritz Antscherl. Das Hiittenfest. „Zn Hütten sollt ihr sieben Tage wohnen, damit eure Geschlechter wissen daß ich die Kinder Israels in Hütten wohnen ließ!" Mit Recht bemerken unsere Lehrer, daß die verschiedene Schreibart des ^Wortes D13M mit und ohne waw andeute, daß sie in zweierlei Hütten wohnten, nämlich in Hütten, über denen die- Wolken der göttlichen Herrlichkeit schützend lagern und irr rvirklichen Schutzhüllen, wo sie auf ihren Kriegszügen gegen Sichon und Og wohnten. Ja wohl, anders ist die Friedenshütte, über die Gottes Sonne fröhlich scheint, anders die Stätte, in die man sich zurückzieht, , wenn draußen wilder tückischer Kamps droht. Seit jeher finden wir in Israel beide Arten der Hütte vertreten, lieber Israels Behausung war stets ein wolkeureiuer Himmel, eine von Gottes Gnade und Liebe strahlende Sonne, Wolken, die reichen Segen bargen, aber auch viel Leid und Elend,, viel ungerechte, schwere Verfolgung umlauerte die Friedenshütle Israels. Zn diese Hütte leuchtete trotz ichwercr Schauen auch mancher Lichtstrahl durch das lichtsreuudliche Dach, Israels Lehrer hatten vorgesorgt, daß rieben dem Schatten auch Licht in das Innere gelange. , Neben dem Lichte muß notwendig Schatten fein, so sagten unsere Meister, als sie bepimmren, cliamosoh meruboh mizzilusoh. das Sonnenlicht muß überwiegen gegen den Schatten, Licht muß Finsternis in Israels Behausung verdrängen, Reinheit muß in Israels Znnerm herrschen, reine Gesinnung, die alles Niedrige, Vei werfliche von sich weist, sonst ist unsere Hütte wertlos. Wenn die Hütte 1. frei von allem, ivas verunreinigt, 2. von allem, was nicht der Erde entwachsen, der Natur entsproßeu ist, 3. doch so errichtet wird, daß sie nicht mit der Erde durch Gewächse und Pflanzen direkt verbunden ist, 4. das Sonnenlicht den Schatten überwiegt, 5. von uns errichtet, 6. höher als 20 Ellen ist, so ist sie als Wohnort für das schöne Fest gestattet. Wie tiefsinnig sind alle diese Bestimmungen unserer Alten! Das Laubwerk unserer Hütte sei der Erde entsproßeu. doch von ihr befreitBon allem Niedrigen befreit sei unser Obdach! Natürlich, einfach, lichtfreundlich, hoch sei unser Heim! Hier sei stets mehr Licht als Schatten; frei von allem Gemeinen, sei unsere Wohnstätte gastfreundlich geöfinet, um jedermann zu empiangeu! Und wie jeder einzelne seine Hütte sich zum Feste errichte, so soll er bemüht sein, in ernster Arbeit, im redlichen Eifer sich ein gottgesegnet Heim zu gründen, mit großem Fleiße und nie rastender Tätigkeit sein Heim nach innen und außen auszugMalten. taaselr lecho, dir sollst du es schaffen zu deinem Wohle es ausgestalten; das Friedensdach deines Heim sei dir das Höchste! In dieser Hütte des Friedens sollen wir Tag und Nacht sein, dort sollen wir an die Schicksale unserer Ahnew denken, dort in stiller Nacht von unserer Zukunft träumen! Da der heilige Charakter der Sukka überaus groß ist, so soll und darf man hier nur Ernstes, Großes, Heiliges besprechen, nicht aber leere, unwürdige Reden führen, die den Zweck, der Sukka entwürdigen und das Heilige herabsetzeu! Und ebenso darf man in die Sukka nicht gewöhnlichem Gebrauche dienende Geräte dringen, sondern nur bessere. So sollen wir lernen, in uns selbst solch eine reine, von niederen Regungen ganz freie Wohnung des Herrn schaffen, wo Gottes Lehre und Gesetz herrscht. Und da heißt es vor allem, unsere Jugend, die unsere Zukunft vorstellt, über den Feststrauß des Hüttenfestes zu belehren. Die Palme ist das Symbol des mächtig Emporstrebenden, sie will die Jugend zur Strebsamkeit, zu ernster Arbeit mahnen/ Die Myrthe ist das Symbol stiller Bescheidenheit und gesetzter Ruhe; die Bachweide das mahnende Zeichen der Einfachheit, der Genügsamkeit; die Pracht des etrog (bon rogag) ba§ Zeichen des reichen Segens, den Gott dem frommen Manne redlicher Arbeit gewährt. Unsere Alten bezeichnen es als eine mizwa min liamubclior, eine besondere Pflicht, Lulab, Myrthe und Bachweide zu. einem Ganzen zu vereinigen durch einen kesellor gomur einen vollständigen Knoten, der aus zwei einfachen besteh:. Alle harmonischen Kräfte müssen geeint werden und unter Führung einer erprobten Kraft zu großem Werke schreiten. Das ist eben der Knoten, der das Band fest hält, um die geeinte Schar, die früher aus oft widerstrebenden Elementen bestanä, in denen das Bestreben der Hebung des Judentums in verschiedenem Grade vorherrschte. Man nimmt den Lulab, die Myrthen- und Bachweidenzweige in die Rechte, den Etcpg in die Linke, die Mehrheit der Kräfte muß eben von einer tüchtigen Rechten geführt werden,, die Minderheit schließt sich schon meist in Erkenntnis der Wohltaten der Mehrheit ihr an. loosai\rob oslinon, wir gehen ja immer nach der Mehrheit.' . Wenn wir als seelrer lemikdosch. während der Festtage unter feierlichen Gesängen unsere Lade,, die ans einer Erhöhung ausgestellt ist, mit Lulab und Etrog umziehen, den Ewigen bitten, wie erden Altvordern ein Hort gewesen, auch uns zu umwallen, so fühlt wohl mancher in der Tiefe seiner Seele, wo das Heiligste ruht, die Gewalt solch großer Vergangenheit und beugt sich demütig mit den Worten des Volkes zu Jerusalem: omi lejo weenenu lejo, wir gehören Gott und unsere Augen sind stets zu ihm gewendet. * Unsere Alten bemerken: „Wer nicht das Fest der Wasfersperrde an den Ewigen lab, die Stadt Jerusalem zur Zeit ihrer Pracht und den Tempel in seiner Herrlichkeit, hat nie eine rechte Freude, nie eine herrliche Stadt/ noch einen großartigen Ban gesehen! Wenn auch wir weder die tiefiunige Freude des Wasserfestes noch auch den herrlichen Tempel zu Jerusalem, sei es der erste oder zweite oder der des Herodes, welcher nach der Schilderung unserer Alten aus. Marmorsteinen erbaut wurde und ein Prachtbau, würdig der Gottesverehrirng, war, noch auch das herrlich große Jerusalem zu sehen, die Gnade hatten, so sind doch wir, unsere Hoffnung und unser Streben, von der Idee der Erfüllung jener Aufgaben erfüllt, die die Thora uns gestellt: dem Ewigen aus ganzem Herzen zu dienen. Wie Gott die Väter in der Wüste eines armseligen Lebens' zum Ziele geführt, so wird er auch uns trotz aller Wüsten, die wir durchziehen müssen, zum Siege'führe». Selbstbewußt wollen wir endlich in die Hütte unseres Gottes einkehreu und von Jrrtümeru lassen, die uns verderben! Dann wird uns Gott eine Friedenshütte für immer gewähren. Dr. L. Hirsch. Ärthur Edler von Mises. Nur wer das vornehme und dabei bescheidene, gegenüber jedermann ^liebenswürdige und entgegenkommende Wesen dieses Mannes und ebenso sein selbstloses, hingebungsvolles, auf das Wohl seiner Glaubensgenossen und engeren Gemeinde gerichtetes Streben und Wirken genau kennen zu lernen Gelegenheit hatte, kann den großen Verlust ermessen, den. nebst der Familie die Wieller Kultusgemeinde durch das am Üvmkixxur-Feste, * fern von heimatlicher Stätte, in Halberstadt erfolgte Hinscheiden ihres Vertreters, des Herrn Arth ur Edlen v on Miseß

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