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Die Wahrheit · 1903-09-29 · Heft 37 (29.9.1903) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1903
Issue
Heft 37 (29.9.1903)
Date
1903-09-29
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8. Die Wahrheit Nr.. 37 würdig anreiht, sei ein neuerliches Zeichen der Opferwilligkeit unserer Glaubensgenoffen und zweifellos bestimmt, eine erhebende Stätte der Andacht in unserer Gemeinde zu sein. Endlich gibt der Präsident eine Ueberstcht über die Kassabewegung der Eultusgemeinde in den abgelaufenen acht Monaten unter Vergleichung der diesbezüglichen Ziffern des Vorjahres. Hierauf werden die seit der letzten Plenarsitzung erfolgten Stiftungsverleihungen zur Kenntnis gebracht. De» nächsten Punkt der Tagesordnung bildet die nachträgliche Genehmigung der vom Vertreter-Kollegium während der Sommermonate im Sinne des § 20 des Statutes gefaßten Beschlüsse in nachfolgenden unaufschiebbaren Angelegenheiten: Behufs Ermöglichung der ungestörten Abhaltung des Zugendgottesdienstes im Brigittenauer Bethause, welcher bisher mangels einer Heizanlage während der Wintermonate unterbleiben mußte, hat das Vertreter-Kollegium einen Betrag von zirka £ 1700.— zur Anschaffung von Gasöfen votiert. lieber Referat des Sekretärs kais. Rat Dr. Lieben wird die nachträgliche Genehmigung erteilt. Die Auszahlung der erhöhten Subvention pro 1903 an den Tempel- und Schulverein, VI., Stumpergaffe, wird genehmigt. Herr Vertreter, Baurat Wilhelm Stiaßnh, referiert über die Neuherstellung von Fußböden in den Zimmern und Korridoren des Spitales der israelitischen Eultusgemeinde. Diese Arbeiten, welche einen Kostenbetrag von zirka K 8000.— erforderten, wurden seitens der Behörde als unaufschiebbar bezeichnet und mußten während der Sommermonate zur Durchführung gelangen. Des ferneren ergab sich die Notwendigkeit -weiterer Adaptierungsarbeiten mit einem Kostenaufwand von zirka X 7000.-—, welche gleichfalls noch vor Eintreten des Herbstes vollendet sein mußten. Die vom Referenten beantragte nachträgliche Genehmigung wird erteilt. Desgleichen wird der Bewilligung folgender Nachtragskredite zugestimmt: Für elektrische Beleuchtung des Spitales Faller und neuer Trakls K 4000.—; für Herstellung von Grüften auf der israelitischen Abteilung des Zentralsriedhofes X 5000.—; ferner Beträge für rituelle Verköstigung jüdischer Soldaten während des Passahfestes und hoher Feiertage; «ndlich für Prämien zur Brandschadenverstcheruna und für Waffermehrverbrauch. Zm Sinne der Anträge der Kommission für Cultusaugelegenheiien und des Vertreter-Kollegiums, sowie auf Grund der Aeußerung der Bezirkskommission für den II. und XX. Bezirk wird das Ansuchen des Vereines „Schomre Hadath" um Genehmigung der Errichtung eines ständigen Bethauses im II. Bezirke, Obere Donaustraße 12, mangels eines Bedürfnisses und mit Rücksicht auf die lokalen Verhältnisse abschlägig beschieden. Namens des Vertreter-Kollegiums beantragt Sekretär *aiJ* Rat Dr. Lieben, dem' Kindergarten in der Brigittenau auch für das Schuljahr 1903/1904 eine Subvention in der Höhe von X 2000.— zu bewilligen. Die Herren Cultus- Dorsteher Eltbogen und Vertreter Dr. Steiner, wie auch Vertreter Theodor Ritter von Taussig heben die besonders segensreichen Wirkungen dieser Institution für die arme jüdische Bevölkerung der Brigittenau hervor. Der Präsident bemerkt, daß insbesondere Herr Cultusvorsteher Eltbogeu dem Kindergärten regstes Interesse entgegenbringe, wofür ihm Dank gebühre und ersucht der Präsident Herrn Eltbogen, auch weiterhin seine Fürsorge dieser löblichen Institution zu widmen. Der Bericht der Leiterin wird Mit Befriedigung zur Kenntnis gekommen und sobin die bdaütragte Subvention einstimmig bewilligt. Entsprechend dem Referate des Herrn Vertreters, Baurat Theodor Ritter von Goldschmidt, werden an 17 Parteien Periodische Unterstützungen (MonatsundAuartalsgabeir) für die Zeit vom 1. Juli bis Ende DezemberM03im Gesamttbetrilche von zirka £ 1700.— einstimmig bewilligt/ Herr Vize-Präsident Dr. Kohn berichtet, daß für die diesjährigen hohen Feiertage seitens der Eultusgemeinde außer im Musikvereinssaale auch im großen Saale des „Hotel Post" ein temporäres Betlokal eingerichtet wurde. Ein großer Teil der Sitze wird Unbemittelten unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Der Präsiden! bemerkt bei diesem Anlasse, daß diesjährig vor Erteilung von Genehmigungen temporärer Betlokale die Aeußerungen des nächstgelegenen Bethausvereines und der betreffenden Bezirkskommission eingeholt und denselben zumeist Rechnung getragen wurde. In einem Falle — hinsichtlich des Ansuchens des inneröfterreichischen Distrikskomites des Verbandes „Zion" — habe sich der Präsident jedoch reranlaßt gesehen, entgegen den ablehnenden Aeußerungen die Zustimmung zur Abhaltung von Betversammlungen in den Verbands-Lokalitäten ex präsidio zu erteil, n. Vor Schluß der Sitzung erwähnt der Präsident, daß in Angelegenheit der erfolgten Konstituierung der Bezirkskommissioneu und mehrerer von einzelnen derselben an den Vorstand gelangten Eingaben formalen und meritalen Inhalts er dem Sektrerär-Stellvertreter Dr. Adler die Erstattung eines Berichtes übertragen habe, welcher demnächst den Gegenstand der Beratung durch das Vertreter-Kollegium bilden, beziehungsweise zur Vorlage an den Vorstand gelangen werde. Nach Erledigung von Personalien spricht der Präsident unter lebhafter Zustimmung der Anwesenden dem Vorstande ein herzliches rotts ruti> ans und schließt die Sitzung. Kongreß gegen den Mädchenhandel. Der über Anregung des „Hilssverein der deutschen Juden" in Lemberg abgehaltene Kongreß zur Bekämpfung des Handels mit jüdischen Mädchen, dessen Tagung unser Lemberger Korrespondent in seinen letzten „Lemberger Briefen" signalisierte, hat durch die Teilnahme der hervorragendsten jüdischen Organisationen und der maßgebendsten Factoren des galizischen Judentums einen überaus imposanten Verlaus genommen. Die fortgeschrittensten und konservativsten Elemente vereinigten sich da, um eine der traurigsten Erscheinungen des sozialen Elends der Juden in Galizien mit aller Energie zu bekämpfen und das Uebel, das das bisher sittenreine Familienleben unter der ärmeren galizisch jüdischen Bevölkerung anzusressen drohte, an der Wurzel zu fassen. So mannigfach auch die Anschauungen über die Ausdehnung des schändlichen Mädchenhandels speziell in Galizien waren, so verschiedenartige Mittel zur Abhilfe vorgeschlagen wurden, ebenso einmütig trat die Erkenntnis zu Tage, daß nur die Hebung der materiellen Notlage eine Wendung zum Besseren herbeisühreu könne. Und in dieser Einmütigkeit liegt auch eine sichere Gewähr, daß die gefaßten Beschlüsse segensreiche Früchte zeitigen werden. An dem Kongreß, welcher Mittwoch den 16. d. M., 11 Uhr Vormittags, im Sitzunzssaale der Lemberger Cültusgemeinde von dem Präsidenten derselben, Reichsratsabgeordneten Dr. Byk, eröffnet wurde, nahmen unter Anderen folgende Delegirte teil: Reverend Singer aus London (Jewish Protection Society for Women und Gerls), Doctor Pappenheim— Wien (Hilssverein für notleidende jüdische Bevölkerung in Galizien), Dr. Sonnenschein—Troppau (österreichische B’nai Brithsßogen), Dr. Rosenack—Bremen (Deutscher Rabbinerverband), Dr. P. Nathan und W. Bambus—Berlin (Hilssverein der deutschen Juden), Dir. Hirschler und Frl. Pappenheim—Frankfurt (Komite für die osteuropäischen Juden in Frankfurt), Gustav Tuch und Alfred Chon—Hamburg, sowie Goldschmidt—Lübeck (Jüdisches Zweigkomite des deutschen Nationalkomites zur Bekämpfung des Mädchenhandels), Paul Laskar—Hamburg (Israelitischer Unterstützungsvereiu für Obdachlose), D. Rotter-^-Wieu (Jewish Colönisation Association und Alliance israelite universelle), Dr. A. Kaminka— Wien (Israelitische Allianz) rc. Unter den Galiziern fallen vor allem die markanten Gestalten der strenggläubigen Rabbirne

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