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Die Wahrheit · 1903-09-18 · Heft 36 (18.9.1903) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1903
Issue
Heft 36 (18.9.1903)
Date
1903-09-18
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Die Wahrheit. Nr. 36. in diesem Lichte wollen wir wandeln ungestört und unversehrt. Für dein ewiges Gesetz unser Herz weihen, für deinen Glauben arbeiten und kämpfen, bis der Boden gelockert istwo die Maat des Friedens und der ewigdauernden Menschenliebe gedeihet. O, himmlischer Vater, zünde bald an dieses Licht in unseren Tagen, damit dein Wort zur Wahrheit werde: „Li imeho xnekor chajim, du bist die Quelle des Lebens, unser Ernährer und Erhalter, unser Heil und unsere Wonne für und für! . Dunaföldvar. Rabbiner Dr. Daniel P a r t o s. Die deutsche« Glätter und -er letzte Baseler ZiomstenKongreß. Während die österreichischen Tagesblätter so ziemlich ausnahmslos den letzten Zionistencongreß in Basel ganz tobt* schwiegen, oder nur in kurzen Notizen desselben Erwähnung thaten, haben hervorragende reichsdeutsche Blätter in ziemlich ausführlicher sund ernster Weise über den Congreß berichtet und zu den Beschlüssen desselben Stellung genommen. Unter diesen Enunciationen ist nachfolgende Preßfehde von besonderen Interesse: Als der Brief des russischen Ministers v. Plehwe bekannt wurde, schrieb die „Breslauer Morgenztg." im Anschluß an denselben folgendes: Unsere Stellung züm Zionismus ist den Lesern bekannt. Wenn die Juden statt stolz und selbstbewußt ihre staatsbürgerlichen Rechte gegen ihre Widersacher zu verteidigen, vor diesen Widersachern das Feld räumen, so tun sie damit niemandem einen größeren Gefallen, als eben ihren Feinden; wenn sie sich, statt mit ihren christlichen Mitbürgern zu leben, statt sich neben ihnen zu betätigen im Leben der Nation, statt in der Nation unbeschadet ihrer konfessionellen Interessen aufzugehen, in der Verfolgung spezifisch jüdischer Stammesinteressen von der christlichen ^Bevölkerung abschließen, so führen sie wiederum Wasser auf die Mühlen der Rassenhetze:-, welche die Juden als einen Pfahl im Fleische der christlichen Nationen anklagen. Gegen die neuerdings von einigen Führern des Zionismus ausgebene Parole, die eine hermetische Abschließnng jüdischer Bürger eines Staates von dessen übriger Bevölkerung fordert, wendet sich auch der rusf'sche Minister v. Plehwe. Zu seinem Schreiben an Herrn Dr. Herzl sagt das ,-Berliner Tageblatt" folgendes: Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß eine derartige Tendenz seitens der Staaten, denen gegenüber sie zu Tage tritt, Gegenmaßregeln Hervorrufen würde, die die Lage der jüdischen Bevölkerung nur verschlechtern würden. Wir sind nur äußerst selten in der Lage, einer Kundgebung der rustischen Regierung in der Judensrage zuzustimmen. Doch diese Abfertigung der verblendeten und verblendenden Führer dieser außerordentlich verderblichen Bewegung war vollkommen an ihrem Platze. Der Minister v. Plehwe hat mit seiner Behauptung durchaus Recht, daß ein Staat einen derartigen Unfung in feiner Mitte nicht dulden kann. Werden die Herren, welche diese unheilvolle Bewegung augefacht haben, durch diese bitterernste Warnung eines Ministers einer Weltmacht endlich dahin gebracht werden, ihren furchtbaren Irrtum — um kein anderes Wort zu gebrauchen — eher einzuseheu, bevor die entsetzlichen Folgen desselben überall auf Erden sich bemerkbar gemacht haben werden? Discite monitiJ Diesen alten römischen Spruch „Lernt, Ihr seid gewarnt!" sollen diese sonderbaren Schwärmer gar wohl beachten. Alle diese Bestrebungen bergen große Gefahren in sich. Bis auf einen verschwindenden Bruchteil haben die deutschen. Juden mit diesen phantastischen Torheiten nichts gemein. Es wäre dringend zu wünschen, daß diese Worte eines Blattes,''das doch gewiß über den Verdacht der Feindschaft gegen das Judeuthum erhaben ist, unter den deutschen Juden, welche den zionistischen Bestrebungen Vorschub leisten, die Beherzigung finden, die sie verdienen. Darauf erhielt die „Br. Mgztg." aus zionistischen Kreisen eine Zuschrift: \- , " Audiatur et altera pars! 'M Die „Breslauer Morgen Zeitung" beschäftigt sich in ihrer Sonnabend-Nummer mit der Stellung des; Zionismus zum Staatsbürgertum und Macht dabei dem ersteren den Vorwurf, daß er die Juden verführe, statt ihre staatsöürMrlichen Rechte zu verteidigen, vor ihren Widersachern das Md zu räumen, und statt in der Nation, in der sie leben, aufzugehen, sich von ihren christlichen Mitbürgern abzuschließen. .-•& Beide Vorwürfe sind völlig unbegründet. iL Das Ziel der zionistischen Bewegung ist 'durchaus nicht, jüdische Bürger ihrem Vaterlande zu entfremden' .es wäre ja auch reiner Wahnsinn, z. B. den deutschen Inden zuzumuten, nach Palästina auszuwandern. . Was der Zionismus erstrebt, ist lediglich das, denjenigen Juden, die eben keine staatsbürgerlichen Rechte haben, »die in Elend und Jammer langsam verkommen und vermöge der in ihrem gegenwärtigen „Vaterlande" herrschenden Gesetze geistig und moralisch sinken müssen, eine Heimstätte zu schaffen, wo sie unter Führung .-und mit Hilfe ihrer glücklicheren Glaubensgenossen aus anderen Ländern allmählich BrötH und^Frieoen finden und al' Menschen leben können. > Es bedarf wohl kaum der Erwähnung, daß es sich hierbei fast ausschließlich um die Millionen russischer Juden und Hunderttauienbe von rumänischen Inden bandelh, deren Lage ja du>ch die Wolle „Kifchinew" und „Fremden"-Gesetzgebung genügend gekennzeichnet ist. .. --- Daß der Zionismus hierbei im Hinblick auf die alte Sehnsucht jener Unglücklichen nach dem Lande ihrer Vorfahren gerade Palästina als;u besiedelndes Land im Auge, hatkann ihm niemand verdenken, denn er will ja dort nur unter der Oberherrschaft der Türkei eine durch Gesetze georneteMmnunale Selbstverwaltung begründen, während ihm oie utopistische Idee, etwa einen selbständigen Staat zu bilden, völlig fern liegt. Und ebemowenig wird jemand sagen können, daß hierbei den beteiligten Ländern Rußland und Rumänien. Unrecht geschehe; wollen doch beide nur zu gerne diese Bewohner los werden, wie ja auch der Brief des Herrn von Plehwe sehr deutlich erkennen läßt. Was nun den zweiten, gerade die deutschem Juden betreffenden Voiwurf anlangt, daß sie sich von ihren christlichen Mitbürgern isolieren, so scheint es mir der Gipfel der Ungerechtigkeit zu sein, erst jemanden Jahrzehnte lang, wo immer möglich, znrückzustoßen und dann, wenn er sich endlich auf sich selbst und seinen Menschenstolz besinnt, ihm vorzuwerfen, daß er sich anssch ließe! . Man kann wohl 'Achtung erzwingen, aber nicht freundschaftlichen Umgang Daß meine Berufsgenossen und die mir sozial gleichstehenben Kreise mich anständig behandeln, kann ich erreichen, wenn sie mich aber gesellschaftlich „schneiden" , so bin ich machtlos, und es bleibt mir nichts übrig, als mich zurückzuzieben. Oder soll ich mich ihnen aufzudrängeu suchen? Soll ich etwa warten, bis mau mich direkt auffordert, fernzubleiben? Wenn man dem Judentum als Ganzem irgend einen berechtigten Voiwurf machen kann, so ist es vielleicht der, daß es, geblendet von dem Glücke der Emanzipation nur zu sehr bemüht war, sich zu assimilieren, d aß es. in 'dem Bestreben, „ganz in der deutschen Nation auszugehen", oft nicht zurückhaltend genug in dem Verkehre mit christlichen Kreisen gewesen ist und deshalb den Vorwurf der Unbescheidenheit hinnehmen mußte! Gewiß, es gibt auch jetzt noch sehr viele Christen, die gerecht und gebildet genug sind, in dem Juden nicht blos deswegen, weil er Jude ist, einen Menschen zweiter Klasse zusehe», aber unendlich viel größer ist jedenfalls die Zahl derer, welche einen Verkehr mit Juden nun einmal nicht für ganz zweifelsfrei ansehen, die vor allem fürchten, durch einen solchen sich in den Augen der sogenannten besten Kreise etwas zu vergeben. Soll ich nun, um vielleicht einen von jenen zu finden, mich der Gefahr kränkender Demüthigungen aussetzen? Soll ich

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