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Die Wahrheit · 1903-09-11 · Heft 35 (11.9.1903) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1903
Issue
Heft 35 (11.9.1903)
Date
1903-09-11
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8. Die Wahrheit Nr. 35 1901 um 8,7 fiCt. gewachsen, während die Bevölkermigszunahme für den gleichen Zeitraum nur 7.3 pCt. betrug. Daneben ist in den einzelnen Wohnungen auch die Zahl der Zimmer gewachsen, so daß die Zahl der Londoner, welche sich den Luxus eines cig-nen Zimmers für sich allein gestatten konnten, sehr wesentlich gewachsen ist. Das letzte Band dts „Leben und Arbeit in London" hat, vielleicht gegen den Will-» seines berühmten Autors, den Beweis erbracht, daß die von den Antialienisten in England entfachte Bewegung nicht allein ungerecht und zwecklos, sondern den eigenen Interessen des englischen Volkes selbst direkt zuwider ist. U. J. verschiedene Nachrichten. Wie«. (Jüdischer Schulderem für den IX. Bezirk.) Die Privat- Religionsschule des „Jüdischen Schulvereines« tritt in ihr drittes Schuljahr. Die vom Cultusvorstande, vom Schulinspcctorat und anderen Fachkreisen anerkannt vorzüglichen Leistungen dieses Vereines lasse,: eine Erweiterung der Schule sehr wünschenswert erscheinen Die schwierigen Erwerbsverhältniffe machen es zur Pflicht, das Schulgeld möglichst niedrig zu bemessen und 3) indcrbemittelten noch weitgehendere Nachlässe zu g währen, so daß sich die Schule größtenteils durch Mitgliederbeiträge, Subventionen und Spenden erhalten muß. Wir lenken die Aufmerksamkeit der Wohltäter und Förderer alles Edlen auf diesen der Unterstützung höchst würdigen Verein. Zuschriften und Geldsendungen find gefälligst an den Obmann, Herrn Primarius Dr. Sigmund Kornfeld IX... Alserstraße Nr. 8, zu richten. Die Einschreibungen sowohl -für. Knaben als Mädchen finden vom 10 September d. I., täglich von 10—12 Uhr Vormittags und 2- 4 Nachmittags im Vereins lokale, IX, Praniergaffe 5, statt. Wrc«. Die feierliche Einweihung des neucrbauten Tempels im VIII. Bezirke aus der Musterhand des Architekten Max Fleischer findet am 15. d. M. halb 5 Uhr statt. Zufahrt laut polizeilicher Anordnung durch die Lerchenfelderstraff e in die Nedeggergasseu. Die noch vorhandenen Tcmpelsitze sind im Sekretariate zwischen 4 u. 7 Uhr Abends erhältlich. Zrie«. Freitag den II. d. 2)1., 6'/4 Uhr, findet in der Synagoge H. , Leopoldsgasse 29, aus Anlaß des zehnjährigen 3lmtsjubiläums des Obcrcantcrs Mayer Schorr rin festlicher Gottesdienst statt. Rien. (Schulnachricht.) Die Privat-Religionsschule der „Xäuss lisroel" (Schiffschule) unter Leitung Sr. Ehrwürden des Rabbiners S. Fürst beginnt am 16. September das neue Schuljahr mit je 3 Abteilungen für Knaben und Mädchen. Die stetig steigende.. Frequenz — von 60 ist die Schülerzahl auf 180 gestiegen — ist wohl die beste Anerkennung der Leistungen dieser Schule. Im Interesse des Unterrichtes ist es von Wichtigkeit, daß schon zu Schulbeginn das ganze Schülermaterial klasiiert werden kann, und werden die p. t. Eltern eingeladen, die Kinder rechtzeitig einschreiben zu lassen. Aufnahme finden Kinder im Alter von 7 bis 14 Jahren. Die Einschreibung findet statt im Schullocale, II., Negerlegasse 2, Sonntag, 13. September, von 9 12 Uhr Vormittags, Montag, 14. und Dienstag, 15. September, von 1—3 Uhr Nachmittags, weiterhin an Sonntagen von 8—12 Uhr Vormittags und Mittwochs von 2 — 6 Uhr Nachmittag. Wien. Die Vereinsleitung des „I'eülatk lianorim“ (Jugeudandacht) bringt zur Kenntniß, daß von ihrer Seite an den diesjährigen hohen Festtagen ein unentgeltlicher Gottesdienst für arme Schulkinder und Waisen, sowie für Lehrlinge und Praktikanten unter Leitung von Lehrern und verdienstvollen Männern abgehalten wird, und zwar: Im I. Bezirk in der Religionsschule, Seitenstettengaffe 2. im II. Stock für Handelspraktikantcn und Handwerkslehrlinge. Im 2. Bezirk, Tempelgafsc im Tempelgcbäude im Lstli-Uamiärasoü für Studierende von der Bürgerschule angcfangen und für die Mittelschule. Im 6. und 7. Bezirk Schmalzhofgasse 10, für Praktikanten und Lehrlinge. Karten können vom 15. bis 20. September für den 1. und 2. Bezirk in der Tempelgaffc, Tempelgebäude, täglich von 4—7 Uhr Abends, für den 6.. und 7. 'Bezirk, vom 15. bis 20. September, Abends von 6 bis 8 Uhr, Schmalzhofgaffe 10, bezogen werden. Diese Karten sind weder verkäuflich noch auf andere Personen übertragbar. Wien, den 8. September 1903. I. Gollerstepper, Obmann. Budapest. (Königlicher Dank.) Im Aufträge Sr. Majestät des englischen Königs, dem der Chefredakteur der „Ungar. Wochenschrift", der ebenfalls in Marienbad zur Kur weilte, das von ihm mit Hinzuthun der durchlauchtigsten Mitglieder unseres allerhöchsten Herrscherhauses für das seclige Andenken unserer verstorbenen Königin Elisabeth verfaßte Gedenkbuch zukommen ließ, richtete Se. Exzellenz General- Adjudant Sir Clark im Englischen folgendes Schreiben: Marienbad, 30. August 1903. Mein Herr! Ich habe Ihren Brief und das wertvolle Gedenkbuch an Se. Majestät dem König Eduard übergeben und das Schreiben vorgelesen. Seine Majestät hat mit großem Vergnügen dieses sehr interessante Werk für das seelige Andenken ihrer Majestät der Königin Elisabeth von Ungarn augenoinmeu Seine Majestät beauftragte mich. Ihnen seinen besonderen Dank zu übern itteln und Sie zu verständigen, daß dieses Werk mit Freude der königlichen Bibliothek (Royal Library) einverleibt wirb Ich bin, mein Herr, mit Hochachtung S dite. Clark, General Adjudant. An Herrn Julius Gäbet, Marienbad. Komotan. Am 29. August feierte hier Herr Obereantor Sigismund Rosenberger das 25jährige Jubiläum seiner Amtstätigkeit in Komotau. Aus diesem Anlaß wurde der Jubilar in der Vorhalle des mit exotischen Pflanzen reich geschmückten Tempels zum Mufasgebete von dem Cultus- sowie von dein Tempelvorsteher mit einer feierlichen Ansprache empfangen und unter den Klängen der Orgel in den Tempel geleitet, der von Andächtigen, wie an hohen Feiertagen, erfüllt war. Nach dem Einhcben der Thora bestieg Herr Rabbiner Dr. Thieberger die Kanzel und hielt in seiner sympathischen, herzlichen Redetechnik an Herrn Obereantor Rosenberger eine Ansprache, in der er rühmend das 25jährige, verdienstvolle Wirken des Jubilars hervorhob Repräsentanten der Cultusgemeinde sowie der israelitischen Vereine überreichten dem Jubilar nach dem Gottesdienste kostbare, mit Widmung versehene Ehrengeschenke. Aus Nah und Fern waren an Herrn Obereantor Rosenberger Depeschen und Grattllationsschreiben eingelangt. Stauiskan. Während der zweimonatlichen Abwesenheit des Herrn Obereantor Löwensohi. wurde derselbe nicht durch Herrn Rudolf Silberg, sondern durch Herrn Hermann Feiger, Cantor im hiesigen Tempel in allen cantoralen Funktionen vertreten. London. Dr. Moses Gaster in London, der Oberrabbiner (Chacham) der sephardischen Gemeinden Englands, der in der zionistschen Bewegung eine große Atolle spielt, hat aus Anlaß des ostasrikanischen Projektes folgenden Brief in englischen Zeitungen veröffentlicht: „Um Zions Willen will ich nicht Ruhe bewahren". Mein Herr! Zlngesichts der jüngsten Evolutionen des Zionismus erachte ich es als meine Pflicht, das fundamentale Prinzip des Zionismus wieder zu konstatieren: „die Erwerbung einer gesetzlich gesicherten Heimstätte in Palästina für das jüdische Volk". Weder mehr noch weniger. Das ist der erste Artikel und zugleich die unveränderliche Basis des Programmes, welches durch die Zionisten in Basil formuliert und angenommen wurde. Wir wünschen, in die alle Heimat unseres Volkes zurückzukehren und das alte nationale Leben in dem durch die Tradition geheiligten und durch Jahrhunderte altes Martyrium verherrlichten Landes wieder herzustellen. Ter Zionismus ist nicht dazu da, um temporäre Erleichterungsmittel zu schaffen. Unsere Lösung des jüdischen Problems muß eine endgiltige sein. Sie muß die religiösen Bestrebungen und das religiöse Sehnen der Vergangenheit verwirklichen und die soziale Lage der Juden in der Gegenwart sichern. Jede Abweichung von diesem Programme, wenn auch nur um Haaresbre-te, bedeutet das Ar.fgeben des fundamentalen Prinzips des Zionismus. Abhilfe durch Kolonisation fin großem oderkleinem Maße muß speziellen Organisationen überlassen werden, die mit dem Zionismus nichts Gemeinsames haben. Und mag auch ihr Werk von temporärem Charakter sein, so ist es nichts dcstoweniger lobenswert. Unser Ziel ist nicht, einen unbedeutenden Staat zu schaffen. Das hieße mit Worten spielen und mit heiligen Idealen Scherz treiben, wollte man vom Zionismus außerhalb Zious sprechen und von einem Lande für Juden außerhalb des heiligen Landes. In dem britischen Reiche, wie auch in den Vereinigten Staaten herrscht ein wahrer Geist der Gerechtigkeit und Freiheit Wir setzen das vollständigste Vertrauen in ihre Gesetze und in die wundervolle Art, wie diese Gesetze angewendet werden. Das höchste politische Ziel eines Juden sollte unter den gegenwärtigen Verhältnissen eher sein, ein Bürger des britischen Reiches od-r der Vereinigten Staaten zu werden, als der eines unbedeutenden Kleinstaates, auch wenn er innerhalb deren Jurisdiktion oder unter ihrem Schutz steht. Das ist ein Anachronismus. Das ist eine Travestie auf das nationale Leben unserer Hoffnungen und Gebete. Es ist den Prinzipien des Zionismus diametral entgegengesetzt. Eine Politik der Verzweiflung oder Ungeduld kann nicht gestattet werden. Es ist auch noch gar ke-n Grund 'zur Verzweiflung. Und haben wir auch noch manche Jahre länger zu warten, was bedeuten diese im Vergleich mit den Jahrhunderten der aufrechterhaltenen Hoffnung und der ausdauernden Geduld? Die Zukunft gehört denen, die warten und arbeiten. Die Zukunft gehört uns. Und sind-uch unsere Bestrebungen, ein gesetzlich gesichertes Heim in Palästina zu errichten, einvier zweimal fehlgeschlagen, so hat das wenig zu sagen. Wir sind des Erfolges sicher. Die Geschichte ^deutet in diese Richtung. Die Prophezeiungen deuten in diese Richtung. Das göttliche Versprechen deutet in diese Richtung. Wir müssen uns an Zion klammern. Wir müssen uns stets die Losung vor Augen halten: „Wenn ich Dein vergesse, Zion, soll meine Rechte verdorren. . . . Wenn ich Jerusalem meiner höchsten Freude nicht vorziehe." Wir machen unsere geehrten Leser auf die seit vielen Jahre» bestehende, bestbekannte Triester Esrogim-Exportfirma des Herrn Hermann Rath besonders aufmerksam.

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