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Die Wahrheit · 1903-09-04 · Heft 34 (4.9.1903) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1903
Issue
Heft 34 (4.9.1903)
Date
1903-09-04
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 34 Seite 9 Die Wahrheit quelle Zuflucht uahmeu, dann zeigt es sich alsbald, daß die „billige" Nachhilfe — in der Regel leisten nämlich diese Subjekte um wahre Hungerlöhe Lehrerdienste — sehr teuer zu stehen kommt, daß man sein Geld zweck- und nutzlos verausgabt, förmlich zum Fenster hinausgeworfen hat, und daß dem zurückgebliebenen Schulkinde die schlüpfrige Dahn nicht geebnet, sondern noch mit neuen Hindernissen belegt und erst recht unpassierbar gemacht worden ist. Der häusliche Unterricht für zurückgebliebene Kinder darf in seinem Wesen und Umfange niemals von dein Schulunterrichte abzweigen, er darf niemals als Sonder- und Separataufbau aufgeführt werden, sondern er muß auf der Basis des öffentlichen, legalen Lehrplanes dem Kinde das Lückenhafte und Fehlende zu ersetzen trachten. Und das ist eben der wunde Punkt des Privatunterrichtes, falls er falsch geleitet wird und in Unrechten Händen ruht. Um den häuslichen Unterricht dem Schulunterrichte anreihen und angliedern zu können, muß man eben ein tüchtiger Schul- und Fachmann sein, um das jugendliche Bildungsgebäude, das so viele Risse und Sprünge aufweist,Vreparireu zu können, muß mau ein guter Baumeister, ein bewährter Pädagoge, mit einem Worte, vom Hause aus ein tüchtiger Lehrer sein. Und verdient diese Norm bei der Nachhilfe in den profanen Gegenständen der Schule,schon vollste Berücksichtigung, um wie viel mehr muß sie beim Privatunterricht in den Fächern der Religion betrachtet werden, da ja unsere Zugend, und mag sie noch so begabt sein, für die Religion bekanntlich wenig Sinn und Verständnis, am allerwenigsten aber Lnft und Liebe hat. Der Lehrer und insbesondere der Privat- oder Hauslehrer ist im bildlichen Sinne der moralische Arzt des Kindes, und so wie die Eltern, wenn bei demselben ein körperliches Gebrechen wahrnehmbar ist, in der Regel nur einen erfahrenen, bewährten und renommierten Arzt zu Rate ziehen, ebenso sollten sie, wenn bei dem Sprößling geistige Schwächen zum Vorscheine kommen, nur bewährte und renommierte Kräfte des Lehrfaches mit der Behebung und Beseitigung des Uebels betrauen. Wer das bewegte Seelen- und Gemütsleben schwachbegabter Kinder im allgemeinen kennt, insbesonoere aber das Martyrium, das sie bei einem mangelhaften Privatunterrichte durchzumacheu haben, der wird mit unseren Ausführungen sicherlich voll und ganz übereinstimmen und es gewiß mit Freuden begrüßen, wenn sich über die gegebene Anregung geeignete und bewährte Fachmänner und Zugendbilduer melden werden, die sich, ebenso wie der Schreiber dieser Zeilen, bereit finden, ihr pädagogisches Wissen und Können in den Dienst der ebenso schönen als humanen Sache zu stellen und schwachbegadten, in der Schule zurückgebliebenen Kindern über Wunsch der betreffenden Eltern Privatunterricht in den Gegenständen der Volksschule, insbesondere aber in den Fächern der Religion zu erteilen, eventuell dieselben iu Pension und vollständige Erziehung zu nehmen. Unsere in diesem vielgelesenen Blatte gegebenen publizistischen Anregungen, die vornehmlich der Jugenderziehung und Jugendbildung gelten, sind schon oft auf fruchtbaren Boden gefallen und haben schon manche schöne Frucht gezeitigt, vielleicht haben wir auch mit dieser Anregung so manchem Familieuoberhaupte, das einen schwachbegadten, in der Schule zurückgebliebenen Sprößling sei» eigen nennt, aus der Seele gesprochen und ihm damit die Direktive geboten, demselben in der bezeichneten Weise, durch häuslichen Unterricht seitens tüchtiger und bewährter Lehrkräfte, das zu ersetzen, was ihm die Schule nur unter erschwerenden Umstärlden zu ersetzen vermag: die Stärkung unh Kräftigung des Geistes, die Hebung des Auffassungs- und Denkvermögens und mithili auch das angestrebte gleichmäßige Schritthalten mit jenen Frequentanten der Schule, die auch ohne häusliche Nachhilfe ihren Pflichten und Aufgaben gerecht werden und durch ihren regen Geist und guten Fortgang zu den schönsten Hoffnungen berechtigen. DanielSkutezky, Religionslehrer und Schriftsteller, Wien, II., Gr. Schiffg. 30. Die Sildapester Srandkatastrophe. Eine furchtbare Brandkatastrophe hat vor einigen Tagen ein großes Warenhaus in der ungarischen Hauptstadt zerstört, viele, noch nicht mit Bestimmtheit anzugebeude Zahl Menschenleben gefordert, von welchen ein Teil— und zwar der weitaus bedeutendere — eines schrecklichen Todes umgekommen, während die mit dem Leben Davongekommenen möglicherweise für immer Krüppel bleiben werden. Ueberall steht man die regste Teilnahme den bedauernswerten Opfern sich zuwenden, denen durch Uebermittelung von Unterstützungen mindestens für die nächste Zeit der Lebensunterhalt verschafft werden soll, deffen sie ja so dringend bedürfen. Für die Bekenner der jüdischen Religionsgemeinschaft zumal ist es diesesmal von besonderer Wichtigkeit, helfend und fördernd einzugreifen, sind ja alle Opfer der Katastrophe Fleisch von unserem Fleische und Blut aus unserem Blute! Jüdische Familien sind betroffen und da das jüdische Herz immer und jederzeit bereit ist, Wohltun zu pflegen, Nächstenliebe zu betätigen und Humanität zu üben, bietet sich jetzt besondere Gelegenheit, unseren ohne Verschulden verarmten Glaubensgenossen helfend beizu stehen. Zu diesem Zwecke empfehlen wir auf das Eindringlichste untenstehenden Aufruf, der das Elend zu. mildern bestimmt ist. Möge jeder Jude sei» Scherflei» beitragen, die Not und die traurige Lage der Bedauernswerten zu verbessern, denen es vor den bevorstehenden hohen Festtagen nicht ermöglicht sein wird, Verdienst und Erwerb zu finden. Der Aufruf lautet: Eine Wiener Hilfsaktion. „Ein fürchterliches, in seinen Folgen derzeit noch nicht anszumalendes Elementarereignis hat die Bevölkerung der ungarischen Metropole, alle edel und human denkende» Menschen auf dem ganzen Erdenrunde mit starrem Entsetzen erfüllt: eine Brandkatastrophe von erschreckenden Dimensionen hat mehr als fünfzehn Verwundete und eine bisher noch nicht festgesetzte Zahl Toi er gefordert. Die Schreckensszenen, die aus Budapest täglich in die Oeffemlichkeit dringen, lassen den ungeheuren Umfang des unsäglichen Jammers erkennen, von welchem fo viele Familien betroffen wurden, die den Verlust ihres Ernährers beklagen: den Vater der um das Wohl der Kinder besorgt war, de» Sohn oder die Tochter, die, als Stützen ihrer Elter», in dem abgebrannten Geschäftshanse ihren redlichen Erwerb fanden. Allenthalb regt sich für die Bedauernswerten tiefes und inniges Mitleid, das aber nur dann die beabsichtigte Wirkung erzielen kann, wenn es den Opfern ermöglicht ist, ihre Lebensexistenz» um welche so viele kamen, sich zu sichern, und hiezu bedarf es nicht allein der Trostesworte, sonder» der Taten! Diese sind es, deren die Hinterbliebenen bedürfen! Diese Taten mögen sich durch reichlichst einfließende Spenden dokumentiren, die den ohne ihr Verschulden an den Bettelstab gebrachte» Familien zugewendet werden mögen, die diese Art der Teilnahme bedeutend höher schätzen würden, als den bloßen Ausdruck des Mitgefühls! Mögen diese Spende» in ausgiebigem Maße fließen, das traurige Los der mit dem Tode ringenden Opfer sowie der zahlreichen Hinterbliebenen der als verkohlte und verstümmelte Leichen hervorgezogenen Getödteten zu lindern, mögen diese Spenden nach dem Worte: „Wer schnell gibt, gibt, doppelt!* erfließen. Spenden werden erbeten an die Sammelstelle Emil Jelinek, Wien, 1. Bezirk. Seitenstettengasse 5, von wo aus die Gelder der richtigen Adreffe behufs Verteilung zugemittelt werden." Amtsantritt des Rabbiners Dr. Grnnwald in Wie». Freitag, den 28. August, 6 Uhr Abends, fand im Tempel der israelitischen Cultusgemeinde, XV., Turnergaffe, die feierliche Installation des Herrn Rabbiners Dr. Max Grunwald statt. Die Borbereitungen zur Feier hatten die Mitglieder des Bethausvorstandes Obmann-Stell- Vertreter Neufeld, Alexander Hecht, Mohr, DuschinSky, Spitzer, und Blödy, getroffen. Lange vor Beginn des Gottesdienstes hatte sich ein zahlreiches Publikum in dem aus diesem Anlaffe überaus reich geschmückten Tempel eingefunden. Vom Cultusvorstand waren erschienen: der Bicepräsident k. k. Landesschulrath Dr. Gustav Kohn, die Vertreter Ober-Ingen ieur

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