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Die Wahrheit · 1903-09-04 · Heft 34 (4.9.1903) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1903
Issue
Heft 34 (4.9.1903)
Date
1903-09-04
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8. Die lvahtheil Nr. 34 , dieser Gesellschaften, selbstverständlich nicht aus Staatsmitteln, sondern aus Abgaben, die von den Juden erhoben werden: Ich halte sür nötig, hinzuzÜfügLn, daß die russische Regierung, die Verpachtet ist, ihre Handlungsweise in der Judenfrage dem Stüatsinteresse anzupaffen, niemals von den Grundsätzen der Morül und Menschlichkeit abgewichen ist. Noch in der allerletzten Zeit hat sie eben die Wohnrechte innerhalb der Grenzen der Gebiete, die der jüdischer» Bevölkerung bestimmt sind, erweitert, und nichts hindert zu hoffen, daß die Entwickelung dieser Maßregeln z»»r Verbesserung der Daseinsbedingungen der russischen Juden dienen würde, besonders wenn die Auswanderung ihre Zahl vermindert. Sie wollet» die Versicherung meiner ausgezeichneten Gefühle kNttzrgeUnehmen. ' v. Plehve. Den 30. Juli —12. August 1903. Eine Erklärung der britischen Regierung. Ministerium des Aenßeren, 14. August 1903. Sir Clement Hill*) an Mr. L. I. Greenberg. Sehr geehrter Herr! Herr Chamberlain teilte dem Marquis von Lansdowne den Brief mit, den Sie unter dem 13. v. M. an ihn gerichtet haben, und der den Entwurf eines Vertrages enthielt, den Dr. Herzl zum Abschluß zwischen Sr. Majestät Negierung und der jüdischen Kolonialbank vorschlägt, und der die Errichtung einer jüdischen Siedlung in Ostafrika bezweckt. S. Herrlichkeit hat auch die Bemerkung erwogen, die Sie an» 6. d. M. gelegentlich Ihrer Unterredung mit Sir E. Darrittgtün und Mr. Hurst in diesem Amte machten. Ich bin nun von Sr. Herrlichkeit beauftragt, zu sagen, daß er die Frage mit dem Interesse studiert habe, das Sr. Majestät Regierung iunner an jedem wohlerwogenen Plan nehmen muß, der die Besserung der Lage der jüdischen Raffe bezweckt. Die Zeit, über die er verfügte, war zu kurz, als daß es ihm möglich geworden wäre, auf alle Einzelheiten deS Plans einzuaehen oder ihn mit Sr. Majestät Vertreter für das ostafrika- .lische Protektorat zu erörtern, er bedauert baljer; daß er nicht in der Lage ist, eine ^udgiltige Meinung über die Angelegenheit auszudrücken. Lord Landsdowne nimmt an, daß die Bank einige Herren in das ostafrikanische Schutzgebiet zu senden wünsche, die persönlich feststellen sollen, ob es dort freies Land giebt, das sich für. die ins Äuge gefaßten Ztvecke eignet, und wenn dies der Fall ist, wird er sich glücklich schätzen, ihnen jede Erleichterung zu gewähren, damit sie mit Sr. Majestät Vertreter die Möglichkeit erörtern, den Anschauungen entgegen zu kommen, die am nächsten Zionistenkongreß in Betreff der Bedingungen ausgedrückt werden dürften, unter denen eine Niederlassung »nöglich sein würde. Wenn ei» Landstrich gefunden werden kan», den die Ba nk und Sr. Majestät Vertreter als geeignet betrachten und der Sr. Majestät Regierung empfehlenswert scheint, dann wird Lord Lansdowne geneigt sein^ Vorschläge zur Errichtung einer jüdischen Kolonie oder Ansiedelung unte BMnguugen günstig aufzunehmen, die den Mitgliedern die Möglichkeit gewähre», ihre Volkbräuche zu beobachten. Zur diesem Zwecke würde er geneigt sein, wenn ein geeignete rßanbstriech gefunden ist, und vorbehaltlich der Meinung den Berater des Staatssekretärs in Osiafrika, die Einzelheiten eines Plans zu erörtern, dessen Hauptpunkte sein sollen: die Gewährung eines ansehnlichen Stückes Land, die Ernennung eines jüdischen Beamten zum Oberhaupt der örtlichen Verwaltungsbehörde und die Gewährleistung voller Bewegungsfreiheit an die Kolonie für Munzipalgesetzgebung und für die Ordnung der religiösen und ausschließlich inneren Verwaltuugsangelegenheiten; dieses örtliche Selbstverwaltungsrecht muß indes das Recht Sr. Majestät Regierung unberührt lasse»», eine allgemeine Oberaufsicht zu üben. Es ist zur Zeit unnötig, die Einzelheiten der Bedingungen zu erwägen, unter denen das Land bewilligt werden würde, ob *) Erster Vorsteher der Abteilung für die Schutzgebiete im Ministerium des Aeußern. dies in Form eines Verkaufs oder einer Pacht geschehen würde, aber Seine Herrlichkeit nimmt an, daß kein Teil der Verwaltungskosten der Siedlung Sr. Majestät Regierung zur Last fallen »vürde, und letztere »vürde sich dasRecht Vorbehalten, dasLand tvieder in Besitz zu nehlnen, wenn die Siedelung sich alsMißerfolg erweisen sollte. Ich bi»», sehr geehrter Herr, Ihr ganz ergebenster Clement Hill. Der privat-Unterricht für zurückgebliebene Schulkinder. Unserer fortschrittlichen, von humane»n Geiste beseelten Zeit gebührt unstreitig das Verdienst, der leidenden, unglücklichen Menschheit und den mit. körperlichen oder geistigen Gebrechen behafteten Mitgliedern der Gesellschaft durch die Grü»»dnng von öffentlichen Heimuitb Pflegestätten gewissermaßen zu ihren» Rechte verholfen zu haben. Merkwürdigerweise aber scheint sie an eine Kategorie Enterbter der Gesellschaft, die, weil sie eben dem Kreise der zarten Jugend angehören, um so Mehr Beachtung verdienen würde», bisher noch nicht gedacht zu haben. Es sind dies die sogenannten jugendlichen Schwach« köpfe, diejenigen unserer Kinder, die noch die Schule besuchen, die körperlich gesund Und nSrnial entwickelt, aber in geistiger Beziehung um Vieles zurückgeblieben sind. Welche Torturen und Qualen haben solche Kinder nicht selten in der Schule durchznmachen »mb wie hinderlich und hemmend sind sie den» Lehrer dadurch, wnl sie fast niemals »nitziehen und vorlvärtskommen und stets nur zum Tadel und zu Strafen herausfordern! Man ist sich eben in unsere«.- Zeit und besonders hierzulande über die pathologische Beschaffenheit solcher zurückgebliebener Schulkinder noch zu wenig klar; rnan bezeichnet ihre Rückständigkeit gewöhnlich als Trägheit und Faulheit und behandelt sie, wie es eben leichtsinnige Schüler verdienen, mit Strenge uttb Nachsichtslosigkeit, ohne zu, bedenken, daß es lediglich nur ein abnornrer geistiger Schwächezustand ist, der diesen Kleinen beim Mittun an der geistigen Arbeit so hinderlich im Wege steht. Wollte man nach dieier Richtung statistische Prüfungen vornehmen, so würde es sich zweifellos ergeben, daß ein namhafter Perzentsatz unserer Schulkinder vor» dieser geistigen Abnormität betroffen ist Und daß Nur dieser Zustand die Hauptursache dafür bildet, daß so viele Ki»»der über ein gewisses Niveau geistiger Conceptionsfähigkeit nicht Hittauskommen. Für. die Ausbildung nor»nal begabter Schüler sorgt allerdings unsere Schule hinlänglich, ja, sie leistet darin nicht selten Vorzügliches, Außergewöhnliches; dagegen aber scheint sie das Präparieren schwachbegabter und zurückgebliebener Schiller noch nicht in den Kreis ihrer Agenden gezogen zu haben und die Sorge hiefür den betreffenden Eltern zu überlassen. Diese aber müssen, da schulpflichtige Kinder sowohl aus pädagogischen, wie ans gesetzlichen Rücksichten dein öffentlichen Unterrichte nicht entsren»det werden dürfen, in Ermangelung eines anderen Behelfes notgedrungen zun» Privatunterricht Zuflucht nehmen. Unter solchen Umstä»»den ist der Privat- oder Sonder- »»»»terricht im Familienhause der einzige Anslveg, auf welchen» die mangelhafte geistige Fähigkeit zurückgebliebener Schulkinder geweckt und erhalten »verven kann, und das einzige Hilfsmittel, das sie vor dem Tadel und den Strafen der Lehrer, dem Gehänsel und Gespötte der Mitschüler, hauptsächlich aber vor den Gefahren bewahren soll, denen sie entgegen gehen, »venu sie der Schule entwachsen, in das öffentliche Leben hinaustreten. Und doch »veist dieses Hilfsmittel in gewissen Fällen auch Schattenseiten auf, die, falls sie nicht scharf und rechtzeitig erkannt werden, alle daran geknüpften Hoffnungen und Erwartungen jäher, als inan es geahnt, illusorisch machen. Liegt nämlich der Privatunterricht in ungeeigneten Händen, wird der-- selbe von Personen geleitet, die ursprünglich nicht dein Lehrfache angehörten, die niemals die Fähigkeit und Berechtigung hiezu besaßen und nur — wie dies zu den täglichen Erscheinungen der Großstadt gehört — infolge von Erwerbslosigkeit, aus Mangel an Subsistenzmitteln zu dieser Einnahms-

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