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Die Wahrheit · 1903-08-28 · Heft 33 (28.8.1903) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1903
Issue
Heft 33 (28.8.1903)
Date
1903-08-28
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Sette 5. Nr. 33. Die Wahrheit wird er berufen, wenn er nur den Ruf hat, ein tschechischer Redner zu sein. Jeder andere Ruf schadet ihm nicht, am allerwenigsten der Ruf eines vollständigen Ignoranten auf biblischtalmudischem Gebiete. Ist ein solcher Abiturient eines tschechischen Gymnasiums, an dem er einen höchst mangelhaften Religionsunterricht erhalten hat, von ordentlichen Kenntnissen in Bibel oder Talmud gar nicht zu reden, klug genug, sich beim Besuch der Universität zugleich an einem Rabbinerseminar inskribieren zu lassen — und das kann er ohne jede Vorprüfung bloß auf Grund des Maturitätszeugnisses — so gilt er nach zwei bis drei Zähren, ohne irgend ein Examen an der Hochschule für jüdische Wissenschaft abgelegt zu haben und das geringste diesbezügliche Zeugnis zu besitzen, als fertiger Rabbiner. Die größten Rabbinate des Landes stehen ihm offen und er ist mit jungen Zähren nicht bloß ein gemachter, sondern auch schon ein ehrwürdiger Mann mit großem Einkommen. Es ist ja begreiflich und ganz in der Ordnung, wenn die jüdischen Gemeinden in den tschechischen Gegenden nur solche Rabbiner anstellen, die der tschechischen Sprache mächtig sind, aber es sollte auch dafür Sorge getragen werden, daß die tschechische Sprache nicht die einzige Qualification bilde. Ein Rabbiner muß doch in erster Reihe das jüdische Religionsgesetz, Bibel und Talmud kennen. Schaffet darum den eingeborenen Söhnen Böhmens Gelegenheit, sich die Kenntnis dieser Disziplinen zu erwerben, und haben sie sich dieselben erworben, so stellet sie getrost als Rabbiner in Euren Gemeinden an. Ohne diese Kenntnis sind sie im besten Falle tschechische Rhetoren und eher alles andere als Rabbiner. Der Jahresbericht -er „Ica“. (Fortsetzung.) Palästina. Weit günstiger, als in Argentinien, wo nahezu 65 pCt -aller Kolonisten der direkten Unterstützung bedürfen, hat sich in den letzten drei Jahren die Situation der jüdischen Kolonien in Palästina gestaltet. Nichts legt ein so günstiges Zeugniß für die Bestrebung der jüdischen Vereine zur Kolonisation Palästinas ab, als wenn selbst der Verwaltungsrath der „I. C. A", dem gewiß Niemand Voreingenommenheit für die Besiedelung des heiligen Landes vorwerfen kann, die Zukunft der jüdischen Kolonien Palästinas in rosiger Beleuchtung zu sehen beginnt. Die vor drei Jahren eingeleitete Reorganisation der palästinensischen Kolonien befindet sich aus dem Wege ihrer Verwirklichung. Die Installation der neuen Kolonien um Liberias nehmen einen normalen Verlauf. Die Ernteergebnisse des ersten Jahres sind ermuthigend. Mehrere Kolonisten haben eine gute Einnahme gehabt, die ihnen ein reichliches Auskommen sichert; nach einiger Zeit werden sie im Stande sein, mit den Rückzahlungen zu beginnen. So nähern wir uns allmählich unserem Ziele, das darin besteht, die Kolonisten selbständig und von unserer Bevormundung unabhängig zu machen. Ein großes Hinderniß für die Entwicklung der Kolonien bildet immer noch der Zehnte, der von den Steuerpächtern in manchen Kolonien willkürlich bis auf 30 pCt. erhöht wird. Allein die Verwaltung hofft, auch dieser Schwierigkeit zu Gunsten der Kolonisten Herr werden zu können. Nach dieser kurzen Einleitung wollen wir zur Beschreibung der einzelnen Kolonien übergehen. Leider fehlert sowohl über die Zahl der Kolonisten als auch über den Umfang des im jüdischen Besitz sich befindenden Bodens irgendwelche offizielle Angaben, und so müssen wir uns einer von dem Kolonisten Manasse Meiero witz auf Rischoule-Zion 1901 gesammelten nicht ganz zuverlässigen Privatstatistik bedienen. ' A. Die Kolonien in Judäa. 1) Ri s cho n - l e -Z i o n. Die 615 Ha. umfassende Kolonie ist ausschließlich auf die Weinproduktion angewiesen. .Die Kolonisten haben 2,264 979 Kilo Trauben geliefert. 2) E k r o ii, das ursprünglich eine reine Getreidekolonie, dann aber gegen den Willen der sich gewaltig sträubenden Kolonisten in eine reine Obstkolonie umgewandelt wurde, soll nunmehr wieder zum Getreidebau zurückkehren. Zn den 383 Ha. der Kolonie sind jetzt weitere 350 Ha. zngekauft und mit 16 Kolonisten bevölkert worden, die zurückbleibenden fünfzehn Kolonisten sollen ans dem Boden des eben angekausten Dorfes Mausurah untergebracht werden. Im Berichtsjahre haben die 31 Kolonisten aus dem geringen Getreidebau (mit 25,087 Frs.) den Mandelbäumen und der Seidenzucht, eine Einnahme von zusammen ca. 24,000 Frs gehabt. 3) Pethach Tikwah. Diese größte jüdische Kolonie Judäas mit 818 Seelen hat 115,000 Frs. für Trauben und 26,450 Frs. für Getreide eingenommen. Außerdem besitzt die Kolone 90 Ha. Orangerien. 4. W a a d - e l - C h a n i n. Die kleine 120 Ha. umfassende Kolonie mit 18 Familien hatte im Berichtsjahre 261,600 Kilo Trauben (gegen 182,000 im Vorjahre) eingenommen, und von ihrer 16,357 Frs. betragenden Schuld 14,170 Frs. .zurückgezahlt. Ein Versuch mit dem Anbau von Tabak hat eine Ernte von 560 Kilo pro Hektar ergeben. Der Tabak ist. von vorzüglicher Qualität. Der Anbau von Tabak wird jetzt in sämmtlichen jüdischen Kolonien mit bestem Resultat gemacht. 5) R o ch o w o t h. Die Kolonie, der es sehr gilt gehr, gehört zum größten Theil einer Warschauer Gesellschaft. Trotzdem von den 960 Ha. dieser Kolonie kaum die Hälfte in Kultur genommen ist, haben die Aktionäre für das 1902 10 pCt. Dividende bekommen. Die Kolonie hatte für 185,169 Frs. Prauben gehabt. 6) Katrah. Dieser Kolonie geht es nicht so gut. Die Bewohner befassen sich mit der Fabrikation von Cognac, statt mit Getreidebau. Die 23 Familien derselben hatten eine Einnahme von 39,828 Frs., davon 28,981 aus dem Cognaeverkaus, und 10,866 für Trauben. 7) Chederah. Die Einwohner dieser Kolonie haben von jeher unsäglich viel vom Fieber gelitten, das drei große in der Nähe befindlichen Sümpfe Hervorrufen. Die Juden verzagten aber nicht, sondern nahmen den Kampf mit dem tückischen Feind muthig auf. Und wirklich gelang es ihnen, durch Anpflanzung eines wahre» Waldes von 300,000 Eucalyptusbäumen nicht nur des Fiebers Herr zu werden, solldern sich auch für die Zukunft eine reichlich fließende Einnahmequelle zu eröffne». Im Berichtsjahre war das Klima soweit gebessert, daß die Kolonisten den Boden bebauen und ihm für 28,000 Frs. Getreide entlocken konnten. Außerdem wurden für 24,000 Frs. Trauben verkauft. 6. Galiläa. 8) Die Kolonie Sichron Jacob, welche 1900 noch 116 Familien beherbergte, ist inzwischen sehr erheblich entlastet worden. Es sind 41 Familien in den neuen Kolonien um Liberias angesiedelt worden. Bon den zurückgebliebenen 73 Familien sollen 5 in Sichron Jacob selbst und 28 aus dem neugekausten, 543 Ha. umfaffenven Boden des benachbarten Dorfes Burdjse angesiedelt werden. Für den Rest von 40 Familien wird das Terrain von Sichron Jacob selbst mit seinen Weinbergen und und Obstbäumen wohl umsomehr ausreichen, als dies Jahr in Sichron aus dem Getreioebau 27,268, aus dem Weinbau 34,782 und aus der Obstkultur 2760, im Ganzen 64,810 Frs. vereinnahmt worden sind. So scheint die Frage über die Zukunft von Sichron Jacob, welche noch vor zwei Jahren dem Verwaltungsrath der „I. C. A.* nahezu unentwirrbar schien, sich dennoch ihrer befriedigenden Lösung zu nähern. Der Verwaltungsrath scheint jetzt sogar in das entgegengesetze Extrem verfallen zu wollen, wenn er die rosige Hoffnung ausspricht, die früher als „sogenannte" Kolonisten bezeich neten Einwohner von Sichron Jacob werden in 2—3 Jahren im Stande sein, mit Rückzahlungen zu beginnen. 9—15) Neue Kolonien. Den guten Erfolg, den die „I. C. A." mit Sichron Jacob sowie mit ,den andern an

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