Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1903
- Issue
- Heft 32 (21.8.1903)
- Date
- 1903-08-21
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Die Wahrheit Sette 5 Nr. 32 H assers siehst seiner Last' mrterliegen, so sollst du ihm aufhelfen. Wenn du den Esel deines Feindes herumirrend triffst, so sollst du ihn ihm znrückführen?" (Exod, 22. 3—4;) Und der Talmud (B. Mezia 33) lehrt, daß man in solchem Falle, dem Feinde eher helfen muß, als dem Freunde. „Wenn dein Feind hungert, so reiche ihm Brod, und wenn er dürstet, so gib ihm Wässer!" (Spr. 25, 11.) Dieses korrumpirte Zitat ist die erste Quelle zu der allgemeinen und irrigen Behauptung christlicher Theologen, daß die jüdische Religion eine Religion der Rache, aber die christliche eine Religion der Liebe sei. Der unbibelkundige Leser wird noch mehr veranlaßt, die aus Matthä V zitirte Stelle für wahr zu halten, weil Luther z. St. 'in Matth. Y. 45. auf Levit. 19. 18. hinweist, wodurch der Leser zu der Annahme verleitet wird, daß daselbst beide Befehle erteilt werden. Dort steht btos das Gebot: „Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst, ich bin der Ewige!" -Aber : „Hasse deine Feinde!" steht weder dort, noch anderwärts in der Bibel oder Tradition. Noch verfänglicher ist nachfolgendes, aus deu Spr. Sal. HI. 11—13 korrumpirte Zitat in der Uebersetzung von Delitzsch 1877), die er aus der griechischen Sprache, in welcher die meisten Teile des N. Testamentes ursprünglich abgefaßt waren, sn das Hebräische übertrug. In der Epistel Paulus an die Hebräer (12. 5—6) heißt es: Und ihr habet vergessen des Trostes, der zu euch redet, wie zu Kindern: „Mein Sohn, die Zucht des Ewigen ververachte nicht, und verzage nicht bei seiner Strafe! Denn, wen der Ewige liebt, den straft er; und wie ein Vater seinen Sohn, an dem er Gefallen hat. — (Spr. Sal. III. 11—12) Der letzte. Satz daselbst lautet hebräisch: rrc*?' pn« 3831 Aber in gedachter Uebersetzung von Delitzsch steht:! pn8 38bl s. Jjob, Y. 18. (jachiv die Ursache des hier fehlenden ist nicht I schwer zu erraten.) Das heißt Er, Gott, läßt leiden den Sohn (Jesum), an dem er Gefallen hat. Früher heißt es: wegen der Freude, die Jesum ausbewahrt ist, trug er das Kreuz —. Wenn dies Zitat richtig wäre, dann läge darin ein Beweis, daß schon Salomo die christliche Lehre von der „Sühne" Jesu, des Gottes Sohnes — durch dessen Leihen — gelehrt habe. Und das um so mehr, da jedes der 12 Kapitel dieser Epistel (das elfte ausgenommen, welches nur die biblische Geschichte enthält) diese Lehre von der Sühne durch Jesus Leiden einprägt. So z. B. heißt es dort: Obwohl er Gottes Sohn war, so ■ hat er doch an seinem Leiden Gehorsam gelernt. (Hebr. Y. 8.) Einer ähnlichen Buchstaben-Korrumpirung erinnere ich mich, und etwa auch mancher alte Leser, die von einem Geistlichen in Schlaring, im Eisenburger Komitat. herrührte, der 1846 eine Bibel in schönem Formate und Einband herausgab und dieselbe an Juden verschenkte. Nach einigen Wochen kam mau darauf, daß anstatt: ins stpif - und es erwacht, wie ein Schlafender der Herr (Ps. 78. 65), 1318 1213 f>pil-und es erwachte, wie Jischai - Jesus der Herr schied. Man erinnerte sich hiebei an Schillers Wort: Ein griechisches Geschenk, und kein Gift verborgen? Als drittes Beispiel eines falschen Zitates diene folgendes: Der Apostel Paulus schrieb an die Galater (III. 9—10): Also werden nun die des „Glaubens" sind, gesegnet mit dem Giäubigen Abrahams. Aber diejenigen, die sich mit der Uebung der Thora (der Gotteslehre) befassen, diese sind unter dem Fluche, denn so steht geschrieben. Verflucht ist Jeder, der nicht „alle" Worte dieser Thora annimmt, sie zu üben. Daß der Mensch durch die Thora vor Gott nicht gerecht wird, ist eine geoffenbarte Sache; denn: der Fromme lebt in seinem Glauben (Röm. 1. 17. Chabak. II. 4). Beide Zitate aus der Bibel sind unkorrect und geeignet, bibelnichtknndige Leser zu mistifiziren. Die ganze Stelle in Chabak II. 4, lautete folgendermaßen: „Siehe die Künheit - rm Menschen, die hat an Gott kein Gefallen" (ein solcher Mensch erkühnt sich, über Gott zn urteilen): aber.der Fromme, der erfüllt Gottes Lehre, wenn er auch hier keine Belohnung erhält; denn er glaubt an Gottes Treue. Der wahre Glaub u kommt durch Uebüng der Lehre Gottes und durch Forschen i: derselben. Deswegen riefen unsere Väter am Berge Sinayl XDtitti ntpxi - wir wollen üben und begreifen. Auch Chaba u spricht im I. K. die kühnen Klagen über Ungläubige. Eiblinder Glaube hat vor Gott kein Gefallen. (S. Sefer Ha midat v. Wessei 36.) Aus diesem Zitate folgt die Lehre, daß im Sinne der Thora Jeder verflucht ist, der nicht alle ihre Befehle hält, was fast keinem möglich ist. Deshalb sprach Paulus daselbst weiter: Wenn nun der Mensch durch die Thora vor Gott nicht gerecht wird, weil er sie nicht ganz halten kann, so ist es offenbar, daß durch den Glauben der Mensch lebe. Aber dieses Zitat ist doppelt gefälscht. Den» dort, wohin Paulus zielt (Y. M. 27. 26) steht nur folgendermaßen: Verflucht sei, wer die Worte dieser Lehre nicht annimmt, sie zu üben, und das ganze Volk nro ^3 spreche Amen. Weiter steht ^3 nicht mehr. Es steht aber nicht, wie Paulus anführt: Verflucht fei jeder, der ntcht alle Worte dieser Lehre annimmt, um sie zu üben. Ferner ist zu bemerken, daß diese Beeidigung sich besonders auf die daselbst von 15 bis 26 aufgezählten Verbote bezieht, die Jeder leicht einhalten kann; nämlich Götzendienst, Geringschätzung der Eltern, die Grenzmarken seines Nächsten nicht hinauszurücken, eieen Blinden nicht irre zu leiten, das Recht eines Fremden, einer Waise und Witwe nicht zu beugen. Alle anderen enthalten Verbote gegen Unzucht, die schon in Levit 18 und 20 verboten wurden. Also für diese galt der Beeidigungsfluch, denn jeder kann sie. leicht halten. Deswegen steht hierbei: Verflucht sei der, der sich nicht verpflichtet zu halten die Worte dieser Lehre und daraus sprach das ganze Volk Amen! (Fortsetzung folgt.) Der Jahresbericht der „Iva" Der heurigen Generalversammlung und dem Jahresberichte der Jewish Colonization Association sah man mit besonderer Spannung entgegen, als allgemein angenommen wurde, daß die Gesellschaft hier auf die heftigen zionistischen Angriffe, die bisher ohne offizielle Erwiderung blieben, antworten werde. Und in der That hielt der Präsident, Herr Narcisse Leven, vor Erstattung des Jahresberichtes eine Rede, in welcher er auf alle gegen die Gesellschaft von zionistischer Seite erhobenen Anklagen eingehend erwiderte und den Momeilt, in welchem es für unsere bedrängten Glaubensbrüder so viel zu thun gibt, keineswegs für geeignet erklärte, um der „Ica“ den Krieg zu erklären. Die Aufforderung des Präsidenten, über seine Ausführungen eine Debatte zu eröffnen,- lehnte die Generalversammlung ab, indem sie wot die Rede desselben als Erwiderung auf die erhobenen, ungerechtfertigten Anklagen für notwendig erklärte, aber unter vollster Billigung des Inhaltes desselben eine Debatte darüber für unnötig erachtete. Dem hierauf erstatteten Jahresberichte entnehmen wir folgendes: I. Argentinien. Das der Gesellschaft gehörende Areal umsaßt zur Zeit 368,410 Hectar, die zu einem Kostenpreise von ca. 32,954,400 Mk. erworben worden sind. Die Terrains sind über die drei Provinzen Santa-F«, (123,000 Ha.), Buenos Aires (44000) und Entre-Rios (201000) zerstreut. Nach den Angaben des Herrn Dr. Sonnenseld sind 156000 Ha. unter die Kolonisten vertheilt, .während der Rest Ende Juni 1902 für neue Ansiedler zur Verfügung stand. Inzwischen sind in Mosesville 45, in Maurico 50, Entre-Rios 20 Familien neu besetzt und für dieselben 80,000 Ha. bestimmt worden. Es braucht kaum gesagt werden, daß die enormen Terrains nur zum geringen Theil angeballt sind. Die bestellte Fläche umfaßt im Berichtsjahre ca. 60000 Ha. gegen 47000 im Vorjahre. Die Zahl der Kolonisten ist von 906 i. I. 1900 auf 1095, die der Familien von 1289 re-"