Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1903
- Issue
- Heft 31 (14.8.1903)
- Date
- 1903-08-14
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Die Wahrheit Seite 7. Nr. 31 Majestät des Kaisers (Beginn halb 8 Uhr früh) die Festrede im Gemeinde-Tempel, XVIII., Schopenhauerstraße 39, halten wird. Wien. Anläßlich des Allerhöchsten Geburtsfestes Sr. Majestät des Kaisers-findet Dienstag den 18. August l. I., um 9 Uhr Vormittags, in der Synagoge des Vereines „Beth Israel", II., Leopoldsgasse 29, ein feierlicher Gottesdienst statt. . Wie«.. Anläßlich des Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers findet am 18. August. 9 Uhr Vormittags, im Tempel zu Fünfhaus, Turnergaffe 22, ein feierlicher Gottesdienst statt. Jöien. (Zsr ä.elit i sch e r Tem p e lv e r ei n i m Vlll- B ez. Wir erhalten folgende Zuschrift : Einem dringenden Wunsche Hunderter Unserer Glaubensgenossen Rechnung tragend, haben sich einige Edelgesinnte zusammengethan, um auch im 8..Wiener Gemeindebezirke ein den religiösen Empfindungen würdiges Gotteshaus zu schaffen. Diesen machtvoll wiederauflebenden religiösen Gefühlen verdankt auch der von der Meisterhand Max Fleischer's geschaffene Tempel im VIH. Bezirke, Neudeggergaffe, seine Entstehung — ein Monumentalbau, der erst nach nahezu zwanzigjähriger hingebungsvoller Thätigfeit des Tempelbauvereines und nach Ueberwindung zahlloser Schwierigkeiten vollendet, werden konnte. Im Einklang mit der äußeren Schönheit des Gotteshauses soll auch die Weihe des Gottesdienstes stehen, der darin abgehalten^ werden wird. Um diesen würdig und erhebend zu gestalten, bedarf es weiterer Opfer! Ein hervorragender Prediger, ein künstlerisch ausgebildeter Cantor und ein wohlgeschulter Chor sollen zusammen wirken, damit der neue Tempel eine Stätte wahrhafter Andacht, heiliger und ein heiligender Ort der Erbauung' und Belehrung werde. Schon zu den bevorstehenden hohen Feiertagen soll das neue Gotteshaus eingeweiht und seiner Bestimmung übergeben werden. Wir appelliren deshalb an den nie versagenden Opfermuth ' unserer Glaubensgenoffen und bitten, durch Beitritt als Mitglied zu unserem Tempelvereine uns zu ermöglichen, daß wir unser heiliges Werk vollenden. Die Entrichtung des mit 12 Kronen festgesetzen jährlichen Mindestbeitrages sichert den Mitgliedern auch das Vorbezugsrecht für die Tempelsitze, deren Preise mäßig angesetzt sind. Das Haus Gottes ist gegründet, vereinigen wir uns Alle, um es zu erhalten und um darin die reine Gotteslehre in würdiger Form zu verkünden. Für den Tempelbau-Verein: Für den Tempel-Verein: Michael S t r a s s e r, Präses. Hermann Beck, Präses. Stampfen. (100jähr. Tempeljubiläum.) Am 9. d. M. wurde hier das lOOjähr. Tempeljubiläumsfest in einer überaus solennen Weise gefeiert. Zur Teilnahme an demselben fuhren viele in Wien domicilirende Stampfener unter Führung des Herrn Eduard Engel in einem Sonderzuge nach Stampfen. Aus dem Bahnhofe erhielten alle Festteilnehmer entsprechende Abzeichen. Als der Zug in der Station Stampfen einfuhr, wurden die Gäste von der zahlreichen jüdischen und christlichen Bevölkerung mit Eljenrufen empfangen. Der um die Gemeinde hochverdiente und sehr beliebte Cultusvorsteher, Herr Emanuel Just, begrüßte die Festgäste mit einer schwungvollen Ansprache, worauf sich der Zug unter Vorantritt der Schuljugend, einer Musikkapelle und des Junge Damencomitss nach der beflaggten Stadt in Bewegung setzte. Im Tempelhofe versammelten sich alle Teilnehmer zu einer Festsitzung. Nach einer neuerlichen Ansprache des Cultusvorstehers, der seiner Freude über das zahlreiche Erscheinen der Gäste Ausdruck lieh, hielt Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Herzog, welcher den Vorstand und das Comits wacker unterstützte, eine mit Begeisterung aufgenommene Rede, worauf die Festteilnehmcr eingeladen wurden, ihre Namen in das prachtvoll ausgestattete Gedenkbuch einzutragen. Um 12 Uhr begann der Festgottesdienst in dem geschmackvoll decorirten Jubiläumstempel, der von einem überaus zahlreichen Publikum überfüllt war. Unter den Honoratioren bemerkte man den Oberstuhlricht aus Preßburg, den Bürgermeister, den Stadtpfarrer und Dechant, den gräfl. Karoly'schen Ober-Inspektor, den königl. Notar, den Schloßarzt Dx. Haim.und sämmtliche Gemeinderäte der Ortsgemeimde, sowie verschiedene Abordnungen von Gemeinden und Vereinen. Den Festgottesdienst versah, über Einladung des hiesigen Cultusvorstandes, Obercantor Bauer aus Wien mit seinem trefflich geschulten Chorpersonale. Obercantor Bauer welcher vor 33 Jahren als ißjähriger Jüngling seine ersten Lln88oürn an den hohen Festtagen in der Stampfener Gemeinde vorgetragen hatte, blieb hier in solch unvergeßlicher Erinnerung, daß seine Zusage, beim Festgottesdienste zu celebriren, allgemeine Begeisterung in der ganzen Gemeinde hervorrief. Diese Begeisterung erreichte bei seiner heutigen Function ihren Höhepunkt. Da Chordirigent Löwit in Folge einer Function in Wien verhindert war, den Chor zu leiten, trat an seiner Stelle Herr Kreisler ein, der seine Aufgabe in sehr zufriedenstellender Weise löste. Das Minchagebet trug Cantor Körbler in würdiger Weise vor. Die Festrede hielt Sr. Ehrwürden Herr Bezirksrabbiner Herzog, der die bedeutendsten Momente in der Geschichte der Stampfener - Cultusgemeinde und ihre schönen Institutionen hervorhob, die mancher größeren Gemeinde zum Muster dienen könnten. Er gedachte ferner der verstorbenen, um die Gemeinde verdienten Männer und schloß seine schwungvolle Rede mit einem Gebet für seine Majestät den König, die Behörden und den Cultusvorstand. Nach dem Festgottesdienste wurden Rabbiner Herzog und Obercantor Bauer mit Ovationen überschüttet. Um 2 Uhr begaben sich sämtliche Honoratioren und Festteilnehmer zum Festbankette. Die Küche stand unter Aufsicht der Frau Rabbinerin, Frau. Cultusvorsteher Jüst und Frau Koch, denen noch eine Anzahl reizender -junger Damen zur Seite standen. Nach dem ersten Gange ergriff Rabbiner Herzog das Wort und brachte einen Toast aus aus Se. Majestät den König, worauf eine Huldigungsdepesche an das Hofkager in Ischl abgesendet wurde. Cultusvorsteher Just leerte fein Glas auf das Wohl der Festgäste, weiters auf das Wohl des in der Stadt so sehr beliebten und freisinnigen hochwürdigen Herrn Dechant, sowie des Herrn Oberstuhlrichters und Herrn Bürgermeiüers. Hierauf hielt der Dechant eine begeisternde Rede, indem er auf das friedliche Zusammenhalten aller Bürger der Stadt hinwies, das ein Beweis wahrer Nächstenliebe sei, und seiner Freude Ausdruck lieh, an diesem schönen und erhebenden religiösen Feste teilgenommen zu haben. Im. Weiteren führte der Redner aus, daß die römischen Päpste, namentlich Pius IX. und Leo XIII., sich jederzeit für Friede und Schätzung aller Menschen ohne Unterschied der Confeffion eingesetzt haben, hob auch die edlen Eigenschaften des neugewählten kirchlichen Oberhauptes hervor, welcher schon in Venedig Werke der Liebe .und des Friedens in hohem Maße übte, und forderte die Anwesenden, gerade als Versammlung jüdischer Bürger auf, ihr Glas auf das Wol des Papst Pius X. zu erheben. Cultusvorsteher Just dankte dem Obercantor Bauer für .die besondere Verherrlichung des Festes durch seine Mitwirkung. In gleichem Sinne sprachen Vorstandsmitglied Tischler und Schuhfabrikant Just aus Wien. In den Zwischenpausen, trug der Chor unter Leitung des mittlerweile aus Wien eingetroffenen Chordirigenten Löwit einige Gesangspiecen vor, die lebhaft acclamirt wurden. Herr Schick aus Wien feierte den um das Fest so hochverdienten Cultusvorsteher Just. Letzterer dankte dem so thatkräftigen Wiener Comits, namentlich dem Obmann Herrn Eduard Engel, der auch über Antrag des Rabbiners einstimmig als provisorischer Obmann des zu gründenden Vereines „Die Stampfener in Wien" gewählt wurde. Herr Eduard Engel dankte mit bewegten Worten und sagte, daß nur die Liebe zur Heimat ihn zur Arbeit angeeifert haben. Als sehr rührige Comitsmitglieder haben sich auch die Herren Schönfeld und Just aus Wien in den Dienst der guten Sache gestellt. Juwelier Jacob Engel widmete der Gemeinde einen prachtvollen silbernen Kidduschbecher und . Herr Hugo Engel ein Bild des Tempels. Herr Lehrer Zelinka aus Korneuburg trat für die Hebung und Förderung des Talmud-Thora-Vereines ein, und dann sprachen noch der Rabbinats- . affeffor der Gemeinde und viele Andere. Der um die Gemeinde hochverdiente Philanthrop, Herr Sigmund Geiringer aus Wien, wurde zum Ehrenmitglieds ernannt. Mit dem Vortrage des Tischgebetes schloß das in der Stampfener Gemeinde und außerhalb derselben unvergeßlich bleibende, erhebende Fest. ZLudapest. (Die Subvention der Pester israelitischen Kultusgemeinde.) Die Pester israelitische Kultusgemeinde erhält von der Hauptstadt eine Jahressubvention von 40.000 Kronen als Beitrag zu ihren konfessionellen und culturellen Auslagen. Vor zwei Jahren richtete die. Kultusgemeinde an die Kommune das Ansuchen, die Subvention auf 60,000 Kronen zu erhöhen, und motivirte das Gesuch mit dem Nachweise, daß die Erhaltung der kulturellen und humanitären Institutionen der Gemeinde schier unerschwingliche Opfer auferlegt. Die hauptstädtische Unterrichtskommiffion empfahl damals dem Magistrat die Erhöhung der der Pester israelischen Kultusgemeinde gewährten Unterstützung, beantragte aber zugleich, die Subventionen der übrigen Kirchengemeinden zu revidiren und zu ordnen. Das Gesetz macht nämlich den Kirchengemeinden zur Pflicht, für den Religionsunterricht Sorge zu tragen, verfügt aber, daß für den Fall, als die Kummune eine Gemeinde subventionirt, auch die übrigen Kirchengemeinden im Verhältnis der Seelenzahl ihrer Gläubigen zu unterstützen sind. Die hauptstädtische Unterrichtskommission trat daher mit Hinweis auf die gesetzliche Verfügung dafür ein, daß die Hauptstadt sämtliche Konfessionen in gleichem Verhältnis subventioniren möge. Der hauptstädtische Magistrat jedoch verwarf mit Rücksicht auf die prekäre Finanzlage der Kommune den kostspieligen Antrag der Kommission und unterbreitete das Gesuch der israelitischen Kultusgemeinde der Generalversammlung des Munizipalausschuffes nicht. Heute unterbreitete die Kultusgemeinde der Stadtbehörde ein neuerliches Gesuch, in welchem sie um die Erhöhung ihrer Subvention aus 80.000 Kronen jährlich bittet. Dem Gesuch legte die Gemeinde ihre Schlußrechnungen vom verflossenen Jahre bei, aus welchem hervorgeht, daß das Deficit 25.708 Kronen betrug. In der Bittschrift wird auf den bekannten Umstand hingewiesen, daß die Kultusgemeinde mehrere Schulen, zwei Spitäler unterhält und in sämtlichen Schulen der Hauptstadt den israelitischen Religionsunterricht besorgen läßt, und schließlich die Kommune ersucht, die Jahressubvention zu erhöhen, damit die Gemeinde ihre Verpflichtungen nach wie vor getreulich erfüllen könne. Lemberg. Dieser Tage erschien beim hiesigen Rabbiner Schmelkes ein Wiener Advokat, der gegenwärtig als Ersatzreserveleutenant hier stationirt ist, und verlangte, in den Bund Israels ausgenommen zu werden. — „Ich bin zwar, so erzählte er, als Jude geboren, aber meine Eltern waren Affimilanten und ließen mich nicht einmal beschneiden. Ich bitte daher, mich in Euren Bund aufzunehmen." .— Der Rabbiner wollte ihm anfangs keinen Glauben schenken. Aber der Lemenant zeigte ihm verschiedene Dokumente, welche seine Aus agen bestätigten. Auf die Frage, was ihn zu diesem Schritte bewege, gab er zur Antwort: „Ich bin Zionist, will also gleich meinen jüdischen Brüdern beschnitten sein, wollen Euer Ehrwürden die Vornahme dieses religiösen Aktes beschleunigen." Krakau, 9. August. (Protest gegen die Blutbeschuldigung.) Heute trat hier der J nternatio n al e R a b bin er ko n g r e ß zusammen, welcher von den Rabbinern von Cairo und Alexandrien einberufen worden