Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1903-08-14 · Heft 31 (14.8.1903) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1903
Issue
Heft 31 (14.8.1903)
Date
1903-08-14
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3062972-3063163-3063194--02616-3069307
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Sekte 6 Die Wahrheit. Nr. 31 Hauptdogma der Trinität des Christentums wurde. (S. Evang. Johannes I. 1—15.) Deshalb wurden sein Name und seine Schriften in den Talmuden und Midraschim, wie von den jüdisch-philosophischen Schriftstellern des Mittelalters nicht genannt, obwohl manche Allegorisirungen daselbst denen des Philo gleich oder ähnlich und etwa ihm entnommen sind. Sie wollten hiedurch mit Recht verhüten, daß die unwissende Volksmasse seine Schriften lese und durch manches darin in Jrrtümer gerate. „Vor einen Blinden sollst du keinen Anstoß legen." (Levit. 19.) Philo selber schrieb in seiner Erklärung der biblischen Anthropomorpsismen, daß dieselben eine Anbequemung an die Schwächen der Menschen seien. Die Masse derselben vermag nicht, das Göttlicheinseiner Reinheit zn fassen, daher hat Gott im biblischen Schrifttume die an sich unwahre anthropomor phistische Form. Dies lehrt auch der Talmud: die Thora redet nach der Sprache der Menschen (Broch. 31, Sanhedr. 60 ’u. Erachin 30); den» die Thora ist nicht für Engel sondern für Menschen gegeben worden. (Broch. 25.) Erst der scharfsinnige objektive Kritiker R. Asaria de Rossi, 1511-1578, nennt in seinem inhalts- und umfangreichen Werk „Meor Enajirn^ Philo und seine Schriften. Hingegen wurden seine Schriften von Heiden und Judenchristen gelesen und glorificirt. weil sie darin reichlich Stoff für ihre Allegorisirungen und Mysterien fanden, und weil dieselben mit den obgedachteu Jdeeulehren Platos sympathisirten, für den sie göttliche Verehrung bekundeten. Nach einer christlichen Sage soll Plato, 400 I. v. Jes., gesagt haben, daß, erschiene ein höchst gerechtes Wesen auf der Erde, so würde es von denen, die mit Verbrechen belastet als Gerechte gelten, eingekerkert, geschlagen und gekreuzigt werden. (S. Real Encyclopädie des Erziehungswesens für kath. Schulen von Rulfus. Der Verfasser bemerkt hiezu: Gewiß eine höchst merkwürdige Ahnung dessen, was in der Fülle der Zeit geschehen sollte. 3. B. 615.) Möge hiezu, obwohl unnötig, noch folgende Belegstelle mitgeteilt werden. Zur ged. Stelle im Evang. Johannes 1. 1—18, wo zuerst der „Logos" ausdrücklich gelehrt und Jesus als Gottes Schoßkind genannt wird — bemerkt der gelehrte Commentator Dr. Carl Friedrich Barth, unter anderem folgende Worte: „So vermut ick, daß sie, nämlich die Worte von 1—18, von einem , Pscudoplatoniker herstammen und von denen, die sich dieser Worte als eines heiligen Zwanges des Geistes bedienten, in ihre Bibeln sind eingetragen worden." Nach alldem ist mit Sicherheit anzunehmen, daß gedachte Männer und auch die Kirchenväter die Schriften Philos fleißig gelesen und daraus Sittenlehren für sich ausgezeichnet haben, die dann ins Neue Testament übertragen wurden. Als letzte Quelle nennen wir die,Schriften des ältesten, jüd. nachbibl. Geschichtsschreibers Josephus Flavius, 40 Jahre nach Philo. Dieser Zeitabschnitt gehörte zu den bewegtesten Zeiten in der Geschichte Israels, schon wegen der Entstehung und rapiden Verbreitung des Christentums, wegen der Kriege gegen Rom und der Zerstörung des jüdischen Reiches. In diesem Kriege spielte Josephus, als Feldherr und als Befehlshaber über Chaldäa, eine einflußreiche aber zuletzt zweifelhafte Rolle. Aber was er durch seine schwache, laue Verteidigung Palästinas gesündigt, das hat er durch seine kraftvolle und energische Verteidigung von Israels Gesetz, seiner Thora, seinerruhmvollen Geschichte und großartigen Bedeutung für die Cultnr der Völker ganz gesühnt und sich mit seinen Glaubensgenossen versöhnt. Besonders, da ja Israels Exiliruug unter den Heiden, behufs Bekanntmachung seiner reinen Lehre, Bestimmung . Gottes war. (Tr. Psochim 87.) Die Schriften des Josephus, in welchen er gleich seinem Vorgänger Philo das israelitische Volk durch seine Gesetze als eine unbesiegbare Größe an Geist und Sittenreiuheit darstellt und die falschen Beschuldigungen der Heiden vernichtend zurückweist, sind folgende : 1. „Die Altertümer" in zwanzig Büchern, eine Darstellung der Geschichte und der religiösen Institutionen des Judentums von der Erschaffung der Welt bis auf seine Zeit, d. i. 66 n. der übl. Zeitr. Das Werk wurde im Jahre 94 veröffentlicht, er aber lebte noch im Jahre 103, im 5. Jahre Trajaits. 2. Eine Schntzschrift in drei Büchern gegen Apion, den ägyptischen Haman und dessen Clique. Zur Paralysirung der Verläumdungen dieses Judenfressers wurde schon Philo von den alexandrinischen Juden nach Rom zu Kaiser Caligula gesandt. Diese Schrift heißt auch: „Ueber das hohe Alter des jüdischen Volkes." 3. Sieben Bücher über den jüdischen Krieg gegen Rom. 4. Seine Autopiographie, in welcher er unter anderem die von Justus von Liberias gegen ihn gerichtete Beschuldigung wegen Untreue im röm. Kriege als unwahr darzustellen strebt. In seinen Schriften beschreibt er die Sittenlehren und Gebräuche der Pharisäer, Sadduzäer und Essäer. Früher gehörte er — wie auch Jesus — diesem Orden an, dessen Wesen er ausführlich darlegt und von dem er die Weissagekunst, deren er sich rühmte, gelernt haben will.' Später bekannte er sich, bis zu seinem Lebensende, zu den Pharisäern. Wie diese und Philo, so erklärte auch Josephus viele mosaische Gesetze allegorisch, und zwar unter Beibehaltung des einfachen Wortsinnes und praktischer Uebung der Gesetze, also gegen Paulus' Lehre von der Allfhebung des Gesetzes, die damals schon verbreitet war. Nach all dem Gesagten ist mit Gewißheit zu behaupten, daß die Judenchristen wie auch Kirchenväter, die Josephus hochschätzten, aus seinen Schriften Sittenlehren, die auch in den Talmuden und Midraschim Vorkommen, für sich ausgezeichnet haben, die nachher in die Evangelien übertragen wurden. Selbstverständlich gehört auch hier die Priorität dem Judentum. Aus seinem Geschichtswerke über den jüdischen Krieg existirt ein Auszug in lateinischer Sprache unter dem Namen „Hegestpp", als Anschluß an das Werk des Kirchenvaters Ambrosius. Aus seiner umfangreichen Schutzschrift gegen Äpion mögen hier nachfolgende Worte am rechten Platze sein. Er sagt unter Anderem: „Meistens liegen wir der Klndererziehung und der Gesetzesbeobachtung ob, vor dem Gesetze Ehrfurcht zu haben, erachten wir als die wichtigste Lebensaufgabe. , Der Ehrfurcht vor den Eltern räumt das Gesetz die nächste Stelle nach der Ehrfurcht vor Gott ein. Die Jünglinge sollen das Alter ehren. Gott ist das Vorbild des höchsten Alters...... Hinsichtlich der den Verstorbenen zu erweisenden letzten Pflichten befiehlt das Gesetz, diese nicht in verschwenderischen Leichenbegängnissen und in Errichtung glänzender Denkmäler zu bekunden ...... Er spricht auch für die Beschneidung, für Tierschutz und gegen Tierquälerei. Diese und noch viele andere Lehren daselbst finden wir im Talmud auf Grund der biblischen Lehren. Daraus ist zugleich zu ersehen, daß jenes Referat über Jesus von Nazaret, mit dem Bekenntnisse seiner Anerkennung als Messias, ein späteres Einschiebsel von fremder Hand sei, was neben anderen Fälschungen bekanntlich schon Rapaport nachgewiesen hat. (S. Duschak und die Tradition im Ben-Chananja, 1863, und Zipfer „Flavius Josephus und der Talmud.") Wir haben nunmehr die Quellen genügend nachgewiefeu, aus welchen die vielen Parallel-Sittenlehren in das Neue Testament gelangt sind, ohne dessen Verfasser des Plagialismus zu verdächtigen, wie Professor Huber die Lehrer des Talmud beschuldigte. Wir hielten uns hiebei an die Ermahnung des Talmud: Beurteile jeden Menschen von der Lichtseite. (Ab. 1. 6.) Verschiedene Nachrichten. Wien. Der Präsident der israelitischen Cultusgemeinde Herr kaiserl. Rat Heinrich Klinger hat seinen Sommerurlaub für mehrere Wochen angetreten und die Leitung der Präsidialgeschäfte während dieser Zeit dem Ersten Vize-Präsidenten Herrn Dr. Alfred Stern übertragen. Wien. Der Bethausvorstand für den XVIll. und XIX. Bezirk beehrt sich zur Kenntnis zu bringen, daß Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. D. Feuchtwang, Samstag den 15. August d. I. beim Morgengottesdienste (Beginn 8 Uhr früh) die Antritts-Predigt und Dienstag, den 18. August d. I., bei dem Gottesdienste anläßlich des Geburtsfestes Sr.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.