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Die Wahrheit · 1903-08-07 · Heft 30 (7.8.1903) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1903
Issue
Heft 30 (7.8.1903)
Date
1903-08-07
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8. Die Wahrheit Nr. 30 Da ich mich auf meiner Urlaubsreife befinde, halte ich mit den Aeußeruugen noch dreier hervorragender kroatischer Kapazitäten über diesen Gegenstand zurück, damit ihre Aeußerungen nicht ungenau wiedergegeben werden. Glücklich heimgekehrt, werde ich, so Gott will, auch diese in Ihrem geschätzten Blatte veröffentlichen. Rabbiner D r. K a u f m a n n, _Virovitica. Aufruf. In unserer Gemeinde ist mit Genehmigung des hohen k. k. Ministeriums ein Privat-Gymnasium eröffnet worden, in welchem die Zöglinge in allen Lehrgegenständ:n des Gymnasiums, wie auch in den Fachern des jüdischen Wiffens unterrichtet werden und erhalten dieselben nach abgelegter Prüfung staatsgiltige Zeugnisse. Durch Errichtung dieser Schule, in welcher die jungen Seelen zu den Quellen der Erleuchtung und Religiosität zugleich hingeführt werden, glauben wir einem der dringendsten, immer mehr in weiten Kreisen empfundenen Bedürfnisse unserer Gemeinschaft entgegenzukommen. Das Judentum kennt nur eine Gefahr im Innern, die der Prophet bereits als verhängnisvoll bezeichnet hat, das ist die Unkenntnis der Hoheit unseres Glaubensinhaltes. Der religiöse Jndifferentismns unserer Jugend hat in der Unkenntnis des Judentums seine Wurzel, denn während ihr in den Mittelschulen alles Schöne und Herrliche auf dem Gebiete der profanen Wissenschaft ununterbrochen zuströmt, bleibt ihr die Erkeuutnis der hohen Idealität und der tiefe Ideengehalt des Judentums verschlossen. Mehr als alle betrübenden Erscheinungen der Zeit must daher den wahren Freund Israels die Wahrnehmung entsetzen, dast die Kenntnis unserer Religion immer mehr aus unseren Reihen schwindet. Was soll der Jugend Stolz und Selbstbewußtsein verleihen, was die Treue und den Duldermut^ nähren und auseuern, wenn die Quellen in unserer Mitte versiegen, die uns seit Jahrtausenden gespeist haben, wenn wir den Jungbrunnen aller religiösen Innigkeit und gesinnungsvolleu Entschlossenheit, die Kunde unserer Religionsuikünden unter uns verfallen lassen. Nicht Schulen für Rabbiner, sondern Schulen zur Heranbildung glaubensstarker und überzeuguugstrener Gemein d e m i t g l i e d er tun uns not. Nicht Seelsorger fehlen uns, die in begeisterten Worten die Ideale des Judentums im Gotteshause verkünden, unsere Gemeinschaft braucht jüdisch denkende und fühlende Männer in a l l e n S ch i ch t e u des Volkes, in deren mannigfaltigen Berufsarten ans dem bewegten Marktplatze des Lebens der Geist des Judentums in opferfreudigen Taten zur Geltung kommen soll. Wollen wir nicht Führer ohne Soldaten erziehen, Gotteshäuser ohne Andächtige, Gemeinden ohne Mitglieder aufrichten, dann ist es die höchste Zeit, eine Schule zu eröffnen, in der eine Jugend herangebildet wird, die Kultur und Judentum, Bürgertugend und Glaubenstreue, Religiosität und Gesittung als leuchtendes Muster und vorleuchteudes Beispiel hinaustragen soll in die Milte unserer Gemeinden und der Jugend, die ihre Ausbildung an interkonfeffionellen Schulen empfängt. Die in dieser Schule herangebildeten, mit der Kenntnis der hohen Idealität und der welthistorischen Mission des Judentums ausgerüsteten und von glühender Begeisterung für unsere Religion erfüllten Jünglinge sollen später, wenn sie zu Männern herangereift sind, im öffentlichen Leben überall da als feurige Anwälte für das Judentum auftreten, wo es aus Böswilligkeit entstellt oder aus Unkenntnis verkannt wird. Wir erwarten zuversichtlich, daß die jüdischen Eltern, die Größe und Heiligkeit des uns gesteckten Zieles würdigend, ihre Kinder unserer Anstalt auvertrauen werden, unter dessen Aegide die verheißungsvolle Aufgabe ihrer befriedigende» Lösung entgegengeführt werden soll. D r. M. I u n g, Rabbiner. Verschiedene Nachrichten. Wie». (Gesaugsproseffor Loewenstamm.) Vorige Woche ist im Kaiserin Elisabethspital der Gesangsprosessor Franz Josef Loewenstamm im Alter von 60 Jahren gestorben. Professor Loewenstamm war Inhaber einer Opernschule und in den musikalischen Kreisen Wiens sehr bekannt und beliebt; er war als Gesangslehrrr und Chormeister sowie anerkannt vorzüglicher Cantor in München gewesen und die ausgezeichneten von diesem hinter lassenen Shnagogencomposttionen hat Loewenstamm vor Jahren herausgegeben. Loewenstamm wurde am 18. August 1843 in Budapest geboren; als Knabe sang er längere Zeit im Chor des Münchener Hof- und Nationaltheaters. Er studierte am Münchener Konservatorium bei dem seinerzeit berühmten Sänger Kindermann und am Leipziger Konservatorium. Im Jahre 1862 kam er nach Wien und setzte bei dem Opernkapellmeister Dessoff seine Studien fort. Vom Jahre 1881 bis 1883 war er Opernkapellmeister in Preßburg. In Wien wirkte er eine zeitlang als Dirigent im Leopoldstädter Tempel, ferner als Dirigent des Wiener Sängerbundes, des Wiener Kaufmännischen Gesangvereins, des Orchestervereines „Akkord", der Gesangvereine „Sängerlust" und „Jvria" und eines Dilettantenorchesters im VH. Bezirke, dem zumeist Fabrikanten angehörten. Mit Walter, Labatt, Horwitz und Nawiasiy hatte er seinerzeit Operngastspiele unternommen. Professor Loewenstamm genoß auch als Komponist einen Ruf; er hat viele Lieder und ihöre eomponirt, ferner ein Streichquintett und einen Festmarsch für großes Orchester. Seit nahezu 40 Jahren widmete er sich vornehmlich dem Gesangsunterricht. Eines seiner letzte» Werke war die Bearbeitung eines Chores von Grieg, mit dein er befreundet war. Vor einigen Tagen zog er sich eine Blutvergiftung zu, au deren Folgen er gestorben ist Wien. Sonntag den 9. d. M., um 2 Uhr nachmittags, findet im Seitenstettentempel die Trauung des Fräulein Olga Doha», Tochter des Herrn Samuel Tohan, mit Herrn Karl Ehrenfest, k. k. Mittelschul- und Religonslehrer der israelitischen Cultusgemeinde Wien statt. Wien. Am 18. August um 2 Uhr nachmittags, findet im Tempel zu Baden bei Wien die Trauung des Fräulein Hcdwig Bäcker, Tochter des langjährigen beliebten Amtsleiters der israelitischen Cultusgemeinde in Wien, Herrn I Bäcker, mit Herrn Dr. Robert Bäcker, k. k. Professor am Staatsgymnasiuin iu Sereth in der Bukowina statt. 2kieu. (Israelitische Allianz zu Wien.) Die zu Gunsten der bedauernswerten Opfer in Kischinew eingeleitete Spenden-Sammlung hat bisher die Höhe von K. 216.0U0 erreicht. Außer den bereits veröffentlichten Beträgen seien noch folgende erwähnt: Kultusgemeinden: Saaz K. 2434, Lemberg K. 1000. Preßburg (orthob. Gemeinde) K. 570, Nasic K. 371, Triest (weitere Sendungen) K. 330 54, Jaroslau K. 303-50, Prag (weitere Sendungen) K. 249, Prerau K. 200. Wottitz K. 140, Schaff« K. 120; ferner von Herrn Dr. Arnold Nosenbacher, Prag, als Ergebnis der vom israelitischen Lehrervereine in Böhmen veranstalteten Ausgabe der Predigt Seiner Ehrwürden Herrn Dr. Aladar Deutsch K. 360, Ergebnis der in Druck gelegten Predigt Seiner Ehrwürden Herrn Dr. Adolf Biach in Brüx K. -84; vom Geselligkeitsverein der Szeniczer K. 30. Audapell. (Adele Brody-Kinderspital.) Die Pester israelitische Kultusgemeinde veröffentlicht soeben den Bericht über die Wirksamkeit des Adele Brody-Kinderspitals im verflossenen Jahre 1902, dem sechsten Jahre seit dem Bestände des Krankenhauses. Das reichhaltige statistische Material, welches Chefarzt Dr. Julius Groß und der Präsident der Spitalecommission Leopold Keppich zusammengestellt haben, beweist klar, daß das Spital die edle Aufgabe, die ihm bei seiner Gründung als Ziel vorgesteckt wurde, getreulich erfüllt, eine segensreiche Wirksamkeit ausübt und hiedurch zur Verbesserung der sanitären Zustände der Hauptstadt ein gutes Stück beiträgt. Wir teilen die folgenden Daten über das Jahr 1902 mit: Im Jahre 1902 nahmen >5.805 Kinder die ärztliche Hilfe in Anspruch. Von den kleinen Patienten waren 13.449 nach Budapest, 2851 nach der Provinz zuständig; 5 waren Ausländer Der Konfession nach waren 4860 (31 Percent) Israeliten, 10 945 Kranke (69 Percent) gehörten anderen Confeffionen an. Eine große Zahl ambulanter Kranker ohne Rücksicht auf die Confeffion wurde auf Rechnung der Cultusgemeinde mit Arzneien Verbandstoffen, chirurgischen Apparaten rc. versehen. 565 Kinder (95 Israeliten und 450 zu anderen Cnnfeffionen Gehörige) wurden kostenfrei geimpft. Im Spital wurden 1052 bettlägerige Kranke gepflegt (547 Israeliten und 450 zu anderen Confeffionen Gehörige). Im Verlaufe des Jahres ereigneten sich 101 Todesfälle (10 Percent). Da aber 16 Kinder sterbend ins Spital gebracht wurden, betrug die Zahl der letal verlaufenen Fälle eigentlich nur 85 (8 Percent); die Mortalität war demnach eine geringe. Die Gesammtkosten des Krankenhauses beliefen sich auf 90.464 Kronen. An Verpflegsgebühren nahm das Spital 19.055 Kronen ein, der Beitrag der Chewra-Kadischa machte 15.000 Kronen, der Beitrag der Cultusgemeinde 38.347 Kronen 68 Heller aus. Im Vorjahre errichtete Frau Max Domouyi-Brüll eine Bettstiftung im Betrage von 4000 Kronen. Staniskau. Herr Rudolf Silberg, Schüler des hiesigen Obercantors Löwensohn, hat in Vertretung desselben die Funktionen im hiesigen Tempel versehen und fand mit seiner schönen Stimme und seinem Vortrag allgemeinen Beifall. Newyork. (Ein Denkmal für Baron und Baronin Hirsch in Newyork.) In Newyork wurde kürzlich ein Comitö gebildet, bestehend aus hervorragenden amerikanischen Persönlichkeiten, darunter Präsident Noosevelt, Expräsident Grover Cleveland, Staatssekretär John Hay, Bischof Potter und dem Schatzmeister August Belmont, um dem Ehepaare Baron und Baronin Hirsch im Zentralpark von Newyork ein Denkmal zu errichten. Das Denkmal, dessen Pläne bereits ausgearbeitet sind, soll eine allegorische Figur, die Wohltätigkeit darstellend, ausweisen und zwei Medaillons mit dein Reliefbildnis des Baron und der Baronin Hirsch. Die Kosten des Denkmals sin:- auf 250.000 K. veranschlagt und sind teils durch Beiträge der Comitsmitglieder, teils durch eine durch den „Newyork Herald" eingeleitete öffentliche "Sammlung gedeckt. Die Errichtung des Monumentes erfolgt mit Rücksicht auf den Umstand, daß durch die Munifizenz des Baron Hirsch große Summen philanthropischen

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