Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1903
- Issue
- Heft 30 (7.8.1903)
- Date
- 1903-08-07
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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<r Nr. 30. iestcrr.-ungar. Canloren-Zeitnng. Beilage zur Zeitschrift „Die Wahrheit." 23. Iahrg. Etwas mehr Zufriedenheit mit unserem Stande. „Besser ist eine Handvoll Zufriedenheit, „als beide Hände voll Mühsal und „Haschen nach Wind". (Prediger 3, 6.) Dieser heilsame Spruch des weisen Königs enthält die Wahrheit, und Wahrheit gleichet dem Golde. Wie dieses, ist sie säst überall zu finden, wenn auch meist dünn gesäet. Verborgen liegen beide, bisweilen jedoch obenauf. Scharfe Augen find aber erforderlich, um die wertvollen Körnchen leichter zn erspähen, und viel Arbeit und Mühe, sie recht und echt auszuscheiden. Viele Menschen sind mit ihrer Lage unzufrieden und mir Mißvergnügen gehen sie an ihr Tun, äußerlich mit zufriedener Miene, aber im Innern wogt der Kamps. „Im Munde Scherz — im Herzen Schmerz". — Solche Unglückliche finden niemals, was sie suchen, sie klagen beständig; sie werden mürrisch, sobald sie an ihre Lage denken. Sie trachten immer nach andern Verhältnissen; sie wechseln ihren, Stand, unternehmen vielerlei Dinge; werden des neuen Zustandes' bald überdrüssig und das Ende — ist der Bettelstab. Vor 14 Tagen machte ich eine Ferienreise. Da es Freitag war, blieb ich in dem Städtchen St.... um den Sabbath daselbst zu verleben. Ermüdet kehrte ich bei dem dortigen Eollegen ein und fand für Geld und freundliche Worte gastfreundliche Aufnahme. Aber wie ärmlich wars da drinnen — in der sogenannten Amtswohnung! Das überaus wenige, doch reinliche Hausgerät konnte kaum noch einfacher gedacht werden. Doch wie glücklich war das alternde Ehepaar in diesen bescheidenen Räumen! Der Sabbath war beschlossen, und nach kurzem Aufenthalt hatte ich die Ueberzeugnng gewonnen, daß Eigentum und Einkommen meiner - liebevollen Wirte höchst gering, ihre Zufriedenheit und Dankbarkeit aber sebr groß und sie nur von dem einen Wunsche beseelt seien, „der l ebe Gott wolle es mit ihnen nur weiter so machen, wie bisher". Ein Wolgesühl ohnegleichen überkam mich in dieser Nußschale voll Menschenglücks. Der Eindruck, welchen ich da empfangen, wirkt mächtig noch in mir. — Doch da höre ich eine große Schar der Standes- und Berufsgenossen, die befremdend die Spotlfrage auf den Lippen haben: „Eultusbeamter und Zufriedenheit — wie räumt sich das zusammen?" — Halt! die kenne ich. Ihnen gebe ich gerne zu, daß der klingende Lohn noch immer in beillosem Mißverhältnis zur Bedeutung und Haltung und Leistung des Eultusbeamtenstaudes steht — trotz dankenswerter, namhafter Besserung da und dort, trotz mancher verheißungsvoller Anzeichen besserer Würdigung und Anerkennung neuesten Datums, sowohl seitens der Gemeindeit als auch der Enllusbeamten- und Eantorenvereine. Mit ihnen halte ich erfahrnngskundig auch dafür, daß im Großen und Ganzen für unsere innere und äußere Stellung noch sehr viel, sehr viel zu wünschen bleibt. Gleichwohl kann ich mich doch denen nicht zugesellen, welche wähnen, daß die Begriffe „Eultusbeamter" und „Zufriedenheit" einander unbedingt ausfch ließen. Weiß ich ja, daß die i Träger und Gegner solchen Wahns zu jenen „Functionären" gehören, die, angesteckt von dem „epidemischen Streben nach Geld, Ehre, Ruhm und möglichst beschaulicher, sorgloser Stellung", ihr Amt n u r als „milchende Kuh", ihren heiligen Berus nur als „Münzstätte" und sich selbst als den „Meister aller Meister" ansehen und — unserem hohen Amte viel besser hätten fern bleiben können. Wer nicht das Bessere erhalten konnte, warum ist ec unzufrieden mit dem Guten, das ihm in seiner Lage zuteil geworden ist! —Wenn der Ehrgeiz beseelt, der sei froh, der Erste in seinem Amte, statt ein nur Mittelmäßiger oder vielleicht der Letzte in einem andern zu sein! Vielmehr stelle ich mich dem gegenüber mit ruhiger Entschiedenheit in die lichte Reihe der ideal gerichteten „Eultusbeamten", die den „bessern Teil ihres Lohnes nicht immer und nur in klingender Münze erheben wollen", deren geisidurchwehte, redliche und ideale Arbeit und Leistung niemand bezahlen kann, die durch , das Ervenleben gehen — zuletzt die Anerkennung finden, die sie ehrenhaft verdient. Inmitten jener Männer stehend, die in hingebender, selbstverlengnender Liebe und Treue nnabläffig ihre beste Kraft einsetzen für den Eultus und für das Wohl der ihnen anvertrauten Jugend, bin ich in der Lage, als Ergebnis; einer 37-jährigen Erfahrung getrost behaupten zu dürfen, das Verstehen und Würdigen seines priesterlichen Berufes verschafft ein Wohlgefühl, das die erste Bedingung zur Zufriedenheit ist. Und wenn ich dies trotz mancher trüben Erfahrung mit voller Gewißheit bezeuge, so werden dennoch Tausende mit mir einverstanden sein. Hoffen wir, daß unsere innere und äußere Lage sich bessere, und trage jeder unverdrossen sein Scherflein dazu bei. „Besser ist eine Handvoll Zufriedenheit, als beide Hände voll Mühsal und Haschen nach Wind". M. Tintner, Bunzlau, Preuß. Schlesien. CONCURS An der orth. isr. Cultusgemeinde Nagyszombat (Tyrnau) gelangt mit Rosch Chodesch Ellul die Stelle eines vorzüglichen Yorbeters, Chasen Schochet, Ubodek zur Besetzung. Jahresgebalt 1000—1200 Kr. nebst freier WohnuDg, halber Scbechita und Emolumenten. Bewerber mit schöner, klangvoller Stimme und d er Befähigung, an den hohen Feiertagen mit Meschorerim vorzubeten, wollen ihre Offerte mit Beilage glaubwürdiger Copien ihrer Kaboles von anerkannten orth. Rabbinen sammt Nachweis ihres bisherigen Wirkens, des Alters und Familienstandes je früher oder längstens bis 15. August 1. J. an den gefertigten Präses einsenden. Zum Probevortrage werden nur die Berufenen zugelassen und Reisekosten nur dem Acceptirten vergütet. Nagyszombat, im Juli 1903. _Koth Jözsef, Präses. Concurs. Die hiesige Congressgemeinde beabsichtigt für die hohen Feiertage Rosch-haschonoh, Jom-Kippur und Sukkoth einen Cantor (Lhasen) mit klangvoller Stimme zu acceptiren. Honorar nach Hebereinkommen bis 500 Kr. Offerte nebst Referenzen sind bis 20. August 1. J. einzuseu den. Zum Probevortrage werden ausschliesslich nur Berufene zugelassen, Reisekosten werden blos dem Acceptirten bis 15 Kr. vergütet. Ersekujvar, im Juli 1903. _Der Yorstand. Concors. ~ Ein Sopranist mit hübscher Stimme, tüchtiger Solist, wird acceptirt. Blattleser bevorzugt. Gehalt per Monat 20 Kronen, Ko st, Quartier und Gr ati sunterricht im Hebräischen. Anmeldungen an: Qfrercantor Jo sei Rosenblatt, Pressfrurg. Concuns. Bei der Israel. Cultusgemeinde M. Ostrau wird ein Mussaf-Yorbeter für die kommenden hohen Feiertage Roschhaschonoh und Jom kippur aufgenommen. Bewerber, die über schöne und kräftige Stimmittel verfügen und befähigt sind, den Gottesdien st mit Chor u. Orgel zu versehen, wollen ihre mit den bisherigen Yerwendungszeugnissen versehenen Gesuche sofort an den Unterzeichneten Cultusvorstand einsenden. Honorar nach Uebereinkommen. Mähr. Ostrau, am 27. Juli 1903. Der Kultusvorsteher I. V. H. Ftiedländer. L. Mm