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Die Wahrheit · 1903-08-07 · Heft 30 (7.8.1903) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1903
Issue
Heft 30 (7.8.1903)
Date
1903-08-07
Page
– (sequence 5)
Language
German
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weil sie darin nur Eure gute Absicht, Euer bestes Wohlwoll en und das Mittel erblicken werden, das sie fürderhin von jeglicher Pflichtvergessenheit und Pflichtverletzung fern halten und zum Fleiß, zum Gehorsam und zur Wohlanständigkeit aneisern soll. Daniel Skntezky. Dir Gestellung jüdischer Hausbesorger in Lemberg. Gleich einem unterirdischen Beben kann man unter den unteren hiesigen Volksschichten Aeußerunge» vernehmen, die beunruhigend wären, wenn wir uns nicht auf unsere Polizeibehörde verlassen könnten. Zum Glücke stehen -M der Spitze der hiesigen Polizei tüchtige Männer wie der Regierungsrath Schechtl, Polizeirath Dr. Flatan, Reinländer und andere d irchwegs tüchtige, verläßliche Beamte, die von der modernen Volkskraukheit nicht angekränkelt sind. Männer, die noch ein gut menschliches Herz im Busen und offene Köpfe auf ihren Schultern tragen, mit einem Worte verständnißvolle österreichische Beamte, die noch in den guten, alten Traditionen wurzeln. Wir hatten bereits Gelegenheit, das Vorgehen der hiesigen k. k. Polizei während der Kischinewer Kundgebungen in jüdischen Kreisen, wie auch bei anderen Interventionen zu beobachten und den Takt und den humanen Zug dieser Beamten achten und verstehen zu lernen. Bei alldem muß es aber dennoch Sache der jüdischen Bevölkerung Lembergs, wie nicht minder der ganz Galiziens sein, ihre Häuser vor Attentaten und sich selbst vor unnöthigen Hals- und Kopfoperationen zu schützen, selbst aus die Gefahr hin, etwas Ueberflüssiges zu thun. Das wäre ungefähr so, wie manche Eltern bei Erkrankung ihrer Kinder oder bei leichtem Unwohlsein in aller erster Reihe zu Hausmitteln greifen und erst bei wachsender Gefahr den offiziellen Heilkünstler herbeirufen. Der Jude, ob reich oder blos bemittelt, umgibt sich mit einem Dienstbotenpersonale, welches die inneren Dienste im Hanse, wie auch die äußeren Dienste verrichtet, und diesen Leuten liefert sich jede Familie in wehr- und widerstandslosem Zustande aus. Dazu bekommt die christliche Dienerschaft, welche durch die Kirche und die nationalen Klubs in einer gewissen B gotterie gehalten wird, in ihren Versammlungen, bei Prozessionen und von der Kanzel herab gar nicht Schmeichelhafles über ihre Brodgeber, die Juden, zu hören. Wie oft wird weiters den christlichen Mägden mit kirchlichen Strafen gedroht, wenn sie bei Juden dienen, man sorgt andererseits für eine Anzahl von Dienstboten in christlichen Heims und schließlich nehmen christliche Dienstherren keine Dienerschaft auf, welche in jüdischen Häusern gedient hat. Ist es da zu wundern, daß für die jüdischen Familien der Auswurf des Auswurfes zurückbleibt, dem nichts Schlechtes fremd ist, überhaupt wenn es an jüdischen Arbeitsgebern zu vollziehen ist? Bedenkt man also die gefahrvolle Situation, in welcher jüdische Familien mit christlichem Dienstpersonale von antisemitischer Zucht schweben, so wird man zur Ueberzeugung gelangen, daß es geradezu geboten erscheint, jüdisches Dienstpersonal in unsere Häuser einznführen. Acut wurde diese Angelegenheit seit Kischinew und dem grausamen Mord in Lemberg, aber schon im Winter vorher hat Ihr Corresponbeut in seinen Vorträgen im Vereine „Schomer Israel" auf die Dringlichkeit der Bestellung jüdischer Hausbesorger hingewiesen und eine breite Discussion hervorgerufen. Allein damals rührte sich keine Hand zur Realisirung dieser so wichtigen Angelegenheit, heute jedoch besaßt sich das jüdische Publikum etwas lebhafter mit diesem Thema und selbst Herr Oberrabbiner Schmelkes ventilirt diese neue Institution vom religiösem Standpunkte. Hand in Hand mit dieser Frage geht auch die Gründung jüdischer Wirthschaftschulen und eines jüdischen Mädchenheims. Die jüdischen Mädchen, welche in großer Dürftigkeit auferzogen werden, können nach Absolvirung der Koch- und Wirthschaftschulen durch Erlangung von Anstellungen in reicheren jüdischen Familien ihren physischen Aufbau bewerkstelligen und den Rückgang, welcher in bedrohlicher Weise in vielen Volksschichten unverkennbar einreißt, nur durch reichliche Nahrungsaufnahm in reichen Häusern verhüten. Tausende von jüdischen '.Mädchen könnten in ehrbaren Häusern guten und sicheren Erwerb finden und so der Schande, in Freudenhäuser nach der neuen Welt verkauft zu werden, entgehen. Die maßgebenden Führer der Lemberger Cultusgemeinde mögen ihre Culturmission endlich begreifen und die große Lemberger jüdische Gemeinde nicht blos mit neuen großartigen Gebäuden beglücken, sondern auch mit Anstalten, welche der Gesittung, der Arbeit und der Oekonomie gewidmet sein sollen. Dann werden sie sich für alle Zeiten den Ruhm als Parnassim, als wahre Väter und Erhalter der Gemeinde erwerben. Aber auch außerhalb unserer Gemeinde stehende Korporationen und Persönlichkeiten, welche sich zur Unterdrückung des Mädchenhandels organisirten, ferner die Hirsch'sche Schulleitung sollten nicht zögern, ihre Mitwirkung zu dieser rettenden That den hiesigen Kreisen zur Verfügung zu stellen. Dies erfordert die nationale Solidarität unseres Volkes und die Rücksichtnahme auf sein zukünftiges Wol. Wir aber werden unentwegt alle maßgebenden Facoren zur Mithilfe aufrufen. S a m u e l s o h n. Zur Regelung der Lultussteuern. Daß die gegenwärtig bei uns übliche Bemessung der Cultussteuern einer sicheren Grundlage entbehrt und die Einschätzungen der Schätzungscommissionen zu vielen, oft berechtigten Rekursen Anlaß geben, kann von Niemandem geläugnet werden, der nur einigermaßen Einblick in den Verwaltungsapparat einer jüdischen Cultusgemeinde genommen hat Diese Thatsache ist auch schon zu wiederholten Malen öffentlich constatirt und hiebei dem Wunsche Ausdruck geliehen worden, die Cultussteuer, ähnlich wie in Deutschland, mit einem fixen Percentsatze der Personaleiilkommensteuer vorzuschreiben. Allein allen diesbezüglichen Anregungen wurde immer entgegengehalten, daß diese Art der Einschätzung, welche jede beabsichtigte oder unbeabsichtigte Ungerechtigkeit oder Willkür der Schätzungscommission aus schließt und auch den einzig richtigen Maßstab für eine gerechte Auftheilung der Cnltuslasten bieten könnte, schon aus dem Grunde unmöglich fei, weil die Regierung sich weigere, das statistische Materiale für die Bemessung der Personaleinkommensteuer den Cultusgemeinden zwecks Bemessung der Cultussteuern zur Verfügung zu stellen und einer auf diesem System ansgebauten Cultussteuer-Skala die Genehmigung versagen würde. Trotz dieser auch im Vorstände der Wiener Cultusgemeinde vorgebrachteu Argumentation lesen wir in der Juli.Nummer der „Monatsschrift der österr. israel. Union", dag bereits eine Cultusgemeinde in Oesterreich, die Cultusgemeinde Neicheuberg, ihre Cultussteuer mit Genehmigung der Behörde auf Grund der Personaleinkommensteuer bemesfe, und da diese Thatsache von hohem allgemeinen Interesse ist, sei es gestattet, die diesbezüglichen Ausführungen d*es Herrn Dr. Wilhelm Schnürmacher in Neichenberg in Nachfolgendem zu reproduziren: „Der unter dem Titel »zur Regelung der israelitischen Cultussteuern" in der Juni-Nummer dieser Monatschrift enthaltene Aussatz schließt mit den Appell an die Wiener Cultusgemeinde, s ch o n m i t R ü ck si ch t a u f d a s Beispiel für die anderen Cultusgemeinden den bisherigen Einschätzungsmodus zu beseitigen und einen fixen Perzentsatz für die Cnltusbesleuerung einzuführen. Dem gegenüber dürfte es weitere Kreise interessieren, zu erfahren, daß die Wünsche jenes Aussatzes in unserer Cultusgemeinde bereits erfüllt erscheinen, ja mehr noch, daß auch das Prinzip der Progression des Perzentsatzes bei uns durchgeführt ist. Die von der k. k. Statthalterei in Prag mit Erlaß vom 28. December 1901, Z. 248.553, genehmigten abgeände^ten Statuten unserer Cultusgemeinde besagen diesbezüglich folgendes: „Jedes Mitglied der Cultusgemeinde ist berechtigt,

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