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Die Wahrheit · 1903-07-24 · Heft 29 (24.7.1903) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1903
Issue
Heft 29 (24.7.1903)
Date
1903-07-24
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8. Die Wahrheit Nr. 29 Jüdische Arbeitgeber! Die Stellen v erm itr lun gs - Ab theilung deS Verbandes Jüd. H an delsangestellter und Arbeiter stellt den p. t. Arbeitgebern ihre Dienste behufs Besorgung männlichen und weiblichen Personals jedweden Berufes, sowie den p. t. Cultusgemeiuden zur Besetzung offener Posten, k o st e n l o s z u^r B e r f ü g 1111 g und bittet im Bedarfsfälle sich an dieselbe zu wenden. * * Jüdische Handelsangestellte, Cultusbeamte, sowie manuelle Arbeiter, die P o st e n suche n, wenden sich an die „StessenvermiMungs - Aötheitrmg des Weröandes der jüdischen KandeLsangestesslen und Arbeiter" Mrünn, Zeite 25. Verschiedene Nachrichten. Wien. Die Tagesordnung des am 23. August in Basel stattfindenden sechsten Zionisten-Congreßes ist wie folgt festgesetzt: 1. Eröffnung des Congreffes: Dr. Th. Herzl. 2. Bericht des Legitimations- Ausschusses; 3. Wahl des Bureaus und der Ausschüsse; 4. Rechenschaftsbericht des Aktions-Comites: a) Allgemeiner Teil. Referent Architekt O. Marmorek; b) Kassenbericht. Referent Dr. O. Kokesch; 5. Diskussion. 6. Bericht der Landes-Ansschüffe. 7. Auswanderung und Ansiedelung. Referent Dr. Max Nordau; 8. Der Zionismus und die Wohltatigkeits- Anstalten. Referenten: I. Zangwill und N. Sokolow. 9. Bericht über den Nationalfond. Referent I. Kremenezkh. 10. Bericht der Nationalfond-Commiffion. Referent I. Farbstein. 11. Organisation und Agitation, a) Allgemeiner Teil. Referent Sir Francis Montefiore, b) Organisation Dr. Bodenheimer, o) Agitation. Dr. Alfred Klee. 12. Bericht über die Jüdische Kolonialbank. Referent D. Wolsssohn. 13. Bericht der ständigen Ausschüsse. 14. Wahlen des Aktions-Comitos und der ständigen Ausschüffe. 15. Jnitiativ-Anträge und Eventualia. Wien. Mittwoch, den 15. Juli, fand an der Religionsschule Adass Jisroel, II., Negerlegasse 2, die Schlußprüfung des Sommersemesters statt. Das Resultat der vom Director, Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner S. Fürst, vorgenommenen Prüfung war ein überaus befriedigendes. Knaben wie Mädchen zeigten in ihren raschen, sicheren und correcten Antworten, daß sie sich den Lehrstoff vollends zu eigen gemacht haben, und legten hiedurch ebenso Zeugnis ab für ihren eigenen Fleiß und Eifer, als für die Tüchtigkeit ihrer Lehrer, der Herren Rabbiner Dr. Rosenfeld, A. Feuerring und Dr. H. Oesterreicher. — So erfreulich der Erfolg dieses Tages für die Religionsschule auch gewesen, einen ebenso herben, schmerzliche» Verlust erlitt diese noch am Abende desselben Tages. Herr Aron Bondi, Begründer und Vorsteher der Schule, wurde nach langem, schmerzvollem Leiden in ein besseres Jenseits abberufen. Noch einmal wurden die schon durch den Ferienbeginn in alle Richtungen der Windrose zerstreuten Lehrer, Schüler und Schülerinnen versammelt und gaben bei dem am 17. ds. in Baden bei Wien stattgefundenen Leichenbegängniffe der irdischen Hülle des Entschlafenen das letzte Geleite. Auf dem Friedhofe sprachen unter anderen Trauerrednern, insbesondere im Namen der Neligionsschule der Director, Sr. Ehrwürden Herr Rabbiner S. Fürst, und Herr Rabbiner Dr. M. Rosenfeld. Die Reden übten auf den großen und erlesenen Zuhörerkreis sichtlichen Eindruck. Wie«. (Rekurs gegen bie Besetzung einer Oberlehrerstelle.) Die Oberlehrerstelle an der städtischen Volsschule Untere Augartenstraße 3 wurde, trotzdem die Majorität der Schüler israelitischer Konfession ist, einem Katholiken übertragen, und zwar ohne Ausschreibung. Der betreffende Oberlehrer wurde „aus Dienstesrücksichten" in kurzem Wege auf diese Stelle versetzt. Die Ausschreibung hätte schon vor einem Jahre erfolgen sollen, unterblieb aber. Der Vorstand der israelitischen Cultus - gemeinde hat nun diese Stellensetzung zum Gegenstand eines Rekurses gemacht. ILade«. (Aron Bondi.) Am 15 d. M. ist Herr Aron Bondi, Mitchef der Hofmetallfirma I. Neurath in Wien, nach langer, schwerer Krankheit in Baden bei Wien gestorben. Das Leichenbegängnis dieses edlen, frommen, gellen Menschen fand unter riesiger Beteiligung am 17. d. M. in Baden statt. Im Sterbehause hielten Rabbiner Dr. Bondi- Mainz, auf dem Friedhofe Rabbiner Reich-Baden, Rabbiner Fürst-Wien, Dr. M. Spitzer für die Chewra-Kadischa, Rabbiner Dr. M. Rosenfeld für die Religionsschule, Rabbiner I. Baumgarten als sein Lehrer, Rabbiner Dr. Auerbach-Halberstad t und Benjamin Hirsch-Halberstadt namens der Familie, Rabbiner Weiß-Kostel als ehemaliger Hauslehrer, Wolf Pappenheim im Namen des Vorstandes der „Schifschule", tiefempfundene Reden. Die liturgischen Psalmen recitirten die Cantoren Schäfer und Seifert in ergreifender Weise. Gott tröste den gebeugten Vater, Geschwister und Familie! ZSudapest. Eine fünszehngliedrige Deputation der orthodoxen Judenschast des Landes erschien jüngst beim Ministerpräsidenten Grafen Khyen-Hedervärh, um ihn anläßlich seines Amtsantrittes zu beglückwünschen. Mitglieder der Deputation, welche vom orthodoxen Rabbiner von Budapest Koppel Reich geführt wurde, waren nebst den orthodoxen Rrbbinen von Nagyvärad, Szatmar, Vacz und Nemetkereßtur, die Herren Anton Schwarcz (Nagyvarad), Lazar Oesterreicher (Kiralyhelmecz), Jgna Spiegel (Nometkereßlur), Hermann Reizmann (Kisvärda), Moses Freu diger, Dr. Jakob Schächter, Eduard Müller uud Adolf Frankl (Budapest) Daniel Weiß und Ludwig Hartstein. Der Sprecher der Abordnung Dr Schächter verdolmetschte den Glückwunsch der Deputation und erbat den Schutz des Kabinetschess für die orthodox-jüdischen konfessionelen Interessen. — Hierauf dankte Se. Exzellenz für die Begrüßung. „Es freut mich" — sagte er — „Ihre feste Anhänglichkeit an die Religion wahrzunehmen. Der religiöse Eifer ist mir sehr sympathisch, sehr lieb. Er bildet eine Stütze im Kampfe des Lebens. Die strenge Einhaltung der Glaubenssatzungen seitens jeder Kofession schätze ich hoch. Der Glaubenseifer ist auch im Jntereffe des Vaterlandes erwünscht. Ich meinerseits versichere Sie meiner Unterstützung in Ihren patriotischen Bestrebungen." Lebhafte Lljenrufe begleiteten die Worte des Ministerpräsidenten, der sich kann sämmtliche Deputationsmitglieder vorstellen ließ. — Vom Ministerpräsidenten begab sich die Deputation zum Unterrichtsminister Dr. Julius Wlaffics, wo Daniel Weiß die Freunde der orthodoxen Judenschaft darüber verdolmetschte, daß Minister Dr. Wlaffics auch im neuen Ministerium sein Portefeuille behalten. Dr. Wlaffics beantwortete die Ovation sehr liebenswürdig und wechselte mit. jedem der Erschienenen einige Worte. Larksiadt. In hiesiger Gemeinde hielt Obercantor Weißmann aus Diakovar einen Probevortrag, welcher durch die klangvolle Stimme, den schönen Vortrag und Aufführung eigener Eompositionen mit Orgel und Chor vielen Beifall fand. ZLukarcst. Die hiesige israelitische Gemeinde hat den bekannten Obercantor Herrn Moritz Sonntag aus Temesvar gewählt und ihm die Mission übergeben, den Gottesdienst mit Orgel und Damenchor einzuführen. Herr Sonntag ist im Fachkreisen als begabter Cantor und Synagogen- Componist bestens bekannt. — Petersburg, 17. Juli. Der neue Gouverneur von Beffarabien, Fürst Uruffow, hat bei seinem Eintreffen in Kischinew eine jüoische Deputation unter der Leitung des Dr. Mutschnik empfangen und ihr auf das bestimmteste versichert, er würde alle Maßnahmen treffen, um die Ordnung aufrecht zu erhalten. Er bat die Mitglieder der Deputation, offen mit ihm zu reden und ihm in seiner Aufgabe zu helfen. Dasselbe sagte Fürst Uruffow einer Deputation jüdischer Aerzte. Als der Gouverneur dem Dr. Mutschnik und dem Rechtsanwalt Königschanz, den Leitern der Deputation, am nächsten,Tage ihren Besuch erwiderte, machte dieses in den Annalen Kischinews nie dagewesene Ereignis einen tiefen unb beruhigenden Eindruck. Gleichzeitig liegt die Meldung vor, die Land- Polizei des Kreises Kischinew solle dafür Sorge tragen, daß die nach dem Blutbad aus Kischinew aufs Land geflohenen Juden wieder in die Stadt zurückkehren, weil nicht die geringste Gefahr für sie mehr vorliege. Z*etersönrg, 17. Juli. Die durch die Exzesse in Kischinew entstandenen Verluste werden, wie das dortige Hilfscomito mitteilt, auf 2,332.890 Rubel geschätzt. Dieses Comitö gibt die Zahl der ausgeplünderten Wohnungen auf 700, die der Handlungen ans 600, die Zahl der Toten auf 47, der Schwerverwnndeten auf 92, der Leichtverwundeten auf 345, der zu Krüppel Gewordenen auf 50, der Witwen auf 35 und der Waisen auf 123 an. Im Laufe des ersten Monats seiner Thätigkeit hat das Hilsscomito 736.476 Rubel gesammelt von denen 192.443 Rubel aus Amerika, 16.001 aus England, 10.475 aus Oesterreich, 35.675 aus Deutschland, 5000 aus Italien, 1000 aus Holland und 9248 Rubel aus Frankreich, der Rest aus Rußland stammten. Von dieser Summe wurden 464.462 Rubel verausgabt, darunter 50.000 Rubel zur üebersiedlung von 50 jüdischen Familien nach Palästina. Dem Comitö waren bisher ' 2538 Gesuche um Unterstützung zugegangen. London, 9. Juli. Am vorigen Sonntag ist der Erweiterungsbau des jüdischen Siechenhauses unter großen Feierlichkeiten von der Prinzessin Louise, Herzogin von Argyll, der Schwester des Königs, seiner Bestimmung übergeben worden. Nach einem einleitenden Gebet des Chiesrabbi hielt das Mitglied des Unterhauses, Herr Stuart M. Samuel, als Vorsitzender d s Verwaltungs-Comitss eine Ansprache, in welcher er mitteilte, daß die im Jahre 1889 mir zehn Insassen in zwei gemieteten Räumen eröffnete Anstalt durch eine zu Ehren des Diamant-Jubiläums der Königin eingeleitete Sammlung, welche 35.000 Lstr. ergab, in das gegenwärtige Gebäude überführt und zur Aufnahme von 25 Pfleglingen eingerichtet werden konnte und jetzt abermals so beträchtlich erweitert wurde, daß sie 55 Sieche aufnehmen kann. Hierauf enthüllte Prinzessin Louise eine steinerne Tafel, welche die Inschrift trägt: „Dieses zur Erinnerung an das Diamant-Jubiläum der Königin Victoria errichtete jüdische Siechenhaus wurde von Ihrer königlichen Hoheit der Prinzessin Louise, Herzogin von Argyll, am 3. Juli eröffnet", und nahm sodann aus der Hand einiger Damen das Ergebnis der bei dieser Gelegenheit für das Heim veranstalteten Sammlung entgegen, das sich auf 5830 Lstr. (ca. 117.000 Mk.) belief. Nachdem noch Lord Rothschild und Sir Edward Sassoon gesprochen hatten, ergriff der Herzog von Argyll das Wort, um zunächst namens seiner Gattin den Anwesenden für die reiche Sammlung, sowie seinen „alten Freunden" Lord Rothschild und Sir Edward Sassoon für die in ihren Ansprachen der Prinzessin gesagten Liebenswürdigkeiten zu danken und sodann fortzufahren: „Es war mir stets ein unerklärliches Rätsel, wie es die Juden fertig bekommen, nicht blos die umfassenden Bedürfnisse ihrer eigenen Armen zu befriedigen, sondern noch große Summen für die Armen anderer Confessionen zu erübrigen. In Bezug auf Organisation und Großmut können die Juden allen anderen Confeffionen als Muster dienen. Ich vermag mir gar nicht auszudenken, was sein würde, wenn alle Menschen so wären, wie die Juden. Würde ihr Beispiel überall Nachahmung finden, dann wären die Folgen unüber-, sehbar. Sicherlich hätte das Oberhaus nicht nötig, mit dem ihm gegenwärtig vorliegenden Altersrenten-Gesetz sich zu plagen."

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