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Die Wahrheit · 1903-07-24 · Heft 29 (24.7.1903) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1903
Issue
Heft 29 (24.7.1903)
Date
1903-07-24
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 29 Seite 7. Die Wahrheit einige Morallehren ausgezeichnet haben, die späterhin, da sie nun einmal bekannt waren, von den Schreibern oder Ab. schreibet n der Evangelien diesen angefügt wurden. Ueberdies zwangen diese Juden-CKristen, wie späterhin berüchtigte Renegaten, ihre jüdischen Glaubensgenossen öffentlich zu Religions-Disputationen in den hiezu bestimmten Versammlungshäursen (Tr. Sabb. 11. 13.), um aus Grund fälschlich gedeuteter Bibelstellen von der Wahrheit ihrer neuen Religion zu überzeugen, wobei sie jedoch von den Juden widerlegt wurden. (Eichhorn in seiner Einleitung zum Alten Testamente gesteht, daß aus der Bibel iir Wirklichkeit keine Beweise gegen die jüdische Religion vorhanden sind.) Ohne Zweifel vernahmen hiebei die Inden-Christen von den Inden neue Sittenlehreu, die sie in die Evangelien verzeichneten. Weder die Inden daselbst oder in den gedachten Synagogen, noch die Abschreiber der Sittenlehren brauchten die Namen der Autoren zu nennen, weil es nicht ihre Absicht war, ihren Zuhörern oder Lesern die Traditionenkette zu überliefern. Sicher ist, daß die Schriften des Neuen Testamentes bis zu ihrer jetzigen Gestalt sehr viele Redaktionen durchgemacht und daß die späteren Abschreiber darin viel geändert und erweitert haben. Als Beweis dürfte unter anderem auch gelten, daß in dem im Vatican befindlichen Manuskripte des. Matth. Evangelium aus dem 4. Jahrh. die Worte Jesu: „Liebet eure Feunde und betet für eure Verfolger", fehlen. Aber im Talmud, ja schon in der Bibel, kommen solche Lehren in verschiedenen Variationen vor, ans welchen die Schreiber oder Abschreiber der Evangelien sie etwas geändert übertragen haben. (Siehe Ex. 23. 3-5, Ps. 7. 5. Spr. Sal. 25, 21. Talm. B. Mez. 32 und v. St. Die Glaubenslehre der Synagoge als exakte Wissenschaft von Dr. Steinheim, 3. Thl. 66—69; der Talmud von Em. Deutsch, 74, und das Evangelium des Matth, von Dr. Lippe, Vorwort. Tr. Temurah. 14. Gittin 60 und SaNhedr. 57 ) Eine anvere Quelle ist das Buch Ben Sirah, verfaßt in hebräischer Sprache von Jeschna — griech. Jesus — Sohn Sirachs, 200 Jahre v., in Jerusalem, welches sein Enkel gleichen Namens 130 v. in Egyvlen in die griechische Sprache übertrug, weil die Jueen daselbst kein Hebräisch verstanden. Es enthielt eine große Menge Sittenlehren, parallel mit denen im Neuen Testamente und im Talmud, woselbst zumeist sein Buch als Quelle genannt wird, aber im Neuen Testamente niemals. Von den vielen Beispielen dürften folgende Belegstellen Leuügen : B. Sirah, 18. 25: Zur Zeit des Ueberflnßes denke an die Zeit des Hungers, in den Tagen des Reichtums an Armut und Dürftigkeit! Wer sich erhöht, der wird erniedrigt, und wer sich erniedrigt, der wird erhöht werden! (Matth. 18. 12.): Jeder, der sich erniedrigt, den erhöhet Gott, und wer sich erhebt, den erniedrigt Gott. (Tr. Erub. 13, anlehnend an die Worte: Von der Höhe ins Tal. (Num. 21. 20.) Verlaß dich nicht auf deinen Reichtum! Vertraue nicht auf ungerechtes Gut! (Ben Sirah, 5.) Sammelt euch nicht Schätze auf Erden! Sammelt euch aber Schätze im Himmel! (Matth. 6, 19, Tr. B. B 11. Dort wird diese Sittenlehre im Namen des Monabez, König in Adiabene, 30 umständlich mit 6 Anlehnungsstellen aus der Bibel mitgeteilt, eiu Beweis, daß diese Lehre eine alte Tradition war. Durch seine große Mildtätigkeit verminderte er die von seinen Eltern gesammelten großen Schätze, worüber ihm seine Brüder derbe Vorwürfe machten, worauf er diese Lehre erteilte. Dieses Buch wurde in den ersten Jahrhunderten der Kirche daselbst zu öffentlichen Vorlesungen über Sittenlehren in Ermangelung der Evangelien benützt und ihren Gläubigen empfohlen. Daher sein Name Ecclesiasticus - Volkssittenbuch. Die Schreiber der Evangelien haben, vielleicht unbewußt, die Lehren des Jesu aus Nazareth mit den Sittenlehren des Jesu, Sohn Sirachs, verwechselt. Natürlich gehört für diese Lehren die Priorität dem Judentum. Wir müssen aber bemerken, daß Jesus ben Si rach in vielen Sittenlehren von den Lehren Jesus in den Evangelien abweicht. . So zum Beispiel lehrt er nicht wie'Jesu: „Selig sind die Geistesarmen!" auch nicht, daß man ohne zu-ardeiien auf Gott blindlings vertrauen soll; ferner: daß man den Körper vernachlässigen und alle irdischen Güter verabscheuen soll. (Matth. Y. 5, 29—31, TI. 24—34). Dem entgegen lehrte Ben Sirach am Anfänge und am Ende seines Buches, so auch an sehr vielen Stellen daselbst: Die Arbeitsamkeit, mäßiges Streben nach irdischen Gütern nebst deren weisen Gebrauch, und Schonung des Körpers und seiner Gesundheit. Er warnt oft wie vor Verweichlichung der Sadduzäer, ebenso vor Askese der Essäer, hingegen ermahnt er zur Lebens- und Erziehungsweise nach dem Muster der Pharisäer^ welcher Partei er seinen Lehren nach angehörte. Alle seine Sittenlehren bilden eine umfangreiche Erweiterung und Spezialisirung der kurzen, aber inhaltsreichen Lehre des Simon des Gerechten, für den Ben Sirach (50 C., 20,) zu Gott betet. Seine Lehre lautet: Aus drei Dingen besteht die Welt, nämlich auf: 1. Thora, Gotteslehre. 2. Abodah, Gottesdienst. 3. Gemilat-Chassodim, Humanität. Zur Thorah gehören auch allgemeine Wissenschaft, also die allgemeine Weisheit, zu Abodah gehört auch die in der Bibel befohlene Arbeit als Gottesdienst. (Exod. 20, 8, Ps. 128. 2. Ab. I. 10, Ab. de R. Nath. 11 und Berach. 18.) Eingefendet Ml „Eingesendet" iit tlr. 24. In einem in Ne. 24 d. Bl. veröffentlichten „Eingesendet" spricht der Einsender, „ein zufälliger Gast im Währinger Tempel", über mein Vorgehen in That und Wort bezüglich der Vorlesung der „Tochachoh“ und bezeichnet es als „Halbheit", schließlich rügt er es allgemein heraussordend, oder — aufweckend. Nun, offen gesagt, ich war gesonnen, mich zur „Tochachoh^ ausrufeu zu lassen, doch unterließ ich es, weil ich nicht ausfällig sein wollte, fand es aber angezeigr, mit jene erwähnte lheilweise Abänderung als einleitrnd zu verfügen. Der Herr „Einsender", wie es ans seinen Zeilen hervorgeht, ein aufmerksamer Beobachter, sollte aus Erfahrung wissen, wie glücklich sich alle Gemeindevorstände, Rabbiner, Lehrer, Vereinsleitungen u. s. w. fühlen würden, wenn sie jeden ihrer Wünsche und Bestrebungen sogleich beim ersten Handgriff von A bis Z zur lebendigen That bringen könnten. Ernste und denkende Menschen aber, wenn sie auch nur einen Theil ihres Zieles erreichen, erfassen und pflegen es und setzen es in fortschreitende Bewegung. Der dort unterschriebene . . Fortschrittler" wolle für seinen schließlichen, begründeten, regsamen W e i tblick gefälligst zur Kenntnis nehmen: Gut angebahnt, fetzt oft auch „Halbheit" sich naturgemäß selbst, in Bewegung, ruhig fortschreitend und friedlich. W. S o r. einer. Rabbiner. Äufruf an alle Landsleute aus Stampfen! In jedem Menschen ist die Anhänglichkeit an die Heimat, an die Stätte, welche unsere ersten Schritte gespürt, wo uns die Liebe der Eltern umschlang, an welcher wir die glückliche Jugend verlebten, tief begründet, und dieser Ort bleibt uns immer unvergeßlich und theuer! Daher soll jeder trachten, seine engste Heimat stets in Erinnerung zu behalten und jede sich darbietende Gelegenheit benützen, um seine Heimatsliebe zu bekunden und das Andenken seiner in heimatlicher Erderuhenden Vorfahren pietätvoll zu ehren l Einen willkommenen Anlaß hiezu bietet uns das Jubi-- läumsfest, das unsere altehrwürdige Cultusgemeinde am 9. August d. I. veranstaltet. Wir Stampfener, die wir in der Fremde sind, wollen durch unser zahlreiches Erscheinen den dortigen Landsleuten beweisen, daß wir einig sind in der Liebe zu unserer Berstadt. Deshalb Auf nach Stampfen! ZN IN Iuöitänmsfest am 9. Augrrst 1993. Ein Stampfener in der Fremve.

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