Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1903
- Issue
- Heft 28 (17.7.1903)
- Date
- 1903-07-17
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 28 - * Die Wahrheit Seite 7. weniger alseine Million Familien betrag.cn-haben-kann. Dann wurde es ein; großes Handelszentruni, und man darf annehmen, daß wegen des -Handels große Massen Juden dahin kämen. „Im Laufe der Zeit litt die Stadt durch Ueberschwemmungen des Gelbslüsses, .und häufige Feuersbrünste brücken ihre Bedeutung herab. Das Jndeuviertel war nicht mehr als . 500. Fuß vom Flußdamm entfernt und Fluthschäden besonders ausgesetzt. Im Jahre. 1642. mußte die Stävt eine Belagerung von einem Monat durch den Rebellen-Führer Li,ki tseng bestehen, die den Fall .der Stadt durch Ableitung des Gelbstusses zur Folge hatte, 100000. Menschen gingenzu Grunde,' viele hebräische Manuskripte wurden vernichtet. -Die Synagoge , ward verschiedentlich wieder ausgebaut : 1279, 1489, Anfang des XVII. Jahrhunderts und dann 1653." ' / Nur allmählich wurde es den Juden in Europa bekannt, daß"-in China eine Kolonie ihrer Brüder e^istire. Es sind dann verschiedene Versuche gemacht worden, sie brieflich zu erreichen, zuerst 1760, dann 1815, endlich 1842. Diese Versuche hatten jedoch nur einen theilweisen Eerfolg. Ein späterer war aber ein zufriehenitellender. Im Jahre 1850 sandte der Bischof von Hongkong/ Dr. Smith, gemeinsam mit der Londoner Missionsöesellfchaft .Boten nach Kai seng-fn,welche die Meldung zurückbrachten, daß dort etwa 200 Jnben lebten, die;,in die allertiefste Armuth und Verlassenheit gesunken seien", keine Synagoge mehr hätten und ihre Religion kaum noch dem Namen nach kennen, aber doch noch von der heidnischen Menge ringsum getrennt leben". Im Juni 1900 schrieben einige angesehene Juden in Shanghai an Herrn Powell in Kai-feng-fu und baten ihn um eine Auskunft über ihre Glaubensgenossen. Herr Powell antwortete, daß es dort noch 140 Juden gäbe, die in 8 Klans mit folgenden Namen getheilt wären: Li (2 Klans tragen diesen Namen), Tschang, Ai, Tschao, Tu, Schih und.Kao. Diese 8 Klans umfassen .zusammen etwa 40 Familien. Außerhalb Kai-feng-fu selbst giebt es noch einige weitere Juden; aber ihre Zahl ist außerordentlich gering. Obgleich einst begütert und sehr einflußreich, sind sie jetzt sehr arm, ihre soziale Stellung ist unbedeutend. „Einer von ihnen ist ein buddhistischer Priester und hat die Stellung eines kleinen Mandarinen inne, d. h. er führt die Angelegenheiten der anderen Priester." Der Ort, wo einst ihre schöne schöne Synagoge stand, ist jetzt ein Pfnhl mit schmutzigem Wasser, an dem ein Stein steht, der den Fleck angiebt. Im 20. Band des „Chinese Repository“ ist der Inhalt der Inschrift an diesetn Stein wie-folgt angegeben : „Betreffs der israelitischen Religion lehren wir, daß unser erster Ahn Adam war^ Der Gründer der Religion war Abraham. Dann kam Moses, richtete das Gesetz aus und gab uns die heiligen Bücher. Während der Han-Dynastie kam diese Religion nach China. Im zweiten Jahre des Kaisers Hsiao-tsung von der Song-Dynastie (1164 n. Ehr.) wurde die erste Synagoge in Kai-feng-su gebaut. Wer Gott durch Idole oder Bilder darstellt, giebt sich umsonst mit leeren Schemen ab. Wer die heiligen Schriften, ehrt und ihnen gehorcht, kennt den Ursprung aller Dinge. Die. ewige Vernunft und,die heiligen Schriften stützen sich gegenseitig, indem sie zeigen,' lvoher die Menschen ihr Sein herleiten sollten. Alle, die diese" Religion bekennen, bemühen sich, Gutes zu thun, und hassen das Böse." Aber trotzdem heißt es in dem Bericht Powell's: „Die Juden in Kai-seng-fu beobachten keine der Vorschriften ihrer Religion; aber mit Ausnahme jenes" buddhistischen Priesters beobachten sie auch nicht die götzendienerischen Praktiken der Heiden; jedoch gehen sie mit ihnen Heirüten ein." Gegenwärtig unternimmt eim Kreis von Glaubensgenossen in Dhangai, noch einmal den Versüch; ,>diesen Rest der Vergessenheit zu entreißen." Sechs oder sieben wurden veranlaßt, nach Shangai zu kommen^ und es werden Anstengungen gemacht, das Geld zum Wiederaufbau der Synagoge auszubringen. verschiedene Nachrichten. Höfen. (Kaiser; Franz Josefs-,,Ferienheim".) An das Präsidium des Vereines „Ferienheim." .zu Händen der Präsidentin, Frau Sofie! Grünfeld, ist das nachstehende Schreiben gelangt : Seine k. u. k. Aposto- - fische Majestät haben mit Allerhöchster Entschließung vom 27. Mai l. I. die vom .Vorstände des Kaiser Franz Josefs-„Ferienheim" anläßlich seines zehnjährigen, Bestandes herausgegebene „Denkschrift" der huldreichsten. Annahme für die k. u. k. Familien-Fideicommiß-Bibliothek zu! würdigen und anzubefehlen: geruht, daß dem Vereinsvorstande aus diesem Anlässe der. kaiserliche Dank bekanntzugeben' sei. Es gereicht mir zum Vergnügen, das geehrte Präsidium von dieser Allerhöchsten Schluß-; faffung in Kenntniß zu setzen. Kielmansegg m. p'. ' Wien. Der Verein „Meichiach Jeschuah“ (Rasche Hilfe) hat l am 5. d. M. in dem neuen. Betlokale den ersten feierlichen Gottesdienst, - der gleichzeitig als Einweihungsfeier galt, abgehalten. Schon vor der anberaumten Stunde war das schöne, geräumige Lokal von Besuchern aus.den einzelnen Bezirken Wiens dicht gefüllt. Den Gottesdienst ver-! sah auf Einladung des Vorstandes Herr Cantor I. Roman aus der Brigittenau, der .mit seinem weihevollen Vortrag der innigen, altjüdischen Gesänge die. andachtsvolle Stimmung erhöhte. Auch der Chor, unter der Leitung seines tüchtigen .Chordirigenten, trug sein Schärflein bei, um,die Feierlichkeit schöner zu gestalten. Herr Dr. Kaminka hielt eine «schwungvolle Festrede, in welcher er die Bedeutung des Vereines seinem Namen entsprechend treffend erklärte. Infolge seines soliden Gebahrens erfreut sich der. Verein eines guten Rufes, was sowohl, den Mitgliedern als auch dem löblichen Vorstande zu Gute kommt. Maden. Aus Anlaß des Jahrzeittages nach der seligen Frau'. Sofie v. Gutmann, welcher auf den Sabbath, den 11. d., fiel, fand im. Tempel ein Gedächtnisfeier für dieselbe statt. Dieser Feier, welche in gehobener und pietätvoller Weise verlief, wohnten nebst einer sehr großen Versammlung von Andächtigen, die Schwiegertochter der Verblichenen,? Frau Mathilde v. Gutmann, mit ihren Kindern und der Cultusausschuß der Badener Cultusgemeinde unter Führung seines Präsidenten Herrn Möri; Lettner bei. Im Auditorium wurden besonders bemerkt: Ober rabbiner Dr. Moriz Güdemann, Rabbiner Dr. Adolf Schmied!, Rabbiner Dr. Armin Abeles aus Wien und Rabbiner Markus Fried aus Martinsburg. Als Maftir wurde Herr Wilhelm v. Gutmann, das älteste Enkelkind der Verstorbenen, zur Thora gerufen, der die Haftora verständnis- und würdevoll vortrug. Die Gedächtnisrede hielt Herr Rabbiner Wilhelm Reich. Er sprach mit außerordentlicher Beredtsamkeit über die erziehlichen und häuslichen Aufgaben der jüdischen Frau, hob hervor, daß sie in erster Reihe berufen ist, den Impuls für jüdisches Fühlen und religiöses Denken,zu geben und zeigte, daß Frau Sofie v. Gutmann von dieser hervorragenden Tugend jüdischer Frauen beseelt war, wodurch sie als eine Zierde-in der jüdischen Frauenwelt hervorragte. Tiefbewegt hörtet die andächtige Versammlung diese Ausführungen Han, die in jedem Zuhörer die Erinnerung an den Spruch erweckten: „Das Andenken der Tugendhaftenbleibt gesegnet". Am selben Sabbath Nachmittag fand auch im Tempel die Schlußfeier des Jugendgottesdienstes statt, wobei Herr Rabbiner Reich die Ansprache an die Schuljugend hielt und sie in eindringlichen und warmen Worten ermähnte, die Ferialzeit nicht nur mit smüßiger Erholung, sondern auch mit geistiger Arbeit'auszufüllen. Den gesanglichen Teil des Gottesdienstes executirte in trefflicher Weise Herr Cantor Mayer Seifert mit einem aus der Schuljugend verstärkten Chore, welcher auch zum Schluß der Feier bie Volkshymne sang. Z»rag. (Israelitischer Lattdes-Lehrerverein in Böhmen.) Die Hauptversammlung findet am 23. und 24. August 1903 statt. Tagesordnung : Am 23.'August abends im Hotel „Bristol", Prag, Langegasse, geselliges Beisammensein. Am 24. Aügust im Hotel „Bristol", 8 Uhr vormittags: Hauptversammlung. 1. Verlesen und Genehmigung des letzten Protokolls. 2. Methodischer Vortrag., 3. Geschäftsbericht über das 30. Vereirtssahr. (Rabbiner M. Freund, Bodenbach.) 4. a) Kassa» bericht und Feststellung der Jahresbeiträge pro, 1904. (Religionslehrer D. Löwy, Prag).'' b) Revisionsbericht. 5. Unsere „Mitteilungen'. (Rabbiner M. Freund, Bodenbach.) 6. Anträge des Vorstandes. 7. Anträg der Mitglieder. V. Wahl des Vorstandes und der Revisoren. Krumau (BöMren^ Das hiesige k. k. Staatsobergymnasium war im Schuljahre 1902- 03 von 33 isr. Schülern besucht, die einen gründlichen, auf wissenschaftlich-pädagogischen Grundsätzen " ausgebauten Religionsunterricht genoffen. Die Schüler mußten jeden Freitag Abend dem Gottesdienste beiwohnen und hatten alle. 14 Tage Samstag Nachmittag eine Exhorte,, wobei namentlich die Geschichte des Judenthums, die vor allem in ihrer idealen Größe der Jugend vor Augen geführt werden muß, berücksichtigt wurde. Der studierenden Jugend bietet das herrlich mitten im Böhmerwalde liegende Krumau nach jeder Richtung die größten Vorteile: Kräftige Gebirgswaldluft. sorgfältiger Unterricht und reiche Abwechslung in allem, was für die Festigung des Leibesund der Seele nöthig ist. Auch die Cultusgemeinde ist bemüht, nach Kräften die Erziehung und Ausbildung der Jugend, die ja unsere Zukunft ist, zu fördern. Die Religionsprüfung der Volks- und Bürgerschüler findet Sonntag, den 19. d. in der isr. Schule Nachmittags statt. Für die Krumau zugeteilten Gemeinden soll im nächsten Jahre in Horitz der Religionsunterricht ertheilt werden, wobei die Kinder aus den Ortschaften nach Horitz zum Unterrichte kommen.