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Die Wahrheit · 1903-07-17 · Heft 28 (17.7.1903) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1903
Issue
Heft 28 (17.7.1903)
Date
1903-07-17
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Die Wahrheit Seite & Nr. 28. Anknüpfenb hieran beglückwünscht der Vorsitzende Herrn Dr. Spitzer zu dieser Ernennung und gibt der Ueberzeugung Ausdruck, daß er seine ersprießliche Tätigkeit im Interesse eines gedeihlichen Religionsunterrichtes sortsetzen werde. Herr Dr. Spitzer dankt für das ihm durch den neuerlichen Vorschlag bewiesene Vertrauen und gibt einen Bericht über die Art seiner Tätigkeit im Bezirksschulrathe. Der Bericht wird zur befriedigenden Kenntnis genommen. — Im Einlaufe befindet sich weiters ein Schreiben des Herrn Adolf Schramek, in welchem derselbe erklärt, der Berufung zum Mitgliede des Bethausvorstandes Stadt und Leopoldstadt dankend Folge zu leisten. — Der an den Herrn Baron Albert von Rothschild zu erstattende Vorschlag betreffend die Verleihung der Anselm Freiherr von Rothschild'schen Waisenstiftung (21 Stistplätze von je 200.— Kronen) wird genehmigt. — Herr Architekt Max Fleischer referiert über die Durchführung der seinerseits vom Vertreter-Kollegium beschlossenen Herstellung einer Anlage auf einem Teile des Währinger Friedhofes. Im Anschlüsse an dieses Referat bemerkt Vize- Präsident Dr. Stern, daß die zu diesem Zwecke eiugeleitete Sammlung bei Familien, von welchen Angehörige auf dem Währinger Friedhofe bestattet sind, eine Summe ergeben habe, durch welche die Kosten der bisher fertig gestellten Anlage gedeckt erscheinen. Die Erhaltungskosten der Anlage werden im Sinne einer diesbezüglichen Ermächtigung der Stiftungsbehörde aus den Zinsenüberschüssen einer Graberhaltungs-Stiftung gedeckt werden. Nach längerer Debatte, an welcher sich die Herren Dr. Steiner, Dr. Stern, Dr. Rappaport, Theodor Ritter v. Taussig und Baurat Stiaßny beteiligen, wird die bisher durchgeführte Herstellung der Parkanlage, sowie die Art der Bedeckung der Kosten genehmigt, die Beschlußfassung über den weiteren Modus nach einem neuerlich durch den Vorstand vorzunehmenden Lokalaugenschein vertagt.— Herr Oberingeuieur Athur Edler von Mises referiert über einige vom Rabbinate in Vorschlag gebrachte Aendernngen administrativer Natur im Schächtwesen. Die Anträge werden nach einer Debatte, an welcher sich die Herren Eltbogen, Dr. Kohn, Kauders und Hoffmann beteiligen, angenommen. Zum Amanuensis der Bibliothek der israelitischen Kultusgemeinde Wien wird der von den Experten primo loco in Vorschlag gebrachte Dr. Bernhard Wachsteiu bestellt.— Nach Erledigung von Steuer-Angelegenheiten wird die Sitzung um 9 Uhr abends geschlossen. Die echten hebräischen Melodien?) (Schluss.) Die Hoffnung auf Erlösung aus der Bedrängniß, das unerschütterliche Gottvertrauen trotz aller Noth und Pein, sie sind die Grundstimmung einer Reihe von Gedichten der großen jüdischen Sänger der arabischen Glanzperiode. Als Probe wähle ich aufs Gerathewol das folgende Gedicht aus, dem eine ansehnliche Zahl gleich ergreifeitder angereiht werden könnte. Leidens E n d e. Mir droh'n von allen Seiten Nur Widerwärtigkeiten, Aufs neu' an jedem Tage Nur Elend, Schmach und Plage Am Abend wie am Morgen. Ich seh im Joch voll Trauer Den Feind Tags aus der Lauer, Nachts schleicht er, leise trabend — Früh sprach ich: wär's schon Abend, Und Abends: wär's schon Morgen! *) Die echten hebräischen Melodien. Uebersetznngen hon S. Heller. Aus dem Nachlasse herausgeg. von Prof. Dr. David Kaufmann. 2. Ausl., besorgt von Irma Kaufmann. Breslau 1903. S. Schottlaender. Besprochen von Heinrich Bloch, „Pester Lloyd". Wann endlich, Herr! erwachst Du, Den Zorn auf sie entfachst Du? Wann kommt die Heilepoche? Wann bin ich frei vom Joche? Wann endlich wird es Morgen? Zu Dir im Qualgeschicke Erheben wir die Blicke! Fremd hier im Weltgebrause, Zieh'n wir zu Deinem Hause, Dich singend jeden Morgen. Sie höhnen, blinde Thoren, Uns: ha, Ihr seid verloren! Wo nur der Hoffnungs Schimmer? Der Heiland kommt Euch nimmer — Weh, weh Euch jeden Morgen! „Getrost Ihr meine Treuen, Bald soll Euch Heil erfreuen! Ja, bei mir selber schwör' ich: Dich Glaubensvolk erhör' ich — Erharr' ihn jeden Morgen!" Aber wenn der Leiden Maß überfloß, wenn es des Jam» mers kein Ende gab, wenn die Hand des Allmächtigen gar zu schwer aus Israel lastete, da erhob der Dichter sein Klagelied und schilderte das Unglück seines Stammes in der ergreifendsten Weise, fast verzweifelnd die erschütternde Frage an den Allerbarmer richtend, wann er doch den Verfolgungen ein Ende setzen werde; die Hoffnung auf baldige Erlösung getraut er sich nicht auszudrücken. K a n n st D u' s ertragen? Seufzen. Wimmern, Jammerklagen! Schwerter klirren. Die mein armes Volk erschlagen, Das die Mörder Noch zu höhnen wagen. Die Entsetzten, Müdgehetzten Aus dem Lande jagen! Felsenriffe Bluten, wo wir sterben lagen — Kannst Du, Herr! kannst Du's ertragen? Pest von Schwindlern Hören wir uns schelten. Als Verruchte, als Verfluchte Läßt man uns nur gelten; Unter Schauern kauern Wir in Höhlen — Todeszelten, Wo die Leiber unsrer Weiber, Unsrer Kleinen sie zerschellten. So verachtet, hingeschlachtet, Muß ich, muß verzagen — Kannst Du, Herr! kannst Du's ertragen? Feinde pflanzen Zahllos auf die Zeichen, Schleudern Sperre, Die das Herz erreichen, Raufen, schänden das Gesicht mit Bränden, Füllen Gruben mit den Leichen. Wenn im Thale Tiefgeduckt wir schleichen, Spähn die Schergen von den Bergen, Auf uns loszuschlagen — Kannst Du, Herr! kannst Du's ertragen? Vorn die einen, Andre steh'n im Rücken; Wie mit Sägen sie zu Schlägen Und mit Aexten an uns rücken! Ammon, Amalek, sie Alle Ueben Tück auf Tücken, Edom thut es Allen Vor, uns zu bedrücken; Mord und Tod erwartet, Die sich ihm nicht bücken! Eingeschlungen, was errungen Unter Müh und Plagen - - Kannst Du, Herr! kannst Du's ertragen? Wie wir stöhnen Unter solchen Ruten, An Gesprüpp und Dornen Uns verbluten! Warum den Tyrannen Gabst Du preis die Guten, Löwen uns zur Beute,

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