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Die Wahrheit · 1903-07-10 · Heft 27 (10.7.1903) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1903
Issue
Heft 27 (10.7.1903)
Date
1903-07-10
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Sette 6 Die Wahrheit. Rr. 27 drängen manche trübe Symptome uns auf den rettenden Gedanken, unser Haus nur jüdischen Dienern anzuvertrauen, denen der Umgang mit der Feuerwaffe kein Geheimniß ist. Vielleicht werden unsere nationalen Arbeitervereine dieses Thema auf die Tagesordnung setzen. S a m u e l s o h n. Meam. Eine Schrifterklärung zum Sabbat Balak. Als der König David die Regierung seinem Sohne Salomo übergab, rief er ihm zu: „Und du mein Sohn Salomo, erkenne vorerst den Gott deines Vaters, dann diene ihm mit ganzem Herzen und mit williger Seele Da es elohe owicho weowdehu. Auch das Judenthum ruft jedem seiner Bekenner zu: Vorerst erkenne die Größe Gottes, denke nach und forsche nach, dringe ein in den Geist der Thora und du wirst die Ueberzeugung gewinnen, daß die Welt nicht von selbst entstanden, daß sie nicht dem launenhaften Spiele eines regellosen Schicksals preisgegeben, daß kein Zufall, kein blindes Zusammentreffen, keine Revolution , der Naturkräfte die Ursache dieses prachtvollen, imposanten Weltgebäudes sei, sondern daß es einen einig-einzigen Gott gibt, der dieses Weltall nicht nur ins Leben gerufen, sondern es auch in und mit Liebe erhält, eiuen einig-einzigen Gott, dessen Allmacht und Allgüte in Allem und Jedem in der Natur — int Jsop, wie in der Ceder, in dem Sandkörnchen, wie in dem Gipfel des höchsten Berges, im Wassertropfen, wie im großen Ocean, im Wurme, der im Staube kriecht, wie in dem hervorragendsten Geschöpfe in der Natur — sich kundgibt, und du wirst ausrufen : „Ewiger, unser Gott, wie herrlich ist dein Name auf der ganzen Erde I" „Erkenne den Gott deines Vaters", denke nach, dringe ein in den Geist seiner erhabenen Lehren, Vorschriften und Satzungen und du wirst die Ueberzeugung gewinnen, daß die Thora allein es ist, der das JudetUhum seine unverwüstliche und unbesiegbare Lebenskraft zu verdanken habe, daher es zu allen Zeiten felsenfest, unerschütterlich dastand, ohne sich durch Drohungen und Verfolgungen abschrecken, 'durch Verlockungen und Verleitungen mannigfacher Art verführen und bestimmen zu lassen, den Glauben der Väter abzuschwören, ja du wirst die Ueberzeugung gewinnen, daß die mit Recht „0s" Sieg, Macht, Kraft genannt wird. - Als Gott sich am Sinai offenbarte und das ganze Weltall durch feine gewaltige Stimme erschüttert war, erzählen unsere Weisen (Neehulta zu Jetro), da geriethen die Fürsten der Erde in Augst. Furcht, Bangen und Grauen bemächtigten sich ihrer, und in ihrer verzweifelten Situation wallen sie zitternd zu Bileam, dem heidnischen Propheten, und riefen aus: Wird denn wieder eine Sintflnth Hereinbrechen und uns alle vernichten? Was fällt euch ein, entgeguete der Prophet der Heiden, Gott der Herr hat schon längst geschworen, daß'nie wieder Fluthem die Welt zugrunde richten sollen. Vielleicht aber werden Feuersgluthen die Welt verzehren? O, fürchtet nicht, rief Bileam ihnen tröstend zu, Gott verleiht blos seinem Volke Israel die Thora, eine Lehre, die „Sieg" genannt wird, die unter allen Umständen^ zu allen Zeiten siegen wird, siegen muß, und zwar durch die ewigen Wahrheiten, die sie enthält, wie durch die . schönen herrlichen Vorschriften der Humanität, der Nächstenliebe und Meuschenverbrüdcrung, insolange Israel diese Thora Hochhalten und für die Verbreitung der Kenntnis derselben Sorge tragen wird. > Klarer, prägnanter noch drückt Bileam diesen Gedanken in dem heute verlesenen Wochenabschnitt aus. Als Israel, so wird uns da berichtet, nachdem es aus der Knechtschaft Egyptens befreit wurde, glänzende Siege errungen hatte, gerieth Balak, König von Moab, so sehr in Furcht,daß er in seiner Angst und Verzweiflung den heidnischen Propheten Bileam, der als der einflußreichste Diplomat der damaligen Zeit galt, bitten ließ, er möge zu ihm kommen, um Israel durch die Macht feiner Beredtsamkeit, wie durch den Zauber seines Wortes moralisch zu vernichten, der Verachtung preiszngeben; er möge kommen, um mit einem Worte . den Judenhaß, den sogenannten „Antisemitismus" in's Leben zu rufen. „Es ist noch garnicht lange her, bin« am jozo mimizrajim, so ließ Balak dem Bileam sagen, „daß dieses Volk.die Sklavenketten Egyptens gesprengt, es ist noch garnicht lange her, seitdem dieses Volk von den pharaonische» Ausnahmsgesetzen, die es Jahrhunderte lang tief zu Boden drückten, befreit und erlöst wurde, und schon bedeckt es den Schein der Erde hine chuso es en hoorez. Wohin man kommt, trifft man die Söhne Israels, Alles occupirett sie, auf allen -Gebieten des geistigen, kulturellen Lebens, auf dem Gebiete der Kunst und Wissenschaft, des Handels und Gewerbes leisten sie Großes und Bedeutendes und suchen so uns zu überflügeln, zu überragen, zu verdunkeln und in den Schatten zu setzen und sich zu bereichern, um ihrer Geldgier und Genußsucht sröhneu zu können. Komme daher und verwünsche mir dieses Volk, geißele öffentlich in deinen herrlichen, begeisternden Reden und Vorträgen die Schwächen und Fehler^ das Jagen, Rennen und Haschen nach dem Gelde, wie über-- haupt das unverträgliche, protzenhafte Benehmen dieses dem crassen Materialismus huldigenden Volkes, vielleicht gelingt es mir dann, es zu besiegen, oder, was die Hauptsache ist, aus dem Lande zu jagen, git bertreiöen weagorschenu min hoorez; denn ich weiß, daß du allein, vor dem selbst Könige und Fürsten das Knie beugen, die Macht besitzest, dieses mir so sehr verhaßte Volk unschädlich zu machen. „Ich weiß, wen du verherrlichst und glorificirst, der steht groß und geachtet da, wen du aber verwünschest und verachtest, der ist vernichtet und gerichtet." — Bileam aber, der kein Diplomat des 19. oder20.Jahrhuuderts, sondern der biblischen Zeit war, entgegnete dem Balak, nachdem er sich nach langem Zögern endlich seiner Einladung Folge zu leisten entschlossen hatte: mo ekauw lau kalau ei, Wie kann ich verwünschen, wenn Gott nicht verwünscht? Ein Volk, das für den Glauben der Väter in solch' hohem Maße begeistert ist, daß es Alles.für den Glauben, nicht aber den Glauben für Alles hingibt, kann nicht durch Verwünschungen und Verleumdungen, nicht dtfch Verdächtigungen und Verunglimpfungen, auch nicht durch Verbreitung thörichter, lügenhafter, blutrünstiger Märchen niedergeschmettert und vernichtet werden. Ki merausch zurim erennu. Wenn ich in die Vergangenheit blicke und die Geschichte dieses Volkes studire, so sehe ich, daß Israel einzig in seiner Art dasteht, uwagojim lau jischaschow und seines Gleichen unter den Heiden nicht zu finden sei.. Während das Heidettthum dem Materialismus huldigt, der Genußsucht fröhnt, steht das Judenthnm groß da, umflossen vom Strahlenglanze einer glorreichen Vergangenheit, geschmückt mit der Krone des Märtyrerthums, und ein Volk, das für eine große, erhabene Idee, für die Gottesidee, für die Gotteslehre der Thora nicht nur zu leben, sondern auch zu sterben bereit ist, ein solches Volk ist unsterblich, unverwüstlich und unzerstörbar. Ni mono? Wer vermag die unverwüstliche Kraft des so oft in den Staub getretenen Volkes Jakob zu messen? Tornaus nafschi maus jeschorim. Könnten auch wir uns mit der Krone des Märtyrerthums schmücken, wären auch wir fähig, für die erhabene Gottesidee, für den reinen geläuterten Glauben uns bereitwilligst zu opfern, dann usehi achrisi komauhu würden auch wir gleich Jenen einer schönen, glorreichen Zukunft entgegengehen und nicht im- Laufe der Zeit spurlos aus der Geschichte schwinden." „Ich habe dich gerufen, lokauw aujwai, meine Feinde zu verwünsch-n, der Verachtung und Verfolgung preiszugeben", rief Balak entrüstet aus, „und du segnest und verherrlichst sie. Wohl kann ich es nicht leugnen, daß die Gottesidee eine erhabene, und das Volk Israel in seiner Gesammtheit ein großes edles Volk sei, allein die einzelnen Juden haben ihre Fehler, sie sind engherzig, intolerant, unduldsam, fanatisch und abergläubisch. Fasse nicht das Judenthum in seiner Gesammtheit, fonbeiti das Thun und Lassen, das ganze Treiben und Gebühren der einzelnen Juden itts Auge efes kozehu tire wechulau lau

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