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Die Wahrheit · 1903-07-10 · Heft 27 (10.7.1903) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1903
Issue
Heft 27 (10.7.1903)
Date
1903-07-10
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 97 Die Wahrheit Seite 7. tirs und dann wird es dir ein Leicktes sein, über die Gesammtheit den Stab zu brechen. Du brauchst nur die Fehler der einzelnen zu generalisiren und sie sind geschlagen. Von diesem Standpunkte ans betrachtet, wekownau li mischom, tuivit dn sie aus die leichteste Weise verwünschen können." „Du irrst gewaltig", entgegnete Bileam, „wenn du der Ansicht Raum geben zu müssen glaubst, baß die Inden engherzig, unduldsam, fanatisch und abergläubisch seien und daher heillosen Schaden in den Kreisen der menschlichen Gesellschaft anrichten. Lau hibit owen bejakob, man schaut kein Unglück tu Jakob, man sieht keiir Elend in Israel; der Ewige, sein Golt ist mit ihm, hält königliche Residenz bei ihm. Ein Volk, das sich für seine von Gott ihm verlitheue. Thora begeistert, für. jene Thora, die jede Engherzigkeit und Intoleranz, jeden Aberglauben und Fanatismus aus das entschiedenste verpönt und perhorrescirt uub nur Nächstenliebe. Menschensrenndlichkeit, Menschenverbrüderung itub Menschenbeglückung lehrt und predigt, kann unmöglich fanatisch, abergläubisch und engherzig sein. So lange die Kenntnis der Thora ans Israel nicht schwindet, wird es daselbst keine Fanatiker, Zauberer und Ahnoniigskänstler geben. Li lau naobaseb bejakob welau kesem bejisroel, denn es gibt kei> e Zauberei nt Jakob und keine Wahrsagerei in Israel, koes jsouior lejakob uljisroel uia poal ei, so lange man in Jakob und in Israel w-iß, was Gott gesprochen, gelehrt, geboten und gewirkt." „Wenn dn das Volk nicht verwünschen willst", entgegnete ihm Balak erbittert, „so segne es doch nlcht. Komme mit mir au einen anbereil Ort, wo ich dir andere Fehler und Schwächen dieses Volkes zeigeil werde, und du wirst die Ueberzengung gewinnen, daß Israel, das du io sehr verherrlichst und verhimmelst, ein sittlich und moralisch verkommenes Volk ist." Als aber Bileam seine Augen öffnete und sah Israel gelagert nach seinen Stämmen, da kam ein göttlicher Geist über ihn. Mit edler Begeisterung ries er ans: „Wie schön sind deine Zelte Jakob, deine Wohnung Israel! Welche Liebe, welche Treue, welche Zärtlichkeit, welche Hingebung und Ausopserung herrscht in diesen Hütten und Wohnungen! Gerade das sittlich reine Familienleben bildete Israels Palladium zu alleil Zei-en." Nun gerieth Balak jetzt erst recht in Zorn, schlug vor Aufregung die Hände zusammen und sprach: „Meine Feinde zu verwünschen, habe ich dich kommen lassen, uub du hast sie schon dreimal gesegnet. Nun eile und kehre in deine Heimat zurück, ich mag von dir nichts mehr wissen." Der schlaue Bileam aber gab ihm, ehe er ihn verließ, einen Wink, den er (Balak nämlich) zu'würdigen verstand. „Wenn es dlr ernstlich darum zu thun ist, dieses Volk zu vernichten, so mußt du andere Mittel aitwenden und und andere Wege einschlagen. Durch Gewalt und Rohheit, durch Verfolgungen und Bedrückungen kann Israel nicht ruinirt werden. Je mehr man dieses Volk bedrückt und quält, desto glauvensstärker wird es. Hingegen läßt sich kein Volk ans Erden durch süße, heuchlerische und gleißnerische Redensarten, durch Scheinliberalismus tärrschen, berücken und bestricken, verleiten und verführen, als Israel. „Jozecho, ich will dir einen Rath geben, der dieses Volk zn deinem Volke im Saufe der Zeilen machen wird, asobsr jase es hoom hase leamcho, so dai; Israel endlich doch spurlos aus der Geschichte schwinden wird. Versuche es nur, dich mit diesem Volke zu befreunden, dich mit ihm zu amalgamireu, lade die jungen Söhne Israels zu deinen Festgelagen ein, und du wirst sehen, wie die edlen Jünglinge Juda's sclaveumäßig um die Gunst und Liebe der moabitischen Töchter buhlen und ihnen zu Liebe sich assrmiliren, ihre Herkrinfl und Abstammung, ihre Religion, ihre Traditionen, ihre Sitten und Bräuche verleugnen, Götzendienst treiben und heidnische Bräuche und Formen sich aneignen werden!" Hieraus machte sich Bileam auf, und kehrte livakanman an seinen Ort, aber auch Balak schlug den von Btleam ihm vorgezeichneten Weg ein, wegam Bolok holach ledarkau, und die Folge war: wjeschew Jisroel baschitim, als Israel Schittim lag, fing das Volk an, um die Liebe der Töchter M<mbs zu buhlen und sich zu assimiliren. Dr. M. H. F r i e d l a n d e r. 1886 1891 1896 1901 318 244 246 244 407 305 308 299 421 - 307 309 305 13249 9502 8123 6937 16 16 — — 5 1 — 2 lg der jüdischen L-chüler nicht Schulstatiftilr. Nachstehende überaus interessante Abhandlung über die jüdischen Schnlverhältnisse in Preußen veröffentlichte jüngst Herr W. Bambus im Beiblatte zur Bert. jüd. Presse: Der letzt erschienene Band des statistischen Handbuchs für den preußischen Staat bringt einiges neue Material zur Statistik der jüdischen Schulen, wie der Schulkinder und Lehrer, das nicht uninteressant ist. Leider siitd die Tabellen diesmal nicht so vollständig wie sonst, denn es fehlen die konfessionellen Ausweise für die Privatschtllen, aber auch die vorhandenen Zahlen gestatten wichtige Schlüsse. Was zunächst die jüdischen Volksschulen anbetrifft, so hat, wie sich ans nachfolgender Tabelle ergibt, ihre Zahl seit der großen Reduktion zwischen 1886 und 1891 sich konstant gehalten. Die Fahl der Lehrer ist ein wenig zurückgegangen, ebenso die der Unterrichtsklassen, dagegen sehr stark ist die Zahl der Schüler im Rückgang. Es ist dies in erster Linie aus den Rückgang der kleinen Gemeinden zurückzuiühren, denn in den wenigen jüdischen Schule,l in den großen Städten ist die Zahl der jüdischen Schüler eher gewachsen, als zurückgegangen. Fast vollständig siitd die anorsglündigen Kinder ans den jüdischen Schulen verschwunden. Die folgende Tabelle zeigt die genauen Z ffern: Jüdische Schulen. 318 Vollbeschäftigte Lehrkräfte. 407 Unterricht-Massen.: 421 Schulkinder jüdisch. 13249 „ evangelisch. ,. katholisch. „ sonstig . Leider ist aber der Rüc ans die Kinder in den jüdischen Schulen beschränkt geblieben, es ist vielmehr in allen Gattungen des Unterrichlsweiens dieser Rückgang zu verzeichnen, am stärksten in den Volksschulen aber selbst in den höheren Lehranstalteit und Vorschulen bleibt die Zahl der jüdischen Kinder im Jahre 1901 noch ein weniges hinter der Ziffer von 1881 zurück, obwohl die jüdische Bevölkerung Preugens um ca. 30000 Seelen d. h. 8 pEt. in diesem Zeitranin gestiegen ist. Leider fehlen, wie schon erwähnt, in den den Tabellen von 190l die Ausweise über die kol'.sessionelleu Verhältnisse der Privaischulen, so daß der Rückgang der Gesamtzahl der jüdischen Schüler nicht genau konstalirt werden kann, aber alletu m den Volksschulen beträgt die Ziffer: 1886 1891 1398 ' 1901 35420 30386 27015 24022 es fand also eine Verminderung um nahezu 11400 Kinder statt. Demgegenüber steht allerdings eine Zunahme der Kinder in Privatschulen von ca 9000, aber immerhin bleibt ein Gesamtanssall, der 1896 schon 7000 Kinder betrug und in dem Jahre 1901 wahtscheinlich nicht viel unter 10000 bleibt. Die genauen Ziffern sind die folgenden: Jüdische Kinder in evangelischen Volksschulen. 11451 katholischen Volksschulen ... 4994 jüdischen Volksschulen. 13249 simultanen Volksschulen. 5726 öffentlichen Mittelschulen und höhere Mädchenschulen. 922 l Privatschule mit dem Ziele der Volksschule . Privaischulen mit dem Ziele der Mittelschule.... Seminar-Uebungsschnlen. 148 Schulen in Blindenanstalten. Schulen in Taubstummenanstalten.... Unterrichtsanstalten für Schwachsinnige, Idioten und Epileptische. Schulen in Rettungshäu;ern. 133 Schulen in Waisenhäusern. höheren Lehranstalten und Vorscl sür sich bestehenden Volksschulen. Man muß zugeben, daß diese Verminderung einen wenig tröstlichen Ausblick ans die Zukunft eröffnet. Mit der Verminderung der Kinderzahl ist der deutlichste Beweis für den Rückgang des Judenthums in Preußen gegeben. Zunahme der 1886 1891 1896 1901 11451 10353 9231 3640: 4994 4327 3857 3283 13249 9502 8123 6937 5726 5704 5804 6162 3171 9221 9268 9226 6494 516 3491 2597 7629 8023 7621 148 236 291 190 11 7 7 4 70 86 93 86 31 28 33 33 133 6 9 . 46 — 32 95 72 14823 18870 14239 14744 — — — 54 68102 66483 61126 mm

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