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Die Wahrheit · 1903-06-26 · Heft 25 (26.6.1903) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1903
Issue
Heft 25 (26.6.1903)
Date
1903-06-26
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 25 Die Wahrheit Seite 7. Tempelchores widmen, dem er auch bereits 40 Jahre angehört und zu dessen pflichteifrigsten und tüchtigsten Mitgliedern er immer zählte. Wir wünschen, daß er seinen in Ehren verdienten Ruhegehalt noch viele Jahre in jugendlicher Kraft und Gesundheit genießen möge. Er ist und bleibt das Muster eines jüdischen Chorsängers. Wien. In dem in der letzten Nummer dieses Blattes veröffentlichten Berichte über die Thoracinweihung im Vereine „Achwa wereuth“ (II., Taborstraße 59) war der Name des Hausherrn, in deffen Hause sich das Bethaus befindet, irrtümlich mit Winter statt Wunsch angegeben. In einer wirkungsrollen Ansprache gedachte Herr Rabbiner Dr. G. Rosenfeld der Verdienste dieses als Woltäter allgemein bekannten Mannes um den Verein, sowie auch seiner früh verstorbenen Gattin. Ktoridsdorf. (Israelitisch-politischer Verein „Gleichheit".) Unter dem Vorsitze des Präsidenten der Israel. Cultusgememeinde, D. Jakob König» fand am 23. d. M. in den „Giselasälen' eine zahlreich besuchte Versammlung des israelitisch-politischen Vereines „Gleichheit" statt, in welcher der Secretär der «Oesterreichisch-israelitischen Union", Herr Siegfried Fleischer, über das Lenra: „Heimatrecht, Staatsbürgerrecht, staatsbürgerliche Rechte" sprach. Vom Vorsitzenden und der Versammlung herzlich begrüßt, gab der Vortragende zunächst eine Uebersicht über den derzeitigen Stand und die Praxis der Heimatsgesetzgebung. Er erörterte die grundlegende Bedeutung des Heimatsrechtes für alle anderen staatsbürgerlichen Rechte, insbesondere für das Recht des ungestörten Aufenthaltes, für das Wahlrecht in die öffentlichen Vertretungskörper, endlich auch für die Ausübung gewiffer Berufszweige, welche an die österreichische Staatsbürgerschaft geknüpft sind. Sodann begründete der Gedner in eingehender Weise die Notwendigkeit, daß auch dje ungarischen Staatsangehörigen jüdischer Confessio»,, welche seit mehr azs zehn Jahren in Cisleithanien seßhaft sind, sich um die Ausnahmszusicherüng in.ihrer Aufenthaltsgemeinde und in weiterer Folge um die österreichische Staatsbürgerschaft bewerben. Viele dieser ehemals ungarischen Staatsangehörigen besitzen infolge des Gesetzartikels 50 vom Jahre 1873 heute auch nicht mehr die ungarische Staatsbürgerschaft, so daß ihre Heimatszugehörigkeit vollständig in der Luft hängt. Das Verharren in diesem Zustande bedeute ger. dezu ein Verbrechen, welches die Betreffenden an ihren Kindern begehen. Aber selbst die noch bestehende Zugehörigkeit zum ungarischen Staate bedeutet durchaus keinen Vorteil, wenn man seine dauernde Existenz in Cisleithanien begründet hat. Zu jenen wirtschaftlichen Nachteilen, mit welchen Ausländer zu kämpfen haben, gesellen sich noch die Erschwerung der Eheschließung, Unzukömmlichkeiten in der Militärstellung und die fortdauernde Gefahr, daß wegen geringfügiger Delikte die Landesverweisung ausgesprochen werden könne. Da zudem nach dem neuen Heimatsgesetze die zehnjährige Ersitzungsfrist erst vom vollendeten 24. Lebensjahre gerechnet werden kann, so können Kinder von Ausländern, die es versäumt haben, vor erreichter Volljährigkeit dieser Kinder das Staatsbürgerrecht zu erwerben, frühestens erst mit dem vollendeten 34. Lebensjahre auf dieses Recht Anspruch erheben, In die Zeit vom 24. bis zum 34 Lebensjahre fällt aber zumeist die Berufswahl, die Notwendigkeit, sich eine feste und dauernde Existenz zu gründen. Alle diejenigen also, welche es versäumen, die österreichische Staatszugehörigkeit vor erreichter Volljährigkeit ihrer Kinder zu erlangen, schädigen in der unverantwortlichsten Weise die Zukunft derselben. Redner verweist auf die Beschlüsse des letzten Städtetages, durch welchen die Regierung zur Revision des neuen Heimatsgesetzes im Sinne einer Erschwerung der Aufnahme von Ausländern aufgefordert wird und mahnt in dringender Weise, die kurze Spanne Zeit, die vielleicht nur noch ge- . geben ist, auszunützen. Die Geltung jeder Bevölkerungsclasse innerhalb der staatlichen Gemeinschaft richte sich .nach der Energie, mit welcher diese Klasse von ihren politischen Rechten Gebrauch zu machen weiß. Den Staatsbürgern jüdischen Glaubens stecke das vormärzliche Schutzjudentum noch viel zu sehr im Blute. Sie müssen endlich lernen, sich als gleichwertig und gleichberechtigt mit ihren andersgläubigen Mitbürgern zu fühlen. Nur Derjenige sei wert ein Recht zu besitzen, der auch den Mut besitzt, für dieses Recht zu kömpfen. Wie ein Glied unseres Körpers durch den fortgesetzten Nichtgebrauch allmählich verkümmere und endlich ganz absterbe, so drohe die Gefahr, daß durch den Nichtgebrauch der gesetzlich eingeräumten Rechte diese selbst in Vergeffenheit geraten und endlich vollständig verkümmern. In einer Zeit, in der die Theorie von den Wirts- und Gastvölkern immer mehr Anhänger gewinnt, in welcher der Antrag Herzog auf Entrechtung der Juden die notwendige Stimmenzahl zur Unterstützung und parlamentarischen Behandlung fand, in welcher immer mehr der Ruf nach Erlaffung von Einwanderungs¬ und Aufenthaltsverboten gegen ausländische Juden ertönt, sei es unerläßlich, daß die Juden ihre Indolenz endlich abstreifen nnd kraftvoll und energisch alle Rechte tatsächlich ausüben, alle Ansprüche geltend machen, zu denen sie gesetzlich befugt sind. Das Bewußtsein der staatsbürger, lichen Gleichwertigkeit wird dann auch dazu führen, daß man mit allen gesetzlichen Waffen jeden Schimpf, jeden Unglimpf, jeden gewalttägigen Eingriff in die eigene Rechtsphäre zurückweise. — Der einstündige Vortrag wurde von der Versammlung mit lebhaftem, anhaltenden Beifall ausgenommen. Mit Worten herzlichen Dankes an den Referenten schloß der Vorsitzende die Versammlung. " Inaim. Sonntag, den 5. Juli; 2 Uhr Nachmittags findet in Sauerbrunn bei Wiener Neustadt die Trauung des Herrn Salomon Handgriff, Cantor der israelitischen Cultüsgemeinde Znaim, mit Fräulein Johanna Kuffel statt. Währ.-Hstrau. Sonntag, den 5. Juli, 3 Uhr Nachmittags findet im Tempel zu Mähr -Ostrau die Trauung des Beamten der hiesigen Cultusgemeinde, Herrn Josef Goldberger, mit Fräulein Regina Kukuk statte Kattowitz. 0.8. Unser Obercantor, Herr Simon Singer, hat abermals eine sehr ehrenvolle Berufung erhalten. In einem ungemein herzlich abgefaßten Schreiben wurde Herrn Singer durch den Präsidenten der Synagogen-Gemeinde zu Danzig. Herrn G. Davidson, die dortige Stelle angetrazen. Herr Singer, dem hier neuerdings glänzende Zugeständniffe von Seiten des Shnazogen-Vorstandes gemacht wurden, hat sich zur Freude der hiesigen Gemeinde entschlossen, unsere Stadt nicht zu verlassen. L. Litteratur. „Jung-Juda.“ Zeitschrift für unsere Jugend. Prag, Myslikgasse 14 u. III. Jahrgang. Alle 14 Tage ein Heft. 2 Kr. halbjährlich. Nr. 20 enthält Dr. Kompert's ergreifendes Gedicht „Jahrzeit", einige schöne Erzählungen für unsere Jugend, Räthsel und hebräische Uebersetzungsanfgaben. Jede Nummer bringt das Kalendarium nebst dem Inhalt der Wochenabschnitte. Schöne Illustrationen erhöhen den Werth dieser in echt jüdischem Geiste gehaltenen Jugendzeitschrift, die eine angenehme Sabbathlektüre unseren Kindern bietet und in keiner jüdischen Familie fehlen soll. N. A. „Gibeath Saul“ („Hügel Saul's") ist der Titel eines vor Kurzem in deutscher Ausgabe erschienenen Buches, das uns das ersehnte heilige Land in der anschaulichsten Weise sowohl vor Augen als auch zu Gemüthe führt und die Gattin des hebräischen Litleraten, Herrn Saul Hornstein, zur Autorin hat. Ich sage mit Absicht „zur Autorin", wiewohl die Dame nicht die geistige Schöpferin, sondern blos die Uebersetzcrin des interessanten Werkes ist. Wer aber, wie ich, weiß, unter welchen Umständen die Uebersetzung und Drucklegung des Buches vor sich gegangen, und sich zu vergegenwärtigen versucht, wie schwierig es für eine Frau ist, ein Buch aus der hebräischen Sprache, die ihr völlig fremd ist, blos nach Jargonangaben ihres Mannes in solcher Formschönheit und Correctheit ins Deutsche zu übertragen, wird wohl zugeben, daß dieser Leistung die Bezeichnung „Autor" gebührt. Das Buch selbst, mit einer Anzahl tadelloser Jllnstratioueu versehen, verdient zweifellos der einschlägigen Litteratur über das gelobte Land, mit Bezug ans detaillirte und lebenswarme Schilderung alles Erwähnenswerten, würdig angereihet zu werden und kann Gelehrten wie Laien, insbesondere aber der jüdischen Jugend zur Belehrung und Erbauung nicht eindringlich genug anempsohlen werden. Ein persönlicher, durchaus nicht eingegebener Wunsch des Necensenten, der die Familie kennt und schätzt, wäre es aber auch, daß eine lebhafte Nachfrage nach dem Werke und lohnender Ertrag desselben erfolge. Geht doch bekanntlich die Kunst, in diesem Falle die Gelehrsamkeit Hand in Hand mit der Kunst, nach Brod. Wenn also der Verfasser hinter dem »Hügel* Schutz sucht, sr> möge ihm ein solcher seitens der Schätzer der jüdischen Litteratur im reichsten Maße zutheil werden. N. Ch. — In dem renommierten Verlag von I. K a n s s m a u n, Frankfurt am Main wird demnächst eine Musik zur Hagadah erscheinen, welche Obercantor Zivi- Elberfeld componiert hat. „Israelitische jOIiariz zu ‘Wien.“ Der Yerein bezweckt: 1. Die Yolkaerziehung bei den Israeliten durch Errichtung oder Unterstützung Ton Schulen und durch andere geeignete Mittel zu fördern; 2. Israeliten, wo sie ihres Glauben» wegen zu leiden haben, eine wirksame Stutze zu bieten. Durch Leistung eines Jahresbeitrages von mindestens drei Gulden 5. W. wird man ordentliches, durch einmalige Zahlung, tob hundert fl. ö. W. lebenslängliches Mitglied des Yereines. Anmeldungen zu Beitritt werden erbeten unter der Adresse: „Israelitische Allianz zu Wien“ I., Weihburggasse 10. I. Stock

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