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Die Wahrheit · 1903-06-26 · Heft 25 (26.6.1903) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1903
Issue
Heft 25 (26.6.1903)
Date
1903-06-26
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Sette 6 Die Wahrheit. Nr. 25 nur dieses Weib beließ, um ihn im Vereine mit diesem zu! verleiten, Gott endlich fahren zu lassen, da ihm doch nur das! Sterben übrig bleibe und er nach dem Tode entweder nicht j größere Leiden erdulden könne, als er jetzt erdulde, oder überj Haupt nicht mehr zu fürchten habe, durch diesen Umstand eben! wollte der Dichter die Qual der Leiden Hiobs steigern, um! die Art der Prüfung markanter hervortreten zn lassen. „Warum! — fragte Chrhsost" — ließ ihm der Teufel dieses Weib? weil er sie für eine gute Peitsche hielt, ihn empfindlicher als sonst durch irgend etwas zu plagen". Die Grenze der Satyre überschreitet Delitzsch in seiner Auslegung des Buches Hiob: „Seine Kinder hat Hiob verloren, aber dieses Weib hat er behalten, denn er brauchte nicht dadurch geprüft zu werden, daß er sie verlor, er war geprüft genug dadurch, daß er sie hatte." j Es erscheint uns jedoch kaum glaublich, daß es in der; Abficht des Verfassers des Buches Hiob lag, ein böses Weib zu schildern und so sehr auch die strenge Zurechtweisung Hiobs, die er selbst seinem Weibe zuteil werden läßt, hiefür sprechet', würde, so erscheinen vom psychischen Standpunkte betrachtet ihre Worte in einem minder grellen Lichte. Nicht Lieblosigkeit dürste dem Weibe die gotteslästernden Worte in den Mund gelegt haben, sondern die Verzweiflung beim Anblicke ihres mit den gräßlichsten Leiden heimgesuchten Gatten. Nicht mit Unrecht sagt auch Hengstenberg in seinen Vorträgen über das Buch. Hiob, daß diese Worte des Weibes „aus herzlichster, innigster Liebe zu ihrem Manne hervorgehen." Ein allerdings wunderlicher apokryphischer Zusatz der Alt-n — siehe „Ev. Vorbereitungen", Eusebius Cap. 15; Michaelis: „Einleitung in die göttl. Schriften" rc. — legt von der ähnlichen Auffassung .Zeugnis ab. Statt des einfachen hebräischen Textes — Hiob Cap. 2, Vers 9 — legt er dem Weibe folgendes in den Mund: „Bis wann willst du ansharren, indem du sprichst: siehe ich will auch noch ein wenig warten, entgegensehend de' ' Hoffung meines Heiles; denn siehe verschwunden ist dein Gedächtnis von der Erde, deine Söhne und Töchter, meines Schoßes schmerzliche Frucht, die ich umsonst unter Schmerzen gebar, du selbst aber sitzest da in der Verwesung des Gewürms unter freiem Himmel übernachtend, und ich als Irrende und als Taglöhneritt wandte vo» Ort zu Ort, von Haus zu Haus, aus die Sonne wartend, bis sie untergeht, aus daß ich raste von den Mühen und Schmerzen, die mich umringen, die jetzt fest, mich halten, so sprich doch ein Wort wider den Herrn und stirb". 7. Und wahrlich, so wunderlich dieser Zusatz auch ist, so vermag er uns dennoch zn einer tieferen^ minder strengen Be- . nrthcilung des Charakters des Weibes Hiobs zn bestimmen. Wol .hat sie die geistige, sittliche und religiöse Höhe ihres Mannes nicht erreicht, aber die in der Verzweiflung gesprochenen Worte lassen den Schluß der völligen Gottvergessenheit nicht;u. Das ganze Zwiegespräch hat offenbar nur den Zweck, die bedingungs- - löse Gortergebeuheit Hiob's deutlicher hervortrelen zu lassen. ' Hätte der Dichter nicht diesen seinen Zweck verfehlt, wenn er ein böses, gesühlloscs, ganz und gar gottlästerndes Weib schildern wollte? In diesem Falle bedarf es keines Hiob, um ein solches Weib in die gebührenden Schranken zu weisen. Nur durch die Zurechtweisung, in der Verzweiflung erhobener und darum teilweise zn entschuldigender, scheinbar berechtigter Klagen seines Weibes kann Hiob als bwo, als das unerreichte Vorbild snr die Nachwelt dastehen. Verschltdene tlachnchten. Wien. <Jsraelitischc Allianz. Hilssaction sür Kischinew) Herr Rabbiner Dr. Kaminka ist aus Kiichinew znrückgekehrl und hat dem Vorstände über die Organisation der Hilfe und die Tätigkeit des an Ort und Stelle wirleudcn Ccnlral-Com Iss. an besten Sitzungen er teilgenommen, eingehend Bericht erstattet. Rach einer genauen Berechnung des Schadens und des Minimums der erforderlichen Hilfe ergab stch, daß iür die ca. 2400 in äußerste Not gebrachten Familien mindestens 1,108.000 Rubel aufzubringen sein werden. Dabei ist für die Geschäftsleute und Handwerker, deren Hab und Gut zertrümmert wurde, nur eine Entschädigung von durchschnittlich 33 pCt. und für die Witwen und Waisen nach den Ermordeten (cä. 150 Seelen) nur die nach den localen Verhältnissen bemessene, sehr bescheidene Unterstützung zur Gründung einer Existenz, bezw. zur Erziehung der Kinder in Aussicht genommen. Die diesbezüglichen, zum großen Teil auf Grund der Ermittlungen und Berichte der für die Familien der Ermordeten vom Comit« eingesetzten Curatoren bereits bewilligten Subventionen bewegen sich zwischen 1000—250 Rubel als einmalige Unterstützung pro Kopf. Eine in vielen Fällen gebotene Erhöhung wird nur möglich sein, wenn das Ergebnis der Spenden-Sammlungen das obige Minimal-Ersordernis übersteigen sollte. Bis Mitte Juni waren beim Loniitö in Kischinew (zu dessen Mitgliedern die angesehensten, in ganz Rußland das größte Vertrauen genießenden jüdischen.Persönlichkeiten gehören) circa 620.000 Rubel (K. 1,550.000) eingegangen, wovon etwa die Hälfte aus Rußland selbst, wo fast in allen Gemeinden Sammlungen veranstaltet und von den entlegensten Städten Beiträge gesandt werden, z. B. aus Baku 8000 Rubel, aus Port Arthur 2400 Rubel; eine Sammlung des jüdischen Wochenblattes „Woschod" ergab ca. 40,000, der „Nowosti" 24.000 Rubel. — (Ergebnis der Sammlung der Israelitischen Allianz zu Wien.) Bis heute sind einschließlich der avisirten Sendungen 200.000 Kronen eingegangen, darunter sind außer den bereits mitgetheilien Einzelsammlungen folgende zu nennen: Prag, weitere Sendungen durch Herrn Dr. A. Rosenbacher, Obmann der Filiale der Israelit. Allianz K. 1345 50, K. 1150 und K. 860'82 (zusammen mit früheren Sendungen K. 31.075-23, darunter K. 8181'77 aus Böhmen.) Teplitz durch die Israelit. Cultusgemcinde K. 4201-50. Czernowitz (Filiale der Israel. Allianz) weitere Sendung K. 2000, Gesammtergebnis K. 6173.02 (darunter von der Cultusgemeinde Ä. 4o0, von einer Theatervorstellung durch den Verein „Zephira" K. 330'46, Sammlung der Gemeinde Putilla K. 200.50.) Türkisch israel. Gemeinde Wien K. 1300; Jglau (durch Nabb. Dr. Unger) K. 403; Agram durch die Redaction der Agramer Zeitung zweite Sendung K. 421; Neichenberg K. 2319; Linz K. 971; Komotau (durch Nabb. Dr. Thieberger) K 250; Brünn (weitere Sendung) K. 296; Kremsier (durch Rabbiner Dr. Frankl-Grün) K. 135; Gr. Meseritsch durch Herrn I. G. Müller K. 157; Wodnian durch Rabbiner Kraus K. 48.—, Kolin Ergebnis einer Theatervorstellung K. 353 92; Friedek- Mistek K. 184; Kgl. Weinberge, israel. Fauenverein K. 329; Müglitz K. 123 ‘ Arnau a. E. K. 140; Stanislau, weitere Sammlung durch Verein „Agudas Achim" K. 45; Rokycan K. 180; Brüx, Chewra Kadischa K. 50; Pvdebrad K. 224; Hohenems K. 55; Jicin K. 182; Dnkla K. 100; Reichenau K. 90; Senftenberg K. 149; Teltsch K. 100'40; Chrndim durch Herrn Friedrich Stein K. 123.20. ISicn. Sonntag, den 21. Juni wurde unter ungewöhnlich starker Beteiligung aus allen Kreisen der Gesellschaft die sterbliche Hülle der nach langem Leiden im hohen Alter von 76 Jahren verschiedenen Knratorin des Blindeninstiuts aus der Hohen Warte, Frau Cäcilie Adler, zu Grabe getragen. Die cantorale Function versah in überaus erhebender Weise Obcrcantor Singer. Auf dem Friedhofe sprach Oberrabbiner Dr. Güdemann über die seltenen Tugenden dieser im Wohlthätigkeitsdienste so außerordentlich verdienstvollen Frau, die sich niemals persönlich vordrängte und nie nach öffentlicher oder offizieller Anerkennung ihrer Leistungen gestrebt hatte. An der offenen Gruft, wo Frau Adler a\\ der Seite ihres schon lange daselbst ruhenden Gatten beigesetzt wurde, sprachen Direktor S. Heller im Namen des Blindeninstituts, Professor Dr. Wilhelm Jerusalem im Namen der Freunde und der Okulist Dozent Doktor S. Klein im Namen der Familie. Der Chor der Biindenzöglinge sang zum Schluffe einen Grabgesang und die zahlreichen Trauergäste schiede", mit dem Gefühle, daß eine Frau, die sich so tiefempfundene Liebe und jo begeistertes Lob aus dem Munde von ernsten Männern durch ihr Leben gesichert hatte, auch über ihren Tod hinaus in ihren guten Werken fortleben werde. Wien. Dem Commercialrath, Herrn Jonas Weil, Vorstandsmitglied der Wiener Cultusgemeinde, ist von Sr. Majestät dem Kaiser das Ritterkreuz des Franz Josef-Ordens, verliehen worden. Wien. Der Chordirigent am Leopoldstädter "Tempel der israel. Cultusgemeinde, Herr Julius Heimann, der seit 35 Jahren als eines der tüchtigsten und beliebtesten Mitglieder des k. k. Hofopernchores an der k. k. Hosoper wirkt, trat mit Schluß dieser Saison in den wolverdienten Ruhestand. Aus diesem Anlässe wurden ihm seitens der Direktion und seiner Collegen sehr ehrende Ovationen bereitet. Sonntag den 21. d. M., während der Meisterfinger-Aufführung, erschienen sämmtliche Collegen des Scheidenden unter Führung des ältesten Collegen Koschat, der ihm einen silbernen Lorberkranz im Namen des männlichen Opernchores überreichte. Herr Koschat feierte in einer herzlichen Ansprache Herrn Heimann als das Muster eines pflichteifrigen, tüchtigen Sängers und treuen Collegen, der während dieser langen Reihe von Jahren in jeder Lage des Lebens seine Pflicht in ausgezeichneter Weise erfüllte und vielfache Anerkennung von Seite der Direcioren (Dingelstett, Herbeck, Jauner, Jahn und Mahler) gefunden hat. Von Direktor Mahler erhielt Herr Heimann eine ehrende Zuschrift, in welcher ihm der Dank für seine vorzüglicher. Leistungen in schmeichelhaften Worten ausgesprochen wird. .Montag daraus lud Herr Heimann seine College» zu einem Abschiedsbankett in seine Behausung, wo abermals in' sehr sinnigen Tischreden die Tüchtigkeit und Beliebtheit des noch im Vollbesitze seiner fast jugendlichen Stimmittel stehenden Mannes hervorgehoben wurde. Herr Heimann wird nun seine ganze Zeit und Kraft der Leitung des Leopoldstädte

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