Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1903
- Issue
- Heft 24 (19.6.1903)
- Date
- 1903-06-19
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 9. Nr. 24 Die Wahrheit war, daß er der blutdürstigen Menge, welche von Hm die Schändung der Thora forderte, widerstand und einen qualvollen Tod erlitt. Wir wollen für das Seelenheil unserer hingemordeten Brüder beten und unseren Gott, der, wie der Prophet sagt, der Vater Aller ist, anflehen, er möge den grausamen Haß aus den Herzen der Verfolger und Unterdrücker tilgen, damit Niemand mehr wegen seines Glaubens leide, und die die Menschheit schändenden Blutthaten von Kischinew niemals mehr eine Wiederholung finden. Mit vorzüglicher Hochachtung Dr. Alfred Stern. Wien. (Sammlung für Kischinew.) Die Sammlung der Israel. Allianz zu Wien für die Opfer der Maffacres von Kischinew hat bis heute (15. Juni) einschließlich der avifirten Beiträge circa 176.000 Kronen erreicht. Unter den außerhalb Wien veranstalteten und der Israelitischen Allianz zugeführten Sammlungen sind außer den bereits mitgeteilten folgende zu nennen: Prag (durch Herrn Dr. Arnold Rosenbacher) vorläufiges Ergebnis eines Concertes unter Mitwirkung der Frau Luch Bönnecker, k. k. Univerfitäts-Professorsgattin K. 500°—, Prag: (durch Herrn Dr. Arnold Rosenbacher) weitere Sammlungen Kronen 933 20; 694-26; 643'90; Brünn A. Witrofsky weitere Sammlung K. 1029; Kremsier Dr. A. Frankl Sammlung K. 64; Wigstadt L. Fried Sammlung K. 55; Jechnitz Dr. Hugo Kohn Sammlung K. .50; Wodnian Rabbiner Kraus Sammlung K. 48; Cultusgemeinden darunter teilweise (Sammlungen) Triest K. 1600; Budweis K. 1502; Neu Sandec (Hilfscomitö für Kischinew) K. 1500; Gablonz K. 1105; Nachod K. 650; Olmütz K. 500; Boskowitz K.. 11.470; Kopreinitz K. 404; Rakonitz K. 202; Nikolsburg K. 300; Kroat.-Kreutz K. 290; Diakovär K. 227; Steyr K. 210; Zablocie K. 200; Leipnik K. 176; Eiwanowitz K. 156; Neugedein K. 130; Unt. Kralowitz K. 115; BLcs-Almäs (Ungarn) K. 110; Sobeslau K. 108; Kanitz K. 91; Luze K. 80; Lubenz K. 60; Hotzenplotz K. 57; Brüx (Frauenverein) K. 50; Wien. Wie wir erfahren, hat die „Wiener israelitische Allianz" ihren Sekretär Herrn Dr. Kaminka nach Kischinew entsendet, um an Ort und Stelle über die dortigen Vorkommnisse, sowie über den Stand der Hilfsaction Informationen einzuholen. Derselbe hat die Rückreise über Rumänien genommen und trifft in den nächsten Tagen in Wien ein. Wien. (Ausruf zur Gründung eines Lehrmittelsonds der jüdischen Toynbee-Halle in Wien.) Die Unterrichtskurse in der Toynbeehalle haben begonnen. Massenhaft strömten sie herbei, die lernbegierigen jungen Mädchen und Jünglinge unserer Glaubensgenossen, um theilzunehmen an den französischen und englischen Curse», an Stenografie und Litteratur. Doch welch' traurige Erfahrungen mußten wir bei Beginn des Unterrichtes machen. Viele der sich Meldenden waren nicht in der Lage, sich Bücher anzuschaffen, da ihre ärmlichen Verhältnisse es nicht erlaubten. Viele, denen diese Curse für ihren Beruf von großem Nutzen wären, mußten zurücktreten, anderseits mußte es ermöglicht werden, 2—3 Theilnehmer mit einem Buche zu versorgen. Ich wende mich deshalb an meine Glaubensschwestern und Brüder mit der Bitte, beizutragen zu einem segenbringenden Werke, zur „Gründung eines Lehrmittelfonds der Toynbee- Halle", damit jene^oben geschilderten Mißstände in Zukunft vermieden werden. Auch die kleinste Gabe wird dankbarst angenommen. Spenden beliebe man.zu senden an Herrn Joh. Kremenetzky, IX. Eisengass e 5 oder an die Unterzeichnete, Namens des Unterrichtscomitäs : Jda Berliner, XIV./z Mariahilferstraße 191. Wien. Der Mädchen und Frauenverein „Bikur-Chaulim“ erhielt folgendes Schreiben: Löbl. Verein „Bikur-Chaulim“, Wien. In der Sitzung des Ehrendamen-Comitos der israel. Versorgungs- Anstalt vom 27. Mai 1903 wurde einstimmig beschloffen, dem verehrlichen Vorstande des Vereines „Bikui- Chaulim“ und ganz besonders jenen Damen, welche mit Wort und Tat unseren armen Kranken Trost und Freude spenden, den innigsten Dank des Ehrendamen-Comitss auszudrücken. Indem wir diese angenehme Pflicht erfüllen, bitten wir auch in Zukunft um Forsetzung Ihrer segensreichen Tätigkeit und zeichnen mit verbindlichstem Danke im Namen unserer Kranken mit vorzüglichster Hochachtung Für das Ehrendamen-Comit6 der Versorgungsanstalt der israelitischen Cultusgemeinde Wien Wien, den 3. Juni 1903. Die Schriftführerin Die Präsidentin Rosa Zifferer. Jda Diamant Wien. Donnerstag den 11. ds. Mts. fand im Stadttempel die Trauung, des Herrn Otto Beck, Sohn des Hoflieferanten und Präses des 'Tempelvereines im achten Bezirke, Herrn Hermann Beck, mit Fräulein Grete Schwitzer, Tochter des Kammerrates Herrn Berthold Schwitzer, statt. Zu dieser Feier hatte sich ein zahlreiches distinguirtes Publikum eingesunden. Man bemerkte den gefammten Bethausvorstand vom 8. Bezirke, die Herren Cultusvorsteher Dr. Markus Spitzer, Dr. Alfr. Berger, kais. Rat Wilhelm Pollak, H. Eltbogen, Emil Horner, den Präses des Tempelvereines vom 9. Bezirke, G. Bettelheim, den Präses des Gewerbe- Vereines S. Brod, Obercantor Bauer, Rabbiner Dr. Äbeles u. A. Den. Trauungsact vollzogen Oberrabbiner Dr. Güdemann und Obercantor Singer. Wie«. Sonntag, den 28. Juni, 1 Uhr Nachmittags, findet im Stadttempel die Trauung des Fräulein Melanie Kohn, Tochter des II. Vicepräsidenten der Wiener Cultusgemeinde, Herrn Landesschulrat Dr. Gustav Kohn, mit dem Hof- und Gerichtsadvokaten Dr. Josef Jeger statt. Wien. Im Vereine „Achwa wereuth“ (Taborstraße 59) wurde am vorigen Donnerstag eine neue Thorarolle bei zahlreicher Beteiligung feierlich eingeweiht. Die Thora wurde aus der Wohnung des Herrn Winter abgeholt,' auch wo dann ein kleines Fest abgehalten^wurde. Die Festrede hielt Herr Lector Friedmann in gewohnter Meisterschaft. Die gesangliche Function hatte Herr Obercantor Oesterreicher mit dem Chore und versah dieselbe in erhebender Weise. Zu bemerken ist, daß die Rollen von zwei Soferim hergestellt wurden,;,was in gewisser Beziehung zu denken gibt. Kkoridsdorf. Der israelitisch-politische Verein „Gleichheit" in Floridsdorf hält am Dienstag den 23. d. M. um halb 8 Uhr Abends in den Gisela-Sällen eine öffentliche Vereinsversammlung ab. Herr Sekretär Sigfried Fleischer wird zu dem Thema: „Heimatsrecht, Staatsbürgerschaft — staatsbürgerliche Rechte" sprechen. Gäste Willkommen! Hemberg. Das unterfertigte Comits der Vereine „Aschwah Lemberg", „Achdus Krakau", „Aschwah Stanislau^ beruft für den 27. und 28. Juni nach Lemberg eine Conferenz der jüdisch-nationalen Handelsangeftellten und Arbeiter Galiziens behufs Schaffung einer festen Organisation der jüdisch-nationalen Arbeiterschaft unseres Landes. Die Tagesordnung der Conferenz ist vorläufig, wie folgt, zusammengestellt: 1. Begründung und Wahl des Bureaus. 2. DieLage der jüdischen Handelsangestellten und Arbeiter Galiziens. 3. Unsere Stellung zur social-deinokratischen Partei. 4. Organisation. 5. Unser social-politisches Programm. 6. Das Verhältnis der zionistischen Intelligenz zum jüdischen Proleteriat. 7. Agitation. Preffe. 8. Stellenvermittlung und Conditionslosenfond. 9. Eventuelles. Die Tagesordnung kann noch geändert werden. Anträge zur Tagesordnung wie auch Anmeldungen von Referaten werden bis zum 19. d. entgegengenommen. („Aschwah", Lemberg, Ringplatz 12). Die Gesinnungsgenossen, welche an dieser Conferenz teilnehmen wollen, werden ersucht, ihren Namen, Stand und genaue Adresse bis zum obigen Termine anzugeben, damit dieselben rechtzeitig zur Conferenz eingeladen werden. Samuel Schorr, Alexander Eisen st ein, Obmann. Sekretär. Hdelsa. Vergangenen Freitag erschien in der Brodier-Synagoge der neuernannte hiesige Gouverneur General ■ Arsenjew und verweilte bis zum Schluffe des feierlichen Gottesdienstes. Der Gouverneur sprach dem Vorstande und dem Obercantor Minkowsky seine vollste Anerkennung über den Kunstgenuß aus und versprach, baldigst wieder zu erscheinen. _ Danksagung’. Anlässlich der Hochzeit unserer Tochter Elisa erhielten wir zahlreiche Glückwünsche, wofür wir vorläufig auf diesem Wege unseren tiefgefühlten Dank abstatten. Cantor J. Smotritzky und Frau. Andreas FeigP8Che Witwen-Stiftung. Am 21. Elul, das ist am 13. September 1903 werden aus obiger Stiftung acht arme israelitische Witwen, jede mit dem Betrage von K. 103'— beteilt. Die Bewerberinnen haben ihre mit dem Nachweise ihrer Armut und des Witwenstandes versehenen Gesuche bis längstens 38 lunl 1983 im Einreichungsprotokolle der israel. Cultusgemeinde I. Seitenstettengasse 4, I. Stock während der Amtsstunden von 9—12 Uhr Vormittags zu überreichen. Gesuchsblankette sind im Einreichungsprotokolle unentgeltlich zu beheben. Auszüge aus den Geburts- Trauungs» und Todtenmatriken der Wiener israelitischen Cultusgemeinde sind als Gesuchsbelege nicht erforderlich und genügt die genaue Angabe der betreffenden Daten. Verspätet überreichte oder nicht gehörig belegte Gesuche finden keine Berücksichtigung. Wien, 1. Juni 1903. Der Vorstand der israel. Cultusgemeinde "Wien.