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Die Wahrheit · 1903-06-19 · Heft 24 (19.6.1903) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1903
Issue
Heft 24 (19.6.1903)
Date
1903-06-19
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 Die Mahrheit. Nr. 24. .. imeberoh vollstimmig und bewußt, und alle ähnlichen Textstellen in unserer heiligen Schrift lesen wir jedem Ausgerufenen und allen Betheiligten am Gottesdienste vollstimmig vor; Zusicherung des Heiles und Strafdrohung, beides gehört zu unserem Lebensvertrag. Die beiden tauchochos sagen es deutlich in ihrem Schlußsätzen; eie hachukim wehamischpotim wehatoros .beni uwen bene jisroel .... behar sinay ....; und in misobneb tboro wieder scharf betont: eie diwre haberis . -.müwad haberis ascher koras itom bechorew. Also auch Herr Rabbiner Sor oerurtheilte das mi schejirze-Slufrufen, aber; belasten hat er es dennoch. Ich sprach daun im Tempel mit einem Herrn darüber, und dieser sagte mir, der Rabbiner habe schon früher einmal darüber gepredigt und mi scbejirze als Verletzung bezeichnet; es hat auch schon-einmal den Schames verdrossen, daß just er hingehen soll; aber völlig eingeführt hat der Rabbiner es nicht. So weit meine Erinnerung. Warum treten die Herren nicht auch in her Praxis ein für ihre auf der Kanzel gepredigten . Theorien, respective Ansichten?! Der Autor, dessen Artikel mein Gedächtnis geweckt und mich zu dieser Mittheilung veranlagte, „ein aufgeklärter Orthodoxer", wie er unterschreibt, möge mit seinem aufgeklärten Geist und offenem Wort oft und gründlich Anregung geben. Wir bekommen nun drei neue Rabbiner, gelehrte Männer von vorzüglicher Beredtsamkeit und frischer Energie, vielleicht tritt mit ihnen eine neue günstige Periode ein. Dies wünscht und hofft jeder „aufgeklärte Orthodoxe" und jeder Fromm gläubige Fortschrittler. Neue Grabungen in Palästina. Duch die Munificenz einiger Wiener Mäcene ist es Herrn Profeffor Sellin, über dessen Palästinaausgrabungen wir im Vorjahre in diesem Blatte eingehend berichteten, ermöglicht worden, ein zweite Expedition nach Palästina zu unternehmen, um seine iin vorigen Jahre mit den Mitteln der Wiener Akademie der Wissenschaft und des Unterrichtsministeriums durchgesührtcn Forschungen, deren Ergebnis bekanntlich so großes wissenschaftliches Interesse erregte, fortsetzen zu können. Ueber die bisherigen Erfolge erstattet nun Profeffor Sellin den folgenden vorläufigen Bericht: Schon am Tage nach der Ankunft in Beirut konnte Professor Sellin, dank der eifrigen Intervention unseres Generalkonsuls Grafen Khevenhüller, sich in Begleitung eines Negierungskommiffärs nach der Forschungsstätte begeben. Die Jesr'eel-Ebene stand infolge des Spätregens völlig unter Wasser, so daß die drei Pferde des Lastwagens ertranken. Die Fellachen drängten sich bei der durch die Cholera herrschenden Verarmung scharenweise zur Arbeit, es konnten daher gleich zweihundert Arbeitskräfte gemietet werden. Es wurde eine ganze Reihe von Privalhäufern freigelegt mit einer Fülle von Einzelfanden. Darunter sind Oel- und auch Weinpressen, Mörser, Gewichte, Tongeräte mit neuen Formen und Mustern, Steinwerkzeuge, Waffen aus Bronze und Kupfer, Schmuckgegenstände, besonders Perlen und Amulette. Neu und wichtig erscheinen zwei israelitische Siegel und vor allem zwei bisher für Palästina ganz unbekannte Typen der Astarte. Auch Trümmer eines Altars, ähnlich dem im vorigen Jahre ausgegrabenen, mit Darstellungen der Cherubim wurden gefunden. Ferner wurde auf ein uraltes Mauerwerk gestoßen, zwei Zimmer und ein Cisterne, daran im Anschlüsse ein großes unterirdisches Bauwerk, mit acht Felsplatten zugedeckt, eine rechteckige Vorhalle mit acht in die Tiefe führenden Stufen und zwei Höhlen mit ausgehauenen Türeingängen. Professor Sellin vermutete ein ckanaanitisches Mausoleum, erklärt jedoch, daß die Bedeutung dieses Baues noch rätsehaft erscheint. Von größtem Werte erachtet der Forscher jedoch einen Fund, von dem er in einem anderen Bauwerke überrascht wurde. Auf der Zimmermauer stand eine große viereckige Kiste, 65 Centimeter hoch, 60 Centimeter breit, aus 4 Centimeter dickem Ton, nicht weit davon zwei Tontafein, beide mit Keilschrift bedeckt, wie sie im alten Palästina gebräuchlich war. Eine zweite größere Tafel mit Keilschrift lag in einer1 zerbrochenen Schüssel und daneben ein reizender kleiner Krug aus Alabaster. Profeffor Sellin erklärt, daß er die Tafeln zur Entzifferung der kaiserlichen Akademie in Wien überbringen werde, doch kann jetzt schon behauptet werden, daß diese Tafeln eine hervorragende Bedeutung haben fiir die Geschichte Palästinas vor und während des Eindringens der Hebräer. Bisher ist nur ein einziger derartiger Fund gemacht worden, aber stark beschädigt, die nun gefundenen Tafeln sind fast tadellos erhalten. Profeffor Sellin hat jetzt eine kurze Resse tiefer in das Innere des Landes angetreten, um die richtigen Plätze für künftige Grabungen zu erkunden. verschiedene Nachrichten. Wien. (Aus der Plenarsitzung des Vorstandes der israelitischen Cultusgemeinde, Donnerstag, den 11. Juni 1903, Unter dem Vorsitze deS ersten Vicepräsidenten Dr. Alfred Stern.) Zu Beginn der Sitzung gelangt ein an den Vorstand gerichtetes Schreiben des in Baden weilenden Präsidenten, Herrn kaiserl. Rath Klinger, zur Verlesung,?!» welchem derselbe im Hinblick auf seine angegriffene Gesundheit bis zur Zeit einer wesentlichen Besserung seines Befindens um Nachsicht, betreffend die Theilnahme an den Sitzungen der nächsten Zeit, ersucht. Im Anschlüsse an diese Mittheilung ergreift Herr Vorsteher Dr. Adolf Stein das Wort, um auch bei diesem Anlässe der aufopfernden Thätigkeit des Präsidenten zu gedenken, und gibt unter lebhafter Zustimmung der Plenarversammlung dem Wunsche nach thunlichst baldiger Wiederaufnahme der ungeschwächten Thätigkeit des Präsidenten im Interesse der Gemeinde Ausdruck. Der Antrag, von dieser Enunciation dem Präsidenten in einer Adresse Kenntniß zu geben, findet einhellig: Annahme. An Spenden werden bekanntgegeben: Von Frau Profeffor Dr. Guido Adler zum Andenken an ihre seligen Eltern eine Schulchan-Decke für das Gemeindebethaus Währing. Legate des seligen Herrn Commercialrathes Moriz Latzko zur sofortigen Vertheilung an Arme K 400.—, für die israelitische Armenanstalt K. 400.—, von Frau Bertha Bondy für die armen Glaubensgenossen in Kischinew K. 50 —, von Herrn Ludwig Eisenstädter für den gleichen Zweck K. 20.—. Im Einlause wird weiters bekanntgegeben: Ein Schreiben des Comites für die Herausgabe der „Jewish Encyklopedia", betreffend Heranziehung von Subscribenten für das genannte Werk. Ueber Antrag des Vertreter-Collegiums werden zu Mitcuratoren für die Julius Fränkel'sche Studenten-Stistung die Herrn Vice-Präsident Dr. Gustav Kohn und Vertreter Dr. Maximilian Steiner berufen. Entsprechend den Anträgen des Vertreter-Collegiums werden nachfolgenden Bethausvereinen Subventionen pro 1903 bewilligt: „Chewra-Beth-Halfilah" im IX. Bezirke, „Machsike Hadaß", ,,Machasike Thora", „Bethausverein Wieden-Margarethen", „Beth Hachneteth", III., Untere Viaductgaffe 13,. „Liwias Chen", Bethausverein XII., Erdbergerstraße 15, „Emunas Awes", „Tempelverein Favoriten", „Gemilas Chesed", „Meichisch Jeschuah". Weiters werden Subventionen bewilligt: dem Turnverein „Zion" in Fünfhaus K 200.—, dem Kinder- Kranken-Jnstitut K 500.—, der Nanette Schlesinger-Stiftung zur Deckung eines aus früheren Jahren stammenden Deficites K 800.—, ferner als ordentliche Subvention pro 1903 K 400.—, als außerordentliche weitere - K 400.—. In Würdigung der segensreichen Wirksamkeit des Vereines zur unentgeltlichen Verpflegung Brustkranker auf dem Lande lvird die Ausnahme dieses Vereines auf die Spendentafeln der Gemeinde-Bethäuser bewilligt. Nach Erledigung von Steuer-Angelegenheiten und Personalien wird die Sitzung geschlossen. ZSien. (Trauerveranstaltungen für Kischinew.) Wie mehrfach in diesem Blatte gemeldet wurde, haben an zahlreichen Orten Trauerveranstaltungen für die unglücklichen Opfer von Kischinew stattgefunden, und besonders haben in fast sämmtlichen jüdischen Gemeinden die ehrwürdigen Herren Rabbiner bei der Haskarah am zweiten Schewuothtage auch ein Gebet für das Seelenheil der Kischinewer Märtyrer gesprochen. Diese Veranstaltungen sind auf die Initiative des allgemeinen österreichischen israelitische» Bundes zurückzuführen, deffen Präsident nachfolgendes Circulär an sämmtliche Gemeinden richtete: Sehr geehrter Cultusvorstand! Ueber Beschluß des Vorstandes der Wiener Cultusgemeinde wird bei der Haskarah am Schewuoth-Feste unserer unglücklichen Glaubensgenossen, welche Opfer der Kischinewer Judenverfolgung wurden, gedacht werden und die Rabbiner in den Gemeindetempeln werden auch in ihren Ansprachen es an der gebührenden Erinnerung an jene Greuelthaten und deren unglückliche Opfer nicht fehlen lassen. Wir glauben nur einer Empfindung gemeinsamer Trauer Ausdruck zu verleihen und in Ihrem Sinne zu handeln, wenn wir heute alle jüdischen Gemeinden in Oesterreich auffordern, sich dem Beispiele der Wiener Cultusgemeinde anzuschließen. Sicherlich einigen sich alle menschlich Fühlenden ohne Unterschied der Confessio» in dem Abscheu und der Empörung ob der Greuel von Kischinew und in der Anklage gegen die blutrünstigen Anstifter der Judenhetze. Wir aber, die Glaubensgenossen Jener, deren unschuldiges Blut wegen der verlogenen, fluchwürdigen Blutbeschuldigung vergossen wurde, wollen uns in unseren Synagogen versammeln, um das Andenken unserer Brüder zu ehren, die wegen ihrer Religion Marter und Tod erduldeten, gleich ihrem greise» .Rabbi, jenem Märtyrer, von dem zu lesen

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