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Die Wahrheit · 1903-06-19 · Heft 24 (19.6.1903) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1903
Issue
Heft 24 (19.6.1903)
Date
1903-06-19
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Die Wahrheit. Seite 7. Nr. 24. genossenschaft Eigentümerin, resp. Erbpächterin des gesamten Bodens sein, der im Gemeinbesitz verbleibt, und sind die Besitzer der Heimatsstätten dann Erbpächter, resp. Unterpächter der neu gebildeten Genossenschaft gegen Zahlung höchstens der von Anfang an vereinbarten jährlichen Pachtfumme. Aus endstehender Rentabilitätsberechnung, bei der Olivenbau zu Grunde gelegt ist und die auf dem zuverlässigsten Material basiert, geht hervor, dag 1 Ha Oliven bei voller Ertragsfähigkeit eine Ernte von mindestens 500 Mk. bringt. In den ersten Jahren bis zur vollen Ertragsfähigkeit der Oliven kann der Kolonist, wie schon vorher erwähnt, auf seinem Felde als Unterkultnr Gemüsebau betreiben und neben seinem eigenen Bedarf sehr bald noch einen beträchtlichen Überschuß zum Verkauf erzielen, so daß jeder Mißerfolg im vorhinein als ausgeschlossen zu betrachten ist, besonders da die Arbeit von einer Centrale ans ständig überwacht und fachmännisch geleitet werden soll. Auch Vieh- und Geflügelzucht, Bienenzucht, Tabak- und Seidenbau rc., kommen als weitere bedeutende Erwerbsmöglichkeiten für die Ansiedler in Betracht. Durch eine solche Vorbereitung von Heimstätten, die im Laufe einer Reihe von Jahren in einen fruchttragenden Zustand versetzt und mit Häusern und allem sonst Nötigen versehen werden, ergibt sich — schon vom ersten Anfang au — eine sichere und lohnende Arbeitsgelegenheit für jüdische Arbeiter und zwar sowohl für landwirtschaftlich vorgebildete, wie auch für ungelernte Arbeitskräfte. Es ist ja bekannt, daß nicht zum wenigsten in Palästina selbst die bisherigen Kolonien, resp. die bisherige Kolonisationsweise nicht einmal den dort seit Jahren ansässigen und eingewöhnten Tagelöhnern genügend Arbeitsgelegenheit gewährt, so daß diese zum wertvollsten Teil unseres Kolonisten-Materials gehörigen Elemente, — besonders in den letzen Jahren — zur Auswanderung aus Palästina und zum Suchen neuer Erwerbsmöglichkeiten in Australien, Canada, Argentinien und den Vereinigten Staaten gezwungen wurden. Diesen Taglöhnern, die sich unter den gegenwärtigen Verhältnißen in Palästina nicht halten können, soll in allererster Linie Gelegenheit geboten werden, in ihrem Berufe und in Palästina oder doch seinen unmittelbarsten Nachbargebieten zu bleiben. — Aber auch von dem großem Strom der Auswanderung aus dem Osten Europas, der sich heute nach den ernsten Ländern ergießt, die noch dazu schon jetzt beginnen ■» sich der jüdischen Einwanderung zu verschließen — von diesem großen Strom soll zunächst wenigstens ein kleiner Teil nach dem Orient und in gesunde Verhältniße abgelenkt werden. Wenn unsere Bestrebungen die erforderliche Unterstützung flnden, so ist es sehr wohl möglich — und dies ist ja eine der leitenden Ideen bei unserem Unternehmen — daß unser Kolonisationswerk bald großen Massen von Juden Brot geben wird und zwar Brot im weitesten Sinne des Wortes. Denn es ist ja nicht die Absicht dieser jüdischen Kolonisations-Gesellschaft, durch Bewirtschaftung vom Land im Orient rein geschäftliche Ziele zu verfolgen: wir wollen — wenn auch aus durchaus geschäftlicher Basis und mittels geschäftlicher Methoden — wirtschaftlich schwachen oder verfolgten Juden durch Gewährung von Arbeitsmöglichkeit den Weg zur Selbständigkeit ebnen. Alles in allem liegt hier ein Unternehmen vor, welches eines der schwierigsten Probleme der komplizierten jüdischen Frage seiner Lösung näher bringt —, vielleicht sogar seine ganze Lösung in sich birgt. —Die Jüdische Orient-Kolonisations- Gesellschaft hat sich die besten Ergebniße der nationalökonomischen Wissenschaft zu eignen gemacht, sie beruht auf gesunden geschäftlichen Grundsätzen und auch für fachmännische Leitung sowohl des kaufmännischen wie des landwirtschaftlichen Betriebes ist volle Sorge getragen. So dürfen wir hoffen, in der jüdischen Kolonisationsfrage einen bedeutsamen Schritt vorwärts gethan zu haben und in kurzem schon die Früchte unserer Arbeit zu sehen. In jedem Falle aber werden alle diejenigen, die uns heute in stand setzen, zur hilfreichen Praxis überzugehen, — gleichviel ob sie damit ihrem eigenen Interesse oder dem der Gesamtheit dienen wollen — sich sagen dürfen, daß sie ein großes Werk im Dienste der großen jüdischen Sache zu ihrem Teil mit ermöglicht haben. Per Morfland: Louis B r i s ch (Geschäftsführer). Davis Trietsch, C. Posnanski. Per Auffichlsrat: D r. FranzOppenheimer (Vorsitzender). L u d w i g B e h r, R. S ch i m m e r. Rentabilitäts-Berechnung: Für O l i v e n k u l t n r: Einmalige Ausgaben: Land, geeignet für Oliven, per Hektar M. 100, Umackern, Pflügen und Hacken M. 54, 100 Bäume inkl. Pflanzen M. 100, Bewässerung und Düngung M. 36, Geräte etc. (per Hektarberechnet) M. 10, Summe: Mark 300. Jährliche Ausgaben : Verzinsung der Grundkosten a 5% M. 15, Amortisation der Grundkosten a 5% M. 15, Pflügen und Hacken M. 24, Bewässerung und Düngen M. 36, Schneiden der Bäume ete. M. 10. Summe: Mark 100. Die Ernte beträgt dann je nach der Art der Pflanzung vom dritten Jahre an oder etwas ^später von 1. M. (schon abzüglich der Erntekosten) aufsteigend bis zu 20 M. und mehr per Baum. Als ein mäßig gerechneter Durchschnitt kann 5 M. per Baum angesehen werden. Dies entspräche 500 M. per Hektar. Für Z w i s ch e n k u l t u r e n : Bis eine Olivenpflanzung ihren durchschnittlichen Ertrag erreicht, kann in den breiten Zwischenräumen (10 m) Gemüsebau betrieben werden, welcher in Deutschland erfahrungsgemäß reichlich über 1000 M. per Hektar bringt. Wir werden für den Orient, wo einer eventuell geringeren Verwertungsmöglichkeit der gewöhnlichen Sorten jedenfalls die Chance, Frühgemüse für den Export zu ziehen, gegeuübersteht, mindestens die gleiche Ziffer annehmen können. In jedem Falle aber dürfte hiernach ein Ertrag von 500 M. schon vor den größeren Olivenernten Per Hektar gewonnen werden können. Bezüglich Tabakbau und Seidenknltur verweisen wir ans die Arbeiten von Prof. Dr. Otto Marburg und den Aufsatz von A. Aarousohu und Dr. S. Soskin (Zeitschrift „Palästina" 1902 Seite 123—153). Einschlägige Auskünfte über diese und andere Kulturen werden jederzeit auf Anfrage beim Vorstand bereitwilligst erteilt. Ejngesendet. Sehr geehrter Herr Redacteur! Die sehr beachtenswerthe uud offen gerügte „Mißdeutung einer biblischen Textstelle" in letzter Nummer Ihres geschätzten Blattes hat in meinem Gedächtnis Aehnliches in Erinnerung gebracht. Erlauben Sie mir die diesbezügliche Mittheilung. Zufällig war ich einmal am Sabbath xarschat bechukaussai im Wiener Gemeindetempel Währing. Wie gewöhnlich wurde zur tauchoeho der Schames mit rniscbejirse aufgerufen. Nicht blos die einleitenden pessukim, sondern sämmtliche bis Ende der tauchoeho wurden laut mit voller Stimme vorgelesen; auch im uü-schederach ist die übliche Einschaltung — in ob genanntem Artikel als Blasphemie gerügt — weggeblieben- Ich war von dieser Halbheit im Gemeindetempel überrascht. In der darauffolgenden Predigt hat Herr Rabbiner Sor darüber gesprochen und führte als Beispiel an: in alltäglichen Verträgen werden sämmtliche Bedingungen, die günstigen wie die Verwarnuugen von allen Betheiligten deutlich und oollbewußt gelesen; und heute in unserer oiära wollen wir nur die Verheißungen irn-bechukaussai telechu. vollklingend und vor allen Betheiligeen vortragen, dagegen von da ab die Verwarnungen und Strafandrohungen weim lau tischmeu li. wollen wir nur heimlich und halblaut Einem in's Ohr sagen? — Nein, im täglichen krias Schema lesen wir alle die gleichhaltige Warnung hischornru löchern

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