Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1903
- Issue
- Heft 24 (19.6.1903)
- Date
- 1903-06-19
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 24 Die Ivahrhcu Seite 5 gerade daraus ersehen wir die Zuverlässigkeit der Bibel. Die sieben noachidischen Gebote als Basis und die mosaische Gesetzgebung als der Ausbau der menschlichen Rechtsordnung, hoch überragt von den jüdischen Zehngeboten, als deren Erstes die Lehre vom einig-einzigen Gott! Mag Babel vielleicht eine A h n u n g von dem Gotte gehabt haben, den wir in der Geschichte gefunden haben, erkannt hatte es ihn nicht, so wenig, wie den jüdischen Sabbath. Gibt es überhaupt einen solchen in anderen Confessionen? Ge^ wiß nicht! Wenn er aber in der Tat schon zu Babels Zeiten erkannt war — was noch zu beweisen wäre, und einwandfreier, als Delitzsch es versucht —; wenn tatsächlich die Bibel — und zum ersten Male — nicht Recht behielte, dann wird doch Niemand dem jüdischen Volke den Ruh m streitig machen können — und hier wiederhole ich die gleichen Worte, die mir am ersten Tage des Streites über die Lippen kamen — daß das jüdische Volk es gewesen, das den Glauben an einen einigeinzigen Gott durch und trotz Jahrtausende von Verfolgung und Not aus der Vergangenheit h i n ü b e r g e r e t t e t hat! Her in. Berliner. Eine Anklage. Der „Bu'bapester Ungar. Zionisten-Verein" hat im Sinne feines am 31. Mai l. I. gefaßten Beschlusses durch seinen Rechtsbeistand Dr. Ge;a Benkö gegen die Herausgeber und Redacteure des in Budapest unter dem Namen „Uj Lap" erscheinenden Tageblattes, die in ihrer Gewinnsucht, das Einkommen ihres Blattes zu heben, die blutigsten Hetzereien üben, folgende Klage b i der Budapester königl. Staatsanwaltschaft sub. Zahl 23.092/1003 eingereicht. Ein hervorragender Reichstagsabgeordneter*) (Christ) hat andererseits wieder die edle Aufgabe übernommen, eine Eingabe > von ähnlicher Tendenz dem Abgeordnetenhanse zu unterbreiten. Der Inhalt der Eingabe benannten Vereines ist folgender: „Löbliche königl. Staatsunwaltschaft! Die Judenverfolgung ist seit einigen Jahren in einzelnen unzilivisirten Ländern Europas wieder an der Tagesordnung. Finstere Dunkelmänner hetzen das ehrliche, leichtgläubige Volk zu schändlichen Untaten. Unter dem Vorwände, die christliche Religion zu beschützen, reizen die Afterdiener Christi's die uuwisiende Menge zu Raub und Mord anf. Jeder wolanständige Mensch wendet sich mit Ekel von dem gefährlichen Treiben dieser sogenannten Antisemiten weg. die aus ihrem Antisemitismus niedrigen materiellen Vorteil schöpfen wollen. Und diese schändliche Art, zu V e rmögen zu kommen, wird überall doit von Erfolg begleitet, wo die leitende Macht nicht stark genug, oder nicht fähig ist, sich von den Vorurteilen des blutigen Mittelalters zu befreien. Die Extreme berühren sich auch hier. Die Preßfreiheit, diese erhabene Errungenschaft unserer Zeit, w i r d von Bestien in Menschengestalt, die nach Menschenblut lechzen, zu den niedrigsten Hilfsmitteln des M o r d e n s, S ch l a ch t e n s, der Verheerung und der B r a n d st i f t u ng h e r a b g e w ü r d i g t. Es ist noch nicht lange her, daß in der südrussischen Stadt Kischinew solche entsetzliche Dinge sich ereigneten, die das 20. Jahrhundert, diese Glanzperiode der Weltentwicklung, in das Zeitalter des rohesten Barbarentums zurückdrängten, auf unsere Zivilisation den Stempel der ewigen Schmach drückten. Und dort war es auch die Presse, welche die höllische Tat zur Ausführung brachte. Der traurige Ruhm der Kischinewer Metzeleien gehört nämlich der Kischinewer Zeitung „Bessarabetz"; ihr ist es zuzuschreiben, daß Hunderte und aberhunderte Kinder eines und desselben Gottes in der grausamsten Weise niedergemetzelt; *) Herr Olay Lajos. tvurden. Greise, Männer, Frauen, Jünglinge tödtete man in haarsträubender Weise; Frauen und Jungfrauen wurden im Hause Gottes geschändet, um sie dann nach vollbrachter schändlicher Tat zu Märtyrern des Judentums zu weihen. Orthodoxgläubige Christen Rußlands verübten diese Greueltaten gegen jene Race, welche ihnen den Erlöser gegeb en. Ein jedes jüdische Herz, aber auch das eines jeden wolanständigeu Menschen, ohne Unterschied der Confessio», blutet ob dieses entsetzlichen Blutbades, das christ-- ttche Männer, die berufen sind Religiosität, Menschenliebe und Toleranz zu pstegen, durch ihre schändliche Arbeit angerichtet. Löbliche königl. Staatsanwaltschaft! Es ist nicht unser Zweck, die Leiden und das ewige Martyrium der jüdischen Race hier zu schildern. Der zweirausendjährige, von den Flammen des Scheiterhaufens grell beleuchtete, von einem Thränenmeer übersiuthete, geschichtliche Weg derselben spricht ja deutlich genug für dieselbe. Wir wollen nur die löbliche Staatsanwaltschaft darum bitten, möge dieselbe, angesichts der traurigen Tatsachen, wonach gewissenlose Menschen, ungarische Journalisten, die ideale Aufgabe der Presse mit Füßen tretend, den goldenen Glan; der Preßfreiheit dazu benützen, das redliche Volk unseres geliebten Vaterlandes in den Schlamm des Verbrechens zu ziehen, von ihrer weisen Einsicht geleitet, auf das Gebiet der hnmanen Tätigkeit sich begeben. Gierige Unternehmer, in der Hoffnung reichlichen Gewinn daraus zu schöpfen, fachen auch hier planmäßig den Funken des Judenhasses an und es steht zu befürchten, daß dieser noch immer und noch überall glimmende Funke trotz der Nüchternheit, der Ritterlichkeit und Ehrlichkeit des ungarischen Volkes, zu einer alles verzehrenden Flamme wird emporlodern. Löbliche Staatsanwaltschaft! Seit Monaten erscheint in Budapest ein Kreuzer-Tageblatt unter dem Namen „Uj Lap" in der Ausgabe „des Verbandes der katholischen Vereine". Die Redrcreure desselben sind : Oedön G y ü r k y (Chefredacteur) und Or. Junos S z i k l a i (verantwortlicher Redacteur.) Um den Bestand dieses Blattes zu sichern, betreibt die Unternehmung, von Tag zu Tag immer verwegener werdend, die gefährlichste Judenhetze und verhöhnt damit die bestehenden Gesetze Ungarns. In diesem Blatte wird jede Art des Verbrechens verherrlicht — von Ehrenbcleidigung bis zum Mord — wenn dasselbe au Juden begangen wird. Die himmelschreienden, blutigen Ereignisse von Kischinew werden da als nachahmenswertes, liebliches und gottgefälliges Beispiel ausgestellt. Löbliche Staatsanwaltschaft! Dieses traurige Erzeuguiß der Presse, wenn ihm der Faden seiner dunklen Existenz nicht bald abgeschnilten lvird, oder wenigstens strenge Grenzen ihm;ezogen werden, wird noch tiefe Trauer über sehr viele,, viele creue Söhne der ungarischen Nation bringen. Wir schließen neun Exemplare derselben hier bei. Ein jedes dieser Exemplare wird das Deliktum des Aufreizens bestätigen. Besonders heben wir jedoch die Exemplare 5, 6 und 7 hervor, das Augenmerk der löblichen Staatsanwaltschaft ganz besonders auf dieselbe lenkend. Das ist nicht mehr Auf» reizung, sondern directer Aufruf zu Metzeleien, directe Aufforderung zu Raub- und Mordtaten. Aus dem anbeigelegteu Exemplar 5 (erschienen am 9. Mar 1903) heben wir Folgendes hervor: „Aber welch' aufgeregtes, welch' unruhiges Volk ist doch dieses Ga st Volk Europas: und noch dazu u nberufener Gast Europas." „Wir wollen jetzt davon nicht reden, daß man jetzt an einem Orte Rußlands, in Kischinew, dieselben haufenweise n ied er m e tz elt, an einem anderen Orte wieder — in Kiew — d eselbeu vor den furchtbaren judeufei, lichen Unruhen zittern, aus Rumänien wieder herausgetriebeu werden." „Ueberall werden sie (die Inden) bedrängt, sogar dort. -ro-vgv