Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1903
- Issue
- Heft 23 (12.6.1903)
- Date
- 1903-06-12
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Die Wahrheit. Seite 7. Nr. 23. -,7-—.V-.— lerin. Die Präsidentin des versammelten Ehrendamen-Comites, Frau Jda Diamant, begrüßte die Künstlerin und sprach zum Schlüsse sowol naniens des Ehrendamen-Comites als auch im Namen der Insassen herzliche Dankesworte. Mit ebenso herzlichen Worten dankte der Obmannn der Commission für die Versorgungsanstalt, Herr Saso Cohn, namens des Vorstandes der Israel Cultusgemeinde der allbeliebten Künstlerin. Dieser seltene Kunstgenuß wird allen Zuhörern in dauernder Erinnerung bleiben und allseits konnte man den Wunsch vernehmen: „wenn sie nur bald wiederkäme." Wien. Der öffentliche Gesellschafter der Firma Heinrich Klinger in Wien. Herr Paul Lemberger, ist zum fachmännischen Laienrichter aus dem Handelsstande im Sprengel des Wiener Oberlandesgerichtes ernannt worden. Mit diesem Amte ist die Führung des Titels „Kaiserlicher Rät" verbunden. Wien. Am 8. d. M. wurde der im 43. Lebensjahre verschiedene Secretär der k. k. Ferdinands-Nordbahn, Herr Julius Deutsch, unter zahlreicher Teilnahme von Collegen und Freunden zu Grabe getragen. Die Trauerfunctionen in der Ceremonienhalle des Centralfriedhoses versahen Oberrabbiner Dr. Gttdemann und 1. Cantor Blatt. Am Grabe sprach Herr kais. Rat Wilhelm Pollak als Obmann des „Kaufmännischen Gesangsvereines", dessen Mitglied der Verblichene war, tiefempfundene Worte des Abschiedes und die Mitglieder des Gesangsvereines sangen in ergreifender Weise unter Leitung des Chormeisters Professor Dittrich das stimmmungsvolle Lied: „Es ist bestimmt in Gottes Rath". Wie«. (Trauung.) Sonntag, den 7. d. M», fand im israelitischen Tempel, XVI., Hubergasse 8, die Trauung des Fräulein Lisa Smotritzky, Tochter des Cantors Hern I. Smotritzky, mit Herrn Bernhard Jlmer statt. Herr Rabbiner Dr. Bach hielt an das Brautpaar eine sinnige Ansprache, in der er aus das priesterliche Wirken des Vaters der Braut lobend hinwies. Herr Cantor Smotritzky versah die cantorale Function unter Affistenz des gutgeschulten Chores, welcher von dem trefflichen Chordirigenten Herrn Port geleitet wurde, in vorzüglicher Weise. Das Gotteshaus war von eienm zahlreich erschienenen Publicum gefüllt und bemerkte man u. A. den Bethausvorstand mit dem Obmann, Herrn Cultusvorsteher Rosner ander Spitze, HerrnObercantor Guttmann, die Cantoren Pekarnik, Schleifer, Silbermann. Regner, Kwartin, Adjunct Herrn Julius Braun Und Official Herrn Rudolf Kraus. Dem Brautpaare kamen aus Nah und Fern zahlreiche Telegramme und Glückwünsche zu, welche von der Sympathie Zeugniß geben, deren sich Herr Cantor Smotritzky allenthalben erfreut. Wien. Sonntag den 14. Juni, 3 Uhr Nachmittags, findet im Leopoldstädter Tempel die Trauung des Fräulein Irma Schlesinger mit Herrn Herman Wassermann statt. Aloridsddrf. (Israelitisch-politischer Verein »Gleichheit".) Die Leitung des neugegründeten jüdisch-politischen Vereines ^Gleichheit" entfaltetet eine rege Tätigkeit. Am 25. v. M. fand der Eröffnungsabend des Vereines statt. Vor einem zahlreichen Publikum, das in den Giselasälen versammelt war, sprachen die Herren Dr. Paul. Weisengrün und Secretär Sigfried Fleischer zu dem Thema: „Warum organisiren sich die Juden" und entledigten sich ihrer Ausgabe in ausgezeichneter Weise Am 3. d M. fand eine zweite Vereinsverfammlung statt, in der Herr Dr. Leopold Kahn als Referent über „Die jüngsten Gräueltaten in Kischinew und was sie lehren" sprach. Die Ausführungen des Referenten wurden von den zahlreich erschienenen Mitgliedern und Gästen des Vereines mit lebhaftem Beifall ausgenommen. Der Verein betrachtet als seine nächste Ausgabe, den vielen hier ansässigen, ausländischen jüdischen Einwohnern das Heimatsrecht zu verschaffen. Maden, (Trauerfeier.) Das traurige, die Menschheit tief beschämende Kapitel in der ^jüdischen Geschichte von den namenlosen Verfolgungen der Bekenner des einig einzigen Gottes ist um ein bluttriefendes Blatt reicher geworden. Die furchtbaren Greuelszenen in Kischinew, die geschändeten und erwürgten Frauen und Mädchen, die mit kaltem Herzen hingemordeten Greise und Jünglinge, die von den Stockwerken hinabgestürzten und zerschmetterten Kinder geben Zeugnis von der grenzenlosen Unmenschlichkeit des strenggläubigen ruffischen Volkes, das unter Anleitung seiner geistigen und religiösen Führer sein heiliges Osterfest mit blutig zerrissenen Menschenopfern feierte, dem die Intelligenz und die Behörden ruhig zuschäuten und stillschweigenden Beifall spendeten. Alle zivilisirten Kreise ergriff Entsetzen ob dieser Schandtat, auch die Beffergesinnten im heiligen russischen Reiche schämen sich der tierischen Bluttaten ihrer lieben Mitbürger, nur die stillen und lauten Hetzer und Arrangeure hallen dieses schwere Verbrechen zu entschuldigen und fordern von den Juden gar, über'die nun-einmal geschehene Tat den Schleier zu ziehen, über das bischen vergoffene Judenblut nicht so laut zu schreien. Das jüdische Herz aber ist ob dieser Greuel gebrochen und ruft laut und j jammervoll: „Erde verbirg mein vergossenes Blut nicht und kein Ort j sei, wo mein Weheruf nicht hindringt." Und der Weheruf drang überall hin, wo nur jüdische Herzen schlagen, in allen jüdischen Gemeinden herrscht Trauer, und in der Cultusgemeinde Baden war der zweite Schewuothtag für alle Tempelbesucher ein Tag der Aufregung und Zerknirschung. Da stand Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Wilhelm Reich auf der Kanzel und hielt die übliche Haskara-Predigt. Plötzlich aber ward sein Ton leise, als wollte ihm Etwas das Herz zusammenschnüren. Die Geister der in Kischinew Ermordeten stiegen vor ihm auf und sein gepreßtes Herz rang nach Luft. Allmälig nur fand er sich wieder und im Gedenken dieser Märtyrer ihres Glaubens erklangen Töne und Worte, die sturmartig das Innere der Zuhörer erschütterten und ausregten. Nach der Predigt bestieg er das Aimenor und cinrte alle Namen der Kischinewer Märtyrer in einem Tone, der alle Lippen erbeben und alle Augen tränenfeucht machte. Wahrlich, ein solcher Moment müßte selbst die verstocktesten und rohesten Feinde des jüdischen Volkes erweichen und in sich führen, und könnte er es nicht, so wäre es um den Fortschritt der Menschheit traurig bestellt. J. Murgstalk. Welch hervorragenden Wirkungskreis ein Lehrer hat, der seine Sache recht erfaßt, konnten wir am zweiten Schewuoth-Tage beim hiesigen Muffafgottesdienste recht deutlich sehen/ Unser allseitig beliebter Religionslehrer, Herr M. Mandl, der stets bestrebt ist den Gottesdienst recht würdig zu gestalten, ließ einen zehnjährigen Knaben Maftir aufrufen. Die Sicherheit mit welcher der Kleine vor den Almemor hintrat, die würdige Haltung, die er sich während der ganzen „Alija" zu geben verstand, vollends aber die präcise und eorrekte Vortragsweise, welcher er sich befleißigte, zeigten ebenso von Fähigkeiten und Talent des Kindes» wie nicht minder von der pädagogischen Geschicklichkeit des Lehrers, der es vortrefflich verstand, des erhabene „Gebet des Profeten Habakuk" durch den Mund eines Kindes so wirkungsvoll zum Vortrag zu bringen. Herr Mandl verläßt nunmehr, bedauerlicher Weise, den Dienst unserer Gemeinde, um dem Ruse der altehrtv. Gemeinde Ledec in Böhmen folge zu leisten. Möge es ihm vergönnt sein, in seinem neuen Wirkungskreise solch segensreicher Tätigkeit und allgemeiner Sympatien sich erfreuen zu können wie bisher. — Am 1. Juli dieses Jahres tritt unser neugewählter Rabbiner. Herr David Rudolfer, bisher in Horn, seine Stelle an und wird seinen Sitz in Amstetten haben. — — er — — Kolkeschau. Di.nstag, den 16. Juni, halb 3 Uhr Nachmittags, findet hier die Trauung des Fräulein Janka Braunfeld, Tochter unseres Cantors Herrn Adolf Braunfeld, mit Herrn Michael Stricks, Tenorist am Leopoldstädter Tempel in Wien, statt. Aroittau (Mähren.) Eine sehr schöne und erhebende Feier fand am ersten Tage des Schewuothfestes in dem neuerrichteten Tempel unserer Gemeinde statt. Anlaß dazu bot die feierliche Uebergabe und Einweihung einer Thorarrolle, welche der k. k. Postmeister Herr Philipp Pam in Abtsdorf (Böhm.) zum Andenken an seine verstorbenen Eltern dem Gotteshause geschenkt hatte. Nach dem Hallelgebete wurde die in schönem Silberschmucke prangende Thorarolle vom gesammten Cultusvorstande, dem Spender und dessen Angehörigen unter Vorantritt des Herrn Rabbiner Dr. Felix Kanter feierlichst abgeholt und in den mit Blumen und Palmen aufs herrlichste geschmückten Tempel getragen, wo sie der vor Kurzem neu engagirte Cantor Herr S. Lagodzinsky erwartete und mit einem schön vorgetragenen »Loruvb habboh" begrüßte. Nach feierlichem Umzug unter Absingung der üblichen Psalmen betratHerr Rabbiner Dr. Kanter die Kanzel und hielt eine der Bedeutung des Tages und dem festlichen Anlasse gewidmete Einweihungsrede. Nach Schluß deS Gottesdienstes hielt der Vorsteher, Herr Fabrikant Joses Stein, im Sitzungssaals eine kurze aber sehr kernige Ansprache, in welcher er Herrn Pam für seine hochherzige Spende den besten Dank der gesammten Gemeinde aussprach. Herr Pam und seine Angehörigen, die zur Thora anfgerufen wurden, spendeten namhafte Beträge für hiesige Gemeindezwecke, bei welcher Gelegenheit Herr Cantor Lagodzinsky einen eigenen, zur Feier des Tages componirten »Ni acheberach“ zum Vortrage brachte. 6. W. Mrag. (Fusionirung dreier Synagogen.) Dieser Tage erfolgte hier die Fusionierung der Neusynagoge mit der Zigeuner- und großen Hofschule. Diese drei Betvereine, die zusammen über ein ansehnliches Capital verfügen, werden in der Jerusalemsgaffe einen großen modernen Tempel erbauen. Der Bau wird im Herbst in Angriff genommen werden. Mrag. Kürzlich starb hier Herr Kraus, Cantor des czechischen Betvereines »0r Tomid". Er hat in einem Anfalle momentaner Sinnesverwirrung Hand an sich gelegt. Das Begräbnis gestaltete sich zu einer imposanten Leichenfeier. Der Verstorbene besaß litterarische Bildung, er hat viele Gebete ins Czechische übersetzt, darunter auch manche in vollendeter metrischer Form. Mudapest. Nach langem, überaus qualvollem Leiden kam der Tod als Erlöser dem bedauernswerthen Herrn Albert Lazarus zweiter Cantor der Pester israelitischen Religionsgemeinde, welcher am zweiten Tage des Wochenfestes im Alter von kaum 43 Jahren verschieden ist. Der Verstorbene war vorher Oberkantor in Olmütz und wirkte ein Jahrzehnt lang an der Seite seines einzigen Bruders, des Oberkantors Professor A d o l f L a z a r u s, als dessen Stellvertreter. Er war einer der gewiffenhaftesten und pflichteifrigsten Beamten der Pester Großgemeinde. An seiner Bahre trauern seine Witwe, zwei kleine Kinder, ein Bruder und zwei Schwestern. Seine Leichenfeier war eine wahrhaft , imposante. Der große Hof, die Gänge der 3 Stockwerke, das Treppenhaus und die Thoreinfahrt waren von ein.r dichtgedrängten Menschenmenge besetzt. Es waren erschienen: die Gemeinde- und die Tempelvorsteher, Universitätsprofeffor Dr. Ignaz Golziher, die Vorsteher der Pester Chewra-Kadischa, die Rabbiner Dr. Samuel Kohn und Dr. Julius Weißburg, Konsul Emerich Birnbaum, Dr. E m il Farkas, Oberkantor Weiß von Ofen u. A. Unter Leitung des Oberkantors Jacob Bachmann erschienen das Männerchorpersonal des großen Tempels und der Rombachstznagoge, welches Trauerpsalmen exekutirte. Oberkantor B a ch m a nn versah die Trauerzeremonie in ergreifender Weise. Dr. M. Kayserling würdigte