Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1903-06-05 · Heft 22 (5.6.1903) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1903
Issue
Heft 22 (5.6.1903)
Date
1903-06-05
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3062972-3063163-3063185--02516-3069198
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Die Wahrheit. Seite 7. Nr. 22. Erzeugnissen Nachweisen Aber da dies zu weit führen würde, beschränken wir uns hier auf Verzeichnung einiger. Schriften, in welchen dies umständlich dargethan wird. So Melizas-Jeschnrun von Sal. Löwinsohn, die „Synagogalpoesie" von Zunz und die „Ehrensäule" von Dukes, ferner Wächter, Eichhorn; „Einleitung in die Medizin des Talmud" von Rabinowitz, und „Die Inden und der Antisemitismus" von Anatole Leroy-Beanlien 211, 24 C. Zum Schluffe wollen wir noch die merkwürdige Mitteilung anfügen, dag der berühmte Gelehrte Kordan in seinem Werke (äs sudtilitats lib. 16.) unter den zwölf scharfsinnigen Köpfen, die in der Welt lebten, zwei Juden aufzählte, nämlich Rabbi Abraham ben Chija, Erfinder der Algebra, und Rabbi Jacob ben Jfaac Alcondi, als den größten Astronomen. Zu diesen Scharfsinnigen gehören: Archmedes, Aristoteles, Euclides, Johannes, und Andere (S.. Vorlesungen über die neuere Geschichte der Juden von Salomo» Löwinsohn, 1. B., 100, Wien, 120. und Tendah- Bejsroel von I. B. Lewinsohn 29.) Berücksichtigt man hiebci die geringe Zahl des jüdischen Stammes im Verhältnis zur Zahl jener Culturvölker, welchen die anderen genannten Scharfsinnigen angehörten, und bedenkt iwm ferner, daß der jüdische Stamm während' seines fast vierthalbtausendjährigen Bestehens noch keine hundert Jahre ununterbrochen Ruhe zu feiner geistigen; und socialen Entwicklung genossen hatte, so kann man mit j Recht auf die unvergleichliche intellectuelle Begabung dieses - Stammes schließen, und zugleich, daß er nicht auf enlwürdi-! genden und sündhaften Plagialismus, geistige Erzeugnisse zu! stehlen angewiesen war und ist. Wir werden nun über den angeblichen Plagialismus des; Talmud sprechen, welcher darin bestehen soll, daß er viele erhabene Sittenlehren dem Neuen Testamente entnommen haben | soll. Im vorhinein bemerken wir, daß, selbst wenn die in! beiden Werken befindlichen Parallel-Sittenlehren ursprünglich! dem Neuen Testamente angehören würden, ja, selbst wenn die ganze erhabene Sittenlehre des Neuen Testamentes vom Talmud übernommen worden wäre, so bliebe im Talmud noch eine viel- , mal größere Anzahl von erhabenen Sittenlehren übrig, als i das ganze Neue Testament deren enthält. Dazu kommt noch! der Umstand, daß im letzteren die Sitteulehren viel öfter; wiederholt werden, als im Talmud. Seine zwölf dickleibigen z Folianten enthalten durchgehends erhabene Sittenlehren, und! zwar in Sittenlehren, in Erklärungen zu Bibelstellen, in Er-! zählungen, Agadot, Parabeln und Fabeln, und in seinen Rechts j und Zeremoniallehren, Halachot, die seinen überwiegendsten! Theil bilden. Hingegen fehlen im Neuen Testament fast ganz j viele Partien von Sittenlehren, worüber im Talmud genaue j Bestimmungen auf vielen hunderten von Seiten zu lesen sind.! So zum Beispiel über Pflichten zwischen Eltern und Kindern, j zwischen Eltern und Lehrern, zwischen Arbeitgeber und Arbeiti uehmer, über Almosengeben und Almosennehmen, über Bei Handlung der Dienstboten und Schonung der Haustiere. Ueber j letztere schrieb Friedrich Frischer in der „Allgemeinen Augsburger Zeitung" 1875. Nr. 360, folgendermaßen: In Betreff der Schonung der Thiere, daß die katholische Kirche diesem Punkte gar keine Aufmerksamkeit zuwandte, dies könnte man allerdings als Mangel in der christlichen Kirche an sich bezeichnen; daß sie, wie sie überhaupt zu wenig über die wirklichen bestimmten Menschenpflichten aufstellt, so auch auf diese Seite sich nicht einläßt. Die mosaiische Gesetzgebung stand hierin höher und hat bekanntlich herrliche Bestimmungen ^worin sie Erbarmen mit dem Vieh zur Religionspflicht macht. Bisher Frischer. Alle diese näheren Bestimmungen der Menschenpflichten finden sich nur im Talmud, ein sicherer Beweis für ihren erhabenen sittlichen Character. Bevor wir zur Widerlegung des Plagialismus des Talmud schreiten, halten wir es geeignet, eine vom Verfasser Buches „A Talmud“« „Der Talmud", von A. Huber Lipot, Professor der Theologie in Kolocsa ausgestellte Behauptung hier mitzuteileu dun zu widerlegen. In seinem genannten Buche S. 85—87 erklärt er sich — wie er schreibt — die Ursache der vielen Parallelstellen im Talmud und im Evangelium folgendermaßen: Jesus, obwol die verkörperte göttliche Weisheit, ließ sich dennoch herab, einige gute Lehren seiner Zeit den Pharisäern zu entnehmen und sie weiter zu lehren. Jedoch übernahm er diese Lehren in höherem Sinne und verkündete damit neue Lehren irr höherem Sinne. Er goß neuen Wein in alte Schläuche. Daher sind Talmudlehren im Neuen Testamente." Ferner sagt Huber idiä.: Es haben anderseits pharisäische Lehrer mehrere Lehren von Jesu sich angeeignet, diese in ihren Schulen vor ihren Schülern benützt, respective weiter gelehrt. Diese Schüler benützten sie wieder vor ihren Schülern; aber sie taten dies mit Verfchweignna des Namens des eigentlichen, verhaßten Autors Jesu, den sie, wenn sie es vermöchten, in das Meer der Vergessenheit begraben hätten. So haben sie durch mehrere Generationen diese Lehren anonym weitergelehrt, bis — nach Verwischung seines verhaßten Namens, man diese Lehren weil jede Lehre einen Autor haben muß, irgend einem Rabbi als sein Geistesproduct angeeignet hat". Im Sinne dieser Hypothese trieben also die damaligen Talmudlehrer durch mehrere Generationen professionsmäßig sündhaften Plagialismus, was gegen ihren religiös-sittltchen Character wäre. Wir werden aber die Unrichtigkeit dieser doppelten Hypothese nachzuweisen in der Lage sein. Von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart bewahrheiten sich die Worte des Talmud, daß selbst untereinander feindliche Völker Freundschaft schließen, um Israel zu vernichten. Das erste Beispiel hiefür lieferten Midjan und Moab, die strotz ihrer früheren Feindschaft dennoch Freundschaft schloßen, um Israel zu vernichten. (S. IV. M. 22. Balak und die Midraschim.) Dasselbe wiederholte sich oft, wie auch jetzt bei den Vertretern entgegengesetzter politischer und religiöser Parteien. Wir befassen uns hier nur mit der letzteren Partei, und so sehen wir in Dr. Rohling, Kanonikus in Prag, und Dr. Stöcker in Berlin, ehemaliger protestantischer Hofprediger, hervorragende Parteiführer der Antisemiten. Der evangelische Professor Friedrich Delitzsch stempelt^aus Grund seiff.ex..HMo^ thesen Moses zum Plagiator und der römisch-katholische Professor der Theologie in Kalocsa erklärt ebenfalls auf Grund von Hyvothesen die Talmudlehrer als Plagiatoren. Es ist merkwürdig, wie sonst ganz gescheite und wolunterrichtete Männer, sowie die Rede auf die Juden kommt, die traurigste Unwissenheit an den Tag legen und es ist eines der traurigsten Beispiele für die furchtbare Macht des blinden Borwurses. (S. Die Romantik des Martyriums bei den Juden im Mittelalter von I. Schleiden, 24.) Nun, wie die Hypothesen des Professor Delitzsch bereits wiederlegt wurden, ebenso hoffen wir die Behauptungen Professor Hnder's als ganz unrichrig nachzuweisen._(For tsetzung folgt.) Verschiedene tlachrichte». Hören. In sämmtlichen Tempeln der Wiener Cultusgemeind sowie in den Synagogen der Wiener Tempel- und Bethausvereine wurd? am zweiten Schewuothfesttage durch die Herren Rabbiner beim Maskir^ Gebete auch ein Gebet dem Andenken der Opfer von Kischinew gewidmet.* Sämmtliche Prediger brachten ihre Festesbetrachtungen mit den Gräueltaten in Kischinew in Verbindung und forderten die versammelte Gemeinde zu reichlichen Spenden für die armen Glaubensbrüder in Rußland auf. Men. (Israelitische Cu'.tusgemeinde Wien.) Spenden-Einlaus: Von Herrn Stephan Quittner K. 1000.— im Sinne des Vermächtnisses des sei. Herrn Max Quittner zur Verteilung an Arme am Tage seines Begräbnisses; von Herrn Benno Goldschmidt anläßlich der Vermählung seiner Tochter: für die israelitische Armenanstalt K. 50.—, für das israelitische Siechenhaus K. 50.—» für den Verein „Ferienheim* K. 30.—; von Herrn Baron Albrecht Schey für den israelitischen Waisenverein K. 20.—, für die unglücklichen Glaubensgenoffen in Kischinew K. 30. —; von der Cultusgemeinde Ronsperg K. 105.— für die unglücklichen Glaubensbrüder in Kischinew; von Anonymus durch Herrn Dr. Albert Kuh, für die armen geplünderten Juden in Kischinew K. 100.—; von Frau E. R. für den israelitischen Waisenverein K. 10.—, von Frau Emma Karpeles für die Jnsaffen der israelitischen Versorgungsanstalt 55 Flaschen Bordeaux-Wein; von Herrn Dr. Wilhel,» Pappenheim ein Krankenstuhl und ein Fauteuil für die israelitische Bersorgungsanstalt. Bethaus - Spenden: J,n Gemeinde-Bethause : I., Seitenstetten-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.