Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1903
- Issue
- Heft 22 (5.6.1903)
- Date
- 1903-06-05
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 6 ' Die Dah rhett. Nr. 22 leihen und die rasche Beseitigung jener barbarischen-Ansnähme-- gesetze nicht sowohl .im Interesse der Juden, sondern im Jntereffe Rußlands selbst zu fordern, .ganz abgesehen davon, daß die Humanität, das Christentum deren Abschaffung ge- : bieterisch fordern. Hatte der ehrwürdige Kardinal Manning etwa nicht ebenfalls Recht, wenn er die Worte.ausrief: „Wenn irgendein Volk, selbst im Herzen, Afrikas, so viel Leiden unterworfen . wäre wie die Juden. Rußlands, so wäre es unsere Pflicht, demgegenüber ejn^tchreiten; und wir sollten unsere Pflicht nicht erfüllen gegenüber einem so bedeutenden, io hervorrageitdeü " Stamme wie dem'jüdischen?" Möge auch noch das Wort des Bischofs von London hier Platz finden: „Aehnliche Greuel wie diese an den russischen Juden im Namen der Religion be- , gaugeuen, bilden einen Flecken für jede Religion, insbesondere. aber für das Christentum! Indem es die Juden verfolgt, vergißt das Christentum zugleich feinen Ursprung und seine Grundsätze, verrat, es das Wort Christi, der gesagt hat: „Liebet Euch untereinander!"" Soll der Bssgriff von der Solidarität aller menschheirlichen Jutereffen ein . leerer Wahn bleiben in einer Zeit,, die sich eines hochentwickelten sozialen Empfindens gegen alle Schwachen und Unterdrückten nicht ohne ein gewisses Recht rühmt? Wir wollen, wir mögen es nicht glauben. Regt sich die öffentliche Meinung in allen civilisiertcu Staaten, dann wird auch das russische Gewiffen erwachen und den Greueln Einhalt gebieten, die dort geschehen. Zammluug der „Israelitischen Ällimy zu Wien“ sür die Opfer des Massacres von Äschinew. Das Gesammtergebuiß hat bis heute einschließlich der avistrten Beiträge ca. 120.000 Kronen erreicht. Unter den außerhalb Wien veranstalteten und der „Israelitischen Allianz" zugesührten Sammlungett sind außer den bereits mitgetheilten folgende zu nennen: Prag durch Herrn Dr. Arn. Rosenbacher, weitere Sendungen K. 3354, K. 1179-90, K. 1039 und 1770 Krotten (Zusammen ca. 20.000 Kronen.) T r i'ie st zweite Sendung K. 3500 (Zusammen K. 7631.) Czernoürktz erste Sendung der Filiale der „Israel. Allianz" K. 2000, E s s e gg und Filialgemeinden K. 1319 (darunter vom Slav. 'allgem. Spar und Aushilfsverein. und von der „Union" Büttipfmühl Actiengesellschaft je K. 100, von Cultusvorstand, Dr, H. Spitzer, Jos. Kraus Söhne, Sorger, Weißmayer & Co, Ungenannter, I. N. Schulhof und Djakovare, Walzmühle A. G. je K. 50; von S. Köstenbaum, Otto .^Fellner und Franz Weiß je K. 25; von der Esseker Spargenossenschaft, Sal. Schwarz, Brüder Berger, Rnd. Ungar L Söhne, Bola Springer, Herrmarni & Weiß/ Ludwig Frankl, Jos. Frank, Sam. Berger, Dr. Wich. Winter, Jg. Flank je K. 20 und diverse kleinere Spenden, ferner: aus Valpo K. 33, aus Dolja K. 28, Cepin K. 38.) N a ch o d (durch den' Cultusvorstand gesammelt) K. 900, U n g. H r a d i s ch K. 621. Z u a'i m K. 610, N i k o l s b u r g K. 600, I g l a u 600, Eultusgemeiude K. 200, Chewra- Kadischa K. 200, Frauenverein und Tempelgesanqvereiu je 100 Kronen. Tplitz (M. Bloch's Söhne) K^ 400, S t a n i s l a n K. 360, Spalato (durch Viollela Goldstein und Giuletta Stock) K. 354.20, K ö n ig i n h o f K. 302, I u n g b u n z l a u K. 300, L u n d e n b u r g K. 276, St. Pölten und C a s l a u je K.' 240, Tachau K. 238.90, B i s ch o f t e i n i tz K. 208, Bise n z K. 200, H o h e n e m s K. 197, Deutjchbrod K. 192, Uit g. Br o d K. 174, T r i e s ch K. 174, T r e b it sch K. 183, S l ä l i n a' (Slavönien) K. 161, N c u t i t s ch e i n Jfc. 150, Be lovar K. 114. Mißdeutung einer biblischen Tertstelle. Die interessanten Ausführungen in der letzten Nummer dieses Blattes über „Die Correctheit der Bibel" veranlassen mich zu einer Bemerkung über die Behandlung — richtiger Mißhandlung — einer Stelle der heiligen Schrift, die gemeiniglich, .genau wie die Stelle pauked awaun. owaus in den Zehngeboten, eine Strafandrohnug enthält. Ich meine die unter. der: Benennung tauohochos bekannten Capitel der Sidra bechukaussai uub. Ki-sowau. Im Dunkdzeitaltec war es Silke, zu. diesen ^Abschnitten einen „armen Mann" oder den 8obaiu68 mit ,jmi schejirze“ zur Tora zu rufem Seit vielen Jahren schon ist/ sogar in orthodoxen, daß heißt den sogenannten unaufgeklärten Synagogen, die Sitte eingeführt, daß' der Rabbiner oder der Rosch-hakohol sich dazu anfrnfen läßt. In den Wiener Gemeindetempeln scheint man von dieser „Neuerung" noch keine Kenntnis zu haben; da müssen sich jene 8idras noch eine Degradirung gefallen lassen. Aber man bleibt nicht dabei stehen, einen „armen Mann" aüfzurnfen, man macht ihm auch noch, um die Sache recht ausfallend zu ge-- stalten, einen „eigens für diesen Zweck componirten" Nisobeboraob, worin Gott gebeten wird, ihm —- dein Ausgerufenett — von den angedrohten Strafen und Leiden zu verschonen. Kann es wohl eine ärgere Blasphemie geben? Richten sich denn nicht die Strafandrohungen an die Gesammtheit Israels? Und gibt es denn wohl eine stärkere Drohung, als gerade die im zweiten Zehngebot ausgesprochene? Oder ist denn nicht jeder Gesetzeseodex mit Strafandrohungen gefüllt? Gibt es einen solchen überhaupt ohne sie? Seit Mannheimer und Jellinek gehört Wien zu den „aufgeklärten" Cultusgemeinden — so sagt man wenigstens. Das oben geschilderte Vorkommnis läßt in der Tat das Gegenteil vermuten. „Erkläre mir, Gra s Oerindur.." Ein aufgeklärter Orthodoxer. Professor Dr. Morh ffujutm Ans Meran geht uns nachfolgendes Condolenzschreiben zu, welches kaiserlicher Rat Heinrich Klinger, als Präsident der Wiener Cultusgemeinde, am Todestage des Professors Lazarus an dessen Witlwe, Frau Nadina Ruth Lazarus gerichtet hat: H o ch g e e h r t e g n ä d i g e F r a u! In allen gebildeten Kreisen wird das Hinscheiden Ihres teuren Gatten, des großen Denkers und Gelehrten, aufs schmerzlichste empfunden werden. Aber niemand hat so sehr ein Recht, mit Ihnen, hochgeehrte Frau, die Todtenklage anznstimmen, als das Judentum, dessen großer Apologet der Verewigte war, wiewol er grundsätzlich eine Apologie des Judentums nie niederschrieb. Er hat die sittlichen Lehren des Jndentnms in ihrer Hoheit und Würde der Welt verkündet, ihren Einfluß erhöht, das Reich der Ethik gemehrt, vertieft uild veredelt. Mit dem Scharfsinn und Tiesblick seines Geistes, mit der Zartheit und Energie des Gefühles, mit seinert innigen hingehenden Liebe zu seinem Volke erfaßte er alles Gute, erbaute er eine geistige, ideale und sittliche Welt. So wurde er eine Quelle der Belehrung, ein Vorbild unseres Lebens, ein Apologet des Judentums. Darum beklagen wir mit Ihnen seinen Verlust, darum trauern wir mit Ihnen an seinem Grabe. Möge Sie, hochgeehrte Frau, der Gedanke aufrichten und erheben, daß der Verewigte die Sonnenhöhe des Lebens erreicht hakte, daß sein Streben sich segensreich bewährt hat und segensreich sortwirken wird bis in die spätesten Zeiten. Wien, 14. April 1903. Mit vorzüglicher Hochachtung Dr. Lieben, H. K l inger, Secretär. Präsident. Die Juden und der Talmud. XIX.' In mehreren Nummern der „Wahrheit" haben wir die Originalität her jüdischen Religion, ferner die bedeutenden Kunsileistungen der Indenaus Bibel Talmnd und anderen historischen Schriften genügend nachgewiesen. Ebenso kann man ihre originellen Leistungen auf dem Gebiete der Poesie, der Musik, der Medizin und Astronomie,,aus der Bibel, aus dem Talmud, wie auch aus ihren späteren littet arischen