Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1903
- Issue
- Heft 22 (5.6.1903)
- Date
- 1903-06-05
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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NN 22; Die WahrheLk Seite vfo- Washington 1802t) Also schon vor elf Jahren ist dieser amtliche ^Bericht erschienen, :aber leider hat er-bisher die gebührende öffentliche ' Beachtung - nicht gesunden. Es gehört das eben auchzu den Merkmalen dieser Leidensgeschichte der russischen Juden! Doch mag man sich im Namen der Humanität jetzt der Hoffnung hingeben, daß sich des nunmeh? ändern werde. Gerade zur rechten Zeit erscheint eine auf die obige unantastbare Quelle und auf noch anderer ebenso einwanderfreie Dokumente gegründete Schrift des Brusseller Universitütsprofessors Leo Errera „Les,Juifs Kusses", auf die,.wie gesagt, bereits unsere Leser »o eindringlich als nur möglich h'ngewiefen worden find. Unser greiser Theodor Mommsen, dessen weit über alle Lande hin schallende Stimme überall'-vernommen wird, wo es gilt, die Sache der Gerechtigkeit zu verteidigen, hat der Schrift ein Geleitwort mit auf den Weg-in die Oeffeutlichkeit gegeben. Es heißt darin unter anderem: „Es bleibt zu wünschen, daß die Staatsmänner eines großen Reiches und ein Herrscher, der das Schiedsrichteramt Europas übernommen, nicht für immer der Verblendung eines wiederauferweckten Torquemada unterliegen." Die beiden amerikanische» Regierungkommissare haben ihr an und für sich sehr schwieriges Amt mit einer Hingebung ausgeführt, die wahrlich die höchste Anerkennung verdient. Sie haben der Sache der Menschlichkeit einen nicht hoch genug zu veranschlagenden Dienste geleistet. Sie haben Licht verbreitet über Zustände, die man nicht für möglich gehalten hätte. Sie haben für die einzelnen Greueltaten der russische» Verwaltung die unumstößlichen Beweise erbracht. Die Herren Weber und Kempster haben für die fuchtbare Tatsache, daß die russischen Juden die schütz- und rechtlosen Sklaven der dortigen Polizeiorgane sind, die geschichtlichen Quellenzeugnisse vorgefürht und dadurch das ihrige beigetragen, um das öffentliche Gewissen der gesammten civilisierten Welt, das leider in diesem Betrachte nur zu lang schon geschlummert, endlich wieder aufzurütteln. Um es mit einem Satze zu sagen: Die ganze russische Gesetzgebung der letzten zwei Jahrzehnte, soweit' sie sich auf die im Zarenreiche lebenden Juden erstreckt, hat keinen anderen Zweck, als diese unglücklichen vier Millionen Menschen systematisch, langsam aber sicher, zu vernichten. Dazu ist die Bestimmung, die Jude»', nicht bloß .auf ein bestimmtes Territorium zusammenzudrängen, sondern sie auch innerhalb dieses Niederlassungsgebietes lediglich aus die Städte anzuweisen, ein vortressiich ausgesonnenes Verwaltungsmittel. Aus diese Weise sind in Städten des sogenannten „Territoriums" wahrhaft ungeheuerliche Massen von größtenteils beschäftigungslosen Juden zusammengepfercht worden, die einander den Raum zum Leben in des Wortes verwegenstem Sinne streitig machen müssen. Ans diese Weise sind in Rußland Städte mit 30, 40, 50 Prozent, ja mit 70 und 100 Prozellt jüdischer Einwohnerschaften entstanden. Dort Hausen sie in einzelnen Quartieren auseinander gepreßt, dort verkommen sie in Elend, Schmutz, Krankheit. Und trotz der den russischen Juden meistens anerzogenen Nüchternheit und der im Verhältnis zum Russen aus den ärmeren Klassen ihnen gleichfalls anerzogenen sorgfältigeren Körperpflege herrscht unter ihnen eine größere Sterblichkeit als in anderen, gleichen sozialen Bedingungen unterworfenen, Volksklassen. Die Bilder, welche die beiden nordamerikanischen Negierungskommissare in ihrem Berichte von dem furchtbaren Elende dieser beklagenswerten Menschen entworfen haben, die solchen namenlosen Martyri m ausgesetzt bleiben, lediglich, weil ,fie Juden sind, und weil sie nicht zur orthodoxen Kirche sihMretM wollen, sind so erschütternd, daß auch das durch Parteihaß verhärtetste Gemüt von ihnen auf das Tiefste ergriffen werden MUß. Aber an diesen blutlosen Vernichtungsmitteln sozusagen war es der russischen Verwaltung noch lauge nicht genug. Aus der Regieruugszeit Nikolaus I. gab es noch Bestimmungen, die geeignet waren, unter Umstärrden den Juden bessere Existenzbedingungen zu schaWn. So war tüchtigen Handwerkern, ausgedienten Soldaten, akademisch gebildeten Juden ferner Hebammen der freie Ausruthalt im ganzen Reiche gestattet. Allein für die in kalter Bosheit ihre Bestimmungen ausklügelnde und anslegende russische Verwaltung war es «in Leichtes, mit diesen bestehenden 'besetzen fertig zu werden, um derrarmorr Inden das bischen Leben unmöglich zn machen. Man brgamr zu interpretieren. Was soll man unter einem „tüchtigen,» einem „geschickten" Handwerker verstehen? Damit war 'dev Verwaltungswillkür Tür und Tor geöffnet. Ferner mußte er „ununterbrochen" Beschäftigung haben. Die genElteir Kommissare haben eidlich nachgewiesen, daß Polizeibeamte zu jüdischen Handwerkern kamen, als diese ihre Arbeiten den Kanu ablieferten. Sie fanden also den jüdischen Handwerker ohne Beschäftigung, m:d so war er tonn für die Ausweisung im Sinne des Gesetzes reif. Auch Wohnungswechsel ist in dieser scharfsinnigen Weise gedeutet worden, um jüdische Hairdwetker heimatlos zu machen. Solche Fälle sind zu tausenden vorgekommen. Es wäre unglaublich, wenn die eilkwaudsfveien Zeugnisse der Herren Weber und Kempster nicht Vorlagen. Natürlich war nicht jeder russische Beamte von Stein. Er ließ sich durch die klingenden Rubel erweichen. So wurde'der jüdische Handwerker für den russischen Polizeibeamten geradezu eine fast nie versiegende Einnahmequelle. Auch hierfür haben die amrikanischen Regierungskommissare Statistiken zusammengestellt, die eine ungemein beredete Sprache reden! Um der Vergünstignngen quitt zu werben, welche alte* demische Bildung urd akademische Grade den russischen JWs» kraft der uikolaitifchen Gesetze gewährten, dazu bÄmrste es M die Verwaltung lediglich der Bestimmung, daß nur ein beftmsttkep Prozentsatz jüdischer junge Leute zu den Gymansien, Universitäten, Polytechniken zugelassen werden dürfte. Oder man sperrte einfach jüdische Schulen unter dem Borgeben, daß ja in genügender Zahl vorhanden seien; nur daß man jüdischen Schülern den Zugang zu ihnen verwehrte. Jene nikolaitische Bestimmung aber, der zufolge ehemaligen jüdischen Soldaten der freie Aufenthalt im Reiche erlaubt sem ' solle, hob man in dem Momente aus, da mau die allgemeine Wehrpflicht einführte! Jüdische Soldaten, mit der Tapferkeitsmedaille ans dem Krimkriege geschmückt, Invaliden, suib erbarmungslos aus Städten wie Liebau, Mita» allsgewiesen worden. Auch dafür sind die amtliche Belege durch jene Amerikaner erbracht worden. Dabei muß in Betracht gezogen werden, daß nach den veröffentlichten russischen MilitärftatjMsu die jählichen Aushebungen der jüdischen Rekruten eine grqßere Prozentzieffer ergaben als bei der uichtjüdischen Bevölkerung.1 Wenn man diese einwandfreien, durchaus objektiven Darstellungen in dem mehrfach genannten, dem nardamerikamschen Parlamente erstatteten Bericht liest, dann will es einem MrmlÄH unbegreiflich erscheinen, wie diese zermarterten Menschen Mer- Haupt noch ihr nacktes Dasein zu fristen im stände waren* Die' / Geschichte der Austreibung der Juden aus Moskau, aus Kiew,: aus Jalta gehört mit zu dem Furchtbarsten, was in der Leidensgeschichte nicht etwa llur der Juden, nein der gesamten" Menschheit vorgekommen sein dürfte. Man hat schwache Greise,/ zarteste Kinder, schwangere Frauen, Kranke in die Unbilden des russischen Winters erbarmungslos hinausgeftößen. Man hat kranken Greisen, die dem Erblinden nahe waren, dieArif-v nähme in ein Krankenhaus verweigert, weil sie Juden wavou. Diese Untaten sind ebenfalls durch die Aussage» der Herren Weber und Kempster bezeugt. Den größten Teil der Schuld an diesen zum Himmel schreienden Verbrechern, die seit säst einem Bierteljährhuowsrt an unschuldigen, armen, gequälten Menschen begangen .werden, trägt der sogenannte heilige Synod und sein Leiter, der kälte^ blutleere Fanatiker Pobjedonoszew. Dieser ans.deutschen Hachschule» gebildete Russe von hoher Jutelligeuz, ein Hegeämrer überdies, hat sich de» wenig beneidenswerten Ruhm erivouben» den Henkersknechten der spanischen Inquisition zngezählt werden zu müssen. Den Peter Arbuez. den Torquemada, dön'Gsanvella reiht sich völlig ebenbürtig dieser Russe Pobjedonoszew an. Einsichtsvolle Russen, so unter arureren der Fürst Demidow San Donato. haben sich auch nicht gescheut, ihrer lleberzenguug in Wort und Schrift einen mutigen, edlen Ausdruck zu ym-