Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1903
- Issue
- Heft 21 (29.5.1903)
- Date
- 1903-05-29
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 21 Seite A. Die Wahrheit Judentum und Christentum. &on Dr. A. Ackermann, Rabbiner in Brandenburg a. H. Leipzig, M. W. Kaufmann. 31 Seiten. Eine vortreffliche Arbeit, wohl geeignet, „nach innen zu belehren, nach außen abzuwehren." Jeder gebildete Jude sollte den Inhalt dieser Broschüre in sich äufnehmeN, um gegen den eigenen Wankelmut, sowie gegen den Uebermut der Gegner gehörig gerüstet zu sein. Oie Einheitslehre (Monismus) als Religion. Von Dr. I. Ad. Bulova. Ein Versuch, die Menschheit, vor allem aber die Juden, zur Religion — Häckels zu bekehren! Ein sonderbarer und, wir dürfen wohl sagen, ein vergeblicher Versuch. Es war verlorene Liebesmüh'! Die Leichenverbrennung vom Standpunkt des Judentums Ein Vortrag von Dr. Jsak Unna, Rabbiner in Mannheim. Nebst einem Anhang: Kritik des Wiener'schen Gutachtensttber die Feuerbestattung. Franksurt a. M. I.' Kauffmann. Eine von gründlicher Sachkenntnis dictirte Zurückweisung der Feuerbestattung. Dr. Kahan, Znaim. Verschiedene Nachrichten. Wien. (Der erste weibliche Demonstrator — eine Jüdin.) Der Vorstand des neurologischen Instituts der Wiener Universität, Herr Pros. Dr. Heinrich Obersteiner, hat das Fräulein «and. med. Elsa Friedland zur Demonstratrix an seinem Institute ernannt. Diese Ernennung, die bisher noch keiner Frau zuteil geworden ist, bildet einerseits ein Ereignis von beachtenswerter Bedeutung für das Frauenstudium und andererseits zeigt sie auch, mit welchem Ernste unsere glaubensgenössischen Studentinen ihrem Berufe obliegen. Ein Demonstrator ist dazu berufen, neben dem Vorstand und Assistenten den Besuchern des Instituts das Praktische der Disziplin zu erlären. Der Demonstrator gehört zwar dem Lehrkörper der Universität nicht an, übt aber doch eine Lehrtätigkeit aus, da er die Ausgabe hat, den praktisch ungeübten Studenten die ersten Anleitungen zur praktischen Betätigung zu geben. Für diese Lehrtätigkeit wird er von dem Abteilungsvorstund honoriert, dem auch das Recht der Ernennung zusteht. Diese Ernennung muß vom Unterrichtsministerium bestätigt werden, woraus der Demonstrator das Dekret von den Statthalterei erhält. Die Ernennung des Fräulein eand. med. Elsa Friedland hat überall Aufsehen und in jenen Kreisen, die für das Frauenstudium eintreten, lebhafte Genugtuung hervorgerusen. Die erste Demonstratrix, Fräulein Elsa Friedland, ist eine junge, hübsche Dame von 22 Jahren. Sie wurde in Wien geboren, besuchte die gymnasiale Mädchenschule des Vereines für erweiterte Frauenbildung, legte im Sommer 1899 am akademischen Gymnasium die Maturitätsprüfung ab und ließ sich dann als Hörerin der Medizin an der Universität inskribiren. Bereits nach Ablauf von fünf Semestern meldete sich Fräulein Elsa Friedland zum Rigorosum, das sie mit allgemeiner Auszeichnung bestand. Gegenwärtig befindet sie sich im vierten Jahre ihrer medizinischen Studien. Ihre Ernennung zur Demonstratrix wurde kürzlich vom Ministerium bestätigt. Wie». Montag, den 25. d. M. fand unter großer Betheiligung das Leichenbegängnis der Frau Camilla Gerson, Mutter des türk. Großhändlers, Herrn A. Gerson statt. Die Verblichene erreichte ein hohes Alter und war gegen ihre Frömmigkeit und Herzensgüte in der ganzen Gemeinde sehr geschätzt. Beim Leichenbegängniffe fungirten Rabbiner Papo und Obercantor Bauer. n'n'S'rn Wien Der Kranken-Unterstützungsverein „Treue Herzen" hielt vor kurzem seine Monatsversammlung unter Anwesenheit zahlreicher Mitglieder im Restaurant Breuer ab. Der Obmann, Herr Jacob Blumengarten, erstattete den Bericht über die Resultate d:r jüngsten Wolthätigkeits-Actionen, zugleich den Spendern den innigsten Dank aussprechend. Es wäre zu wünschen, daß in dieser schweren Zeit das Interesse für diesen Humanitären Verein nicht erkalte. — n. Wie». Herr Rabbiner Dr. M. Bauer aus. Gaya wurde von dem Vorstand des Tempelvereines Josefstadt in der Sitzung vom 27. d. M. mit großer Majorität zum Vereinsprediger des neuen Tempels ernannt. Wien. Am 27. Mai iand in der Schiffsynagoge die Trauung des Fräulein Louise Kunststadt, Tochter des langjährigen Functionärs dieser Synagoge, Herrn Hermann Kunststadt, mit Herrn Dezsö Spitzer statt. Den Trauungsakt vollzogen Rabbiner Fürst und Obercantor Wittmann. Wien. Letzten Sonntag fand im Brigittenauer Tempel die Eon» firmation von 28 Mädchen in solennster Weise statt. Der Gesammt- Vorstand und viele Gäste aus anderen Bezirken waren anwesend. Herr Rabbiner Dr. Abeles hielt eine schwungvolle Predigt, in welcher, er ankn ipfendf an das Wort des Wochenabschnittes: »Jeder zu seiner^ Fahne" die Mütter und Töchter Israels zum treuen Festhalten an der Lehre des Judenthums ermahnte. Die Fragen wurden präcis und feierlich von den Confirmandinen beantwortet. Der Gottesdienst, 'deffen gesanglichen. Theil Obercantor Oesterreicher mit dem Chore versah, machte den besten Eindruck aus Jung und Alt. — n. Wien. Fräulein Grete Winter, Tochter des Herrn Leopold Winter, hat sich mit Herrn Alfred Löw, Maschineningenieur, Sohn des Herrn Albert Löw in Budapest, verlobt. Wie«. Sonntag, den 7. Juni 4 Uhr Nachmittag findet im Tempel XVI, Hubergaffe 3 die Trauung des Fräulein Lisa Smotrizky, Tochter des Cantors im XVI. Bz. Herrn I. Smotrizky, mit Herrn Bernhard Jlmer statt. Wie«. (Probevorträge im Tempel Josefstadt, VIII. Bez.) Herr Cantor Josef Reiner fungirt Freitag den 29. d. M. Abends J 48 Uhr und Samstag 8 Uhr Früh. Herr Leon Edelmann, bisher Obercantor im XX. Bez., Erew Schewuot Abends halb 8 Uhr und am I. Tage Schewuofc Früh 8 Uhr. Herr Cantor S. Quartiu am II. Tag Zodsvuot. Wien. Herr kaiserlicher Rat Johann Lichtenstadt, eine in den Wiener 8 Gesellschaftskreisen vielbrliebte Persönlichkeit, ist von einem schmerzlichen Verluste betroffen worden. In Kaltenleutgebeu ist am 26. d. M. seine Tochter Elsa in blühendem Alter einem tückischen Leiden erlegen. Fräulein Elsa Lichtenstadt, mit reiche» Vorzügen des Herzens und des Geistes ausgestattet, war eine begeisterte Verehrerin der Kunst. In den letzten Jahren besuchte sie die Schauspielschule Otto und erregte bei den Schülervorstellungen durch ihre talentvollen Leistungen berechtigtes Aufsehen. Von einem schweren Leiden, das sie schon vor längerer Zeit befallen hatte, suchte sie in Kaltenleutgebeu Genesung, doch verschlimmerte sich in den letzten Tagen ihr Zustand in bedrohlicher Weife, bis Dienstag abends der Tod sie erlöste. Das tiefste Mitgefühl wendet sich den schwer geprüften Eltern zu. Das Leichenbegängnis fand Donnerstag 3 Uhr nachmittags unter zahlreicher Theilnahme am Centralfriedhofe in Wien statt. Leipa. In der letzen ^Vorstandssitzung der hief. israel. Cultusgemeinde wurde Dr. Johann Krengel aus Salzburg zum Rabbiner gewählt. Arag. Der Prager jüdisch-nationale Studentenverein „Bar»Kochba" veranstaltete am 14. d. M. im „Hotel Bristol" einen Vortragsabend, der sehr gut besucht war. Herr Martin Buber aus Wien sprach über „Jüdische Renaissance" und erntete mit seinen gelungenen Ausführungen lebhaften Beifall. Wrag. Sonntag, am 17. d. M., veranstaltete der hiesige jüdische Volksverein im „Hotel Central" eine Volksversammlung. Herr Präsident Dr. M. Kohn sprach über die entsetzlichen Vorfälle in Kischinew. Die zahlreiche Zuhörerschaft lauschte mit lebhaftester Anteilnahme dem Vortrage, den Herr Dr. Feller in czechischer Sprache ergänzte. Bei dieser Gelegenheit wurde eine Sammlung für die unglücklichen Opfer eingeleitet. — Auch die hiesige Cultusrepräsentanz läßt Aufrufe um Geldspenden für die Verunglückten ergehen. Warienöad. Die hiesige Cultusgemeinde hat Herr» I. Rabinowitsch (Schüler des Ober-Cantor Bauer-Wien) bisher in Aspern bei Wien, als II. Cantor gewählt. Wozsega. Herr Rudolf Hochmann, bisher Obercantor in O-Kanizsa, wurde nach einem mit allgemeinem Beifall aufgenommenen Probevortrag als Obercantor der hiesigen Gemeinde gewählt. Wullovar Vergangenen Freita feierte Herr Kalman Bader das Brith-Milahfest seines Erstgeborenen, wobei der Schwager des Bal-Brith, unser allverehter Präses, Herr Victor Baum, die Gevatterstelle versah. Zu dem Feste waren sämmtliche Gemeindemitglieder geladen, und der Gevatter gedachte aus diesem Anlasse durch namhafte Spenden der Unglücklichen in Kischinew sowie der hiesigen Ortsarmen. Herr Rabbiner 'Dr. I. Diamant sprach einen sehr geistreichen, überaus beifällig ausgenommenen Toast. Irtorenz. (König V ictor Emanuel und der Rabbiner von Florenz). Anläßlich der Anwesenheit des italienischen Kvnigspaares in Florenz wurde der hiesige Rabbiner Dr. S. .H. Margulies, Ritter des Ordens von San Maurizio e Lazzaro, vom König in halbstündiger Audienz empfangen. Der Rabbiner, als Präsident des hiesigen Rabbinercollegs, übergab dem König ein gedrucktes Memorandum über die Fortschritte und über das Wirken des Collegs. Der König unterhielt sich mit ihm über die Literatur des Judentums in der alten und neuesten Zeit, erzählte mit Vergnügen von seinen wiederholten Reisen nach Palästina und besprach mit dem Rabbiner die Lage der Juden in den verschiedenen Ländern, indem er hervorhob, daß er mit Vergnügen konstantire, daß die Lage der Juden in'. Italien eine bedeutend beffere sei als in allen andern Ländern, und daß es sein innigster Wunsch sei, daß dem immer so bleibe. sDer König entließ den Rabbiner» indem er ihm seine Zufriedenheit über deffen Wirken aussprach.