Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1903
- Issue
- Heft 21 (29.5.1903)
- Date
- 1903-05-29
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Wahrheit. Seite b Nr. 21. Zch habe mir die Mühe genommen, an der Hand genannter Concordancen sämmtliche Stellen der Bibel, wo das Wort „Väter-ovauo" als solches und in seinen Ableitungen vorkommt, zu vergleichen, und kam zu folgendem merkwürdigem Resultate: Ueberall, wo die Bedeutung des genannten Wortes Väter oder Häupter, resp. Fürsten der Stämme ist, wird owauo ui i t einem "Waw, also mole geschrieben, hingegen da, wo es ^Stamm" bedeutet, eiiokser, also ohne "Waw. Wenn wir nun wissen, daß das Pessachopfer nur von einem solchen Juden dargebracht und verzehrt werden durfte, der sich noch zum jüdischen Stamme bekannte; wenn wir aus der Bibel erfahren, daß der Nachhar mit seinem ärmeren Bruder das Pessachopfer teilen mußte — wie wol der wahre Sinn von „jimat-habajis“ seilt dürfte — dann müssen wir auch sagen, daß der größte Volkslehrer und Volksführer aller Zeiten, der Moses doch unbestritten war, mit seiner ersten Strafandrobung an ein noch schuldloses Volk nur das hat sagen wollen, daß nicht die Schuld der Väter, sondern ein S t a m m übel dasjenige sei, das ein Volk dem Verderben entgegenführe, an seinem Lebensmark zehre. Wol könne dem Nebel entgegengearbeitet werden, und wer sich' daran beteilige, dessen werde noch. in den spätesten Zeiten rühmend gedacht. Welches Stammübel Moses im Auge hatte, das zu finden, braucht man ja sich nur den zweiten Vers unserer Toravorlefung vor Augen zu halten: Refidim, die Uneinigkeit, das 2laob1auKa8 des jüdischen Volkes. Oder wollte Jemand behaupten, daß dieses Krebsübel nicht mehr vorhanden sei? Ist es notwendig, sein Vorhandensein zu beweisen. Sehen wir es nicht, wohin wir unsere Blicke richten? Was ich bis dahin zu bemerken mir verstattete, bezog sich auf die mas soretische Correctheit der Bibel. Ich möchte mit einer „Manischtana“ schließen, die sich auf ein geschichtliches Factum bezieht, und die zu lösen, Sache der jüdischen und nichtjüdischen Bibelexegesen sein muß. Im „Bibel- und Babel"-Streite wird die Behauptung ausgestellt, daß der Monotheismus kein jüdisches Original sei, sondern schon aus vormosaischer, ja sogar schon aus vorabrahamitischer Zeit stamme. Dieses werde aus den ausgefundenen Tontaseln erwiesen. Sollte nun nicht vielleicht doch in der Bibel ein Indizium dafür vorhanden sein? Eine andere, bis heute noch nicht aufgeklärte Stelle des .Pentateuchs im 1. B. M. 4. 26, lautet: Damals begann man zn rufen im Namen des Ewigen, das heißt des mit dem Namen eines ewig seienden Wesens benannten Höchsten. Und da ist nun Folgendes zu coustatiren: Während nämlich in den ersten drei Eapiteln des Pentateuchs stets das Tetragramm in Verbindung mit dem Worte elobirn vorkommt, finden wir im 4. Capitel (die Erzählung von Kain und Abel) ausschließlich den vierbuchstabigen Gottesnamen mit den erklärenden Schlußworten 08 hucbal. Dieses Factum bildet auch, wie man weiß, einen Hauptpunkt iu dem Streite zwischen „Elohisten und Jahwisten". Sollte nun hier — so frage ich — vielleicht die geschichtliche Correctheit, oder besser Wahrheitsliebe der Bibel einen neuen Triumph feiern, indem sie schon vor 4000 Jahren geoffenbart hat, was jetzt erst Wiede rentdeckt wurde? H. B—r. Die Juden mb der Talmud. XVIII. Im Jahre 1902 wurde die kunstvoll angelegte Wasserleitung wieder eröffnet, welche König Salomo vor circa 2800 Jahren zur Versorgung von Jerusalem erbaut hatte. (S. Abred. Sal. II. 4—5.) Der römische Geschichtsschreiber Tacitus spricht von Jerusalem als der nie versagenden Wasserquelle und von den zu Cysternen ausgehöhlten Bergen. Von -er kunstvollen Wasserleitung des Königs Chiskiah, II. 18. 17. XX. 20, findet man noch jetzt Ueberreste, ebenso kunstvolle Höhlungen und kunstvolle Grabmäler der Könige' Schon während der Syrer-Kriege (180 v.) verbargen sich viele in Höhlen, um ihre Religion üben zu können. Mehrere Jahre vor dem Aufstande gegen Hadrian (130 n.) haben die Juden in Höhlen viele Waffen angesammelt; ein Beweis, daß sie auch unterirdische Waffenschmied-Werkstätten hatten. Daß sie Bergwerk trieben, ist schon daraus mit Gewißheit zu schließen, daß sie Metalle zur Anfertigung der Ackergeräthe und Kriegswaffen (12. K.) für ihre fast durch 500 Jahre, (nämlich vom Einzüge nach Kanaan bis zum babylonischen Exil) mit geringer Unterbrechung. geführten Kriege hatten. Ferner wird ja berichtet, daß Salomo achtzigtausend Bergbauer hatte, und daß Nebuchadnezar tausend Kunstschmiede und Schlosser ins Exil führte (I. Kön. V. 29—31 und II. K. 24, 16.) Ueberdieß wird dies in nachfolgender Stelle gelehrt Tan (Jude) und Javan (Griechen) lieferten bereitetes Eisen nach Ty'rus. (Ezech. 27. 19.) Sie werden gewiß nicht rohes Eisen aus dem Anslande gebracht und es im Lande verarbeitet und nach Tyrus geliefert haben, da Palästina daran reich war. „Ein Land, dessen Steine Eisen und aus dessen Bergen du Kupfer hauen wirst. Eisen und Kupfer werden deine Riegel sein." (V. M. XHI. 9. 38. 25.) Die Excavation der Juden in Palästina, so auch der Bergbau waren demnach ihre origielle Erfindung. Denn in Egypten konnten sie es selbstverständlich nicht lernen, weil es dort keine Bergwerke gab und weil sie mit Ziegelsteinbereitung beschäftigt waren. Und die Kauaniter andererseits wollten sie gewiß in diesen Künsten nicht unterweisen, damit sie sich nicht Kriegswaffen gegen sie aiifertigen können. Die Philister thaten übrigens ihr Möglichstes, damit die Juden keine Waffen haben sollten. (I. S. 13. 19-22.) Die Juden in Palästina entdeckten die „Purpur-Muschel" und verfertigten aus dem im Bache Belus, im Gebiete des Stammes Sebulun befindlichen feinen Sande Spiegelglas, was auch Michaelis zugesteht. Dies bedeutete der Segen Moses. „Freue dich Sebulum, bei ^deinem Auszuge und Jisaschar in deinen Zelten. Völker rufen sie auf den Berg, dort opfern sie Opfer der Gerechtigkeit; denn den Ueberstuß der Meere saugen sie und das Verdeckte, Verborgene im Sande." (V. M. 33. 18—20, Talmud Sabb. 17.) Nur weil sie diese ihre Fabrikate ihren Nachbarn, den Phöniziern und Tyrern, die schon in den ältesten Zeiten Seehandel trieben, verkauften, welch letztere sie dann auf dem die Westgrenze von Palästina bildenden mittelländischen Meere in weile Entfernung führten, deshalb werden gedachte Erfindungen nebst Fabrikation allgemein den Phöniziern und Tyrern zugeschrieben. Dahin sind zu erklären die Worte Jakobs: „Sebulun wird am Ufer der Meere wohnen, er wird am Hafen wohnen und seine Seite reicht bis Sidou." (I. M. 49. 13. Talm. Megil. 6, Sabb. 26., Josefus Altertum. 11. 9. und Plinius, 36. 28.) Der Genesaretsee und der Hafen Acco waren im Gebiete Sebuluns. Acco wurde von den Kreuzzüglern nach der in der Stadt erbauten Kirche des St. Johannes St. Jean d' Acre genannt. Beim Bau des Salomonischen Tempels wurden auch Glasscheiben nach gegenwärtiger Zurichtung .angebracht. (I. Kön. 6, 4. und Abarb. Commentar zur St. der Juden.). (Fortsetzung folgt.) .Ixt Litteratur. Gibeath Saul von S. Hornstein. Aus dem Hebräischen übersetzt von R. Hornstein, Wien, XL., Wallensteinstraße 56. ■ Eine ausführliche, mit zahlreichen Abbildungen geschmückte Beschreibung des heiligen Landes wird sehr vielen äußerst willkommen sein. Zahlreiche Empfehlungen, darunter von den Herrn.Dr. Ad, S.ch mie dl und BauräthSt iaß ny sind dem gefällig ausgestatteten Werke, bei» gedruckt. - Und spsei diese interessante, Arbeit jedem Freunde des heiligen Landes aufs Beste empsohlen^ v -