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Die Wahrheit · 1903-05-15 · Heft 19 (15.5.1903) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1903
Issue
Heft 19 (15.5.1903)
Date
1903-05-15
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 Die Wahrheit. Nr. 19. Hildesheimer, Beisitzer die Herren Aron Hirsch, Saling Letvin, G. Rosenberg, D. Struck, N. Wolfsohn. Wir können unseren Bericht nicht besser schließen, als indem wir denselben Apell an unsere Glaubensgenossen wiederholen, mit dem der 1. Jahresbericht schließt: * Wir richten au alle Freunde der Anstalt die herzlichste und dringendste Bitte, uns zu Helsen, daß wir durch Anschluß neuer Mitglieder immer mehr gekräftigt tverden, uni unseren leidenden Mitbrüdern Hilfe bringen zu können. Wir glauben, durch unsere Tätigkeit und unsere Erfolge den Beweis erbracht zu haben, daß die Errichtung unseres Krankenheims eine Notwendigkeit war, sowie daß es lebensfähig ist. Wenn ein junges Institut mit berechtigtem Stolze auf eine solche Entwickelung Hinweisen darf, so darf es sich schon um dessentwillen an die breite Oeffentlichkeit mit der Bitte um tatkräftige Teilnahme wenden. Aber wir' wissen auch, daß Niemand vergebens an das jüdische Herz pocht, um es zur Mithilfe anzurufen zu Werken der Wohltätigkeit, daß niemals umsonst an einen Bekenner unseres Glaubens die Mahnung ergeht, die Hand zu öffnen und zu spenden, ein jeder nach seinem Können, dorthin, wo Kranke geheilt, Gebeugte aufgerichtet und Genesende gepflegt werden. Deshalb senden wir diesen Bericht hinaus, daß er sich Zugang suche zu allen mildtätigen Herzen, daß er ihnen ein Mahnruf sei: „Helset, spendet, heilet!" Nicht unseres Dankes versichern wir sie: — das Dankgebet Kranker, der Segensgruß Genesener wird ihnen „Lohn sein, der reichlich lohnet". Verschiedene Nachrichten. Wie«. (Chewra-Kadischa.) Sonntag, den 17. Mai 10 Uhr vormittags findet im großen Saale des Hotel „Continental" II., Praterstraße? (Eingang Taborstraße) eine außerordentliche General-Versammlung der Chewra-Kadischa statt. Tagesordnung : 1. Mitteilung der geänderten Statuten, 2. Wahl von 3 Vorstandsmitgliedern mit der Mandatsdauer bis zu der statutengemäß im Jahre 1904 einzuberufenden General- Versammlung. Wien. (Installation.) Der neuernannte Oberlehrer, Herr I. Kappelmacher wurde am 11. d. M. an der städ:. Knabenvolksschule Kleine Sperlgaffe durch die Schulbehörde feierlich eingeführt. Zn diesem feierlichen Akte hatten sich zahlreiche Damen und Herren in dem'geschmückten Festsaale eingefunden und bemerkten wir Stadtrath Oppenberger, Bezirksvorsteher Niebauer, Gemeinderath Helbig, Schulinspekter Dr. Hinterwaldner, der Obmann des Ortsschulrathes Ferdinand Klebinder, Ortsschulrath Josef Fuchs, Oberlehrer Weber. Direktor Fischer, kaiserlicher Rath > Dr. Lieben, Dr. Thaler, Dr. Bloch, Oberkantor Bauer, Inspektor Kanitz,! die Katecheten und den gesammten Lehrkörper der Schule etc. Die Feier wurde mit einer Hymne, gesungen von Schülern der Anstalt eröffnet, worauf Stadtrath Oppenberger den neugewählten Oberlehrer im Namen des Stadtrathes ins Amt einführte und begrüßte. Worte der Begrüßung richteten auch an ihn der Bezirksschulinspektor, der Obmann des Ortsschulrathes, Ortsschulrath Fuchs, Lehrer Neubauer im Namen der Collegen und ein Schüler Bachrach im Namen der Schüler. Oberlehrer Kappelmacher ist eine im Bezirke sehr beliebte tüchtige Lehrkraft und seine Ernennung wurde allseits mit großer Befriedigung ausgenommen; ebenso wird dem prov. Oberlehrer Plahner allgemeine Anerkennung öffentlich ausgesprochen. Oberlehrer Kappelmacher dankte in längerer Rede den Vorgesetzten Behörden sowie dem Lehrkörper für das ihm entgegengebrachte Vertrauen, worauf er sein Programm entwickelte. Mit einem dreimalig begeisterten Hoch auf den Kaiser und Absingung 'jber Volkshymne schloß die erheben Feier. Wie«. („Jüdischer Schulverein für den IX. Bezirk.") Sonntag, den 26. d. M. fand die Prüfung an der Religionsschule des „Jüdischen Schulverein für den IX. Bezirk" statt. Ein ebenso zahlreiches als distinguirtes Publikum folgte der Prüfung mit dem lebhaftesten Interesse. Es lohnte aber auch der Mühe, diese wahrhaft glänzenden Leistungen kennen zu lernen. Was dieser junge Verein in der kurzen Zeit seines Bestandes erreicht 'hat, übersteigt alle Erwartungen. Herr Schulleiter D. H. Oesterreicher, deffen unerreichte Unterrichtsmethode seiner Hingabe an seinen hehren Berus gleicht, hat seinen Schülern in unglaublich kurzer Zeit eine Summe von Kenntniffen im Beten, Uebersetzen, hebräischer Gramatik und biblischer Geschichte beigebracht, die geradezu bewundernswert erscheint. Auch dem Vorstande des Vereines gebührt vollste Anerkennung für die großen Opfer an Zeit Mühe und Geld, die er an dieses mustergiltige Werk wendet. Die Prüfungsgäste und speciell die Eltern der Schulkinder würdigten auch in schmeichelhaftester Weise das erreichte Resultat. Anwesend waren unter Anderen Cultusvorstand Herr H. Eltbogen, Vertreter der Vereine Beth Hatfilo (Tempelverein IX. Bz-) Auhel Awrohom (Beth Hamidrasch IX. Bezirk), Adaß Jisröel, Schulverein des X. Bezirkes, Distrikt Comite und mehrere Andere, sowie der Gesammtvorstand des Vereines. Ihr Ausbleiben entschuldigten der Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde (Die Herren waren wegen der gleichzeitig stattgehabten Lehrercandidaten-Prüfung am Erscheinen verhindert) Herr kaiserlicher Rath Pollak, Herr Dr. Alfred Berger rc. re, Nach Schluß der Prüfung dankte ein Vorstandsmitglied dem Herrn Schulleiter aufs Wärmste und bat die Gönner des Vereines um.ihr ferneres Wohlwollen. Herr Oesterreicher dan kte bewegt für das ihin in so reichem Maße gespendete Lob. Es wäre zu wünschen, daß diesem Vereine, der den Beweis liefert, daß auf'dem Gebiete des Religionsunterrichtes viel Gutes zu leisten ist, der aber materiell noch mrt den Kinderkrankheiten zu kämpfen hat, reichlichste Unterstützung und Förderung finde. Men. Der Einzelverein „Wien" des Zion-Verbandes veranstaltet am Samstag, den 16. d.—bei ungünstiger Witterung am 23. d. — im Restaurant .zum schwarzen Bären" im Prater eine Lagbeaumer-Feier (Schülerfest), für die durchwegs hervorragende Kräfte gewonnen wurden. Das Festreferat wird Herr Stud. Phil. A. Beck erstatten und gelangt es dem Comitö unter anderem Herrn Obercantor Oesterreicher für gesangliche Vorträge zu acquiriren. Auch für ben heiteren Teil wurde durch Anwerbung tüchtiger Kräfte bestens gesorgt. Beginn 8 Uhr abends. Entree bis 8 Uhr frei, nach 8 Uhr 50 Heller Regiebeitrag. Vaden (Neuwahlen.) Am 26. April' l. I. fand in der israel. Cultusgemeinde Baden die Neuwahl der Vertretungskörper statt und wurden in den Cultusausschuß die Herren Moriz Leitner, Salomon Klauber Anton Schneider, Dr Emil Raab, Leopold Scheu, Moriz Schreiber. Mori; Daniel, Direktor Josef Felber, Sigmund Rausnitz, Ludwig Schlesinger, Simon Mandl und Albert Deutsch; als Ersatzmänner die Herren: Heinrich Lemberger, Ludwig Lackenbacher, Ignaz Fleischmann und Jakob Kohn; als Vertrauensmänner in den verstärkten Cultusausschuß die Herren August Edenburger, Ernst Hönigsberg, Josef Ungar, Adolf Wolf, Gottfried Flaschner, Max Löbl, Alois Fleischmann, Wilhelm Kohn, Philipp Rothholz, Alexander Spitzer, Oskar Sametz und Max Lemberger gewählt. Bei der am II. d. M. erfolgten Wahl ves Cultusvorstandes, bei welcher Herr Salomon Klauber als Alters-Präses den Vorsitz führte, wurden die Herren Moriz Leitner als Cultusvorsteher, Anton Schneider als Cultusvorsteher-Stellvertreter. Salomon Klauber und Dr. Emil Raab als Beiräte gewählt, welche Wiederwahl dieser.vier Herren eine außerordentliche Befriedigung in der Cultusgemeinde zu Tage brachte. Sind es doch insbesondere die Herren Moriz Leitner und Anton Schneider, welche seit Bestand der Badener Cultusgemeinde Hand in Hand das Wohl derselben anstrebten, Wohlfahrts- und humanitäre Einrichtungen in Leben zu rufen bemüht waren, auf dem Gebiete des frommen und nützlichen Wirkens mit Aufopferung von Zeit und Mühe ihr Bestes leisteten und all ihre Kräfte anstrengten, die Badener Cultusgemeinde zu einer der geachtesten und angesehensten im Kreise der österreichischen jüdischen Gemeinden hinaufzuarbeiten. Dies von allen Seiten würdigst anerkannt, vollzog sich auch die Wahl in musterhafter Ruhe und überraschender Einhelligkeit, was die beste Prognose für die weitere heilvolle Entwickelung der Cultusgemeinde bildet.' Möge es allen neu- und wiedergewähllen Herren gegönnt sein, ihre Leistungen auch fernerhin von freudigem Erfolg gekrönt zu sehen und 'daß der Segen Gottes in all ihrem Wirken walte. Ledetsch. Herr Religionslehrer Moriz Mandl aus Pürgstall wurde vorige Woche nach beifällig aufgenommenem'Probevortrage in der hiesigen Gemeinde als Religionslehrer und Cantor angestellt. Derselbe wird am 1. August seinen Posten antreten. AunsörulK. Ein sehr zahlreiches und vornehmes Publikum, alle hiesigen Israeliten mit ihren Frauenbund viele Gäste versammelten sich am 4. Mai auf Einladung des Vorstehers, Herrn Dannhaüser, um dem großen und großartigen Vortrage zu lauschen, den der Landesrabbiner Herr Dr. Tänzer über „Babel-Bibel und das moderne Judenthum" beinahe drei Stunden lang, von vielfachem Beifall unterbrochen,' hielt. Eigenartig, sensationell und 'mit Recht bewundert war der Mut und die gelehrte Sicherheit, mit der hier der auf dem Boden der Entwicklungslehre stehende junge Redner den Rechten der modernen Wissenschaft und des modernen Lebens Worte gab. Ueberzeugung, Wahrheit und Mut sprachen aus jedem Worte. Der Vortrag erscheint im Buchhandel und wird großes Aufsehen und viel Anfeindung erregen. Doch muß man dem jungen Gelehrten, einem begeisterten und begeisternden Redner ersten Ranges und überzeugungstreuen modernen Juden Recht geben. Der vielfache spontan wiederholte Applaus war wohlverdient. B. Aamöor. Die hiesigeCultusgemeinde, in welcher sonst ein steter Wechsel der Cultusbeamten vorkam, hat mit der bisherigen Tradition gebrochen und die beiden derzeit fungirenden Beamten, Herr Obercantor Leo Liffchütz, der mit seiner klangvollen Stimme und feinem schönen Vortrag den Gottesdienst verherrlicht, und Herrn Cultusbeamten Max Rosenzweig "defintiv angestellt. Beide Funktionäre haben sich durch ihr pflichteifriges Wirken die Anerkennung der Gemeinde erworben. ' jgeufaf}. (Grabsteinstellung.) In schöner, würdevoller Weise hat die israel. Cultus-Gemeinde in Neusatz das Andenken des im vorigen Jahre verstorbenen verdienstvollen Obercantors H^rrn Filipp Schön geehrt. Am 29. April l. I. wurde ihm im Beisein der Cultus-Chewra- und Frauen-Vereinsvorstehung, ferner in Gegenwart viel seiner Freunde ein Grabstein gestellt. Unter Leitung des Herrn Chordirigenten Weitzenfeld wurden mit gänze m Chor Grabeslieder angestimmt, Herr Oberrabbiner Dr. Ignaz Pap sprach vor der Grabesstätte ein ergreifendes Gebebund zum Schluffe rez itirte Herr Oberkantor Baffer mit innigem Gesichte ein „EI mole 'rach amim“. Nach Beendigung der Trauerfeier nahmen die Anwesenden in tiefer Rührung Abschied vom Grabeshügel. WKW Küss;

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