Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1903
- Issue
- Heft 19 (15.5.1903)
- Date
- 1903-05-15
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 7. Nr. 19 Die Wahrheit. Zeit vom 1. Jänner bis Ende April 1903 im Vergleiche mit derselben Zeitperiode im Vorjahre. Des weiteren teilt der Präsident mit, daß das Vertreter-Collegium, welches vom .Cultusvorftande in der Plenarsitzung vom 15. April 1903 mit der Zuteilung der Aintssitze der neuernanliten Rabbiner Dr. Feuchtwang und Dr. Grnnwald betraut wurde, nunmehr beschlossen habe, Herrn Rabbiner Dr. Feuchtwang im Sinne des von ihm ausgesprochenen Wunsches für den Gemeindetempet in Währing und Herrn Rabbiner Dr. Grünwald für den Gemeindetempel in Fünshans zu designiren. Der Amtsantritt dieser beiden Rabbiner wird für den 1. August, der Amtsantritt des Herrn Rabbiner Dr. David für den 1. September 1903 in Aussicht genommen. Weiters gibt der Vorsitzende Kenntn's, daß das Vertreter- Collegium in der abgelaufenen Woche eine Besprechung unter Zuziehung sämmtlicher Herren Obmänner der Bezirks-Commiffionen abgehalten habe. In der Absicht, einen regeren Contakt zwischen dem Cultusvorftande und den Bezirks-Commissionen und gedeihliches Arbeiten derselben zu ermöglichen, hat das Vertreter. Collegium die Zuziehung von Delegirten der Bezirks- Commissionen in die ständigen Commissionen des Cultusvorstandes in Aussicht genommen, und wird es nunmehr Sache der Bezirks-Commissionen sein, sich zu der gegebenen Anregung zu äußern. Nach der Erledigung von Steuer-Angelegenheiten wird hierauf die vertrauliche Sitzung geschlossen. Israelitisches Krankenheim der Chewra Kadischa der Israelitischen Synagogen Gemeinde Adaß Iisroel in Äerlin. Nach 3jähriger überaus erfolg- und segensreicher Tätigkeit hat sich das israelitische Krankenheim genötigt gesehen, aus seinen bisherigen Räumen in der Prenzlauer Allee, die sich in Folge des Zuspruches in der letzten Zeit als viel zu klein erwiesen, in die bedeutend größeren und vollständig allen Anforderungen der Neuzeit entsprechenden Räumlichkeiten nach der Königgrätzerstr. 46a überzusiedeln. Damit ist einem für eine so große Gemeinde, wie sie unsere Reichshauptstadt in sich birgt, längst gefühlten Bedürfniße der Errichtung eines zweiten, auf der Höhe der Neuzeit stehenden jüdischen Krankenhauses endlich Genüge geschehen. Das israelitische Kraukenheim ist eine Gründung der Berliner Chewra Kadischa. Durch eine Reihe von Legaten, namentlich aber durch eine Schenkung des Herrn Abraham Zamory und Jacob Plaut, sowie durch weitere namhafte Beiträge konnte der Verein bereits im Anfang d. I. I960 daran gehen, in der Prenzlauer Allee ein israelitisches Kraukenheim zu errichten, das mit 30 Betten, einer äußeren und inneren Station eingerichtet, mit einem Qperationssaal, Verbandszimmer, Labaratorium und allem Zubehör versehen den grundlegenden Anforderungen, eines Krankenhauses vollständig entsprach. Der erste Bericht, den das Kraukenheim nach 1*/,jähriger Thätigkeit heraus gab, konnte bereits von 269 Kranken reden, 'die in von Monat zu Monat steigender Frequenz dort Ausnahme gefunden. Die Sterblichkieit, die im ersten Halbjahr nur, ca. 8 p. Ct. betrug, ging im 2. Jahre sogar auf 4 p. Ct. herab. Und mit besonderer Befriedigung konnte seftgestellt werden, daß von den eiugelieferten Kranken, trotz vieler 'sehr schwerer Fälle, ca. 50 p. Ct. als völlig geheilt enlassen wurdell. Eine besondere Anerkennung fand die Tätigkeit des Krankellheims durch eine Verfügung des Herrn Oberpräsidenten der Prov. Brandenburg von 16; August 1901, in welcher er bekannt gab, daß das Krankenheim „zu denjenigen Vereinen zu rechnen sei, die sich in Ausübung freier Liebestätigkeit veröffentlichen Krankenpflege widmen." Eine Folge dieser Verfügung ist „. a., daß der Vorstand, die Schwestern und Krankenpfleger, sowie die Kranken dieser Anstalt bei Badereisen oder sonstkgeu der Krankenpflege dienenden Reisen tarifmäßige Fahrpreisermäßigung auf allen deutschen Bahnen genießen. Durch die von Mollat zu Monat immer steigenden Anforderungen, die von Seiten des Publikums an das Kraukenheim, namentlich an dessen äußere chirurgische Station gestellt wurden — so ist es in der letzteren Zeit wiederholt vorgekommen, daß Kranke wegen Raummangels znrückgewieseu wurden — mußte man sich bald darüber klar sein, daß die ersten Räumlichkeiten nicht in vollem Maße der Nachfrage genügen konnten. Und so sehen wir denn auch nach kaum 3 jährigem Bestehen das Kraukenheim in die Königgrätzftr. 46 a übersiedeln. Am Anhalter Bahnhof, mitten in verkehrsreicher Gegend gelegen, Verbindung jeder Art nach allen Teilen der Stadt, findet sich das Kraukenheim in seinem neuen Domizil dennoch vom Lärm der Großstadt vollkommen entrückt, in einem Rondell gelegen, nirgends eingeengt von etageureichen Gebäuden, vielmehr rings von Luft und Licht und Vorgärten reichlich umgeben. Im Parterre nimmt ein Fahrstuhl mit elektrischem Betrieb und Beleuchtung die Kranken in einem mit Rollen versehenen Bett in Empfang, so daß also dem Patienten jedes Gehen und Umbetten und doppelter oder dreifacher Transport vollständig erspart bleibt. Aus dem Fahrstichl wird der Kranke in das ihm zugewiesene Krankenzimmer gerollt. Es sind 8 Extrazimmer vorhanden, 7 Zimmer mit einem Bett, 7 mit 3, 1 mit 2 und nur ein großer Saal mit 8 Betten, also keine Massenquartiere. Was sich uns an diesen Krankenzimmern in wohltuendem Gegensätze zu vielen anderen Krankenhäusern überall geradezu ausdräugt, ist der Umstand, daß sie geräumig in ausgiebigem Maße über Luft und Licht verfügen. Dazu kommt, daß bei den meisten Krankenzimmeru kleinere, bei zweien sogar sehr große, als Liegehallen zu benützende Balkons angebracht find. Die Korridore sind geräumig, breit und hell. Mit ganz besonderer Sorgfalt und allem Komfort der Neuzeit sind die Qperationssäle ingerichtet. Mit Oberlicht und elektrischem Licht versehen, sind die beiden Operationssäle — ein septischer und ein aseptischer — nur durch den in die gemeinsame Wand eingebauten Glas-Jnstrumentenschrank, der also von beiden Zimmern zugänglich ist, verbunden. Die Wascheiurichtungen in diesen Operationsräumen funktionieren mittelst Fußtritten, so daß also der Operateur seine Hände mit etwaigen Wasserhähnen nicht in Verbindung zu bringen braucht. Ueberall verstellbare Zentralheizung. Die Sterilisierapparate in direkter Verbindung mit den Schornsteinen, 'in die die Dämpfe abgeleitet werden. Diese Operationsränme bilden gewissermaßen den Stolz des Krankenheims nnd namentlich seines chirurgischen Leiters, des langjährigen Assistenten des Prof. Israel am jüdischen Krankenhanse, des Dr. Adler, der in Berlin zu den bekannten und gesuchtell Chirurgen und Operateuren gehört. Die Leitung der iuneru Station wird in allernächster Zeit ebenfalls ein bedeutender Kliniker übernehmen, doch sind bis zum endgilligen Eintritt desselben noch einige Formalitäten zu erledigen. Selbstverständlich wohnt ein Assistenzarzt im Kraukenheim, so daß also die Kranken niemals ohne ärztliche Aufsicht sind. Den Krankenpflegedienst versehen unter einer Oberin 5 geprüfte Schwestern, außerdem funktionieren noch einige Krankenwärter. Die Wirtschaftsräume, Küche und Vorratskammer besiuoen sich im Souterrain, von wo ein Speiseaufzug in alle Etagen geht. Die Küche selbst ist streng rituell, unter Aussicht des Vorstandes von Adaß Iisroel. Weiter befinden sich im Souterrain noch das Laboratorium und Rällme für das Wirtschaftspersonal. So ist in dem neu eröffueten Israelitischen Kraukenheim nach jeder Richtung bis ins kleinste Detail alles auf das glänzendste für die Aufnahme und Velforguug der Kranken eingerichtet. Auch die Verwaltung liegt in den besten Händen. Das Kuratorium besteht aus 9 Personen, Vorsitzender ist Herr A. Goldschmidt, stellvertr. Vorsitzender Herr Oskar Berlin. Rendant Herr Sal. Ginsberg. Schriftführer Herr Dr. Meie r