Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1903
- Issue
- Heft 19 (15.5.1903)
- Date
- 1903-05-15
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 6. Die Wahrheit. Nr. 19 Deficit von circa 120.000 Kr. praliminirt war, einen Ueberschuß von circa 40.0M Kr. ausweist. Dies sei eine angenehme Illustration des vorsichtigen Finanzgebahrens des Vorstandes, dem die gebührende Anerkennung nicht versagt würden dürfe. Allein die Form der Rechnungslegung erscheine ihm antiquirt, da sie sich noch immer, an der ehemals bestandenen Eintheilung nach Sectionen halte. Man erfahre da vieles, was nicht interesiire, wogegen manches, was allgemeines Interesse biete, ans dem vorgelegtcn Rechnungsabschlüsse, wenigstens auf den ersten Blick, nicht ersichtlich sei. So die in allen Budgets übliche Gegenüberstellung der Gesammteinnahmen und Gesammtausgaben. Redner schließt seine Ausführungen mit der Bitte, daß das Vertretercollegium im nächsten Budget dieselbe Form einhalten möge, wie sie in allen anderen öffentlichen Körperschaften beobachtet wird. Kais. Rath Klinger bemerkt hiezu, daß das was der Vorredner erwähnt habe, so richtig sei, daß das Vertretercollegium gewiß dessen Anregungen berücksichtigen werde. I. Vicepräsident Dr. Stern constatirt, daß nach Abzug der Stiftungszinsen per 350.000 K. und der Durchführungsposten per 50.000 K., die aus der einen Seite als Einnahmen und auf der anderen Seite als Ausgaben figuriren, sich die Einnahmen der Cultusgemeinde blos auf 1V2 Millionen Kronen belaufen. Von diesem verhältnismäßig geringen Betrage, von welchem 1,100.000 K. auf die Steuereingänge und 400.000 K. auf die Erträgnisse des Friedhofes entfallen, müssen alle Ansprüche des Gottesdienstes, des Religionsunterrichtes und der verschiedenen Wolfahrtsinstitutionen befriedigt werden. Daraus gehe hervor, daß einerseits das Wolthätigkeitsbudget reducirt werden müsse und andererseits große Decentralisationsprojekte in der Verwaltung nicht durchgeführtwerden können. Dr. M. Spitzer findet es erfreulich, daß die Bethausverwaltnngen im I. und Ü. Bezirke größere Einnahmen ausweisen und daß auch der Spendeneingang gewachsen sei. Gleichzeitig sehe er sich aber zu der Frage veranlaßt, warum im vorliegenden Budget die Fleischregie mit einer Mehrausgabe von 10.000 K. belastet sei. Schließlich müsse er auch festlegen, daß die Errichtung einer Mikwah keinem Widerstande im Vorstande begegne, und daß die diesbezüglichen Schwierigkeiten außerhalb der Cultusgemeinde liegen. Kais. Rath Hirsch reagirt auf die Anregungen des Herrn Rudolf Auspitz, denen er sich gerne anschließen werde, und beantwortet die Anfrage des Herrn Dr. Spitzer dahin, daß die Mehrausgabe in der Fleisch:egie durch Vergütungen an den Verein „Adaß Jisroel" und durch Anstellung dreier Schächter verursacht sei. Kais. Rath Wilh. Pollak spricht den Wunsch aus, daß die Betriebskosten, wie auch die Einnahmen, resp. Steuereingänge der einzelnen Filialgemeinden, Fünfhaus, Ottakring und Währing, im Budget ausgewiesen werden mögen, damit man ein Bild erhalte, ob eine Filiale activ oder passiv sei. Sigm. Kauders erblickt eine ungerechte Austheilung darin, daß den drei Filialen 40.000 K. Zuschüsse gewährt wurden, während sämmtliche Wiener Tempelvereine nur mit 33,000 K. subveutionirt wurden. Dr. Stern, Ritter von Goldschmidt und Dr. Spitzer wenden sich gegen die bezirksweise Budgetierung. Abgesehen von den technischen Schwierigkeiten, da nicht nur die Steuereingänge sondern sämmtliche Zuwendungen an die einzelnen Bezirke, ihre Antheile am Friedhofs-Wolchätigkeits-Spitals- und Versorgungshausconto in Betracht gezogen werden müßten, wäre eine derartige Budgetierung nur geeignet, Differenzierungen innerhalb der Gemeinde hervorzurufen. Heute gäbe es, möge ein. Gemeindemitglied in dem einen oder anderen Bezirke wohnen, nur gleichberechtigte Mitglieder. Dr. Berger und Salo Kohn meinen, daß die bezirksweise Budgetirung den Vororten nur zum Nachtheil gereichen würde, da es zur Evidenz käme, daß die Vororte passiv sind. . Kais. Rath Pollak findet es begreisiich, daß jede Anregung, die dem starren Centralismus zuwiderlaufe, im Vorstande auf Widerstand stoße, aber gerade so wie der Kaufman sich jeder Zeit über den Stand einer Filiale klar sein müsse, habe auch die Cultusgemeinde ein Interesse, zu wissen, ob sie bei dem Betriebe irgend einer Filialgemeinde Nutzen habe oder oder draufzahle. Eine derartige Ausstellung könnte auch dem Vorstande als Richtschnur dienen, ob die Aspirationen der einzelnen Bezirke berechtigt sind oder nicht. Qberfinanzrath Dr. R ap p ap o r t hält den Vergleich mit geschäftlichen Filialen für falsch. Ein Kaufmann könne eine Filiale, die nicht Ertrag liefert, jederzeit auflasse», die Cultusgemeinde könne dies aber nicht thun, sie sei vielmehr verpflichtet, in jedem Bezirke, abgesehen von dem Kostenpunkt, die cultuellen und sonstigenjBedürfnisse zu befriedigen. Außerdem kennt die Cultusgemeinde heute keine Eintheilung nachBezirken, sie ist ein zusarnmengdhörendes Ganzes. Nachdem noch Cultusvorsteher Rosner gegen den Vorwurf, daß die Vorortegemeinden passiv seien, Stellung genommen, erklärt kais. Rath Pollak, daß er nicht eine Umgestaltung des Budgets im Sinne seiner Anregungen beabsichtige, sondern eine derartige Aufstellung nur zu seiner persönlichen Information und zur Information des Vorstandes begrüßen würde. Nach Schluß der Debatte werden der Rechnungsabschluß und die Gesammtziffern der Bilanz einstimmig genehmigt. Der Vorsitzende dankt dem Referenten für seine außerordentliche Mühewaltung und schließt hierauf die öffentliche Sitzung. q- * * Ueber die der öffentlichen Sitzung vorangegangene vertraulichen Plenarsitzung erhalten wir folgenden Bericht: Im Eiinlaufe werden bekanntgegeben: Spenden: Legat des sel. Herrn Dr. Hermann Grünbaum zur Verteilung an Arme K. 2000.—, von den Erben nach Frau Katharina Brüll im Sinne eines Wunsches der Erblasserin für das israelitische Altersversorgungshaus K. 1000.—, von der. Firma Blum & Popper für die armen geplünderten Juden in Kischenew K. 200.—, von M. N. durch Herrn Vertreter k. k. Ober- Ingenieur Edlen von Mises für die israel. Armen-Anstalt K. 50. für die israel. Versorgungsanstalt K. 50.—, von Herrn Donat Ziffererer als Kranzablösungsspende für den sel. Herrn Hermann Pollack für die Chewra Kadischa K. 20.—, für den Handwerker verein K. 20.—, für den Verein „Frauenhort" K. 20.—, von Herrn Alois Hoffmann für die Kinder des sel. Rubin Ascher Braudes K. 10.—, für den Mädchen« Uuterstützungsverein K. 20.—, für die geplünderten armen Inden in Kischenew K. 20.—, von Frau Therese Kann zur Verteilung an Insassen der israel. Versorgungsanstalt K. 30.—, von Frau Sarah von Stern für die Kinderbewahranstalt K. 20.—, von Herrn Dr. Leon Friedenthal für den Erhaltungsfond der israel. Versorgungsanstalt K. 20.—, von Herrn Siegmund Kaufmann und Herrn Ludwig Albrecht ein Faß Wein (236 Liter) für die israel. Versorgungsanstalt. Den Spendern wird der Dank votirt. Im Einlaufe befindet sich weiters die Mitteilung des Cnratoriums der israelitisch-theologischen Lehranstalt in Wien betreffend die am 23. April d. I. vorgenommenen Ergänzungswahlen für diese Körperschaft. — Es wurden für die restliche Funktionsdauer bis Ende 1905 mit Stimmeneinhelligkeit gewählt : Herr Moritz Edler von Kuffner zum Präsidenten, Herr Theodor Ritter von Taussig zum I. Vice Präsidenten, Herr Dr. Adolf Stein zum Controllor, Herr Emil Karpeles. zum Mitgliede des Curatoriums und znm Kassier. Ferner wird ein Schreiben des Herrn Cultusvorsteher David Ritter von Gntmann bekanntgegeben, mit welchem derselbe das ihm zustehende Vorschlagsrecht für die Besetzung zweier Freiplätze im Karlsbader israelitischen Hospiz für das Jahr 1903 dem Präsidenten der israel. Cultusgemeinde kais . Rat Klinger einräumt. Im Präsioialberichte macht der Vorsitzende Mitteilungen über die finanzielle Gebahrung der Cultusgemeinde in . der