Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1903
- Issue
- Heft 19 (15.5.1903)
- Date
- 1903-05-15
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 19. Die Wahrheit Seite 5. läßt sie der privaten Wohltätigkeit. Und nun die hohnsprechende Kundmachung des Kischinewer Polizeimeisters: „Wer die bei den Inden geraubten Sachen und Waren freiwillig während der nächsten zwei Tage zurückerstattet, der wird nicht bestraft werden! Braucht man noch eine bessere Illustration der Schutzlosigkeit der jüdischen Bevölkerung in Rußland? Aus der Wiener Cnltusgemeinde. In der am 10* Mai unter dem Vorsitze des Präsidenten, kais. Rath Heinrich Klinger, stattgehabten öffentlichen Plenarsitzung wurde der vom Obmanne der Finanz-Commission, kais. Rath Moriz Hirsch, vorgelegte Rechnungsabschluß pro 1902 definitiv erledigt. Eine größere, von weiteren Gesichtspunkten getragene Debatte, wie sie sich z. B. im Vorjahre bei diesem Anlässe entwickelte, hat diesmal nicht stattgefunden und abgesehen von einzelnen Anregungen über die technische Zusammenstellung des Budgets wurde der Rechnungsabschluß, der einen Ueberschuß von 40.000 Kr. ausweist, fast debattelos genehmigt. Im Nachstehenden der Bericht: Nach Eröffnung der Sitzung beglückwünscht der Vorsitzende das Vorstandsmitglied, Herrn kais. Rath Wilhelm Pollak, zu der ihm durch Verleihung des Franz-JosefsOrdens zu Theil gewordenen allerhöchsten Auszeichnung, worauf kais. Rath Pollak für die Sympathiekundgebung des Präsidenten seinen Dank abstattet. Es wird hierauf in die Tagesordnung eingegangen und kais. Rath M. Hirsch legt folgenden Rechnungsabschluß pro 1902 vor. Hochgeehrte Herren! Namens des Vertreter-Collegiums gebe ich mir die Ehre, Ihnen hiemir den Rechnungsabschluß für das Jahr 1902 zu unterbreiten. Ich lege Ihnen, wie alljährlich, eine Zusammenstellung der „Ueberschüsse und Zuschüsse", nach Commissionen geordnet, ferner die „Details zum Rechnungsabschluß", endlich die Bilanz, nndAas Capital-Conto vor. Ueberdies habe ich mich Heuer der Mühe unterzogen, behufs Ermöglichung eines klareren Einblickes in den Rechnungsabschluß eine vergleichende Zusammenstellung der Ziffern des Budgets und jener der Gebahrung zu verfassen. Aus der Tabelle „Ueberschüsse und Zuschüsse" belieben Sie zu entnehmen, das Commission I (für Bethäuser. Cultus und rituelle Angelegenheiten) Einnahmen Kronen 233.438 23 und Ausgaben 394.670 72 hatte, sonach einen Zuschuß von 161.232°49 benötigte, während im Vertvaltungsiahre 1901 die Einnahmen 240.465 84, die Ausgaben 390.535 71 betrugen und daher einen Zuschuß von 150.09687 erforderten. Wir hatten sonach in dieser Commission im Jahre 1902 Mehrauslagen von 11.162-62. Die Commission II (Unierrichtswesen) hatte Einnahmen Kronen 59.844.97 und Ausgaben 245.853'05, benötigte sonach einen Zuschuß von 186.008-08, während im Verwaltungsjahre 1901 die Einnahmen 43.070'98, die Ausgaben 236.441-06 betrugen und einen Zuschuß von 193.37008 erforderten; sonach ergibt sich, daß im Jahre 1902 ein geringerer Zuschuß von 7362 erforderlich war. Die Commission III (Armenpflege, Versorgungs-Anstalt und Spitalverwaltung) und die Commission VI (Beerdigungs¬ und Friedhofswesen) hatten Einnahmen von zusammen Kronen 613.317'76 und Ausgaben von zusammen Kronen 933 683 97, benöthigten sonach einen Zuschuß von Kronen 320.367'21, während im Verwaltungsjahre 1901 die Gesammteinnahmen 560.51817, die Gesammtausgaben Kronen 882.138'34 betrugen und einen Zuschuß von Kronen 321.62018 erforderten. Es ergibt sich sonach, daß im Jahre 1901 ein Mehrbetrag von Kronen. 1252'97 erforderlich war. Die Commission IV (für Finanzen) hatte Einnahmen Kronen 1,178.99714 und Ausgaben 447.060, erzielte einen Ueberschuß von 731.937'04, während int Verwaltungsjahre 4901 die Einnahmen 1,145.473-71, die Ausgaben 424.042-89 betrugen und einen Ueberschuß von 721.429-82, d. i. eineu geringeren Ueberschuß von 10 507-22, ergaben. Die Commiffiou V (Matrikelamt hatte Einnahmen Kronen 6478 und Allsgaben 27.374-24, erforderte einen Zuschuß von 20.896.24, während im Verwaltungsjahre 1901 die Einnahmen 11.096 die Ausgaben 27.853*06 ergaben und einen Zuschuß von 16.757'06 erforderten, d. i. einen im Jahre 1902 um 413918 größeren Zuschuß erforderte. Die Recapitulation ergibt nun, daß die Ueberschüsse im Jahre 1902 Kronen 902.433-83 gegen 884.23127 im Jahre 1901 und die Zllschüsse im Jahre 1902 859.09081 gegen 844.618'71 im Jahre 1901 betrugen. Nach detaillirter Uebersicht über die Gebahrung des Jahres 1902 und Erläuterung der einzelnen Bilanzposten gelangte der Referent zu folgendem Schluffe: Wie Sie nun aus dem Bilanzconto ersehen, betragen am 31. December 1902 unsere Activen 1,685.737'81, unsere Passiven 1,653.812 78. Es ergibt sich daher ein Saldo von 31.924-53 als unser gegenwärtiges Reinvermögen, was auch aus den Aufzeichnungen im Capitalconto zu ersehen ist, während das Reiuvermögell unserer Gemeinde am 1. Jänner d. I. nur 15.445.61 betragen hat. Diese Vergrößerung unseres Vermögens ist wohl für die Verhältnisse der Gemeinde nur insoferue beachtenswert, als sie zeigt, daß es uns gelungen ist, das Gleichgewicht in unserem Haushalte zu etabliren. Unsere weitere Aufgabe wird es bleiben müssen, dasselbe dauernd für die Zllkunft zu erhalten. Schließlich sei es mir gestattet, Ihnen eine kurze Uebersicht über die wesentlichsten und kostspieligen Arbeiten zu geben, welche im Laufe der verffoffenen Periode seitens der Cultusgemeinde geleistet wurden. Im Spitale haben wir Volleudungsarbeiten, Adaptirungen und Renovirungen vorgenommen. Die Erweiterung des Siechenhauses durch den Aufbau eines dritten Stockwerkes hat einen nicht unerheblichen Kostenaufwand erfordert. In allen Berrvaltungszweigen wurden die unabweislich notwendigen Bauarbeiten dnrchgeführt. Um den Bedürfnissen der einzelnen Bethansvereine nach Möglichkeit Rechnung zu tragen, haben wir denselben zur Stärkung ihrer Einnahmen und mit Hintansetzung der eigenen Gemeinde-Interessen das Trauungsrecht eingeräumt. Der Verband der Wöchnerinnen wurde von uns in tatkräftiger Würdigung seiner edlen und wohltätigen Bestrebungen durch Zuweltdung bedeutender Zuschüsse gestärkt. In Entsprechung der Bedürffnisse unserer strenggläubigen Censiten haben wir zur Ausgestaltung des Institutes der Fleischregie und ebenso für die Beschaffung ritueller Kost in den Krankenhäusern Wiens ansehnliche Opfer gebracht. Ungeahnt und absichtslos wachsen, wie dies eben in der Natur eines großen Gemeinwesens gelegen ist, die Bedürfnisse der Cultnsgeiminde, und es bedarf keiner besonderen Sehergabe, um die weitere unaufhaltsame Steigerung unserer Ausgaben auch für die folgenden Jahre mit Bestimmtheit vorherzusagen. Ich brauche sie nur beispielsweise ans die elektrische Beleuchtungsanlage im Tempel des zweiten Bezirkes aufmerksam zu machen, mit welcher wir uns soeben ernstlich beschäftigen müssen, und ich verweise auf eine Reihe, einem Jedem von Ihnen bekannter Fragen, die in letzter Zeit wiederholt und eindringlich an unsere Thüre pochten und zu denen wir über kurz oder lang werden Stellung nehmen müssen. An Opferwilligkeit unserer Gemeindemitglieder fehlt es gen iß nicht, und unser Bemühen geht dahin, im wohlverstandenen Interesse d:r Gemeinde, mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln weise Mäßigung zu halten und unsere nach Ausdehnung strebenden Institutionen mit vorsichtiger Zurückhaltung auszugestalten und zu verbessern. Namens des Verrreter-Colleginms bitte ich Sie um Genehmigung dieses Rechnungs-Abschlusses. Vorsteher Rudolf Anspitz constatirt die erfreuliche Thatsache, daß der Rechnungsabschluß pro 1902, trotzdem ein