Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1903
- Issue
- Heft 18 (8.5.1903)
- Date
- 1903-05-08
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 Die lvahrtzeil. Nr. 18. Auf einige das Unterrichtswesen betreffende Anfragen Max Vzabolcsi's gaben drr Präsident und der Präsident der Unterrichtssection, königlicher Rat Dr. Philip- Weinmann, befriedigende Aufklärungen. Der Bericht der Rechnungsrevisoren und der Voranschlag pro 1903 wurden angenommen die Rechnungsrevisoren auch für das Jahr 1903 wiedergewählt. Infolge Ablebens Moritz Löwy's und Morrz von Adler's wurden Reichsratsabgeordneter Paul Sändor und Arnold Kohu in den Ausschuß gewählt. — Nach den Schlußworten des Präsidenten wurde die Generalversammlung geschloffen. __ Gemeinde- und Vereinsbote. Wie«. (Ordensverleihung.) Die „Wiener Zeitungvom 3. d. M. veröffentlicht im amtlichen Theile folgendes: „Seine k. und k. Apostolische Majestät haben mit Allerhöchster Entschließung vom 29. April d. I. dem Inhaber der Weingroßhandlungsfirma „Emanuel Pollak und Sohn" in Wien, kaiserlichem Rate Wilhelm P o l l a k das Ritterkreuz des Franz Joseph-Ordens allergnädigst zu verleihen geruht." Die Auszeichnung des in der Wiener Gesellschaft überaus beliebten Mannes durch Se. Majestät den Kaiser erscheint um so bemerkenswerther, als dieselbe Herrn kais. Rat Wilhelm Pollak nicht, wie von mancher Seite gemeldet wurde, als Kaimnerrath, sondern als Chef der im Jahre 1793 gegründeten Weingroßhandlungsfirma, die seit vier Generationen im Besitze der Familie ist, zu Theil wurde und in der Ordensdecoration gewiß durch eine Anerkennung der geschäftlichen Thätigkeit dieser hervorragenden Firma liegt. Bei dieser Gelegenheit sei auch erwähnt, daß kais. Rat Wilhelm Pollak eines der eifrigsten Mitlgieder des Wiener Cultusvorstandes ist und in demselben schon manche ersprießliche Anregungen auf humanitärem und cultuellem Gebiete gegeben hat. Wie«. (Israelitische Allianz.) In der am 30. April unter dem Vorsitze des Präsidenten, Herrn David Ritter von Gutmann, stattgehabten und zahlreich besuchten Generalversammlung der Israelitischen Allianz zu Wien wurden nach Genehmigung des Thätigkeits» und Caffaberichtes die Herren David Ritter von Gutmann, Oberrabbiner Dr. Güdemann, Wilhelm Pappenheim, Leopold Trebitsch und Donat Zifferer mit vierjähriger Functionsdauer wiedergewählt und Herr Rudolf Auspitz mit dreijähriger Functionsdaller neugewählt. Wie«. („Oesterreichisch-Jsraelitische Union".) Der neugewählte Vorstand hat sich am 30. April constituirt und die Herren Maximilian Paul-Schiff zum Präsidenten, Prof. Dr. S. Ehrmann und Sigmund Mayer zu Vicepräsidenten, Julius Granichstädten und Dr. Heinrich Schreiber zu Schriftführern und Jakob Jeiteles zum Kassier gewählt. Wien. (Sonnenthal-Vorlesung.) Zum Schluffe der heurigen Vortragssaison veranstaltete das „Jüdische Museum" Montag, den 4. Mai im Festsaale des Etablissements Ronacher einen Abend, mit welchem es "durch die künstlerischen Darbietungen Sonnenthal's das Wiener jüdische Publikum zu großem Danke verpflichtete. Sonnenthal las „Henoch" von Graf Coudenhove, „Ghetto-Gedichte" von Morris Rosenseld und die Novelle „Die Schweizerin" von Leopold Kompert. Wer jemals Gelegenheit hatte, Sonnenthal als Vorleser zu hören, wird es begreiflich finden, wenn wir sagen, daß es uns schwer fällt, die Größe des künstlerischen Genusses, den er dem Zuhörer bietet, durch Worte aüszudrücken. Mit seinem bezaubernden Organ, das alle Situationen beherrscht und epische Schilderungen, dramatische Actionen und lyrische Empfindungen gleich -meisterhaft wiedergibt, fesselt er den Hörer und entrückt ihn in höhere Sphären. Mit besonderer Begeisterung wurde der Vortrag der Gedichte Rosenfelds ausgenommen, wo das Publikum unter dem Banne einer -doppelten künstlerischen Wirkung stand, die durch connationales Mitempfinden noch bedeutend gehoben wurde. Aus dem Jubel, der zum Schluffe der Vorlesung Sonnenthal umbrauste, klang-nicht nur der Dank für den gebotenen Genuß sondern auch dev Stolz und die Freude darüber, daß der große Künstler, ganz verschieden von so vielen anderen kleineren, -es nicht verschmähte, in einem jüdischen Vereine, vor jüdischem Publicum seine Kunst zu offenbaren. •Sw». Donnerstag, den 14. Mai, halb 3 Nachmittags, ftitbet tut türkischen Tempel, II., Circusgasse 22, die Trauung des Fräulein Josefine . Pollak, Tochter des Armenraies und Obmannes des Vereines „Montefiore", Josef Pollak, mit Herrn Julius Biehl statt. - - Men. Der Verein zur Unterstützung Mittelloser Israelitischer Studirender in Wien I., Seitenstettengaffe 4, versendet folgendes Circular : Der im Jahre 1862 vom Prediger I. N. Mannheimer gegründete „Verein zur Unterstützung mittelloser israelitischer Studirenden im Wien" hat sich zur Aufgabe gesetzt, den unbemittelten israelitischen Studirenden der Wiener Hochschulen die Vollendung ihrer Studien durch Gewährung von Beiträgen zur Zahlung der Rigorosen- und Promotiottstaxen, sowie anderer Gebühreit, bezüglich welcher eine Befreiung nicht erlangt werden kann,' zu ermöglichen und hat hiedurch in der bisherigen Zeit seines Bestandes eine äußerst segensreiche Thätigkeit entfaltet. Tausende von israelitischen Studirenden, welche andernfalls trotz ihres eifrigen Studiums aus materieller Nothlage die Fortsetzung der Studien hätten unterlassen müssen, wurden durch den Verein in den Stand gesetzt, dieselben zu vollenden und befinden sich unter denjenigen, welche seinerzeit vom Vereine unterstützt wurden, nicht Wenige, die heute hohes Ansehen erworben Haben und auch dem gesammten Judenthum. zur Ehre gereichen. Leider reichen die Mittel des Vereines derzeit bei Weitem nicht mehr aus, um angesichts der gesteigerten Zahl der Studirenden die Beihilfen in zweckentsprechendem Maße gewähren zu können. Der gefertigte Verein wendet sich daher hiemit an vie Freunde und Gönner der israelitischen Studireuden mit dem Ersuchen, durch Beitritt als Mitglieder zu dem Vereine dessen Thätigkeit zu unterstützen und wird gebeten zu diesem Behufs das angeschlossene Blanquett aussüllen und an die Vereinskanzlei in Wien. I., Seitenstettengasse. 4, gefälligst einsenden zu wollen. Der Vorstand des Vereines zur Unterstützung mittelloser israelitischer Studirender in Wien: Docent Dr. Josef Grünfeld. Dr. Julius Bermann, k. k. Notar. Alexander Fischel, Fabriksbesitzer. Leopold Langer, Börserath, Bangnier. Fritz Singer, Schriftsteller, Dr. Hermann Wotf, Hof- und; Gerichts-Advocat. Hofrath Dr. Emil Zuckerkand!, k. k. Universitäts-Professor. Wien. (Theologischer Verein der Hörer an der isr. theol. Lehranstalt in Wien.) Die Wahl für das XX. Vereinssemester ergab folgendes Resultat: Herr Dr. G. Rosenmann, Präses; . Herr G. Sicher,. Vice- Präses; Herr V. Kurrein, Caffier; Herr A. Frankfurter, I. Schriftführer; Herr H. Schwenger, II. Schriftführer; Herren S. Arje,; G. Mehrer und I. S. Stößler, Ausschußmitglieder. Linz. (Hilssverein für die notleidende, jüdische .Bevölkerung in Galizien.) Samstag, den 2. d., fand die.Generalversainmlung der „Ortsgruppe Linz" in dem schönen Saale der isr. Kultusgemetnde statt. Es hatten sich so zahlreiche Damen und Herren. Mitglieder sowohl als Gäste, eingefunden, daß der ziemlich geräumige Saal die Erschienenen kaum fassen konnte. Der Hauptgrund dieser überaus großen Beteiligung dürste wohl das angekündigte Referat eines Delegierten der Vereinsleitung sein. Der Obmann, Herr Fabrikant Bernhard Taußig, eröffnete gegen 8 Uhr abends die Versammlung. Er erstattete vorerst den Bericht über den Stand der Ortsgruppe und über die Kassagebahrung. Dem Vorstande wurde von allen anwesenden Mitgliedern das Absolutorium erteilt und der Dank einstimmig votiert. Der Antrag, den früheren Vorstand wieder zu wählen, den besonders Herr Rabbiner Friedmann auf wärinste befürwortete, wurde einstimmig angenommen und in den Vorstand gewählt die Herren: Bernhard Taußig, zum Obmann; Adolf Fürst, Kaufmann, zum Obmann-Stellvertreter; Dr. Julius Ungar, Advokat, zum Schriftführer; Eduard Stein, Revident der k. k. Staatsbahnen, zunt Schriftführer-Stellvertreter; Benedikt Schwager, Fabrikant, zum Kassier; und Albert Sternschein zum Kassier-Stellvertreter. Der Obmann und Obmann-Stellvertreter wurden auch als Delegierte zur Generalversammlung des „Hilfsvereines" gewählt. Hierauf erstattete Herr Dr. Alois Pollak, Sekretär des „Hilssvereines", ein Referat- „Ueber die Aufgabe und die bisherigen Leistungen des Hilssvereines". Sein fast einstündiger Bericht machte aus die Anwesenden einen sichtlich tiefen Eindruck, der sich in lebhaftestem Beifalle kundgab. Herr Obmann Taußig dankte dem Referenten für seinen begeisternden Vortrag. An der sich . anschließenden Debatte beteiligten sich besonders die Herren: Rabbiner Friedmann, Bernhard Taußig, Adolf Fürst und ein Gast aus Prag. In animierter Stimmitng wurde die Versammlung erst.gegen >411 Uhr geschlossen. Von den anwesenden Gästen, Frauen sowohl als Herren, sind viele dem Vereine als Mitglieder beigetreten. Fiesling. Einen großen Verlust erlitt am 27. vorigen Monats die-hiesige Gemeinde. Herr Moritz Kaufmann, Chef der Firma Gebrüder Kaufmann, ist uns plötzlich durch seinen allzufrühen Tod entrissen worden. Was die hiesige Gemeinde an dem Verblichenenjverloren hat, dessen sind sich alle Mitglieder bewußt. Er war lange Jahre hindurch Vorsteher der Chewra Kadischa und versah dieses Amt in gewissenhafter'Weise und treuer Pflichterfüllung. Von der großen Beliebtheit, deren er sich inallen, auch in den nichtjüdischen Kreisen erfreute, zeugte das Leichenbegängniß, an welchem die ganze Bevölkerung ^theilnahm. Auch von der Ferne kamen Viele, um dem Verstorbenen das letzte Geleite zu geben. Nachdem Herr Cantor B. Insel das Schiwissi in erhebender Weise vorgetragen hatte, hielt Herr Rabbiner Dr. Morgenstern ans Jamnitz dem allgemein betrauerten Dahingeschiedenen einen tiefempfundenen Nachruf. S. K. ZZudapest. Im israelitischen Cultustempel in der Dohäny-utcza wurde Sonntag, den 3. d. M. Fräulein Bertha ^Griin, Tochter des Budapester Großhändlers Ludwig.Grün, dem Bielitzer Fabrikanten Hugo Krieger angetraut. Prediger Dr. Kayserling richtete an das Brautpaar eine-erhebende Ansprache, Oberkantor - Professor Lazarus besorgte in künstlerischer Weise den gesanglichen Theil der Zeremonie. Der Trauung wohnte ein zahlreiches Publikum bei. Attofen. Am 27. April wurde in dem prachtvollem, feenhaft beleuchteten Altofner Tempel Herr Tortes Henrik, Kaufmann aus Budapest, mit dem anmuthigen Fräulein Clza Unterberg. Tochter des hiesigen hochgeachteten Arztes Dr. Adolf Unterberg, getraut. Sr. Ehrw. Herr Dr. Elias Adler, unser allverehrter Oberrabbiner wie auch unser allbeliebter Obencantor Süßkind Rosenbaum versahen den Trauungsakt in solch! ausgezeichneter Weise, daß der Pater des Bräutigams, Herr Reicher! Friedrik aus Wien, sich veranlaßt sah, tausend Kronen - für wohtthätige j Zwecke zu spenden. -