Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1903-05-08 · Heft 18 (8.5.1903) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1903
Issue
Heft 18 (8.5.1903)
Date
1903-05-08
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3062972-3063163-3063181--02470-3069148
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

N». 18 Die Ivahrheit. Seite 7. nach Stand und Nationalität von einander sondern und abschließen. Da ist es nun hochfreulich, wenn aus dieser allgemeinen Trübnis, wie leuchtende Sterne, Werke des Erbarmens und der Menschenfreundlichkeit hervortreten, die durch den Edelsinn hochherziger Männer und Frauen geschaffen wurden. Eines dieser Werke feiert am heutigen Tage, seine Vollendung. Zum äußere»! Zeichen der Beendigung aller Bauarbeiten, überreiche ich Ihnen, hochverehrter Herr Präsident, die Schlüssel dieses Hauses. Möge dieses Haus seinem menschenfreundlichen Zwecke voll und ganz entsprechen. Möge es durch eine lauge Reihe von Jahren bestehen, zu Nutz und Fromme» der leidenden Menschheit, auf daß es noch in fernen Zeiten den edlen Sinn seiner Begründer verkünde. Das walte Gott! Lebhafte Bravorufe folgten seinen Worten. Herr Cultusvorsteher Ludwig Moser übernahm nun den Schlüssel »tnd hielt dann folgende Ansprache! Gern und mit Dank übernehme ich, hochgeehrter Herr Baurat, namens unserer Gemeinde den Schlüssel zu den Pforten dieses neuen Hauses, in welchem eine Anzahl der an unseren gottbegnadeten Quellen Genesung Suchenden eine den humanitären Zwecken entsprechende Unterkunft finden wird. Sie haben mit diesem Baue neuerlich ein Reis in den Ruhmeskranz Ihres erfolgreichen Wirkens geflochten und den vollsten Anspruch aus unsere besondere innige Dankbarkeit erworben. Auch Ihnen, geehrter Herr Stadtbaumeister gebührt Anerkennung und Dank für die solide und umsichtige Durchführung der baulichen Arbeiten, den ich Ihnen hierdurch mit Geuugtung darbringe. Gleichzeitig danke ich unserem Bauleiter, Herrn Friedrich Wohlmeyer, für dessen sorgfältige gewissenhafte Führung des Baues. Hochgeehrte Festgäste! Vor mehr als 50 Jahren wurde von zllmeist Prager Wohlthätern ein israelitisches K»»rhaus in Karlsbad errichtet. Nur einige wenige Israeliten waren damals hier ansässig und deshalb geschah die Verwaltung dieses Kurhauses von Prag aus. Erst 20 Jahre später wurde die hiesige Cultusgemeinde gezündet, und mit ihren» seitherigen Wachstum ging die Frequenzzunahnie an Hilfsbedürftigen parallel. Stellen Sie doch das Karlsbad von heute dem Karlsbad von vor 50 Jahren gegenüber und Sie werden finden, daß mit dem Maßstab von damals die heutigen Verhältnisse nicht mehr gemessen werden können. Längst schon erwies sich daher das kleine Hospital in der Hele»»enstraße als, unzureichend, und längst schon strebte daher unsere Cultusgemeinde nach Abhilfe. Zwar wurde alljährlich zur Errichtung eitles zeitgemäßen Hospizes ein Betrag in unser Budget eingestellt, aber nur langsam, sehrlangsam vermehrte sich dieser Fonds, und die Idee blieb Projekt. Doch da mit einemmale sollte das Projekt seiner Verwirklichung eutgegenreisen. Das 50jährige Regierungsjubiläum unseres geliebten Monarchen, welches den Wohltätigkeitssinn des gesamten dankerfüllten Oesterreichs neu belebt und überaus gesteigert hat, gab der Repräsentanz der Cultusgemeinde den Anstoß zu dein Beschlüsse, nunmehr ernstlich an die Errichtung eines Hospizes mit einen» Fassungsraum von wenigstens 100 Betten zu schreiten. Edle Wohltäter, warm empfindende Herren, bewogen durch die Beredtsamkeit und lebhafte Schilderung »»nseres hochgeschätzten Rabbiners Herrn Dr. Ziegler, spendeten bedeutende Suinmen und ermöglichten es uns, vor 2 Jahren dieses der Huinanitäl gewidmete Institut nach den Plänen des Herrn Baurats Wilhelm Stiasny in Wien ins Werk zu setzen. Kurbedürftige Arme sollen während ihres »nehrwöchentlichen Aufenthaltes in Karlsbad eine Heirnatstätte finden, in der sie sich wohl fühlen, in der ihre durch die Heilkraft unserer Quellen bewirkte Genesung auch häuslich eine Förderung erfahren sollte, und de»nentsprechend sollte diese Anstallt erbaut, dementspechend sollte sie eingerichtet werden. Ob nnn dies gelungen ist, »nögen Sie hochverehrte Festgäste, bei Besichtigung des Hauses selbst beurtheilen. Der Redner dankte hierauf allen Jenen, die die Errichtung und den Bau der Anstalt gefördert habe»» und schloß mit einem dreifachen Hoch auf Se. Majestät den Kaiser, in welches die Versammlung begeistert einftiinrnte, worauf eine Strophe der Volkshymne gesungen wurde. Nach der geistvollen Rede des Herrn Rabbiner Dr. Ziegler, welcher über den Begriff der Nächstenliebe im Sinne der jüdischen Religion sprach, tvelche Huinanität nicht als Gnade, sondern als Abstattung der Dankesschuld an J)ie Vorsehung betrachtet, ergriff der Chefarzt des neuen Hospizes, Herr Dr. Richard Rosenfeld, das Wort. Seine von idealem Geiste getragenen Ausführungen über den ärztlichen Wirkungskreis a»l einer solchen Stätte klangen in den Wunsch ans, daß das Leiden, das sich uns hier anvertraut, iu Genesungsfreude gewandelt aus diesen Mauern gehen »nöge, Zeugnis gebend von den Edlen, Hilfreichen und Guten, die dies Haus geschaffen und gefördert, Zeugnis auch von den guten Geistern, in deren Obhur es steht: von den Lehren der Wissenschaft und den Geboten der Humanität. An die Feier schloß sich sodann ein Rundgang im Hause und die Besichtigung der Räume desselben. Allgemein fand die Eiilteiluilg und Einrichtung rückhaltlose Anerkennung. Aus der öudapester Cultusgemeinde. Der Repräsentantenkörper der Pester israel. Religiousgemeinde hielt Sonntag den 3. Mai unter dem Vorsitze des Präsidenten Hofrat Sigmund Kohner seine Generalversammlung ab, an der die Repräsentanten beinahe vollzählig teil* nahmen. Als erster Punkt der Tagesordnung gelaugte der Bericht über das Verwaltungsjahr 1902 zur Verlesung. Der Bericht befaßt sich ausführlich mit den einzelnen Sektionen der Gemeinde. Die Unterrichtsseetion hat die Frage der Errichtung israelitischer Mittelschulen eingehend studirt und wird zur Klärung der aufgetauchten abweichenden Meinungen eine Konferenz heroorragender israelitischer Fachmänner einberufen. Die verschiedenen Schulinstitutionen der Ge»neinde weisen einen erfreulichen Fortschritt auf. Einen hervorragenden Abschnitt des Berichtes bildet die Tätigkeit der Woltätigkeitssection. Den gegenwärtigen ungünstigen. Verhästniffen ist es zuzuschreiben, daß die auf die Woltätigkeit der Gemeinde angewiesenen Personen wesentlich zugenommeu Haben, so daß der Vorstand das schon ohnehin bedeutende Präliminare um 5467 Kronen überschreiten mußte. Außer den in Naturalien und an Heiratsausstattungsbeiträgen gewährten Unterstützungen gelangten im Berichtsjahre 91.700 Kronen zur Verteilung. Die Spitalssection weist gleichfalls eine gesteigerte Tätigkeit auf, indem die Zahl der behandelten Kranken wesentlich zvgenommen hat. Unter den ambulanten Kranken gehören 56% anderen Confefsionen an. Im Adele Brödy-Kinderspital wurden im Jahre 1902 um 800 Kranke mehr behandelt als im Vorjahre. Das israelitische Kuabenwaisenhaus hat tut Schuljahre 1902/1903 seine Schulen wieder erweitert. Die Zahl der Zöglinge betrug 192. — Im israelitischen Landes- Taubstuulmen-Jnstitute erhielten 91 Zöglinge vollständige Verpflegung und Unterricht. Auch die übrigen Sektionen der Gemeinde weisen eine erfolgreiche ersprießliche Tätigkeit auf. Nach Verlesung des Berichtes beantragte Adolf von Fenyveffy, dem Vorstande für die in allen Zweigen der Gemeindeverwaltung bekundete erfolgreiche Thätigkeit 'Anerkennung und Dank zu votiren. Gleichzeitig beantragte er, die General- Versammlung möge über die allerhöchste Auszeichnung, welche dem von Allen hochgeehrten Präsidenten Sigmund Kohner durch Verleihung des Hofratstitels zuteil geworden, im Protokolle ihrer Freude Ausdruck geben. Auch die Gemeinde wurde durch diese Auszeichnung geehrt, welche iu den weitesten Kreisen mit aufrichtiger Freude aufgenommeu wurde. Die Generalversammlung nahm diese Anträge mit Begeisterung an, worauf Präsident Sigmund Kohner in einer herzlichen Rede für diese Zeichen der Anhänglichkeit und Sympathie dankte.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.