Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1903
- Issue
- Heft 18 (8.5.1903)
- Date
- 1903-05-08
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3062972-3063163-3063181--02472-3069150- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Mr. 18. ir.-nngnr. Canloren-Zeitung. Aeilage zur Zeitschrift „Die Wahrheit." 23. Iahrg. Äu« dem „Oesterr.-ungar. Cantoreil-Verein". Die Durchführung der Berufsorganisation veranlaßt den nengewählten Vorstand des österreichisch - ungarischen Cantoren- Vereines zu erhöhter Thätigkeit und so wurden in den letzen Wochen in rascher Aufeinanderfolge die Vorstandssitznngen abgehalten. Die beiden letzten fanden am 30. April und am 5. Mai unter dem Vorsitze des Präsidenten I. Singer und des I. Präses- Stellvertreter I. Bauer statt. Anwesend waren die Herren: II. Präses-Stellvertreter M. Blatt, Cassier M. Schorr und die Vorsteher Ph. Bassel, D. Fuchs, S. Jurberger, A. Knlka, Z. Löwit, M. Löwy-Floridsdvrf, E. Regner und I. Schlesinger. Nach Amtseinführung des neuen Cassiers M. Schorr und Cooptierung des CoUegen Ji Rothwein als Vorsteher stellte I. Löwit den Antrag zur Gründung einer besonderen Casse behufs Unterstützung solcher in.Notlage befindlicher durch Wien durchreisender College«, die nicht Mitglieder des Vereines sind und aus der Vereinscasse nicht unterstützt werden können. Der Antiag fand allseitige Unterstützung, doch wurde die Durchführung desselben für eine der nächsten Sitzungen vertagt. .Weiters gelangte über Anregung desselben Collegen die Entlassung eines an einem Wiener Tempelvereine angestellten Cautors zur Discussion und wurde diesfalls beschlossen, zunächst genaue Informationen nach allen Richtungen einzuholen. Mit dieser Angelegenheit beschäftigte sich ausschließlich die am 5. Mai stattgehabte Sitzung, zu welcher der betreffende College auch zugezogen wurde. Nach Erstattung der durch den Vereinssekretär eingeholten Informationen beschloß der Vorstand, für den betroffenen CoUegen mit aller Energie einzutreten und unter Anderem auch eine Eingabe an den Vorstand des. Tempelvereines zu richten. -i- ' * * Im letzten Ausweis der Vereinsbeiträge wurde der Name des Collegen G. Samek-Schütlenhofen irrthümlich weggelassen und weiters hieß es daselbst: S. Grünstein-Jägerndors statt: S. Grünblatt-Jägerndorf. Verschiedene Nachrichten. Wien. Der litterarische Geselligkeits-Verein jüd. Mädchen „Moria" hat Sonntag, den 3. d. M. seine diesjährige Schlußversammlmig abgehalten und den Beschluß gefaßt, jeden 2. Sonntag Ausflüge in die Umgebung Wiens' zu veranstalten. Näheres hierüber bei der Präsidentin Berta Hermann VIII. Josesstädterstraße 9. Wien. Durch Verbindung mit der im XII. Bezirke bestandener Prager-Schnl hat sich der Bethausverein „Emunas Awes" im XIV. Bez Storcheugasse 21 bedeutend vergrößert. Infolge dessen sah sich den Vorstand veranlaßt, nebst dem sehr beliebten, charktervollen und seit 29 Jahren zur vollsten Zufriedenheit fungirenden Cantor Karl Grünseld noch Herrn Qbercantor M. Balogh anzustellen, der bereits zu Peßach mit großem Beifalle fungirte. Zwischen beiden Funktionären herrscht größte Harmonie und Eintracht. Hedeuöurg. Am 27. April fand im hiesigen orthodoxen Tempel die Trauung des Herrn Julius Weiß mit der Nichte des Herrn Obercantors Bela Gutmann aus Wien, Fräulein Fanny Weiß aus Martinsberg, statt. Den Trauungsakt, dem ein zahlreiches, distinguirtes Publikum beiwohnte, vollzogen Herr Rabbiner Grünwald und der Bruder des Bräutigams, Herr Qbercantor Jenö Weiß aus Zala Egerszeg. Allgemein hieß es, daß in Oedenburg schon lange eine so schöne Hochzeit nicht gesehen wurde. Bei der Hochzeitstafel, an welcher die Cantoren Deutsch, Kirschbaum und Frischmann theilnahmen, sang Qbercantor Gutmann, der auch die Function des „Bentscheu" versah, mehrere mit Enthusiasmus aufgenommene Lieder und Herr Rabbiner Grünwald hielt eine sehr schöne Rede. Hroßwardein. Für die hiesige Fortschrittsgemeinde wurde Herr Leon Rosenzweig, bisher in Nagy-Körös, als Qbercantor einstimmig gewählt. Hteiwitz. Wer die Gemeindeverhältnisse der Provinz Schlesien kennt, weiß, daß sich in Gleiwitz von Generation aus Generation jüdische Intelligenz und Humanität vererbte, daß sie eine Elite-Gemeiude von altersher ist. Wie vorbildlich das Verhältnis von Gemeinde zu Beamten ist, das konnte der stille Beobachter am 28. April d. I. erfahren, an dem Hochzeitstage des Gleiwitzer Obercantors Magnus Davidsohn. Ein unübersehbares Publikum im herrlich geschmückten Tempel, alle Schichten der Bevölkerung vertreten, Juden und Christen. Auf dem Chor die Negimentscapelle, der Capellmeister in Parade-Uniform an der Spitze. Herrlich klang die Trauungsmusik, der Birnbaum'sche Ni addir, der Sulzer'sche Mehoro, .letzterer in modernste Stimmführung übertragen und virtuos orchestrirt für großes Orchester vom Bruder des Bräutigams Eugen Dawison, Qbercantor in Teplitz. Herr Rabbiner Dr. Münz erinnerte in seiner tief zu Gemüt gehenden Traurede an den verewigten Vater der Braut, gedachte jenes Mannes, der jahrelang Vorsteher der Gleiwitzer Chewra Kadischa mit seinem Denken und Wirken gewissermaßen das Programm der Gemeinde verkörperte. Geräte und Kostbarkeiten in schwerem Silber bildeten das Hochzeitsangebinde der Gemeinde, Die Vorstandsmitglieder einzeln brachten ebenfalls kostbare Geschenke, ebenso eine Unzahl von Mitgliedern dieser Prachtgemeinde. Bei Tische sprachen Herr Dr. Münz über die Verbindung von Kunst und Religion im Cantorat, (Bravo Herr Rabbiner!) und seine Worte könnten ein Programm für den Cantor der Neuzeit bedeuten. Im Namen des Bor-! standes sprach Herr Alfred Fränkel, im Namen der Repräsentanz Herr | Rechtsanwalt Kochmann. Herr Qbercantor Dawison entwarf hierauf in I seinen Dankesworten für alle Ehrungen eine Summe von Amts- und! Familien-Schilderungen, die dort einsetzten, wo der alte, im Amte er« i graute Cantor Davidsohn, der Vater des Bräutigams, seine Tätigkeit j in Schlesien im Jahre 1864 begann, und in dessen nächster Nähe heute I sein Sohn inmitten einer neuen Generation einen bisher künstlerisch mehr! zum Worte kommenden Beruf vertritt. In die Hunderte wuchs die z Zahl der eingelaufenen Telegramme an. Mit solchen Ovationen wird nicht! blos der Beteiligte selbst geehrt, sondern der ganze Stand. Solche; Gemeinden mögen aber unserem Stand viele erstehen. Berlin. Der Verein Israelitisches Heimathaus und Volksküche,! Gormannstraße 3, begründet von Hermann und Johanna Abraham, hielt! am 31. März seine General-Versammlung ab, danach sind im letzten! Geschäftsjahre 1902 verteilt worden: I. In der Volksküche: 1. Mittagsportionen von 10—20 Psg. 40.028 Portionen, unentgeltlich 7907 Por- : Honen, zusammen 47.935 Portionen. 2. Abendportionen von 10—2(4; Pfennig 13.254 Portionen, unentgeltlich 5542 Portionen, zusammen! 18.796 Portionen, das ist im Ganzen 66.731 Portionen. II. In der - Kochschule: 1. Mittagsportionen von 10—40 Psg. 33.325 Portionen. > unentgeltlich 10.599 Portionen, zusammen 43.924 Portionen: 2. Abendl Portionen von 10—30 Psg. 14.305 Portionen, unentgeltlich 8070 Pori tionen. das ist im Ganzen 66.299 Portionen, oder in der Volksküche und I Kochschule zusammen 133.030 Portionen. Während des Berichtsjahres , bildete die Anstalt 18 Kochschülerinnen aus. Das Altenheim beherbergte j im Jahre 1902 durchschnittlich 48 Greise beiderlei Geschechtes. Im! Mädchenheim fanden 119 junge Mädchen ihr Unterkommen. Von diesen! waren: 20 Schneiderinnen, 25 Verkäuferinnen, 22 Wirtschafterinnen, \ 10 Schülerinnen der Handelsschule und 'Akademie, 2 Kassierinnen, 3 zur j Kur hier, 2 Pflegerinnen, 1 Capedientin, 11 Buchhalterinnen, l Kurbel- - stepperin, 3 Putzmacherinnen. 4 Lehrerinnen, 2 Stenographistinnen, j 3 Musikstudirende, 6 Lehrmädchen, 2 Cigarettenarbeiterinnen, 2 Zuschneiderinnen. Ooncuxs. Ein geprüfter Religionslehrer womöglich auch für Mittelschüler, geschulter Cantor und Schächter wird pro 1. September 1903 mit einem Fixum von jährlich 1000 Kronen, freie Wohnung und den üblichen Emolumenten aufgenommen. Es sind auch einträgliche Privatstunden im Religionsunterrichte erhältlich. Offerte mit Zeugnisabschriften und Photografie sind an den Torstand des israelitischen Cultusvereines in Freiberg Mähren zu richten. Freiberg, 20. März 1903. Für den Vorstand des israelitischen Cultusvereines: Sigmund Moser