Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1903
- Issue
- Heft 18 (8.5.1903)
- Date
- 1903-05-08
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Sette 6 Die Wahrheit. Nr. 18. Herrn kaiserlicher Rat Weil eine Buchrevision durch die Mitglieder des betreffenden Komitüs, die Herren Hermann Eltbogen, kaiserlicher Rat Hirsch, Gottlieb Taussig und Heinrich Teltscher, vorgenommen .und hiebei die vollständige Ordnung in der Buchführung konstatiert wurde. Der Vorsitzende bringt ferner zur Kenntnis, daß im Sinne des § 91 des Statutes das Vertreter-Kollegium die Rechnungsabschlüsse über die Einnahmen und Ausgaben der Kultnsgemeinde und sämmtsicher unter Gemeindeverwaltung stehender Fonde und Anstalten für das Jahr 1902 vorgelegt habe, daß die Rechnungsabschlüsse zur Einsicht.der Gemeindemitglieder aufliegen und die vorgeschriebene Verlautbarung am 26. April 1903 in der »Wiener Zeitung" erschienen sei; die öffentliche Plenarsitzung für die definitive Erledigung des Rechnungsabschlusses werde sohin am Sonntag, den 10. Mai 1903 stattfinden. Vize-Präsident Dr. Kohn referiert in Angelegenheit der Besetzung der durch das Ableben des Herrn Moriz Karpeles freigewordeneu Stelle eines Kurators der Viktor Ritter von Boschau'schen Kranken-Stistnng und beantragtHamens des Vertreter-Kollegiums, Herrn Kultusvorsteher Dr. Breuer in das Kuratorium dieser-Stiftung zu berufen. (Zustimmung.) -Weiters referiert Herr Vize-Präsident Dr. Kohn betrefiend die.Besetzung der Stelle eines ständigen Obmannes für die Schiedsgerichte, welche im Sinne des §100 des Kultusgemeinde- Statutes durch die Wahl des Herrn Heinrich Teltscher in den Kultnsvorstand erledigt ist, und beantragt namens des Vertreter- Kollegiums j an Stelle des ausgeschiedenen Herrn Heinrich Teltscher, Herrn Maximilian Paul-Schiff als ständigen Obmann für eine dreijährige Funktionsdanw in das Schiedsrichter-Kollegium zu berufen. (Zustimmung ) Sekretär kaiserlicher Rat Dr. Lieben referiert in Stiftungs- Angelegenheiten. Aus der Dr. Adolf Sacks'schen Stiftung für Techniker wird ein Stipendium im Betrage von K. 600.—, bezüglich dessen Verleihung in der Plenarsitzung vom 1. März 1903 weitere Erhebungen durch das Vertreter-Kollegium angeordnet wurden, gemäß den Anträgen desselben je zur Hälfte . mit je K. 300.— für das erste, beziehungsweise zweite Semester deß Studienjahres 1902—1903 zwei Hörern der technischen Hochschule zuerkanut. Der Preis aus der Ignaz Blumenfeld'schen Stiftung für Künstler im Betrage von K. 1850.—, welcher im diesem Jahre einem Bildhauer zuzufallen hat, wird über Vorschlag des ans Professoren der Wiener Akademie der bildenden Künste bestehenden Zensur-Kollegiums und im Sinne des Vertreter-Antrages dem. - Bildhauer Richard Hadl verliehen. — Die Abel Rappoport'sch- Studenten-Stiftung mit dem Jahreserträgnisse von K. 1100.— wird über Antrag des Vertreter-Kollegiums einem Hörer drs II. Jahrganges der Wiener medizinischen Fakultät zuerkanut. — Üeber das Referat betreffend die Austeilung der Erträgnisse per K. 47500.— des Dr. H. S. Goldschmidt-Legates auf ver- , schiedene gemeinnützige Institute, insbesondere Lehranstalten, entwickelt sich eine längere Debatte, an welcher sich die Herren Solo Cohn, kaiserlicher Rat Hirsch, Dr. Katzau, Vize-Präsident Dr. Kohn, Theodor Ritter von Taussig und Heinrich Teltscher beteiligen. Nachdem sich bei den Zuweisungen ans Grund der verschiedenen Anträge ein. Fehlbetrag von K. 1000.— ergibt und Herrn Kultusvorsicher Rudolf Auspitz durch eine Spende von K. 1000. eine Ausgleichung der verschiedenen- Ansprüche ermöglicht, wird die Austeilung worgenommen und dem Spender ' der. Dank ausgesprochen. — : _ •■f Nach Erledigung von Personalien wird die Sitzung um;9 Uhr abends geschloffen. Kaiser Franz Josef Regierizags-Iabiläums-Hospiz > für arme Israeliteil in Karlsbad. : ' In dem nunmehr vollendeten neuen, der Humanität gewidmeten Heim oberhalb der Eiseubäder wurde -am. 29. April die'Eröffnung festlich begangen. Der Vorstand der israelitischen Cnliusgemeinde hatte zu der Eröffnungsfeier eingeladen und es versammelten sich um 11 Uhr Vorm, die Festgäste in dem festlich dekorierten Saale. Von offiziellen Persönlichkeiten waren erschienen die Herren Statthaltereirat Dr. Ritter von Maurig, Oberbezirksarzt Dr. Ritter von Hochberger, Militärbadehauskommandant Oberst Dalmata von Hideghet, Stabsarzt Schmiedinger, Korvetten-Kapitän Frankl, Bürgermeister Ludwig Schäffler, Stadtrat Dr. Pleschner, Landesgerichtsrat Hönl und Oberpostverwalter Bittner, weiters eine zahlreiche Festversammlung und auch viele Damen. Inmitten des Saales gruppierte sich die Repräsentanz der Cultnsgemeinde um das schwarz-gelb drappierte Rednerpult. Die Feier begann mit einem vom Chorgesangvereine mit Harmoniumbegleitung vorgetragenen Ehorale. Als erster Redner sprach Baurat Stiasnh aus Wien. Er sagte: Hochansehnliche Versammlung! Der Vorstand der israelitischen Cnltusgemeln.de Karlsbad, hat den hochherzigen Beschluß gefaßt, zur Erinnerung an das 50jährige Jubiläum der glorreichen Regierung Seiner Majestät des Kaisers Franz Josef I., ein Hospiz zu gründen, in wechein arme, kranke Israeliten ohne Unterschied der Nationalität eine wohnliche Heimstätte und. sorgfältge Pflege für die Dauer ihres. Kuraufenthaltes in dieser Stadt finden sollen. Den rastlosen Bemühungen des hochgeehrten Vorstandes und des allverehrten Seelsorgers dieser- Gemeinde ist es gelungen, die ansehnlichen Mittel zu beschaffen, welche erforderlich waren, den Baugrund zu erwerben, ein den Anforderungen der Humanität und der modernen Hygiene entsprechendes Haus zu errichten und auch den Bestand desselben zu sichern. Der geehrte Cultusvorständ hat mir eine hohe Auszeichnung zuteil werden lassen, indem er mich mit der Verfassung der Pläne und der Leitung der Arbeiten für diese Bau betraut hat. Mit mir fühlen sich .aber auch jene eifrigen und verdienstvollen Geschäftsleute und Baufirmen geehrt, welche die Durchführung der einzelnen Bauarbeiten durch Sie, meine sehr geehrten Herrn, überwiesen worden ist. Am heutigen Tage wird mir die Aufgabe zuteil, das vollendete Gebäude dem geehrten Cultusvorstande zu übergeben, damit es seinem gemeinnützigen Zwecke zugeführt werde. Der Vorsehung hat es gefallen, unser Werk zu schützen, so daß unsere Arbeiten ohne Fehl und Unbill zu einem gedeihlichen Abschlüsse gebracht werden konnten; ihr sei zuförderst unser Dank in Demut dargebracht. In diesem Augenblicke drängt es mich auch, den herzlichsten Dank für das Wohlwollen und die Unterstützung auszusprechen, welche unseren Arbeiten durch die Gemeindevertretung dieser altberühmten Stadt zuteil geworden ist. So ist es mir ein wahres Herzensbedürfnis, den Gefühlen hoher Achtung und Verehrung Ausdruck zu geben, welche ich für den Bürgermeister dieser Stadt empfinde, für einen Mann, der sich allgemeinen Ansehens und der erforderlichen Sympathie seiner Mitbürger erfreut und welcher uns als ein Vorbild aller Bürger- und Mannestugendeu erscheint. Innigster Dank gebührt dem geehrten Cultusvorstande, vor allein aber Ihnen, hochverehrter Herr Präsident, da Sie mit unermüdlichem Eifer und mit seltener Pflichttreue alle Arbeiten geleitet haben, welche nötig waren, um diesen Bau ins Leben zu rufen und zu sichern; in gleicher Weise Ihrem geehrten Stellvertreter, welcher in treu.r Freundschaft für Sie und mit Hingebung für die gemeinsame Ausgabe Sie in Ihrem Werke unterstützt hat. Sie meine Herren und die gesammten Mitglieder der Bauleitung seien herzlichft bedankt; insbesondere aber gilt dies dem hochwürdigen Rabbiner Dr. Ziegler, der mit wahrer Begeisterung und in rastloser Thätigkeit die Mittel zur Errichtung dieses Werkes beschafft und sein Zustandekommen geistig beeinflußt hat. Den besten Dank sage ich endlich meinen geschätzten Mitarbeitern bei dieser Ballführung, die alle ihr Bestes darzubieten bestrebt waren, dem Baumeister Josef Waldert, der seines Amtes mit voller Hingabe gewaltet hat, meinem langjährigen Mitarbeiter Architekten Reiser, der mit Pflichttreue und in meinem Sinne die Durchführung der einzelnen Teile dieses Hauses überwacht hat, und dem umsichtigen Bauleiter Wohlmayer. Hochansehnliche Versammlung! Wir leben in einer Zeit, in welcher sich in betrübender Weise die Menschen nach Rasse und Konfession,