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Die Wahrheit · 1903-05-08 · Heft 18 (8.5.1903) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1903
Issue
Heft 18 (8.5.1903)
Date
1903-05-08
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr: 39. Viewahrhett gebietet uns Kürze, und wollen wir nur das Wichtigste hervorheben. Bemerkenswerth sind zunächst die zwei Bücher „Die Stiftshütte" und „Beschreibung Alt-Jerusalems". Für den ersten Lese-Unterricht sehen wir die Fibeln von Zeckendorf und Epstcin, Redlich. Bondi, Fuchs und Oser Weiner; letzere nicht approbirt. Was hier sofort in die Augen fällt, ist der Mangel an Wandtabellen. Außer dem fliegenden Alphabet von Deutsch fehlt jedes Hilfsmittel zu einem Massenunterricht. Das etwaige Vorfchreiben an der Schultafel ist Zeitverschwendung und unverantwortlich^ weil für den ersten Lesk-Untericht wöchentlich nur eine halbe Lehrstunde frei bleibt. Die zweite Halbstunde gehört für die biblische Geschichte und das Memoriren von Benedictionen. Meistens wird sogar nach alter Art Einzelunterricht betrieben. Auf diese Weise ist es leicht erklärlich, daß ein jüdisches Kind selten in der Schule das Hebräische lesen lernt. Herr- Fuchs hat zwar Lesetabellen zusammengestellt, aber die werden säst nirgends benützt. Es mag ja Vorkommen, daß pflichtgetreue Lehrer sich selbst .Hilfsmittel verfertigen; das thnn aber nicht alle, und jeder Lehrer soll bemüssigt sein, den Massenunterricht rationell zu betreiben, und. dazu benöthigt er die entsprechenden Hilfsmittel. Biblische Geschichten haben ausgestellt: .Mautner, Kohn und Gerson Wolf, letzere umgearbeitet von Dr. Pollak. Auch von dieser Disciplin muß gesagt werden, daß sie bis jetzt gar nicht in anschaulicher Weise unterrichtet wurde; es kann und darf nicht eingewendet werden, daß dies gegen das zweite jüdische Gebot verstößt; denn Bilder gelehrter, berühmter jüdischer Männer, ja sogar die von Moses' und der hohen Priester sind nichts Seltenes. In der von der Cultusgemeknde an die Religionslehrer herausgegebenen Instruction wird ein ethischer, den Geist des Kindes anregender, für das Judeuthnm begeisternder biblischer Unterricht verlangt, und gewiß mit Recht, da nur ein auf diese Weise ertheilter Unterricht erziehlich, erfolgreich und bleibend ivirkt. Und gerade in dieser Huscht kann Wandel geschaffen werden: Die Ausstellung des Museums besitzt sehr schöne, ausdrucksvolle Anschauungsbilder, herausgegeben von Schnorr v. Carolsfeld in Mannheim, im Verlage von Müller's Fröbelhaus, Wien, IX., Müllnergasse 14, die allen Religionslehrern auf das beste empfohlen werden. Pentateuch haben ausgestellt der bestbekannte pädagogische Schriftsteller Rudolph Fuchs, der mährische, schlesische und der böhmische Lehrerverein. Letzterer eine Uebersetzung in czechischer Sprache. Sonst finden sich Gebetbücher, die Religions- und Sittenlehre, ein Buch für den Jugendgottesdienst und Anderes, was nicht streng dem Unterrichte augehört und also hier nicht besprochen werden kann. Außer den bereits angeführten Schulbüchern finden wir exotische, äußerst seltene und für den Fachmann sehr interessante drei Bücher vor, die uns in die verschiedenen Perioden des israelitischen Alterthums cinführen und die nicht nur dem Inden, sondern auch dem Andersgläubigen zum Studium enipsohlen werden. Das eine Buch vom Autor Wilhelm Reumann (proestantischer Pastor) beschreibt „die Stistshütte in Wort und Bild". Dieser Gelehrte hat es unternommen, in geschickter, fesselnder Art diesogenannte Stiftshütte, die erst Andachtsstätte für den Gottesdienst der Israeliten in der Wüste, vor unseren Augen in Wort und Bild wieder entsteheu zu lassen. Eine Arbeit, die nur dem gelingen kann, der nicht blos die unermeßliche biblische und rabbinische Litteratur vollkommen beherrscht, sondern auch in der Assyriologie und in der Keilinschriftenkunde heimisch ist. Freilich können auch manche Jrrthümer unterlaufen, wenn sie auch bona fide begangen wurden. So gibt er den „Cherubim" eine Deutung, die direct dem zweiten jüdischen Gebote entgegensteht. Solche mystische Erklärungen sind überhaupt gewagt, und es hilft auch dem Verfasser nicht, wenn er seine Erklärungen auf assyrische Quellen znrückführt. Da findet Bestätigung, was Goethe von der Natur in seinem „Faust" sagen laß t: „Geheimnißvoll am lichten Tag läßt sich Natur des Geheimnisses nicht beraube!», und was sie deinem Geist nicht offenbaren mag, das zwingst du ihr nicht ab mit Hebeln unb mit Schrauben". Was und wie die Cherubim waren, wird wol nie erhellt werden. Ebenso unhistorisch ist es, wenn der Verfaffer auf Seite 124, Figur 59, auf die Manna-Urne die Worte Nolo huomer mon in assyrischer Quadratschrift oder auf der Bundeslade in derselben Schrift den Spruch: 8obnvok aäonaj re. erscheinen läßt; denn zur Zeit der Wüstenwanderung bedienten sich die Israeliten der urhebräischen Schrift, die noch viel spater auf den Münzen erscheint, nicht aber der erst später eingebürgerten Qnadratschrift. Immerhin kann Jeder, welcher ei» Jntereffe für Jsrael's Urgeschichte hat und die Spreu von dem Weizen zu unterscheiden weiß, aus diesem Buche viel Wissenswerthes lernen. Auf sicherem historischen Boden steht das zweite Werk: „Beschreibung Jerusalems" von dem Archäologen I. S. Kolbe aus dem Jahre 1883. Dieses Werk führt uns in das Jerusalem des Herodes der den dritten Tempel erbaut hat. Diese Forschung zeigt eine ehrliche, emsige Arbeit eines Alterthumsforschers, der alles-daransetzt uud alles thut, um sein Ziel vollständig zu erreichen^ Du schweigt alle Phantasie, und nur die alten Urkunden reden ihre unzweideutige Sprache. Was der Verfasser, der viermal nach Rom ging, um im Vatican in den alten Urkunden zu forschen, erzählt und darstellt, das beweist er auch. Er appellirt nicht an unsere Phantasieseine Gewissenhaftigkeit bedarf dessen nicht. Zum Schluffe seien hiemit sowok die israelitischen Lehrer und die berufenen Corporationen, sowie Personen im Interesse ihrer Religion ausgesordert, in geistiger und materieller Hinsicht das Institut (das österreichische Schulmuseum), das uns auch bei dem jüdischen Unterrichte den Fortschritt zur Schau zu bringen Hilst, auf das kräftigste zu unterstützen;. denn nur dann kan» diese Stätte neutral und auch für den konfessionellen Unterricht fruchtbar erhalten werden. Bis jetzt betheiligen sich am Schnlmufeum (Gruppe Religion) die israelitische Cnltnsgemeinde Wien, die Verleger Jacob Päschekes in Prag und Joseph Schlesinger in Wien. Wir erwarten aber zuversichtlich rccht bald eine stattliche Anzahl der jüdischen Mitarbeiter verzeichnen zu können. N. Fr. P. Äus der Wiener Lultusgemeinde. Aus der Plenarsitzung des Vorstandes der israelitischen Knltusgemeinde Wien vom 29. April 1903, unter dem Borsitze des I. Vize-Präsidenten Dr. Alfred Stern. (Präsident karserl. Rat Kliuger ist wegen Unwohlseins verhindert, in der Sitzung zu erscheinen) Beginn der Sitzung 6 Uhr abends. In Einlaufe werden bekannt gegeben: An Spenden: Legat des seligen Herrn Hermann Golden» berg K. 2000.— für verschiedene Wohltätigkeits-Institute; von Herrn Kultusvorsteher Salo Cohll zitr Begleichung der Rechnung für Malerarbeiten für den Betpavillon im k. k. allgem. Kranke«« Hause K. 300.—; von Frau Jeanne Dnbs, zur Verteilung an Arme K. 200.—; ans Anlaß des Ablebens ihrer Mutter, Frau Sarah Tepper; von Frau Rosalie Winter, für Arme K. 100.—; aus Anlaß des Sterbetages ihres Gatten, des selige» Herrn Ignaz Winter. Zur Verköstigung armer israelitischer Schulkinder in der Brigittenau: von Herrn W. Bergel K. 8.—; von A. M. K. 6.—; von Else, für Arme K. 3.—; von Herrn Morr; Weiß für Arme der Bezirke Xll—XV anläßlich des Pessachsestes 140 Liter Wein. Entnahmen der Sammelbüchse» im Gemeindebethanse I. Seitenstettellgasse 4; für die israelitische Armen-! anstatt K. 100.60; für die Chewra Kavischa K. 48 22; für! die Armen der öfterr. uug. Gemeinden im heiligen Lande 73.68 i Kronen. Den Spendern wird der Dank votiert. Im Präsidialberichte teilt der Vorsitzende mit, daß am 21. April 1903 unter dem Vorsitze des Obmannftellvertreters

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